Schachgeschichten (13) - Dr. Hübners strafender Blick

Erstellt am: 21.01.2016

In der Schachbundesligasaison 1988/89 war ich bei der Begegnung Bayern München - Sindelfingen Zeuge der Post mortem Analyse der Partie Dr. Hübner gegen Stefan Mohr. Die beiden Meister analysierten ihre Partie, in der der junge Mohr eigentlich die ganze Zeit über am Drücker gewesen war.

An einer Stelle glaubte ich, einen Gewinnzug für den Nachziehenden gesehen zu haben: 26...Sd2+ schien zu sofortigem Matt oder großen Materialverlusten für Weiß zu führen. Da ich jedoch wusste, dass Dr. Hübner kein Freund von seitlich reinquatschenden Kiebitzen war, schnappte ich mir unser Spitzenbrett Dr. Fahnenschmidt und ging mit ihm in einen Nebenraum, wo wir die Stellung aufbauten und meinen Zug überprüften. Wir stellten schnell fest, dass ich Recht hatte - nach Sd2+ wäre Hübner rettungslos verloren gewesen. Zurück am Brett, wo die Protagonisten immer noch die fragliche Stellung untersuchten, warf ich jetzt ein: "Stefan, mit Sd2 hättest Du leicht gewinnen können" in die Runde. Eine Millisekunde später traf mich ein strafender Blick Hübners. Doch schon rund 2 Sekunden später änderte sich sein Gesichtsausdruck schlagartig und es schien fast, als wäre ihm sein strafender Blick sogar ein wenig peinlich geworden, denn er sagte nachdenklich: "Das scheint zu stimmen!".

Danach durfte ich mit analysieren... .

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Partie(n) zum Nachspielen: 
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Dieter Migl spielte insgesamt 21 Mal für den VFL Sindelfingen und die Stuttgarter Schachfreunde in der 1. Bundesliga. Seine höchste ELO-Zahl erreichte er 1992 mit 2290.

Über den Autor

Marc Lang

Marc Lang ist selbstständiger Programmierer aus dem schwäbisch-bayerischen Günzburg. Er ist bekannt für seine Blindschachveranstaltungen und hielt bis Dezember 2016 den Weltrekord im Blindsimultan gegen 46 Gegner, aufgestellt 2011 in Sontheim/Brenz. Wenn Sie Fehler auf dieser Webseite finden, stammen sie zu 90% von ihm.

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