Viernheim sorgt für Spannung in der SBL

Erstellt am: 03.03.2019

Foto: Bassem Amin im Vordergrund, Igor Kovalenko und Sebastien Maze im Hintergrund (SC Viernheim)

Der SC Viernheim sorgte in der elften Runde und zum Abschluss der zentralen Runde in Berlin für eine Überraschung. Der starke Aufsteiger aus der 2. Bundesliga Süd luchste der OSG Baden-Baden einen Punkt ab und machte die Liga dadurch spannend. Der Titelverteidiger führt zwar die Tabelle weiterhin an, aber die SG Solingen folgt mit der gleichen Anzahl an Mannschaftspunkten auf Platz zwei. Der SV Hockenheim siegte gegen die SF Deizisau mit 4,5:3,5 und folgt mit einem Punkt Rückstand auf Platz drei. Der Großteil der Kämpfe am Sonntag verlief sehr spannend. Augsburg, Solingen, Bremen und Dresden kamen zu knappen Siegen. Nur der Hamburger SK gewann klar mit 5,5:2,5 gegen Mülheim Nord.

Dank dem SC Viernheim ist der Kampf um die Deutsche Meisterschaft völlig offen. Das Duell gegen die OSG Baden-Baden begann mit einer Überraschung an Brett drei. Anton Korobov hatte gegen Viswanathan Anand in einem Damengambit erstaunlich großen Stellungsvorteil nach der Eröffnung, der sich nach 24 Zügen in einem Gewinn der Qualität manifestierte. Schon kurze Zeit später gab Vishy auf.

Anton Korobov (rechts) besiegte Vishy Anand | Foto: Georgios Souleidis
Anton Korobov (rechts) besiegte Vishy Anand | Foto: Georgios Souleidis

Es folgten drei Remis, bevor Baden-Baden seine Überlegenheit an den hinteren Brettern ausspielte. Etienne Bacrot besiegte Josefine Heinemann und Francisco Vallejo Pons profitierte von einem Aussetzer seines Gegners Fabien Libiszewski. Igor Kovalenko setzte aber seinen fantastischen Lauf in der SBL fort und besiegte Arkadij Naiditsch. Da sich in der letzten Partie Sebastien Maze und Richard Rapport remis trennten, war das Resultat 4:4.

Mit diesem Ausgang hatten die Wenigsten gerechnet, da Baden-Baden an jedem Brett mit Elo-Vorteil ins Rennen ging. Der Titelverteidiger ist natürlich weiterhin Favorit auf den erneuten Gewinn der Meisterschaft, doch jetzt läuft alles auf ein "Endspiel" gegen die SG Solingen hinaus. bei einem Unentschieden könnte es sogar zu einem Dreikampf um die Meisterschaft im Stechen kommen, falls Hockenheim die zwei führenden Teams der Liga einholt. So ein Szenario ruft bei den Verantwortlichen ob neuer Teminprobleme eher Schrecken als Freude hervor. Im Übrigen wäre es das letzte Mal, dass bei Punktgleichheit ein Stichkampf über die Meisterschaft entscheiden würde. Ab der Saison 2019/10 zählen die Brettpunkte als Zweitwertung auch an der Spitze der Tabelle.

Im zweiten Spitzenkampf des Tages siegte der SV Hockenheim gegen die SF Deizisau mit 4,5:3,5. Nach vier Remis stand es 2:2, bevor Evgeny Tomashevsky und Ivan Cheparinov den Grundstein zum Erfolg legten. Zwar siegte Georg Meier gegen Vladimir Fedoseev, doch das Remis zwischen Vincent Keymer und Ivan Saric sorgte für den Endstand.

