Viernheim mit 30:0 Punkten, MSA und Dresden steigen ab (15. Spieltag)
Dinara Wagner hatte 40 Züge notiert, aber nur 39 ausgeführt. Der Notationsfehler kostete sie die Partie durch Zeitüberschreitung. Ihr Mann Dennis Wagner saß daneben, tröstete sie – und gewann wenig später seine eigene Partie gegen Lukas Winterberg. Damit war der Mannschaftssieg des SC Viernheim in der letzten Runde sichergestellt: 30:0 Mannschaftspunkte, kein Novum in der Geschichte der Liga, das war den Viernheimern beim Titel vor zwei Jahren schon gelungen, aber 7 Punkte Vorsprung vor dem Feld dürften ein Rekord sein.
Dinara Wagner und der Rest des Viernheimer Teams mit dem Meisterpokal. | Foto: Angelika Valkova/SC Viernheim
Die Meisterfrage war schon vor der 15. Runde geklärt, die Abstiegsfrage nicht. Außerdem mussten die Verfolger Baden-Baden und Wolfhagen im direkten Vergleich klären, wer Vizemeister wird. Alle acht Partien endeten remis. Das 4:4 reichte Baden-Baden. Zwei Brettpunkte Vorsprung sicherten den Vizemeistertitel. Für Wolfhagen, das ohnehin den Rückzug aus der Bundesliga angekündigt hat, war es ein versöhnlicher Abschluss einer starken Saison.
Stefan Martin, Chef und Teamchef des frischgebackenen Meisters, zog eine zufriedene Bilanz mit nachdenklichen Tönen: „Eine fantastische Saison. 30:0 Punkte ist natürlich toll, der Abstand war so groß wie nie zuvor, aber ich wünsche der Liga mehr Spannung", sagte er im Gespräch mit schachbundesliga.de. Im Sinne der Liga und des Publikums wäre es gut, würde es an der Spitze knapper zugehen.
Im Keller besiegelte der SK Kirchweyhe mit einem 5,5:2,5 über Dresden, dass die Sachsen am Ende der Saison die rote Laterne tragen. Knapp darüber steht MSA Zugzwang, das mit sieben Punkten ebenfalls unterm Strich steht. Zu diesen beiden sportlichen Absteigern gesellen sich die SF Wolfhagen, die die Liga freiwillig verlassen.
Bis Freitag müssen alle Clubs für die kommende Saison melden. Dann wird sich offenbaren, ob sich womöglich doch noch etwas verschiebt. Bundesliga-Präsident Markus Schäfer kennt das Gerücht, es wolle noch jemand zurückziehen, misst ihm aber keine allzu große Bedeutung bei: „Solche Gerüchte gibt es jede Saison. Am Freitag wissen wir mehr.“
Die Schachfreunde Berlin hingegen retteten sich. Ein 3:5 gegen Werder Bremen am letzten Spieltag war schmerzhaft, gefährdete aber nicht den Klassenerhalt. Mannschaftsführer Rainer Polzin, der in Berlin eine Doppelrolle als Organisator der Endrunde und Kapitän der Berliner spielte, sagte vor der letzten Runde: „Es ist toll, dass wir drei Punkte aus den Runden 13 und 14 geholt haben. Für uns als Team mit dem geringsten Etat sind 9 Punkte eine gute Bilanz. Schließlich haben wir mindestens zwölfmal gegen deutlich besser besetzte Teams gespielt."
In seiner Rolle als Gastgeber zog Rainer Polzin eine rundum positive Bilanz: „Ich bin extrem zufrieden mit der Endrunde. Ich sehe überall zufriedene Gesichter – egal, ob Zuschauer oder Spieler." Offiziell 1.250 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten die Matches im Willy-Brandt-Haus. Die Live-Analyse mit GM Robert Rabiega zog zeitweise so viele Schachfans in den Raum, dass zusätzliche Stühle herbeigeschafft werden mussten.
Paul Meyer-Dunker vom Berliner Schachverband sprach von einer „wirklich tollen Veranstaltung ohne Pannen" und verwies auf das Rahmenprogramm: Ein Jubiläumsquiz zum 125-jährigen Bestehen des BSV, ein UKA-Cup im Schnellschach mit prominenten Teilnehmern wie Gernot Gauglitz, Richard Lutz, Olaf Gersemann und Reinhard Bütikofer. Für die Zukunft wünscht er sich noch mehr Sichtbarkeit für die Kommentatoren und Medienmacherinnen – namentlich Sonja Bluhm, Katharina Reinecke und Anna-Blume Giede.
Markus Schäfer, Präsident der Schachbundesliga e.V., fasste es so zusammen: „Es fühlte sich an, als wäre ganz Schachdeutschland nach Berlin gekommen." Einen Wermutstropfen fand Schäfer trotzdem: „Es war nicht mehr so spannend an der Spitze.“
Auch Schäfer war in einer Doppelfunktion anwesend. Als Bundesliga-Chef und als Bundesliga-Spieler, der am Finalwochenende dreimal zum Einsatz kam. „Das war so eigentlich nicht geplant.“ Aber der kurzfristige Ausfall eines Spielers habe seinen Einsatz notwendig gemacht. Schäfers Saisonbilanz: 3,5/7, Performance 2520.
Wo die nächste Endrunde der Bundesliga stattfindet, steht schon fest: 2027 in Neuwied.
Alle Ergebnisse des 15. Spieltags:




