"Wir machen das"

Erstellt am: 02.07.2018

Der Düsseldorfer SK stieg aus der 2. Bundesliga West in die Schachbundesliga auf. Im folgenden Interview spricht der 1. Vorsitzende, Jan Werner, über die Unterstützung im Verein, über die Neuzugänge und verrät, dass Düsseldorf sogar schon mal Meister war.

Schachbundesliga: Der Düsseldorfer SK profitierte vom Verzicht des TSV Schott Mainz und stieg als zweitplatziertes Team in letzter Sekunde in die Schachbundesliga auf. Schildern Sie uns aus Ihrer Sicht, wie es innerhalb kürzester Zeit zur Entscheidung kam, das Aufstiegsrecht wahrzunehmen.

 

Jan Werner: Wir hatten im Laufe der Saison immer wieder gehört, dass Mainz wohl nicht aufsteigen wolle und uns geistig darauf vorbereitet aufsteigen zu können. Es blieb aber eine Unsicherheit, und Mainz hat sich am Ende sehr lange Zeit gelassen, um eine Entscheidung zu treffen. Dies war ungünstig, aber wir haben es dennoch geschafft, ein paar Sponsoren für den Fall, dass wir tatsächlich aufsteigen könnten, zu einer Zusage zu bewegen. Der Vorstand hat dann am 15.5., am Tag des Ablaufs der Meldefrist, beschlossen, dass wir es machen würden - und um 22.45 h kam dann die Meldung, dass Mainz zurückgezogen habe. Wir haben uns alle in die Augen gesehen und gesagt: "wir machen das". Und das haben wir dann durchgezogen.

 

Schachbundesliga: Was viele nicht wissen werden, Düsseldorf spielte, in der Saison 1981/82 noch als Düsseldorfer SG Rochade, in der Schachbundesliga. Durch eine Fusion im Jahr 1992 kam es zum jetzigen Namen. Gibt es von damals noch Spieler im Verein und geht hier ein kleines Stück Tradition weiter?

 

Jan Werner: In der Tat war der DSK in der Saison 1981/82 das letzte mal in der Schachbundesliga vertreten. Von den Spielern von damals leben noch einige - im Verein ist allerdings nur noch Holger Lieff vertreten. Darüber hinaus war der Düsseldorfer Schachklub 1914/25 e.V. 1955 und 1960 als Düsseldorfer SG zwei mal Deutscher Mannschaftsmeister!

 

Schachbundesliga: Mit welchen Erwartungen, sportlich und organisatorisch gehen Sie in die Bundesligasaison?

 

Jan Werner: Die erste Saison wird für uns in jedem Fall eine große Herausforderung, sowohl sportlich wie auch organisatorisch. Unser Spiellokal steht noch nicht final fest, und wir haben natürlich noch keine Erfahrung mit Spieltagen, die über zwei Tage gehen - in der 2. Schachbundesliga West sind alle Spielorte morgens erreichbar, das gilt hier nicht. Wir glauben aber, dass wir organisatorisch gut aufgestellt sind, und hoffen natürlich den Klassenerhalt schaffen zu können.

 

Schachbundesliga: Die Schachbundesliga ist für einen Schachverein eine echte Herausforderung. Wie ist der Rückhalt innerhalb des Vereins für das Projekt SBL?

 

Jan Werner: Die Freude im Verein über den Aufstieg und die Euphorie sind sehr groß – wir haben viel Feedback persönlich, aber auch per Mail und über Facebook bekommen. Letztes Jahr waren wir ja schon kurz davor, da gab es bei einigen Skepsis, aber die Rückmeldung ist jetzt einhellig positiv, einschließlich des Angebots mitzuhelfen. Das ganze entwickelt eine positive Eigendynamik, die wir versuchen zu nutzen.

 

Schachbundesliga: Mit dem Kader der letzten Saison dürfte Düsseldorf zu den Abstiegskandidaten gehören. Wird es Änderungen geben gegenüber dem Vorjahr?

 

Jan Werner: Ja, wir haben uns deutlich verstärkt. Kern des Teams bleiben die Spieler, die den Aufstieg geschafft haben, die auch fast alle eine echte Verbindung zu Düsseldorf haben, aber wir haben uns mit einigen Spielern verstärkt: aktueller Zugang ist GM Anton Demchenko mit einer Elo von 2664. Dazu haben wir GM Evgeny Alekseev (Elo 2627), GM Anatoli Waisser (Elo 2502), GM Andrey Orlov (Elo 2492) und WIM Inna Agrest (Elo 2303) für uns gewinnen können. Damit haben wir uns erheblich verstärkt.
 

Anton Demchenko | Foto: Georgios Souleidis
Anton Demchenko | Foto: Georgios Souleidis

 

Schachbundesliga: Wie hoch sind die Chancen, dass die jetzigen Spitzenbretter Jan Timman und Ulf Andersson, beides Legenden, auch in der SBL vorne zu bestaunen sein werden?

 

Jan Werner: Die beiden Schachlegenden Jan Timman und Ulf Andersson, der schon lange Düsseldorf eng verbunden ist, bleiben beide dem DSK erhalten und werden in der nächsten Saison wieder in der Schachbundesliga spielen, was sicherlich viele Schachspielerherzen bei unseren Auswärtsspielen höher schlagen lassen wird.
 

Ulf Andersson | Foto: Georgios Souleidis
Ulf Andersson | Foto: Georgios Souleidis

 

Schachbundesliga: Wie laufen die Planungen für die Heimkämpfe und worauf dürfen sich die Zuschauer freuen in Düsseldorf?

 

Jan Werner: Wir sind hier noch in der Planung. In jedem Fall wollen wir die zwei Heimspiele im November und im Februar dazu nutzen mit einem ergänzenden Programm, z.B. einer Simultanveranstaltung durch einen unserer Neuzugänge jeweils am Tag vor dem Wettkampf das Interesse für die Heimkämpfe auch in Düsseldorf zu wecken. Details stehen dazu aber noch nicht fest.



Über den Autor

Georgios Souleidis ist Internationaler Schachmeister und hat in Bochum Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Er arbeitet als Journalist, Autor und Schachtrainer. Er schreibt u.a. als Chefredakteur für die Schachbundesliga, für Chessbase, die Zeitschrift SCHACH oder für den Sportinformationsdienst. In grauer Vorzeit bloggte er auch auf seiner Seite entwicklungsvorsprung.de.