Bremen überrascht zum Saisonauftakt

Erstellt am: 10.11.2018

Zum Saisonauftakt setzten sich in sechs der sieben Duelle die Favoriten durch. Nur Werder Bremen sorgte im Duell der Spitzenteams gegen Deizisau für eine Überraschung und siegte mit 5:3. Der Hamburger SK tat sich schwer gegen den Düssseldorfer SK, konnte aber dank des Bundestrainers einen knappen Sieg bejubeln. Leicht und locker war der Auftakt für den deutschen Meister Baden-Baden beim 6:2 gegen Mülheim. Mit dem gleichen Ergebnis siegte Hockenheim in München.

Die OSG Baden-Baden tritt zu Beginn der Saison in Mülheim an. Gegen den Gastgeber war der deutsche Meister an jedem Brett klar favorisiert und der Sieg stand dementsprechend schnell fest. Nach einem Remis am Spitzenbrett zwischen Michael Feygin und Peter Svidler, der sich etwas überraschend von seinem Kommentatorenjob für chess24 während der WM lösen konnte, sorgten Arkadij Naiditsch, Michael Adams und Hou Yifan für eine klare Führung.

Hou Yifan und Nico Zwirs bei der Analyse | Foto: Guido Giotta
Hou Yifan und Nico Zwirs bei der Analyse | Foto: Guido Giotta

Die beste Spielerin der Welt weilte vor zwei Tagen noch in London bei der Eröffnung der Weltmeisterschaft, doch es ist schön, dass sie zwei Tage später für Glanz am Mülheimer Spielort sorgt. Francisco Vallejo Pons und Etienne Bacrot erhöhten für Baden-Baden zum zwischenzeitlichen 6:1, bevor Valentin Buckels am letzten Brett gegen Sergei Movesian den Ehrentreffer besorgte - ein toller Sieg für den jungen Spieler, der in den letzten Monaten einen Schub gemacht hat und z.B. beim FIDE-Open in Dresden im August eine IM-Norm erzielte.

Valentin Buckels | Foto: Guido Giotta
Valentin Buckels | Foto: Guido Giotta

Bremen siegt im Spitzenduell

Der parallel ausgetragene Kampf war das einzige Spitzenduell der ersten Runde. Dieses lief für Bremen von Beginn an wie am Schnürchen. Nach zwei Remis sorgte Luke McShane durch seinen Sieg gegen Peter Leko für die Führung. Der ungarische Spitzenspieler geriet in einem Taimanov-Sizilianer von Beginn an unter Druck und musste mit Weiß eine bittere Niederlage einstecken.

Luke McShane (links) siegte am Spitzenbrett gegen Peter Leko | Foto: Guido Giotta
Luke McShane (links) siegte am Spitzenbrett gegen Peter Leko | Foto: Guido Giotta

An Brett vier siegte Wouter Spoelman gegen Vincent Keymer und erhöhte zum 3:1. In den restlichen Partien konnte Deizisau nicht mehr das Ruder rumreißen und nach vier weiteren Remis endete der Kampf 5:3 für Bremen.

Hamburg mit Problemen gegen Düsseldorf

Die SG Turm Kiel richtet das erste Bundesligawochenende ihrer Geschichte aus. Die Gastgeber mussten gegen Solingen antreten und das war eine zu hohe Hürde. Es fing mit einem Remis an Brett drei an, doch dann kam der Klingenstädter Motor so richtig in Fahrt. Nach sechs Siegen stand es 6,5:0.5, bevor Ivan Salgado Lopez am Spitzenbrett durch seinen Sieg gegen Markus Ragger für etwas Ergebniskosmetik sorgte. In einem klassischen Sizilianer ging es mächtig zur Sache. Salgado opferte gleich zwei Figuren und es zeigte sich einmal mehr, dass auch absolute Könner ihres Fachs auseinanderfallen, wenn sie unter Druck geraten.

Hamburg darf dem Bundestrainer danken, dass ein Fehlstart in die Saison vermieden wurde. Beim Stand von 3,5:3,5 verwertete Dorian Rogozenco seinen Vorteil im Endspiel gegen Dirk Schuh und sorgte für den knappen Sieg gegen den Düsseldorfer SK. Vorher hatten Thies Heinemann und der Youngster Luis Engel für Hamburg gepunktet, während Anton Demchenko und Andrey Orlov für den Aufsteiger die vollen Zähler besorgte hatten.

Viernheim tut sich schwer zum Auftakt

Der SV Hockenheim und der SC Viernheim, die nominell besten Teams der Liga nach Baden-Baden, reisten an diesem Wochenende gemeinsam nach München. Der Aufsteiger aus der 2. Bundesliga Süd tat sich dabei gegen den Aufsteiger aus der 2. Bundesliga Ost, BCA Augsburg, erstaunlich schwer. Obwohl Viernheim an jedem Brett mit großem Elo-Vorteil antrat, reichte es nur zu einem 5:3. Günther Beikert und Sebastien Maze sorgten für das 3:1, bevor Konstantin Tarlev den Sack zumachte. Nach einer wilden Partie konnte Nikola Nestorovic durch seinen Sieg gegen den haushohen Favoriten David Anton Guijarro für den Ehrentreffer sorgen.

Der SV Hockenheim hatte dagegen keine Probleme, um sich gegen den Gastgeber MSA Zugzwang München mit 6:2 durchzusetzen. Das Team vom Rhein-Neckar, das der OSG Baden-Baden eine Kampfansage erklärt hat, trat am Spitzenbrett mit Vladimir Fedoseev an. Der russische Supergroßmeister beendete aber als letzer Spieler seine Partie. Er gewann gegen Leon Mons. Vorher hatten Arik Braun, Rainer Buhmann, Dennis Wagner und Tamasz Banusz für einen standesgemäßen Erfolg gesorgt.

Berlin siegt in Dresden

Der USV TU Dresden richtet sein Bundesliga-Wochenende, wie gewohnt, in Meißen aus. Durch den Rückzug von DJK Aachen - hier die offizielle Erklärung des Vereins - kann an jedem Tag nur ein Kampf stattfinden. In der ersten Runde stand das Duell zwischen den SF Berlin und dem SV Hofheim auf dem Programm. Berlin ging als Favorit ins Rennen, doch Hofheim leistete gehörig Widerstand mit seinen starken jungen Spielern an den Spitzenbrettern.

Nach vier Remis stand es 2:2, bevor Marco Baldauf, Krzysztof Jakubowski und Wojciech Moranda den Sieg sicherstellten. Am Spitzenbrett drückte Jan-Christian Schröder gegen Daniele Vocaturo auf Sieg, doch der italienische Großmeister konnte nach starker Verteidigung den halben Punkt retten.

Mit der zweiten Runde geht es weiter am Sonntag. Im Spitzenkampf treffen Baden-Baden und Bremen aufeinander und im hohen Norden steht das interessante Duell zwischen den Aufsteigern Düsseldorf und Kiel auf dem Programm.

Einzelergebnisse der 1. Runde
Alle Partien nachspielen auf dem Liveportal

 



Über den Autor

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Georgios Souleidis ist Internationaler Schachmeister und hat in Bochum Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Er arbeitet als Journalist, Autor und Schachtrainer. Er schreibt u.a. als Chefredakteur für die Schachbundesliga, für Chessbase, die Zeitschrift SCHACH, SPIEGEL ONLINE oder die Deutsche Presse-Agentur. Falls er mal nicht schreibt oder Training gibt, versucht er aktiv am Brett zu beweisen, dass 1. e2-e4 der beste Eröffnungszug ist.