Baden-Baden und Hockenheim neutralisieren sich

Erstellt am: 02.03.2019

Der zweite Tag der zentralen Runde in Berlin war in der SBL geprägt von vielen spannenden Kämpfen und so endeten gleich vier Duelle mit 4:4. Zu einem knappen Sieg mit 4,5:3,5 kam im Duell der Kellerkinder der Düsseldorfer SK gegen den SV Hofheim. Allein Berlin, 6:2 gegen München, und Mülheim, 5,5:2,5 gegen Kiel, kamen zu klaren Siegen. In der Frauenbundesliga scheinen vor der letzten Runde alle Entscheidungen gefallen zu sein. Der SC Bad Königshofen steht als Meister praktisch fest.

Der Spitzenkampf zwischen der OSG Baden-Baden und dem SV Hockenheim lockte sehr viele Zuschauer ins Hotel Maritim nach Berlin. Zwischendurch standen so viele Kiebitze an den Brettern, dass kaum ein Durchkommen war, wie das Foto oben erahnen lässt. Der Kampf verlief sehr spannend und ausgeglichen. Das ist keine Überraschung, denn es standen sich nur Supergroßmeister gegenüber. Vladimir Fedoseev und Levon Aronian trennten sich als Erste unentschieden, nach gerade mal 21 Zügen. Es folgten die Punkteteilungen an Brett sechs, fünf und drei. Vielleicht ließen dabei Radoslaw Wojtaszek und Viswanathan Anand Chancen für Baden-Baden aus, aber eine tiefere Analyse ist vonnöten, um das zweifelsfrei beurteilen zu können.

Dann ging es weiter mit einem Remis an Brett sieben zwischen Richard Rapport und Ruslan Ponomariov und an Brett zwei zwischen Nikita Vitiugov, der im Prinzip als einziger Spieler der Hockenheimer Stellungsvorteile besaß, und Maxime Vachier-Lagrave. Am Spitzenbrett kam es zum Duell zwischen Fabiano Caruana und seinem Landsmann Samuel Shankland. In einer Sizilianischen Partie schien die Nr. 2 der Welt nach einem Qualitätsopfer auf der Siegerstraße, doch Shankland hatte genug Gegenspiel, um das Remis letztendlich zu sichern. Beim Stand von 3,5:3,5 lief nur noch die Partie an Brett acht zwischen David Howell und Arkadij Naiditsch.

Die letzte Partie des Tages: Arkadij Naiditsch (links) gegen David Howell | Foto: Georgios Souleidis
Die letzte Partie des Tages: Arkadij Naiditsch (links) gegen David Howell | Foto: Georgios Souleidis

Seit ungefähr 19 Uhr waren alle anderen Partien im Saal beendet und diese Partie sollte noch weit mehr als eine Stunde dauern. Insbesondere Naiditsch kämpfte mit Schwarz um den vollen Punkt. Er hatte im Laufe der Partie dank eines starken Freibauern auf der b-Linie Vorteile angehäuft, doch Howell verteidigte sich aktiv und fand einen Weg, den Nachteil in Grenzen zu halten. Letztendlich schaffte es Naiditsch ein Endspiel mit Turm und Läufer gegen Turm herbeizuführen, das praktisch von der besseren Seite häufig gewonnen wird. Auf diesem Niveau haben die Spieler aber ihre Hausaufgaben gemacht und so sicherte Howell nach etwas über sieben Stunden und 136 gespielten Zügen den halben Punkt. Baden-Baden führt damit weiterhin die Tabelle an, aber nur noch mit einem Punkt Vorsprung auf Solingen, das in der zehnten Runde pausierte. Hockenheim folgt dahinter mit weiterhin zwei Punkten Rückstand.

Der zweite Spitzenkampf des Tages zwischen Viernheim und Deizisau endete ebenfalls 4:4. Andreas Heimann brachte Deizisau in Führung, bevor Igor Kovalenko, der eine sehr starke Saison spielt, den Ausgleich besorgte. Die restlichen Partien endeten allesamt remis.

Das Duell der Verfolger zwischen Hamburg und Bremen endete auch mit der Punkteteilung. Bremen sah nach Siegen von Romain Edouard und Luke McShane schon wie der sichere Sieger aus. Hamburg konterte aber mit Siegen von Dirk Sebastian und Dorian Rogozenco an den hinteren Brettern. Am Ende versuchte Sipke Ernst sogar den Spieß vollends umzudrehen für den HSK, doch Jan Werle hielt die Partie gerade noch remis.

Luke McShane (rechts) siegte am Spitzenbrett gegen Nils Grandelius | Foto: Georgios Souleidis
Luke McShane (rechts) siegte am Spitzenbrett gegen Nils Grandelius | Foto: Georgios Souleidis

BCA Augsburg gelang gegen die leicht favorisierten Dresdner ein wichtiger Punktgewinn. Eduardas Rozentalis brachte den Aufsteiger aus der 2. Bundesliga Ost in Führung, bevor Paul Hoffmann für die Sachsen punktete. Am Ende versuchte Zoltan Almasi am Spitzenbrett sein etwas besseres Endspiel gegen Kaido Kulaots zum vollen Punkt zu verwerten, doch der Überraschungssieger des Aeroflot-Opens hielt den halben Zähler fest.

