Baden-Baden dreht Spitzenkampf gegen Solingen

Erstellt am: 06.04.2019

Impression Spielort Solingen | Foto: Guido Giotta

Die OSG Baden-Baden steht kurz vor der Titelverteidigung in der Schachbundesliga. Die nominell stärkste Mannschaft der SBL siegte gegen den härtesten Konkurrenten SG Solingen mit 5:3 und muss nur noch den abschließenden Kampf gegen Düsseldorf gewinnen, um die Verfolger auf Distanz zu halten. Im Abstiegskampf fiel die letzte Entscheidung, da die SG Turm Kiel mit dem 4:4 gegen Berlin den Klassenerhalt praktisch sicherte.

DIe OSG Baden-Baden ist auf dem Weg zum Titelgewinn Nr. 13 im Prinzip nicht mehr aufzuhalten. Nach dem Sieg im "Endspiel" gegen die SG Solingen liegt der Branchenprimus einen Punkt vor Hockenheim und ein Ausrutscher im letzten Kampf gegen Düsseldorf wäre mehr als nur eine Sensation.

Das Duell gegen den Gastgeber Solingen begann mit vier Unentschieden. Diese erfolgten an allen "Weißbrettern" der Solinger, teilweise sogar etwas früh, doch wer möchte es den Spielern verdenken, wenn auf der anderen Seite der nominelle Favorit gegenübersitzt. Die Entscheidung sollte also an den vier "Weißbrettern" von Baden-Baden fallen und hier ging der Außenseiter sogar in Führung. Mads Andersen nutzte die Löcher in der weißen Stellung von Francisco Vallejo Pons aus und besorgte das 3:2 nach knapp vier Stunden.

Nach der Zeitkontrolle wendete sich das Blatt. Maxime Vachier-Lagrave, Peter Svidler und Richard Rapport hatten Vorteile angehäuft. Je nach Spielstärke heißt das überhaupt nichts, aber nicht bei diesen Jungs. Alle drei verwerteten ihre besseren Stellungen und drehten den Kampf zum 5:3 für Baden-Baden.

Peter Svidler gegen Loek van Wely | Foto: Guido Giotta
Peter Svidler gegen Loek van Wely | Foto: Guido Giotta

Svidler machte den Anfang gegen Loek van Wely, Vachier-Lagrave folgte durch einen Sieg am Spitzenbrett gegen Pentala Harikrishna, bevor Rapport gegen Erwin L´Ami den Schlusspunkt besorgte. Insgesamt war es ein verdienter Sieg für den Favoriten.

Im parallel ausgetragenen Kampf in Solingen siegten die SF Deizisau gegen den Düsseldorfer SK mit 6:2. Vincent Keymer, Matthias Blübaum und Alexander Donchenko brachten den Favoriten in Führung, bevor Georg Meier nach der Zeitkontrolle erhöhte. Keymer sprach im Anschluss u.a. über seinen Sieg und seinen bevorstehenden Einsatz bei den GRENKE Chess Classic. Außerdem kämpft der Youngster in der letzten Runde um seine dritte GM-Norm, die ihm wohl bei einem Sieg winkt.

 

 

Kiel schafft Klassenerhalt

Die SG Turm Kiel sicherte sich ein weiteres Jahr in der SBL. Durch das 4:4 gegen die SF Berlin sind die Norddeutschen von Platz 14 praktisch nicht mehr zu verdrängen - außer es geschieht das Wunder von Solingen und Düsseldorf siegt gegen Baden-Baden, aber auch dann würde Kiel ein Punkt im letzten Kampf gegen Dresden reichen.

Gegen die leicht favorisierten Berliner kam der Punktgewinn indes etwas glücklich zustande. Zwar ging der Außenseiter durch Zbigniew Pakleza in Führung, doch Jan Michael Sprenger glich postwendend aus. Beim Stand von 2,5:2,5 sah es nach der Zeitkontrolle nach einem knappen Sieg für Berlin aus, denn Alexander Seyb, Peter Schreiner und Felix Blohberger hatten Vorteile gesammelt.

Zbigniew Pakleza | Foto: Georgios Souleidis
Zbigniew Pakleza | Foto: Georgios Souleidis

Seyb konnte seinen Vorteil aber nicht verdichten. Stattdessen wich er der Zugwiederholung aus und übersah ein typisches Läuferopfer, das zu einem entscheidenden Bauerndurchbruch geführt hätte. Sein Gegner Thorbjorn Bromann kam damit glücklich zum Sieg und Kiel führte 3,5:2,5. Letztendlich rettete der junge Österreicher Blohberger Berlin einen Punkt, nachdem Schreiner gegen Jonny Hector remisiert hatte.

Felix Blohberger | Foto: Georgios Souleidis
Felix Blohberger | Foto: Georgios Souleidis

Der USV TU Dresden siegte gegen den Hamburger SK mit 4,5.3,5. Mateusz Bartel wirbelte Niclas Huschenbeth gehörig durcheinander und brachte die Sachsen in Führung, bevor Hans Möhn durch seinen Sieg gegen Dirk Sebastian, der damit seine Chance auf eine GM-Norm vergab, auf 3:1 erhöhte. Nach der Zeitkontrolle stellte Uwe Bönsch den Erfolg für Dresden durch seinen Punktgewinn gegen Jonas Lampert sicher.

Niclas Huschenbeth gegen Mateusz Bartel | Foto: Georgios Souleidis
Niclas Huschenbeth gegen Mateusz Bartel | Foto: Georgios Souleidis

Zwei Lichtblicke konnte der HSK trotzdem feiern. Am Spitzenbrett siegte Rasmus Svane gegen Liviu Dieter Nisipeanu. Die deutsche Nr. 1 verliert äußerst selten und spielte bei der EM in Skopje groß auf, so dass es für Svane ein großes Erfolgserlebnis war, zumal er wegen eines außerplanmäßigen Halts seiner Bahn verspätet zur Partie erschien.

Der zweite Lichtblick für die Gastgeber war der Sieg von Luis Engel gegen Paul Hoffmann, womit der 16-jährige Nachwuchsstar in der letzten Runde wohl nur noch antreten muss (der Autor übernimmt keine Gewähr), um sich seine erste GM-Norm zu sichern. Der Punktgewinn kam aber äußert glücklich zustande. Der Dresdner hatte mit Dame gegen Turm eine theoretische Gewinnstellung auf dem Brett, doch auf der Suche nach dem genauesten Gewinnweg vergaß er die Zeit und überschritt diesselbige!

Luis Engel gegen Paul Hoffmann | Foto: Georgios Souleidis
Luis Engel gegen Paul Hoffmann | Foto: Georgios Souleidis

Hofheims bitterer Sieg

Am Spielort München siegte der SV Hofheim gegen BCA Augsburg mit 5,5:2,5, doch wegen des Kieler Punktgewinns müssen die Hessen wieder den Gang in die zweite Liga antreten. Augsburg führte lange mit 2,5:1,5, bevor die restlichen vier Partien zugunsten der Hofheimer ausgingen. Am Sonntag kommt es zum Kellerduell gegen die MSA Zugzwang München. Die Gastgeber wollen nicht ohne Punktgewinn in die zweite Liga runter, während Hofheim bei einem Sieg noch an Düsseldorf vorbeiziehen könnte.

Hockenheim und Viernheim siegen

In Mülheim siegte der SV Hockenheim gegen die Gastgeber knapp mit 4,5:3,5, obwohl der Favorit mit sehr großem Elo-Vorteil in den Kampf startete. Ruslan Ponomariov machte am Spitzenbrett mit Thomas Beerdsen kurzen Prozeß, doch David Howell ließ sich an Brett zwei von Liam Vrolijk Material abnehmen und sah danach kein Land mehr. Letztendlich verhinderte Dennis Wagner durch seinen Sieg gegen Nico Zwirs die negative Überraschung aus Sicht der Hockenheimer.

Auf dem Papier versprach der Kampf zwischen Werder Bremen und dem SC Viernheim die größte Spannung. Nach vier Remis brachte Sergei Fedorchuk die Südhessen in Führung und danach brannte nichts mehr an. Konstantin Tarlev erhöhte sogar auf 5:3 für Viernheim, das sich in der Tabelle auf Platz fünf verbesserte.

Einzelergebnisse der 14. Runde
Kreuztabelle nach der 14. Runde
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Am Sonntag findet die letzte Runde der Saison 2018/19 statt. Baden-Baden wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen Düsseldorf gewinnen und die Meisterschaft verteidigen. Hockenheim peilt mit einem Punktgewinn gegen Bremen Platz zwei an. Im Tabellenkeller kann Hofheim mit einem Sieg gegen München noch an Düsseldorf vorbeiziehen und zumindest auf Rang 13 ankommen.



Über den Autor

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Georgios Souleidis ist Internationaler Schachmeister und hat in Bochum Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Er arbeitet als Journalist, Autor und Schachtrainer. Er schreibt u.a. als Chefredakteur für die Schachbundesliga, für Chessbase, die Zeitschrift SCHACH, SPIEGEL ONLINE oder die Deutsche Presse-Agentur. Falls er mal nicht schreibt oder Training gibt, versucht er aktiv am Brett zu beweisen, dass 1. e2-e4 der beste Eröffnungszug ist.