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Neue Saison, neuer Rhythmus, neue Gesichter

Das lange Bundesliga-Wochenende in Remagen und Neuwied

Volle Konzentration: Der SV Erkenschwick zu Gast beim SC Heimbach-Weis / Foto: Hans-Joachim Vitz

Die Schachbundesliga ist an diesem Wochenende in die neue Spielzeit gestartet. Die ersten drei Runden wurden erstmals von Freitag bis Sonntag gespielt.

Wieder mit dabei ist der SC Remagen Sinzig. Nach zwei Jahren Abwesenheit ist der Verein wieder aufgestiegen (s.a. Ein alter Bekannter kehrt zurück ) „Der Aufstieg bedeutet für den Verein mehr Aufmerksamkeit, es kommen mehr Zuschauer und vielleicht gibt es einen Schub an neuen Mitgliedern. Der organisatorische Mehraufwand in der ersten Liga hält sich in Grenzen, da wir mit den Räumlichkeiten der IGS (Integrierte Gesamtschule, die Red.) Remagen gute Voraussetzungen haben. Wir sind zudem ein eingespieltes Team“, zeigt sich Wolfgang Frömbgen, der Vorsitzende des Vereins, zuversichtlich.

Am Wochenende empfingen die Rheinstädter den Vizemeister OSG Baden-Baden, den SV Deggendorf und die SG Solingen. Nach den ersten drei Runden hat der Aufsteiger bereits drei Punkte eingefahren. Gegen Baden-Baden war sogar eine Sensation möglich. 3,5:4,5 hieß es am Ende für den Favoriten aus Baden-Württemberg.

Shreyas Royal (li.) bei seinem ersten Bundesligaspiel gegen Nikola Sedlak
Shreyas Royal (re.) bei seinem ersten Bundesligaspiel gegen Nikola Sedlak / Foto: Hans-Joachim Vitz

„Ich möchte entscheidende Siege holen“

Zum guten Saisonstart trug wesentlich der 17-jährige Neuzugang Shreyas Royal mit 2,5 Punkten aus drei Partien bei. Der Britische Meister gab zu, vor seiner Bundesliga-Premiere etwas angespannt gewesen zu sein. „Ich war vor der Partie tatsächlich ziemlich nervös, weil ich gegen den unterbewerteten, aber sehr erfahrenen Nikola Sedlac antrat. Er ist ein sehr starker Spieler. Ich bin ziemlich zufrieden mit meiner Partie. Ich glaube nicht, dass ich einen größeren Fehler gemacht habe. Ich möchte entscheidende Siege für die Mannschaften holen. Aber ich hoffe auch, gute Partien zu spielen und mich als Spieler weiterzuentwickeln. Dabei möchte ich viel Erfahrung sammeln und gutes Schach spielen“, erklärte Royal.

Ohne ihre an den ersten fünf Brettern gemeldeten Spieler trat Baden-Baden an. Terminüberschneidungen verhinderten den Start in der Bundesliga. Das Problem hatten die Badenser bereits in der vergangenen Saison. „Von der Tendenz kommt der neue Spielrhythmus allen Spitzenmannschaften entgegen. Aber es ist vielleicht zu wenig. Wir tun uns schwer, die Spieler für nur ein Wochenende von den anderen Veranstaltungen herzubekommen. Im Vergleich zu einem Turnier sind drei Runden immer noch zu wenig“, beschreibt Teammanager Sven Noppes das Dilemma.

Matthias Blübaum an Brett zwei
Matthias Blübaum an Brett zwei / Foto: Hans-Joachim Vitz

Das Ziel ist die Meisterschaft

Ein Neuzugang spielte jedoch: Matthias Blübaum, im Vorjahr noch für Deizisau spielend, kam an Brett zwei zum Einsatz. Nach seiner ersten Partie gab er sich gewohnt selbstkritisch: „Ich bin nicht wirklich zufrieden. Ich habe Weiß und bin nominell etwas stärker. Da sollte ich schon etwas rausholen. Mein Gegner hat mich in der Eröffnung mit c5 etwas überrascht. Ich bin dann in eine Variante gegangen, die minimal besser ist für Weiß. Aber es ist sehr schwer, etwas zu beweisen.“ Insgesamt holte er aus den drei Runden zwei Punkte. Sein Ziel in dieser Saison: „Ich habe noch nie die Bundesliga gewonnen. Wir haben ein starkes Team. Es wäre schön, aber Viernheim ist wie jede Saison ultrastark.“ In der kommenden Woche ist Blübaum beim European Club Cup am Brett.

Sein Teamkollege Rustam Kasimdzhanov spielte in der ersten Runde ebenfalls unentschieden. „In der ersten Runde weiß man nie, was einen erwartet. Ich hatte Schwarz, es war alles sehr ausgeglichen. Ich bin zufrieden“, sagte er. Bei der Olympiade in Samarkand war er der Trainer der usbekischen Goldmedaillen-Gewinner. Nach dem Geheimnis der starken Mannschaft befragt, antwortete er: „Wir haben eine sehr junge Mannschaft, sie sind alle sehr ambitioniert und haben alles gegeben. Wir hatten im richtigen Moment auch ein bisschen Glück. Es hat alles gepasst. Wir hatten in Usbekistan eine Welle von außergewöhnlichen Talenten. Diese Welle werden wir eine Weile reiten müssen.“

„Wir wollen die Inder prominent herausstellen“

Mit einem konkreten Ziel geht der SV Deggendorf nicht in die Saison. Mannschaftsführer Andreas Krauß erklärte: „Wir möchten natürlich in der Liga bleiben. Es geht mir hauptsächlich darum, dass wir eine gute Show abliefern. Wir haben prominente Spieler wie den Europameister Alex Indjic und die Inder und Spieler, wie Aleksander Delchev, die schon seit Jahren für uns spielen. Wir wollen die Inder prominent herausstellen. Schach hat in Indien einen höheren Stellenwert. Es geht ja auch darum, uns und die Bundesliga besser zu vermarkten.“ Deggendorf hat an den ersten acht Brettern fünf Inder aufgestellt. Darunter die Nummer zwölf in der Weltrangliste, Arjun Erigaisi. Da zur Bundesliga parallel die serbische und die rumänische Liga stattfindet, gab es etliche Ausfälle im Team. Nur zwei Inder spielten.

Die 15-jährige Nataliya Movchan hielt lange Zeit gegen GM Pavel Jaracz mit.
Die 15-jährige Nataliya Movchan hielt lange Zeit gegen GM Pavel Jaracz mit / Foto: Hans-Joachim Vitz

„Ich bin sehr froh, dass wir eine Mannschaft zusammenbekommen haben“, berichtete Krauß. Deshalb spielte die 15-jährige Nataliya Movchan am achten Brett. Mit einer ELO-Zahl von 1827 spielte sie gegen Großmeister, die teilweise rund 600 Punkte höher bewertet waren. Für Movchan, die vor zwei Jahren aus der Ukraine geflüchtet ist, war es trotz der Niederlagen eine schöne Erfahrung. Der Schachclub hatte damals der Familie bei der Wohnungssuche und bei Behördengängen geholfen.

Großes Jubiläum wirft seine Schatten voraus

Rund 25 Kilometer rheinaufwärts von Remagen in Neuwied empfing der SC Heimbach-Weis den Deutschen Meister SC Viernheim, Werder Bremen und den Aufsteiger aus Erkenschwick.

