Der SC Viernheim ist Deutscher Meister (14. Spieltag)
Als um 14 Uhr Sophie Lehsnau, Vizepräsidentin des Landessportbunds Berlin, am Brett von Shakhriyar Mamedyarov und Viswanathan Anand 1.e2-e4 zog, war die Vorentscheidung im Meisterschaftsrennen längst gefallen. Aber mit einem Sieg über Viernheim hätte der einstige Serienmeister aus Baden-Baden vor 550 Zuschauern im Willy-Brandt-Haus die Entscheidung zumindest vertagen können.
Als um 17.30 Uhr Dennis Wagner seine Partie gegen Bennet Hagner remis gab, hatte sich das Vertagen erledigt. Viernheim führte 4:3, hatte damit einen Mannschaftspunkt sicher und stand eine Runde vor Schluss als Deutscher Meister 2026 fest – der zweite Titelgewinn der Südhessen nach 2024. Am Ende wurde es ein 4,5:3,5 im Match des Tabellenersten gegen den -zweiten. Mit 28:0 Zählern thronen die Viernheimer einsam und uneinholbar über den Mitbewerbern.
Die 25-köpfige Viernheimer Delegation beim gemütlichen Teil nach dem 4,5:3,5 über die OSG Baden-Baden. | Foto: Angelika Valkova/SC Viernheim
Die Abstiegsfrage
Am Tabellenende könnte nach dem 14. Spieltag ein Absteiger feststehen, würde nicht dieses Gerücht durch das Willy-Brandt-Haus wabern. Bekannt ist, dass die Schachfreunde Wolfhagen sich am Ende dieser Saison aus der Beletage des Denksports zurückziehen. Damit sinkt die Zahl der Absteiger von drei auf zwei. Und damit wiederum steht fest, dass der Tabellenletzte USV TU Dresden trotz eines 5:3 über Werder Bremen den drei Punkte entfernten rettenden 14. Tabellenplatz nicht mehr erreichen kann.
Aber da ist eben dieses Gerücht, aus berufenem Munde zwar, aber bislang nicht zu verifizieren: Angeblich will am Saisonende noch ein zweiter Club aus freien Stücken die Liga verlassen. Käme es so, gäbe es nur noch einen Absteiger. Und damit wären die Dresdner wieder im Geschäft. Einen Punkt hinter MSA Zugzwang liegend, könnte am letzten Spieltag ein Sieg über Kirchweyhe die Dresdner auf den 15. Platz hieven, abhängig vom Münchner Ergebnis im Match gegen den Deutschen Meister 2025 Düsseldorfer SK.
Das Ende der Düsseldorfer Regentschaft
Die einjährige Regentschaft der Rheinländer endet nun, das war klar, aber sie endet trotz immensen personellen Aderlasses mit einem souveränen Klassenerhalt. Nominell war das Team um den einstigen Schnellschach-Weltmeister Volodar Murzin als Abstiegskandidat in die Saison 2025/26 gegangen. Umso glücklicher gab sich Teamchef Jan Werner im Gespräch mit schachbundesliga.de, vorzeitig den Ligaverbleib besiegelt zu haben. Erfolgsrezept: Die neu formierte Mannschaft sei zu einem Team gewachsen, das an jedem Spieltag bis zum Schluss kämpft.
Viernheim und der Teamgeist
Dieses Düsseldorfer Narrativ gleicht demjenigen, das Viernheims Teamchef Stefan Martin wieder und wieder anführt, um die wiederholten Erfolge nicht nur über nominell ebenbürtige Baden-Badener zu erklären. Team- und Kampfgeist brauchte der neue Deutsche Meister an beiden bisherigen Berliner Schachtagen, um mit dem jeweils knappestmöglichen Ergebnis über die beiden Verfolger zu triumphieren.
Baden-Baden hatte Vincent Keymer nach dessen Ausscheiden im chess.com-Open ins Team eingebaut, wo der Weltranglistensiebte am zweiten Brett hinter Exweltmeister Viswanathan Anand Platz nahm. Trotz dieser veritablen Doppelspitze sah es anfangs aus, als liefe es auf einen ungefährdeten Viernheimer Sieg hinaus. Yagiz Kaan Erdogmus, Alexey Sarana und Jorden van Foreest kamen mit deutlichem Vorteil aus der Eröffnung, während auf Baden-Badener Seite keine Vorteile zu erkennen waren.
Dann wurde es knapp. Erdogmus verhedderte sich beim Versuch, gegen Rustam Kasimdzhanov den Sack besonders schön zuzumachen, Vincent Keymers Geschütze zielten bedrohlich auf Aravindhs Königsstellung, und Alexander Donchenko schickte sich an, dem Viernheimer Topscorer Bassem Amin (11/13 bis dahin) die erste Saisonniederlage zuzufügen. Letzteres gelang, aber da Kasimdzhanov sich mit einem halben Punkt zufriedengab und Aravindh ein rettendes Dauerschach fand, triumphierte Viernheim.
Stefan Martin hatte einmal mehr einen Sieg des Teams gesehen – und hob besonders die Leistung von jemandem hervor, der nicht gewonnen hatte. Wie Aravindh gegen Keymer gehalten habe, das sei stark gewesen. Martin freut sich über den zweiten Meistertitel, den der Club auch für die Stadt Viernheim geholt habe. Die Vereinsführung ist den Stadtoberen dankbar für die vielfältige Unterstützung – und möchte ihrer Gemeinde nun in Form von Bekanntheit und Renommee zurückzahlen.
Ein Lasker für Leko
Der Meisterpokal wird erst am Sonntag den Besitzer wechseln, trotzdem gab es schon am Samstag die Übergabe einer Trophäe. Peter Leko, der anlässlich des Spitzenmatches das Bundesliga-Kommentarteam Angelika Valkova und Ilja Zaragatski unterstützte, musste sich für einige Minuten aus dem laufenden Stream zurückziehen. Thomas Weischede, Chef der „Emanuel Lasker Gesellschaft“, verlieh ihm kurz nach Rundenbeginn den „Lasker“.
Wofür? Das konnte Leko hinterher nicht genau erklären. Es seien so viele würdigende, freundliche Worte in seine Richtung gefallen, das könne er gar nicht wiedergeben. Der perfekt Deutsch parlierende Ungar nahm die Würdigung zum Anlass, sich für die anhaltende Unterstützung aus Deutschland in all den Jahren zu bedanken: „Ohne den deutschen Support wäre ich nicht jüngster GM der Welt und auch nicht WM-Herausforderer geworden.“
Alle Ergebnisse des 14. Spieltags:

Diagramme des 14. Spieltags:



