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"Freue mich auf unser Match gegen Düsseldorf"

Unser Vorsitzender und Kapitän der Bundesligamannschaft Stefan Martin im Interview über das vergangene Bundesligawochenende, über Terminkollisionen der Liga mit anderen Wettbewerben und die Frage, ob die Bundesliga einen neuen Modus bekommen sollte. Außerdem verrät Stefan vor dem großen Bundesligafinale vom 25. bis 27. April in Deggendorf, ob er noch auf die Titelverteidigung hofft.

Stefan Martin 2024 in Hannover kurz nach dem Gewinn der Meisterschaft. | Foto: Rupert Helbig

Stefan, lass uns aufs Bundesligawochenende zurückschauen. Das Viernheimer 6,5:1,5 gegen den SV Mülheim-Nord in der elften Runde war eine klare Angelegenheit. Das 5:3 in der zwölften gegen den SK Kirchweyhe nicht. „Wackelig“ hast Du gesagt.

Der zweite Kampf war eng. Es lag daran, dass – man glaubt es kaum – drei Figuren eingestellt wurden. In der Bundesliga! Verrückt. Dinara Wagner hat kurz vor der Zeitkontrolle von einem einfachen Fehler profitiert. Auf unserer Seite hat Georg Meier einen Damenfang übersehen. Bassem Amin wäre vor Überraschung fast vom Stuhl gefallen, als sein Gegner patzte. Noch dazu ist Rainer Buhmann in gezielte Vorbereitung gelaufen, hat aber den Kopf aus der Schlinge gezogen.

Es hätte also leicht sehr knapp werden können.

Die Mannschaft hat jetzt nicht zum ersten Mal davon profitiert, dass unsere ersten Bretter stabil sind, diesmal in Person von Parham Maghsoodloo und Aravindh. Darauf können wir uns verlassen, wenn es hinten Wackler gibt.

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"Unsere ersten Bretter stabil": Aravindh und Shakhriyar Mamedyarov. | Foto: Christian Hoffmann

Nach dem bescheidenen Start mit 3:3 Punkten war früh in der Saison klar, die Chance auf die Titelverteidigung ist sehr klein. Seitdem: Nur Siege, oft in starker Besetzung, wenn wir Hikaru Nakamura ausklammern. Das sah nicht aus, als hättet Ihr die Saison frühzeitig abgehakt.

Meisterschaft innerlich abhaken und stark antreten schließt einander ja nicht aus. Mit unserem starken Kader können wir gar nicht anders, als Spieltag für Spieltag eine Top-Mannschaft aufzubieten. Und das wollen wir auch. Gegenüber dem Publikum, unserem Sponsor d-fine und nicht zuletzt der Bundesliga fühlen wir uns verpflichtet, etwas zu bieten.

Am vergangenen Wochenende war die Kollision der Bundesliga mit der Europameisterschaft an allen Spielorten Gesprächsthema. Den Teams fehlten dutzende Spieler, auch dem SC Viernheim.

Wegen der lukrativen Qualifikationsmöglichkeit für den World Cup wollen viele Profis unbedingt Europameisterschaft spielen. Das Turnier ist bei Bundesligaspielern extrem beliebt. Und leider hat die Bundesliga in diesem Jahr keinen Ausweichtermin gefunden.

Wie konnte das passieren?

Im Detail habe ich keinen Einblick in die Vorgänge. Laut einer Stellungnahme der Schachbundesliga hat die ECU überraschend die Einzelmeisterschaft auf ein längst bekanntes Bundesliga-Wochenende gelegt. Laut Turnierordnung hätte der Vorstand danach die Befugnis gehabt, den Termin zu verschieben. Im Herbst gab es dazu eine Umfrage bei den Vereinen. Wir haben zurückgemeldet, dass wir verlegen wollen, weil wir ansonsten große Besetzungsprobleme haben. Vom Vorstand kam zurück: Wir seien die Einzigen, die Probleme gemeldet hätten.

Offensichtlich hatten viele andere auch Probleme.

Ja. Vielleicht haben andere nicht geantwortet, vielleicht dachten sie, es wird schon gehen, vielleicht wurden Nachrichten nicht weitergeleitet. Das muss aufgeklärt werden. Jedenfalls war dieses Wochenende für den Abstieg potenziell entscheidend. In Heimbach zum Beispiel, so kam es bei mir an, haben kurzfristig die beiden Topspieler Levon Livaic und Lorenzo Lodici darauf gedrängt, in Rumänien EM zu spielen. Das hat die Mannschaft jetzt Punkte gekostet, die entscheidend sein können. Für uns wollten sechs Spieler in Rumänien antreten. Es sind jetzt nur drei, weil wir die anderen dringend in der Bundesliga brauchten.

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Wunderknabe Yagiz Kaan Erdogmus (13) hat sich jetzt bei der Europameisterschaft eines von 20 zu vergebenen World-Cup-Tickets gesichert. | Foto: Sandra Schmidt

Waren nur die Bundesligisten betroffen?

Nein, das Drama ist größer, als es auf den ersten Blick scheint. Die Bundesligisten haben wegen der Personalprobleme viele Spieler aus unteren Mannschaften hochgezogen. Dadurch bekamen zweite oder sogar dritte Mannschaften Probleme. Wir selbst wären mit unserer zweiten fast abgestiegen. Ich musste zwei Spieler hochziehen. Diese Schäden sind nicht offensichtlich, aber wenn man sich die unteren Teams in den betroffenen Vereinen anschaut, erkennt man das ganze Ausmaß, das den Wettbewerb nicht nur in der ersten Liga verzerrt und vielen Spielern Probleme beschert hat. Da geht es auch um Geld, in der zweiten oder dritten Liga spielen ja einige Profis.

Wie verhindert man so etwas in Zukunft?

Das ist die entscheidende Frage. Ich habe mit dem Bundesligavorstand diskutiert. Es ist kompliziert. Die Bundesspielkommission tagt im Herbst und legt Favoriten für Termine fest. Die Bundesliga veröffentlicht dann ihre Termine meist im Januar. Danach planen die Landesverbände ihre Ligen. Es ist ein kaskadisches System. Und die Bundesliga ist Taktgeber für viele andere Ligen – auch international. In den vergangenen Jahren hat die Terminplanung meistens funktioniert, und bei Kollisionen wurde verlegt. Dieses Jahr nicht.

2024/25 hatte die Bundesliga gleich vier Kollisionen: zum Auftakt mit der Global Chess League, dann Tata Steel Chess, jetzt die Europameisterschaft und zum Schluss die Grand Chess Tour.

Katastrophe. In Deggendorf werden uns wegen der Grand Chess Tour Aravindh und Duda fehlen, Düsseldorf wird ohne Praggnanandhaa antreten. Und natürlich hat uns gleich die erste Kollision zum Saisonauftakt die Titelverteidigung gekostet. Ich kann verstehen, dass der Düsseldorfer Sponsor Wadim Rosenstein wütend war, als er den Bundesliga-Terminplan gesehen hat.

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Das Feld für die sich mit der Bundesliga überschneidende Grand-Chess-Tour-Etappe in Polen. Daraus lässt sich schließen: Baden-Baden spielt in Deggendorf ohne Firouzja, Aronian, MVL und Deac, Viernheim ohne Duda und Aravindh, Düsseldorf ohne Praggnanandhaa.

Andere Ligen mögen die deutsche Bundesliga als Taktgeber sehen, private Veranstalter nicht. Nochmal: Wie lassen sich diese Kollisionen verhindern?

Wir werden analysieren müssen, was in diesem Jahr nicht gut gelaufen ist. In den Jahren davor hat es ja meistens funktioniert. Wir werden auch die Debatte über den Modus der Bundesliga fortsetzen müssen. Schon seit dem vergangenen Jahr steht der Vorschlag im Raum, an fünf Wochenenden drei Runden zu spielen – also Freitag bis Sonntag. An den ersten vier Wochenenden würde bunt durchgemischt – an jedem Standort spielt ein Team aus jedem Viertel der Tabelle. Das wäre ausgewogen. Und wenn drei Matches zu spielen sind, wird es schwieriger, einen Spieltag abzuschenken.

Das wäre ein Rezept gegen problematische Reisepartnerschaften.

Ja. 2023/24 waren wir Reisepartner von Deizisau – einem starken Team. Viele Gegner haben da abgeschenkt. Dieses Jahr sind wir Partner von Heimbach – einem Abstiegskandidaten. Da haben viele Gegner voll aufgestellt. Nur Dresden hat gegen uns nicht das beste Personal aufgefahren. Ich vermute, weil sie da den Klassenerhalt schon sicher hatten.

In der Tagesordnung zur Bundesliga-Mitgliederversammlung im April steht nichts von einer Debatte über den Modus.

Vizepräsident Reinhard Ahrens hat dieses „Doppelkopf-Modell“ vorgeschlagen. Er sagte, wenn ich will, dass es diskutiert wird, soll ich einen Antrag stellen.

Machst Du das?

Weiß ich noch nicht. So, wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen, aber das gerade skizzierte Modell hätte auch Nachteile: Am Freitag zu spielen, ist für Amateure schwierig, die müssten Urlaub nehmen. Außerdem gibt es Austragungsorte, in denen unter der Woche gearbeitet wird, da wäre der Freitag problematisch. Das würde auch uns betreffen, und es war bei der ersten Diskussion das Hauptargument gegen dieses Modell. Jedenfalls müsste jetzt eine Entscheidung fallen, wenn es für die kommende Saison gelten soll. Drei Tage nach der Bundesligaversammlung ist schon Meldeschluss.

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Stefan Martin mit Markus von Rothkirch, einer der Geschäftsführer des SC-Viernheim-Sponsors d-fine. | Foto: Stefan Spiegel

Schauen wir auf die drei zentralen Runden in Deggendorf. Ist da noch ein Fünkchen Hoffnung auf die Titelverteidigung?

Nein.

Und wenn Solingen Düsseldorf besiegt, bevor Viernheim auf Düsseldorf trifft?

Das wird nicht passieren. Solingen hat die Klasse vorzeitig gehalten, daher gehe ich davon aus, dass sie in Deggendorf nicht mit den ersten Acht antreten. Ich freue mich trotzdem auf unser Match gegen Düsseldorf, in dem wir hoffentlich Weltmeister Gukesh sehen. Wir wollen versuchen, dieser Mannschaft wenigstens eine Niederlage zuzufügen. Außerdem freue ich mich darauf, den Abstiegskampf zu verfolgen. Das wird sehr spannend.

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POL
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GM
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Nation
GER
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