Viernheim behält weiße Weste (11. Spieltag)
Das Wetter, das seit Tagen ganz Deutschland in Atem hält, war natürlich ein wesentlicher Aspekt an diesem Spieltag. In Bremen ging es daher erst um 15.30 Uhr los. Das Team von St. Pauli reiste per Flieger an und auch der HSK war erst kurz vor Spielbeginn vor Ort. Doch alle Spiele konnten pünktlich beginnen und alle Mannschaften konnten mit je acht Spielern antreten.
Prominenter Besuch, eingefangen vom Liveübertragungsteam des SC Viernheim: Ingrid Lauterbach und Klaus Bischoff (kommen unten rechts auf die Kamera zu) schauten sich die Begegnungen in Viernheim vor Ort an.
Tabellenführer SC Viernheim fuhr einen ungefährdeten Sieg gegen den erwartungsgemäß ohne Magnus Carlsen angetretenen FC St. Pauli. Am Ende hatten die Hessen mit 5:3 die Nase vorn.
Erstmals traten die Viernheimer mit dem stärksten deutschen Schachehepaar Dennis und Dinara Wagner an (hier im Schachtalk). Beide hatten in dieser Saison schon gespielt, aber noch nicht gemeinsam. Nach ihrem Remis in Runde 3 spielte Dinara auch heute Remis gegen IM Can Ertan. Dabei stand sie mehrfach deutlich besser, ließ aber durch mehrere Fehler den Vorteil liegen. Da Dennis kurz später aber nach einer starken Partie, in der er ab dem 14. Zug seinen Vorteil schnell zum Gewinnvorteil ausbaute, den vollen Punkt gegen IM Bendict Krause einfuhr und etwa eine Stunde zuvor auch Jan Krzysztof Duda gegen Nikolaos Theodorou gewonnen hatte, konnten die Viernheimer ihre Tabellenführung festigen.
Bemerkenswert war das Debüt, das FM Bayastan Sydykov an Brett 8 gab. Mit 14 Jahren ist er bereits der beste Spieler Kirgistans und Nummer 15 der Welt in seinem Jahrgang. Er spielte in seiner ersten Bundesligapartie eine spannende Sizilianischpartie gegen FM Jonah Krause. Auf Anweisung seines Teamchefs nahm Sydykov in dieser immer noch wilden Stellung – die laut Engine ausgeglichen ist – Remis an:
Mit drei Remis und einer Niederlage war der deutsche Teilnehmer am Kandidatenturnier in die Bundesligasaison gestartet. Im fünften Spiel gelang ihm ein überzeugender Sieg gegen den Serben Aleksandar Indjic:
Gata Kamsky und Michal Krasenkow steuerten weitere volle Punkte bei. Somit fiel Rustem Dautovs Niederlage gegen Boban Bogosavljevic nicht mehr ins Gewicht. Mit diesem 5:3-Sieg kämpft sich Deizisau nach dem alles andere als optimalen Saisonstart etwas nach vorn. Deggendorf hofft mit nur zwei Punkten auf den Einsatz der vielen indischen Spitzenspieler – allen voran Arjun Erigaisi, der in dieser Saison neu im Kader steht, aber bislang noch nicht für die Bayern spielte.
Bennet Hagner spielte, wie auch Marius Deuer, der kürzlich alle Voraussetzungen für den Großmeistertitel komplettierte, kürzlich in Hastings. Hagner landete einen Platz hinter dem drittplatzierten Deuer – punktgleich mit ihm, hatte er die etwas schlechtere Wertung. Heute spielte er gegen ein weiteres deutsches Talent: IM Collin Colbow. Beide sind die Nummer 17 in ihren Teams. Während Colbow sein Saisondebüt gab, war es für Hagner bereits die dritte Partie. Letzterer konnte schließlich die Partie für sich entscheiden.
Es war die umkämpfteste Begegnung des heutigen Spieltages. Nur drei Remisen standen fünf entschiedenen Partien gegenüber. Da vier davon an die OSG gingen, gewannen die Favoriten souverän und sicherten sich Rang 2 in der Tabelle. Doch die größte Überraschung landete der Werder-Spieler Jari Reuker. Der IM gewann gegen den 285 Elopunkte höher gerateten Alexander Donchenko:
Ein Wolfhagener sorgte kürzlich für Furore: Vitaly Sivuk gewann das Staufer Open ungeschlagen mit 7,5 aus 9. Er lag damit fünf Plätze vor seinem topgesetzten Vereinskollegen Li Min Peng, den er in Runde 5 schlug. Doch wer Sivuk im Bundesligakader sucht, sucht vergeblich – er spielt für Wolfhagen II in der Oberliga Süd-West. Peng hingegen kam am heutigen Spieltag in der Bundesliga zum Einsatz und spielte gegen den österreichischen IM Konstantin Peyrer mit den weißen Steinen Remis. Bei weiteren vier Remisen reichten die beiden Siege von Maksim Chigaev an Brett 2 gegen Rasmus Svane und von Egor Bogdanov gegen Jakob Weihrauch an Brett 8, um der Favoritenstellung gerecht zu werden. Daran änderte auch die Niederlage Volodymir Onyshchuks gegen Luis Engel an Brett 4 nichts. Während Aufsteiger Wolfhagen weiterhin zu den härtesten Verfolgern der Viernheimer gehört, hat der HSK nach mäßigem Saisonstart nur zwei Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone.
Der Matchwinner für Kirchweyhe hieß Erik van Doel. Er setzte seinen 150-Punkte-Elovorteil um und da alle anderen Partien Remis endeten, stand am Ende ein knapper 4,5:3,5-Sieg gegen den SC Heimbach-Weis-Neuwied. Zwar verkauften sich die Verlierer damit besser, als es zu erwarten war, doch im Kampf gegen den Abstieg bringt es den Verein nicht weiter. Noch hat man aber einen Punkt Vorsprung auf Berlin und Dresden sowie zwei auf den MSA Zugzwang, der ebenso knapp verlor:
Der MSA Zugzwang hatte sicher auf den besonderen Charakter von Stadtderbys gehofft. Denn wenn man nur die Wertungszahlen betrachtet, war der FC Bayern der haushohe Favorit. Nur an Brett 8 hatte der Tabellenletzte MSA einen leichten Elovorteil. Diesen münzte Altmeister Gerald Hertneck auch prompt in einen vollen Punkt um. Und obwohl Stefan Bromberger einen weiteren Siegpunkt für den MSA holte, reichte es nicht. Denn Kirill Alekseenko, Pouya Idani und Alvar Alonso Rosell unterstrichen die Favoritenstellung des FC Bayern und stellten den vielleicht überraschend knappen 4,5:3,5-Sieg sicher. Der MSA Zugzwang kann lediglich positiv bewerten, dass die Abstiegskonkurrenz auch durchweg verlor, aber mit 0 Punkten aus fünf Spielen sieht es nicht gut aus für den Underdog.
Im Kampf des Titelverteidigers Düsseldorfer SK gegen USV TU Dresden war die Heimmannschaft, die erstmals in dieser Saison ohne den kürzlich von Magnus Carlsen entthronten Schnellschachweltmeister von 2024 Volodar Murzin antrat, klarer Favorit. Murzin spielt derzeit beim Tata Steel India. Die erste entschiedene Partie dieses Bundesligaspieltages gab es in Düsseldorf im Kampf an Brett 6.

Dort entschied der Düsseldorfer GM Ravia Haria gegen den Dresdener FM Hans Möhn eine schnelle Angriffspartie mit einem thematischen Läuferopfer auf h7 für sich:

Schwarz hatte seinen Königsflügel in den letzten Zügen sträflich vernachlässigt und zog hier unvorsichtig: 14...Sc5?. Es folgte das immer wieder spielentscheidende, thematische Läuferopfer auf h7 und nach den Zügen 15.Lxh7 Kxh7 16.Dh5+ Kg8 17.Th3 f6 18.Td1 De7 19.Dh7+ Kf7 20.Tg3 Tg8 21.Lh6 Df8 22.Dg6+ Ke7 23.exf6+ gab Schwarz in dieser Stellung auf:

Der König kann nicht ziehen und egal, ob nun 23...Dxf6 oder 23...exf6 gespielt wird, die schwarze Dame geht entweder mit 24.Lg5 oder 24.Lxf8+ verloren. Ein überzeugender weißer Königsangriff!
Mit diesem schnellen und überzeugenden Punkt im Rücken fuhren die Düsseldorfer den 5,5:2,5-Sieg unangefochten ein. Es gewannen außerdem Arthur Pijpers an Brett 5 und Felix Levin an Brett 8.
Ebenfalls in Düsseldorf spielten die SG Solingen und SF Berlin gegeneinander. Wie Düsseldorf war Solingen mit 4 Punkten in die Saison gestartet und Berlin und Dresden mit jeweils nur einem Punkt. Da Solingen die Berliner mit 5:3 schlug, rücken die beiden siegreichen Mannschaften punktgleich in der Tabelle nach oben und die beiden Verlierer können sich auf einen harten Kampf gegen den Abstieg einrichten. Der Sieg von Florian Handke an Brett 8 gegen Magnus Ermitsch, der in der Dezemberdoppelrunde beide Spiele gewann und damit den bislang einzigen Berliner Punkt sicherte, leitete den Solinger Sieg ein. Zwar verlor Jan Smeets gegen Jonasz Baum, doch Markus Ragger und Alexander Krastev ließen keine Zweifel am Sieg des mehrfachen Meisters (zuletzt 2016) aufkommen.
Tabelle nach 5 absolvierten Spieltagen:



