7. Spieltag: Topteams gewinnen – Abstiegszone ohne Punktgewinner
Obwohl wieder einige der größten Namen fehlten – allen voran Magnus Carlsen –, bot der 7. Spieltag der Schachbundesliga hochklassiges Schach: In Hamburg hatte es der Carlsen-Club St. Pauli mit dem noch amtierenden Meister Düsseldorf zu tun. Viernheim, Baden-Baden und Wolfhagen wollten auf jeden Fall ihre Toppositionen verteidigen und im Abstiegskampf stand das Duell zwischen Deggendorf und Berlin im Fokus.
Auch Werder Bremen hatte keine Chance gegen Tabellenführer Viernheim. | Foto: Stefan Spiegel
Baden-Baden spielte wie in den beiden vorgezogenen Januarrunden mit Maxime Vachier-Lagrave am Spitzenbrett. Fabiano Caruana, der am letzten Doppelspieltag mit 1,5 aus 2 sein Saisondebüt gab, fehlte allerdings, da er zur Zeit im St. Louis Masters spielt. Als Topfavorit hat er bislang auch erst ein Remis in dem starken Open abgegeben (außerdem verzichtete er per Bye auf einen weiteren halben Punkt zugunsten eines spielfreien Vormittags). Vincent Keymer hingegen fehlt den Baden-Badenern an diesem Wochenende, da er in Prag spielt. Dennoch hatten die früheren Serienmeister ein sehr starkes Team aufgeboten, mit dem sie aber nur erstaunlich knapp, nämlich mit 4,5:3,5, die beiden Mannschaftspunkte einfuhren. Für den tapfer kämpfenden, aber letztlich doch unterlegenen MSA Zugzwang steht aber am morgigen Sonntag ein sehr wichtiger Kampf gegen den SC Heimbach-Weis-Neuwied an. Gegen dieses Team sollten die Münchener punkten, wenn sie realistische Chancen auf den Klassenerhalt aufrecht erhalten wollen.
So bleiben die Süddeutschen an den Viernheimern dran und fiebern sicher schon dem Spitzenduell am 14. Spieltag entgegen.
Die Viernheimer traten, wie schon die gesamte Saison, ohne Spitzenbrett Nodirbek Abdusattorov an. Der kämpft genau wie Aravindh Chithambaram (Brett 4), Parham Maghsoodloo (Brett 5) und Jorden van Foreest (Brett 7) in Prag um den Turniersieg. Doch mit Jan-Krzysztof Duda, Shakhriyar Mamedyarov und Alexey Sarana waren immerhin drei der Top 8 an Bord. Außerdem spielte mit Dennis und Dinara Wagner auch Deutschlands stärkstes Schachehepaar wieder mit. Dennis allerdings verspielte eine gute Stellung und damit einen noch deutlicheren Sieg für die Tabellenführer:
Wie für alle bisherigen Gegner waren die Viernheimer aber auch für die Gastgeber vom SV Werder Bremen zu stark. Am Ende hieß es 5:3 für die Favoriten.
Weltklasse in Deggendorf. Wie schon in der letzten Doppelrunde, konnte der SV Deggendorf den laut Live-Weltrangliste zehnbesten Spieler der Welt aufbieten: Arjun Erigaisi spielte mit Schwarz eine souveräne Partie. Der Inder schlug den Polen Wojciech Moranda in einer 27 Züge kurzen Partie. Hier die entscheidende Phase:

Dieser souveräne Sieg zum 1:0 gab den vor dem Spieltag nur einen Platz vor der Abstiegszone stehenden Deggendorfern offenbar Rückhalt: Die anderen Bretter konnten insgesamt ausgeglichen gestaltet werden. An Brett 2 gewann Indjic gegen Tomczak, an 7 verlor Delchev gegen Schmidek. Alle anderen Partien endeten Remis und so stand es am Ende 4,5:3,5 für Deggendorf und der Sieg des zur Zeit besten Inders in der Weltrangliste sicherte zwei wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt.
Für den Tabellenletzten setzte es eine deutliche Niederlage: Schon vor der Zeitkontrolle stand es 5:1 für den FC Bayern München gegen den USV TU Dresden. Am Ende stand es 6:2 für die Münchener. Lediglich Mateusz Bartel an Brett 1 konnte einen durchaus beachenswerten Sieg gegen den deutlich besser gerateten Vladimir Fedoseev verbuchen. Die Dresdener fiebern nun sicher dem Sonntagskampf gegen den heute siegreichen SV Deggendorf entgegen. Ein wichtiges Match im Dresdener Kampf um den Anschluss an die Nichtabstiegsplätze.
An Brett 4 wollte der ehemalige deutsche Nationalspieler Liviu-Dieter Nisepeanu auf Dresdener Seite mit einem Figurenopfer einen Schwarzsieg erzielen. Doch am Ende einer recht fehlerreichen Partie behielt der Münchener Spieler Pouya Idani die Oberhand:
Sicher hatten sich die Schachfreunde Deizisau vor der Saison eine bessere Punkteausbeute vorgestellt. Immerhin brachten sie mit dem heutigen 4:4 aber – wie auch der punktgleiche SC HWN – einen weiteren Punkt zwischen sich und die Abstiegszone, da die letzten drei Teams allesamt verloren.
Mit Spannung schauen die deutschen Schachfans zurzeit natürlich auf „ihren“ Teilnehmer am Kandidatenturnier. Die heutige Partie von Matthias Blübaum gegen Leon Livaic aus Kroatien verlief allerdings völlig ausgeglichen und fehlerfrei. Blübaum wählte mit Schwarz die Caro-Kann-Verteidigung und hielt die Partie bis zum Remisschluss im 40. Zug stets ausgeglichen. Für den über 100 Punkte schlechter gerateten Livaic sicher ein zufriedenstellendes Ergebnis. An Brett 3 verlor der Deizisauer Tamas Banusz gegen Jakub Kosakowski, was Zdenko Kozul an Brett 8 aber ausgleichen konnte. Weitere fünf Remis stellten das 4:4 her. Für Heimbach-Weis-Neuwied könnte ein Sieg morgen gegen den MSA Zugzwang bereits einen weitgehenden Befreiungsschlag im Abstiegskampf bedeuten. Deizisau hingegen dürfte es gegen Baden-Baden sehr schwer haben ...
Am längsten lief das hart umkämpfte Match zwischen St.Pauli und Düsseldorf, wo es auch die erste entschiedene Partie des Tages gab. Der Norweger Elham Amar schlug Victor Bologan in einer Kurzpartie:
Dieser Punkt gab den Hamburgern Rückenwind und schließlich ging es mit einem knappen Vorsprung in die Endphase: Beim Stand von 4:3 für die Hamburger spielten nur noch Mikhail Kobalia und Mads Andersen an Brett 5. In folgender Stellung musste Kobalia das Remis und die daraus resultierende Niederlage für das Meisterteam der letzten Saison akzeptieren:
Durch diesen Sieg hat St. Pauli nun inzwischen neun Punkte gesammelt und als Tabellenachter bereits sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Der noch amtierende Meister hingegen kann froh sein, dass die Mannschaften auf den Abstiegsplätzen alle verloren haben. Denn Düsseldorf liegt nun direkt vor der Abstiegszone, hat aber immerhin drei Punkte Vorsprung auf den MSA Zugzwang, SF Berlin und USV TU Dresden.
Wenig Grund zur Aufregung gab es beim Match zwischen dem HSK und der SG Solingen. Die beiden Bundesliga-Dinos spielten 4:4 und alle acht Bretter endeten Remis. Ein Ergebnis, das aus HSK-Sicht vielleicht eine vertane Gelegenheit ist. Denn nach dem Doppelsieg am letzten Spieltag hätte ein Sieg gegen Solingen bedeutet, dass man mit dem mehrfachen Meister nach Punkten gleichgezogen wäre. Morgen geht der HSK dann gegen den Meister der letzten Saison ans Brett und Solingen trifft auf St. Pauli. Bei diesen vier sehr gleichwertig besetzten Teams sind Prognosen über den Spielausgang kaum möglich – es dürfte also spannend zugehen in Hamburg.
Aufsteiger Wolfhagen setzt seine starke erste Bundesligasaison eindrucksvoll fort. Gegen den vor dem Spieltag auf Rang 7 liegenden SK Kirchweyhe gewannen die nach Wertung leicht favorisierten Nordhessen knapp mit 4,5:3,5. Die Routine von Ruslan Ponomariov, dem Weltmeister von 2002, und Yuri Kuzubov, ukrainischer Meister von 2014, entschied letztlich zuungunsten der Niedersachsen, für die lediglich Sasa Martinovic an Brett 6 gewinnen konnte.
Tabelle nach 9 Spieltagen:
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