In einem wichtigen Kampf gegen den Abstieg siegte der Düsseldorfer SK gegen den SV Hofheim mit 4,5:3,5. Andrey Orlov besorgte die Führung für den Aufsteiger aus der 2. Bundesliga West, bevor Evgeny Alekseev den Sieg sicherstellte. Am Ende sorgte Boris Margolin nur für Ergebniskosmetik.

Zu klaren Siege kamen der SV Mülheim Nord, mit 5,5:2,5 gegen Kiel, und die Schachfreunde Berlin, mit 6:2 gegen MSA München, wodurch sie sich von den Abstiegsrängen klar distanziert haben. Wenn David Navara für Mülheim spielt, dann kann fast nichts schief gehen. Der tschechische Supergroßmeister siegte mal wieder am Spitzenbrett, dieses Mal gegen Ivan Salgado Lopez, und legte damit den Grundstein für den Erfolg seines Teams. Patrick Zelbel legte für Mülheim nach, bevor Thomas Beerdsen den Schlusspunktz setzte.

David Navara | Foto: Georgios Souleidis
David Navara | Foto: Georgios Souleidis

Für die Gastgeber läuft es nicht nur organisatorisch sondern auch sportlich ausgezeichnet an diesem Wochenende. Gegen München glückte der zweite Sieg hintereinander, wodurch das Abstiegsgespenst verscheucht wurde. Marco Baldauf und Wojciech Moranda brachten Berlin in Führung, die Kryzsztof Jakubowski und Martin Krämer ausbauten.

Am Sonntag geht es während der zentralen Runde in Berlin mit der elften Runde der SBL weiter. Baden-Baden verteidigt die Tabellenführung gegen Viernheim, während im zweiten Spitzenkampf des Tages Hockenheim auf Deizisau trifft.

Einzelergebnisse der zehnten Runde
Kreuztabelle nach der zehnten Runde
Alle Partien nachspielen auf dem Liveportal

Frauenbundesliga

Der SC Bad Königshofen steht als deutscher Meister praktisch fest. Das Team aus Oberfranken siegte gegen den SK Lehrte mit 5,5:0,5 und braucht in der letzten Runde gegen den krassen Außenseiter Rotation Pankow nur einen Punkt, um den Titel zu gewinnen. Hinter Bad Königshofen kämpfen zwei Teams um die Vizemeisterschaft. Nach dem überraschenden Punktverlust der OSG Baden-Baden gegen Deizisau und dem 3:3 von Hamburg gegen Rodewisch verbesserte sich der SK Schwäbisch Hall nach dem 6:0 gegen Karlsruhe auf Platz zwei und hat die besten Karten auf die Vizemeisterschaft. Dafür genügt in der letzten Runde dank der besten Brettpunktewertung im "Endspiel" gegen Baden-Baden ein 3:3. Hamburg wird am Ende Platz drei oder vier belegen, vorausgesetzt sie siegen gegen Bayern München und je nachdem wie das Match zwischen den vor ihnen platzierten Teams ausgeht.

Jana Schneider (rechts) siegte für Bad Königshofen gegen Fiona Sieber | Foto: Georgios Souleidis
Jana Schneider (rechts) siegte für Bad Königshofen gegen Fiona Sieber | Foto: Georgios Souleidis

Der Abstiegskampf scheint ebenfalls gelaufen zu sein. Der SV Hofheim siegte im Showdown gegen Rotation Pankow mit 4:2 und verbesserte sich mit sechs Punkten auf dem achten Rang. Tura Harksheide gewann mit dem gleichen Ergebnis in einem weiteren "Finale" gegen Bayern München und liegt mit sechs Punkten auf dem neunten Rang. Auf dem ersten Abstiegsplatz liegt Karlsruhe mit fünf Punkten. Es ist unwahrscheinlich, dass sich das ändern wird, denn in der letzten Runde muss ein Sieg gegen das höher eingestufte Team aus Deizisau gelingen. Praktisch abgestiegen ist Rotation Pankow, während Bayern München auch theoretisch keine Chance mehr hat.

Einzelergebnisse der zehnten Runde
Kreuztabelle nach der zehnten Runde
Alle Partien nachspielen auf dem Liveportal

Offizielle Webseite zentrale Runde Berlin



Über den Autor

Bild des Benutzers Georgios Souleidis

Georgios Souleidis ist Internationaler Schachmeister und hat in Bochum Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Er arbeitet als Journalist, Autor und Schachtrainer. Er schreibt u.a. als Chefredakteur für die Schachbundesliga, für Chessbase, die Zeitschrift SCHACH, SPIEGEL ONLINE oder die Deutsche Presse-Agentur. Falls er mal nicht schreibt oder Training gibt, versucht er aktiv am Brett zu beweisen, dass 1. e2-e4 der beste Eröffnungszug ist.