Christian Fink, Vorsitzender der Gastgeber, konnte sein Team nach dem knappen Klassenerhalt in der Vorsaison verstärken. In Shant Sargsyan, Vaclav Finek und Pranav Anand kamen spielstarke Spieler hinzu. Bei der Kaderplanung waren die Spieler eingebunden. „Unsere Spieler haben nach der vergangenen Saison gesagt, dass es relativ knapp mit dem Klassenerhalt war. Wir brauchen Verstärkung, vor allem Spieler, die häufiger spielen. Ich habe dann gesagt, wenn ihr jemanden kennt, schlagt ihn vor. So ist es gekommen“, erläuterte Fink. Im nächsten Jahr feiert der Verein sein hundertjähriges Bestehen. „Daher wollen wir unter die Top 10. Das ist mit dem Team auch möglich“, äußerte sich Fink optimistisch. Nach einem erfolgreichen Start mit zwei Siegen ist das durchaus möglich. Der SC Heimbach-Weis ist auch Gastgeber der zentralen Endrunde im April 2027.

Für Erkenschwick verlief die Ankunft in der Bundesliga holprig. Es gab drei Niederlagen, wenn auch gegen Bremen nur sehr knapp mit 3,5:4,5. „Unser Vereinsziel war es eigentlich, eine stabile Zweitligamannschaft aufzubauen, die Jugend weiterzuentwickeln. Wir wollen natürlich gerne drin bleiben. Wir haben bewiesen, dass wir auch gegen starke Teams, wie das von Werder Bremen, mitspielen können. Die nächsten Aufgaben gehen wir optimistisch an“, betonte Frank Storzewski, der Teamchef der Mannschaft aus dem Ruhrgebiet.

U 16-Europameister Mykola Korchinskyi (2.v.re.) spielt erstmals in der Bundesliga
U 16-Europameister Mykola Korchinskyi (2.v.re.) spielte erstmals in der Bundesliga / Foto: Hans-Joachim Vitz

Auf dem Weg zur Titelverteidigung

Einer der Talente aus Erkenschwick ist der 15-jährige Mykola Korchinskyi.. Er ist amtierender U16-Europameister. Vor dem Spiel erhielt er die Urkunde und die Nadel der FIDE zur Erreichung des IM-Titels. Mit seinem Debüt in der Bundesliga war er nicht ganz zufrieden. „In der ersten Partie habe ich einige Fehler gemacht. Daher war sie nicht so gut. Heute war ich etwas überrascht, weil ich die falsche Variante vorbereitet habe. Da habe ich zu viel Zeit verschwendet. Die Stellung war kompliziert, aber ich habe mich gut verteidigt. Das Remis ist okay. Ich möchte in dieser Saison Erfahrung sammeln.“ Mit einer Ausbeute von 1,5 Punkten aus drei Partien ist er auf einem guten Weg. In diesem Jahr möchte er seinen Europameister-Titel verteidigen.

Aydin Suleymanli gab einen starken Einstand in seine erste Bundesligasaison.
Aydin Suleymanli gab einen starken Einstand in seine erste Bundesligasaison / Foto: Hans-Joachim Vitz

„Ich wollte schon immer in der Bundesliga spielen“

Ebenfalls ein neues Gesicht in der Bundesliga ist der starke, junge Großmeister Aydin Suleymanli aus Aserbaidschan. Er spielt für den SC Viernheim. „Ich bin ich ziemlich froh, endlich hier spielen zu können. Ich wollte schon immer in der Bundesliga spielen. Nachdem ich die Wertungszahl 2679 erreicht hatte, habe ich es endlich geschafft. Die erste Partie habe ich gewonnen, die zweite endete unentschieden. Es läuft also alles gut.“ In der dritten Partie fügte er noch einen Sieg hinzu. In der kommenden Woche tritt auch er im European Club Cup an und im November spielt Suleymanli in der spanischen Liga.

Die vierte bis sechste Runde in der Bundesliga wird vom 13. bis 15. November 2026 ausgetragen.
 

Nation
UZB
Titel
GM
Elo
2665
DWZ
2643
Punkte
1
Partien
3
Nation
GER
Titel
GM
Elo
2666
DWZ
2666
Punkte
2
Partien
3
Nation
AZE
Titel
GM
Elo
2679
DWZ
Punkte
2.5
Partien
3
Nation
GER
Titel
IM
Elo
2419
DWZ
2383
Punkte
1.5
Partien
3

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