Ullis Randnotizen - Selbst lenken oder sich fahren lassen?

Erstellt am: 23.01.2017

Vor kurzem haben sich die Mitgliedervereine der Schachbundesliga in Kassel getroffen. An sich nicht sonderlich berichtenswert, zumal sich die Clubs ja in einem regelmäßigen Rhythmus treffen, um die Dinge zu besprechen, über die man halt in einem Verein so debattiert: Berichte, Kassenprüfung, Wahlen, Satzungs- oder Turnierordnungsänderungen usw..

Diesmal wurde auch sehr intensiv über die Frage diskutiert, wie man die Schachbundesliga nachhaltig zukunftsfähig macht. Im Rahmen der sehr engagiert geführten Debatte gab es auch vereinzelte Stimmen, ob es nicht besser sei, wieder in den Schoß des DSB zurück zu kehren.

Man kann ja nahezu über alles reden, aber geht es denn der Bundesliga tatsächlich so schlecht, dass man wieder reuevoll zurück ins Elternhaus muss?

Um es vorwegzunehmen: Die Einzelstimmen spiegelten nicht die Meinung der absolut überwiegenden Mehrheit der Mitgliedervereine wider. Und das ist auch gut so, denn ich glaube, dass wir unsere Leistungen nicht verstecken müssen. Ohne mich rückversichert zu haben, gehe ich auch davon aus, dass sich unsere Gründerväter wohl sehr wundern würden, wenn wir die gute Arbeit, die seit 2007 geleistet worden ist, nun einfach wieder vergessen und in den Sack hauen! Warum sollten wir das eigentlich tun?

  • Kann die Schachbundesliga ändern, dass wir eine Randsportart sind? Wohl kaum! Wir können nur versuchen, unseren Sport populärer zu machen! Hier ist übrigens eine Kooperation mit dem DSB nicht nur sinnvoll, sondern durchaus angezeigt. Nur gemeinsam sind wir stark! Wir sollten also weiterhin versuchen, die Liga so interessant wie möglich zu gestalten und eine gute Außendarstellung zu bewirken.
  • Kann die Schachbundesliga Einfluss auf Vereinsstrukturen und vereinsinterne Organisationsformen nehmen? Nein! Aber auch auf diesem Feld muss mit dem DSB zusammengearbeitet werden, denn natürlich darf zwischen der Bundesliga und den nachgeordneten Spielklassen keine unüberwindbare Kluft entstehen. Wir müssen daher für unsere Mitgliedervereine gute Randbedingungen schaffen, ohne dabei auch die Belange künftiger Aufsteiger aus dem Blick zu verlieren.
  • Kann die Schachbundesliga größere Finanzmittel für seine Mitgliedervereinen akquirieren? Ein zugegeben sehr diffiziles Thema! Vielleicht ist es auch deshalb so schwierig, den Posten des Marketingvorstandes kontinuierlich zu besetzen. In der Vergangenheit ist es jedenfalls nicht gelungen, ein bundesweites Sponsoring einzuloben. Könnte der eigentliche Grund dafür sein, dass sich der DSB und die Schachbundesliga den gleichen Markt teilen? Dann sollten wir vielleicht einmal gemeinsam daran arbeiten, Schach in Deutschland als Gesamtpaket zu vermarkten.

Wohlgemerkt: Ich rede hier nicht das Wort, dass wir für alle Fragen schon perfekte Antworten haben. Aber wer die demokratischen Strukturen der Liga kennt, der versteht, wie schwierig es ist, selbst kleine Veränderungen zu bewirken. Doch diese Schwierigkeiten ertrage ich gerne, wenn die Alternative dazu wäre, die Flinte ins Korn zu werfen. Meine Güte – schaut auch mal darauf, was in den letzten 10 Jahren entwickelt wurde: Die vermutlich stärkste Schachliga der Welt in einem mehr als angemessenen Rahmen mit überwiegend kostenfreien Leistungen für die Schachfans.

Übrigens könnte man sich auch trefflich darüber streiten, ob der DSB mit seinen teilweise heterogen wirkenden Kräften und Strukturen mehr erreicht hätte. Ich habe da eine eigene Meinung zu. Allerdings sind viel zu viele Konjunktive in dieser These.

Um es also zusammenzufassen: Ich fahre lieber selbst, denn dann weiß ich wenigstens, wo’s lang- und hingeht. Die Fahrt ist natürlich nicht ganz so bequem.



Über den Autor

Ulrich Geilmann wurde 1963 in Essen geboren und wohnt am Niederrhein. Er ist diplomierter Stadtplaner und im öffentlichen Dienst tätig. Der ehemalige Teamchef der 1. Mannschaft der SF Katernberg ist Hobbyschachspieler und Vizepräsident des Schachbundesliga e. V..