TuRa Mädchen zurück in der Frauen- Bundesliga

Erstellt am: 31.10.2018

Da sind wir also wieder und diesmal wollen wir auch bleiben. Das das nicht einfach werden wird ist uns klar, aber es braucht halt ein Ziel und die Erringung der „Meisterschaft“ wäre wohl noch etwas zu vermessen.

 

Von Eberhard Schabel

 

Nach einer Spielzeit Pause kehrte unser Mädchenteam am 27.10.2018 auf die Bühne der Frauen- Eliteliga Deutschlands zurück. Eine Saison, die wir in der 2. FBL genutzt haben um unser Team weiter zu entwickeln und einen breiteren Kader zu finden. Dabei nahmen wir die Anfragen 2er polnischer Spielerinnen an, die bisher noch nicht im Fokus anderer Zweit- und- Erstligisten unseres Landes standen. Zusammen mit Julia Antolak und Maria Gosciniak gelang unserem Team die sofortige Rückkehr in die FBL. Dabei wurden alle 7 Runden der 2. FBL gewonnen und neben Maria (4 aus 4) glänzte Inga Marx mit 6 aus 6.

Maria Gosciniak (rechts im Bild) vor der Partie gegen Sophie Milliet (Schwäbisch Hall)
Maria Gosciniak (rechts im Bild) vor der Partie gegen Sophie Milliet (Schwäbisch Hall)

Einige Zeit überlegten wir dann doch, ob wir den Aufstieg auch realisieren wollen. Dabei ging es in erster Linie um unseren Kader und dessen Verstärkung. Wichtig bei unseren Überlegungen war dabei unseren Teamcharakter nicht wesentlich zu verändern.

Als Glücksfall bewerteten wird dabei, dass sich mit Laura Unuk (U 18 Weltmeisterin 2017) eine junge und sympathische Spielerin für uns interessierte. Mit ihren 18 Jahren passte sie perfekt in unser Team. Gleiches galt auch für unseren Neuzugang aus Dänemark, Freya Vangsgaard (20). Nach einem Jahr Australien wollte sie schachlich nochmal angreifen und freute sich sehr, dass wir ihre Anfrage positiv beantworten konnten. Dies auch, da bei uns 2 Plätze neu zu besetzen waren.

Unser Team stand und wir meldeten uns als Neuling verbindlich an.

Im Vergleich zu 2016/17 nicht mehr das Mädchenteam, was unerfahren in die Liga stolpert, sondern geballte Girls- Power mit dem Ziel „zu bleiben“

1.Doppelrunde in Deizisau 27.10. + 28.10.2018:

Natürlich barg auch für uns die Ansetzung der ersten Doppelrunde einige Aufstellungsprobleme, da 3 Mädchen überregional unterwegs waren (Jugend- WM und Isle of Man), aber diese Situation hatten auch unsere ersten Gegner und so machten wir einen Teil unserer Sechs, die dann in Deizisau spielen wollten, im Rahmen eines Trainings- WE fit für den Auftakt. TuRa kann dabei weiter auf unsere bewährten Trainer Thomas Tannheisser, Wolfgang Krüger und IM Alexander Bodnar zurückgreifen.

So richtig hatten wir keine Vorstellung was in Deizisau auf uns zu kommen würde. Eine erste Hürde war die Suche nach einem Hotel mit 8 Schlafgelegenheiten für unsere Delegation. Es gelang nicht, da parallel zur FBL auch das Herbst- Open der SF Deizisau stattfand.

Es gelang uns aber, im 16 Km entfernten Weinstadt einen Landgasthof mit Zimmern zu finden und so reisten wir am Freitagnachmittag an, um uns noch etwas vorbereiten zu können. Inzwischen hatten wir herausgefunden, wer uns bei Deizisau und Schwäbisch Hall auf keinem Fall begegnen würde.

Klar wurde aber auch, dass es immer noch wesentlich stärkere Kader sein werden. Es muss ja einen Grund geben, warum unsere beiden Gegner schon so lange in der ersten Liga in oberen Tabellenregionen rangieren.

Am 28.10. machten wir uns gut ausgeschlafen auf dem Weg zum Spielort (Gemeindehalle) und freuten uns auf die ersten Partien. Mit unserem neuen Outfit, von unseren Sponsor Lüchau Baustoff GmbH, hatten wir zumindest zu Beginn die Aufmerksamkeit der Zuschauer… sie sehen aber auch schick aus, die neuen Blusen.

Gegen die WE- Gastgeberinnen ging es dann ab 14.10 Uhr nicht mehr um den optischen Eindruck neben dem Brett, sondern auf das was auf den 64 Feldern passierte und das war leider nur bei Carina Brandt (Remis) und auf jeden Fall bei Nathalie Wächter (Gewinn) positiv anzusehen.

Carina Brandt rechts im Bild
Carina Brandt rechts im Bild

Das 1,5:4,5 war für Deizisau voll verdient und für uns nicht unbedingt überraschend.

Zurück in Weinstadt gönnten wir uns kroatische Küche auf dem Land. Noch während wir uns auf das Essen freuten, kamen bereits über 40 Partien von Wolfgang per Mail und viele nützliche Tipps. Natürlich auch aufmunternde Kommentare von unseren Fans (und das werden immer mehr) und weitere Hinweise für unsere Vorbereitung auf den 2. Gegner.

Noch vor Beginn der 2, Runde gratulierten wir natürlich den Hamburgern zu ihren überraschend klaren Erfolg vom Vortag gegen unseren jetzigen Gegner. Aus HSK Sicht gelang endlich mal ein Erfolg gegen die Hallerinnen und natürlich wollten wir die Verunsicherung vom SK nutzen und ebenfalls sensationelles auf die Bretter bringen. Allein die immer noch geballte europäische Spitzenklasse des Frauenschachs dämpfte etwas unseren Optimismus… aber das sollte während der Wettkämpfe nicht interessieren.

Die ersten 2 Stunden tat sich dann für die Zuschauer bei Chess24 auch überraschendes beim Wettkampf von TuRa gegen Schwäbisch Hall. An 4 der 6 Bretter standen wir richtig gut und nur bei Maria und Nathalie stand es etwas bedenklich …. doch dann der Schock für die Fans zu Hause. Der nette Schachfreund, der die Live- Übertragung betreute hatte die Namen vertauscht und so änderte sich auch die Sichtweise auf die zu erwartenden Ergebnisse. Allerdings blieben die 2 Siegchancen und 2 Remis- Möglichkeiten für uns. 3:3 wäre großartig, wenn es nicht unmittelbar in kürzester Zeit 2 Fehlentscheidungen bei Inga und Carina gegeben hätte. So blieb es bei 2 vollen Punkten durch Nathalie (2 aus 2) und Maria. Das 2:4 ist dennoch ein schöner Achtungserfolg und die insgesamt 3,5 Brettpunkte gegen 2 Spitzenteams können uns vielleicht nochmal helfen.

Der Hamburger SK konnte auch gegen Deizisau mit 4,5:1,5 gewinnen was den Norden freut und zudem die vorübergehende Tabellenführung bringt.

Unsere Zweite konnte innerhalb der Regionalliga gewinnen und ist mit dem SV Holstein Quickborn zusammen Tabellenführer. Mit 3,5:0,5 war der Matchsieg gegen den Neuling Elmshorner SC sehr deutlich. Annika Ewers, Jasmin Zimmermann und Luisa Janke holten volle Punkte und Vanessa Foos eroberte ein Remis. Mitte November kommt es in Norderstedt zum Liga- Spitzenduell gegen Quickborn I.

Nach dem Match ging es bei beginnendem Schneefall zurück nach Mainz, Polen, Dessau und Hamburg. Mitte November geht es in Hamburg weiter und mal schauen was dann am Sonntag im Bericht stehen wird.



Über den Autor

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Georgios Souleidis ist Internationaler Schachmeister und hat in Bochum Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Er arbeitet als Journalist, Autor und Schachtrainer. Er schreibt u.a. als Chefredakteur für die Schachbundesliga, für Chessbase, die Zeitschrift SCHACH, SPIEGEL ONLINE oder die Deutsche Presse-Agentur. Falls er mal nicht schreibt oder Training gibt, versucht er aktiv am Brett zu beweisen, dass 1. e2-e4 der beste Eröffnungszug ist.