Ivan Cheparinov siegte für Hockenheim | Foto: Georgios Souleidis
Ivan Cheparinov siegte für Hockenheim | Foto: Georgios Souleidis

Die SG Solingen gewann erstaunlich knapp mit 4,5:3,5 gegen den SV Hofheim. Jörg Wegerle siegte gegen Boris Margoline und Jan Smeets erhöhte durch seinen Sieg gegen Matthias Womacka auf plus zwei. Nach dem Sieg von Andrei Volokitin gegen Markus Ragger kam etwas Spannung auf, doch Predrag Nikolic sicherte durch ein Remis an Brett sechs den Solinger Sieg ab.

Der Hamburger SK kam zu einem überraschend klaren Erfolg gegen den SV Mülheim Nord mit 5,5:2,5, obwohl die Westdeutschen leicht favorisiert in den Kampf gingen. Nils Grandelius bremste David Navara am Spitzenbrett aus, bevor Dirk Sebastian und Jonathan Carlstedt die klare Führung für den HSK gelang. Niclas Huschenbeth sorgte mit seinem Sieg gegen Daniel Fridman für den Endstand.

Nils Grandelius | Foto: Georgios Souleidis
Nils Grandelius | Foto: Georgios Souleidis

Werder Bremen kann doch noch siegen. Nach zwei 4:4 gewann "Grün-Weiß" gegen Kiel mit 5:3. Spartak Grigorian und Luke McShane waren bei sechs Remis die Matchwinner für Bremen, die sich auf Platz fünf verbesserten. Allerdings gehört Bremen zu den vier Mannschaften, die im Vergleich zum Rest der Liga einen Kampf mehr absolviert haben.

Dem USV TU Dresden glückte zum Abschluss der zentralen Runde ein 5:3 gegen die MSA Zugzwang München. Nach Siegen von Zoltan Almasi, Elisabeth Pähtz und Jenw-Uwe Maiwald stand der Erfolg frühzeitig fest. Erasmus Gerigk durfte sich auf der anderen Seite über den Sieg gegen Uwe Bönsch freuen.

BCA Augsburg feierte in Berlin ein tolles Wochenende. Der Aufsteiger aus der 2. Bundesliga Ost siegte gegen die SF Berlin mit 4,5:3,5 und machte einen riesigen Schritt Richtung Klassenerhalt. Nikola Nestorovic brachte die Augsburger in Führung, die Kacper Piorun ausglich. Nach der Zeitkontrolle war klar, dass Augsburg auf Sieg spielt, denn Eduardas Rozentalis hatte gegen Krzysztof Jakubowski ein besseres Endspiel auf dem Brett. Der erfahrene litauische Großmeister verwertete seinen Vorteil nach 72 Zügen und sorgte für den knappen Erfolg.

BCA Augsburg mit starkem Auftreten | Foto: Georgios Souleidis
BCA Augsburg mit starkem Auftreten | Foto: Georgios Souleidis

Einzelergebnisse elfte Runde
Kreuztabelle nach elf Runden
Alle Partien nachspielen auf dem Liveportal

Mit der Schachbundesliga geht es schon am kommenden Wochenende in Viernheim weiter. Da der etatmäßige Termin der Runden 12 und 13 am 23./24. März sich mit der Europameisterschaft in Skopje überschneidet, durften die Ausrichter und Vereine entscheiden, ob sie den Termin verlegen. Die Viernheimer entschieden mit den anderen an diesem Spielort beteiligten Mannschaften ihre Heimkämpfe auf den 10./11. März vorzuverlegen. Die Kämpfe an den Spielorten Solingen, Hofheim und Baden-Baden der 12. und 13. Runde finden wie vorgesehen am 23./24. März statt.



Über den Autor

Bild des Benutzers Georgios Souleidis

Georgios Souleidis ist Internationaler Schachmeister und hat in Bochum Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Er arbeitet als Journalist, Autor und Schachtrainer. Er schreibt u.a. als Chefredakteur für die Schachbundesliga, für Chessbase, die Zeitschrift SCHACH, SPIEGEL ONLINE oder die Deutsche Presse-Agentur. Falls er mal nicht schreibt oder Training gibt, versucht er aktiv am Brett zu beweisen, dass 1. e2-e4 der beste Eröffnungszug ist.