OSG Baden-Baden vs. Werder Bremen - die Achte
Von Philipp Schlosser
Der Kampf zwischen Baden-Baden und Werder Bremen ist traditionell eines der Highlights der gesamten Saison. Traditionell ist es auch, dass Großmeister Philipp Schlosser diesen Kampf exklusiv für die Webseite der Schachbundesliga analysiert: Lehrreich, unterhaltsam und der Bedeutung des Ereignisses in der Form und Länge angemessen.
Inzwischen habe ich mich fast an meine Rolle als Chronist der Elefantenrunde der deutschen Schachbundesliga gewöhnt. Bei meiner ersten Schreibübung vor drei Jahren saß ich noch selbst an einem der acht Bretter und konnte einen wichtigen Punkt zum 4,5:3,5-Sieg meiner Mannschaft beisteuern. In den beiden letzten Jahren hat sich das Aufeinandertreffen des deutschen Mannschaftsmeisters der letzten vier Jahre OSG Baden-Baden und des (fast) ewigen Zweiten Werder Bremen aber zu einem wahren G2-Gipfel entwickelt, in dem das Beste mobilisiert wird, was die Kader und deren Terminpläne hergeben. Ein paar Stammspieler müssen dafür auf beiden Seiten ein Wochenende lang auf der Ersatzbank Platz nehmen. Letzten Samstag nutzte ich die freie Zeit, um im Baden-Badener Schachzentrum LA8 mit anderen daheimgebliebenen Schachfreunden die Partien der Liveübertragung zu verfolgen. Viel Spaß hatten wir leider nicht bei dem, was wir zu sehen bekamen. Immerhin war das Match aber dramatisch. Die ausstehenden beiden Doppelrunden sind so spannend wie lange nicht mehr und wer weiß vielleicht wird es nach der Saison 2004/05 wieder einen Stichkampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft geben!?
In einem ersten Durchgang besahen wir uns die Eröffnungen aller Partien der Rangfolge nach in aller Ruhe. Dann standen nach knapp zwei Stunden Spielzeit die ersten Ergebnisse an.
Schon um 15:34 steht mit einer Zugwiederholung zwischen Etienne Bacrot und Zahar Efimenko das Remis nach knapp eineinhalb Stunden Spielzeit fest. Mit einem Bauernopfer in einer katalanischen Variante, die Efimenko und sein ukrainisch-werderaner Teamkollege Eljanov bereits bei der Mannschaftseuropameisterschaft 2009 in Novi Sad erfolgreich getestet hatten, hatte die Partie aber durchaus vielversprechend begonnen! Letztlich war der Spannungsbogen doch nur, aber heftig, nachdem Zahar mit 13...b5!? den Spieß umdrehte und seinerseits einen Bauern opferte.
Bacrot,Etienne (2713) - Efimenko,Zahar (2657) [E11]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 d5 4.Sf3 Lb4+ 5.Ld2 Le7 6.Lg2 c6 7.0-0 Sbd7 8.Sc3 dxc4 9.a4 0-0 10.a5 c5 11.e3 cxd4 12.exd4 Sd5 13.Da4 b5!?
14.Dxb5 Danach endet die Partie schnell in einer Remisschaukel. Ob das weiße Spiel mit 14.Sxb5 La6 15.Tfc1 zu verbessern ist?
a) 15...Tb8 16.Sxa7 Txb2 17.Sc6 De8 18.Lf1.
b) 15...S7f6 16.Lf1 Dd7 (16...Lxb5 17.Dxb5 Tb8 18.Dxc4 Txb2 19.Tab1 Txb1 20.Txb1 Se4 21.Le1) 17.Lxc4 Tab8 18.Se5 Db7 19.Sa3.
c) 15...h6 16.Lf1 Lxb5 17.Dxb5 Tb8 18.Dxc4 Txb2 19.Tab1 Txb1 20.Txb1 Da8 21.Se5.
d) 15...Db8 16.Sa3 Lxa3 (16...Tc8 17.Sxc4 Lxc4 18.Txc4 Txc4 19.Dxc4 Dxb2 20.Tc1) 17.Dxa3 Tc8 18.Le1 Db7 19.Tc2 Tab8 20.Tac1 h6 21.Sd2.
e) 15...De8 16.Sa3 Lxa3 (16...Tb8 17.Sxc4 Lxc4 18.Dxc4 Txb2 19.Tab1) 17.Dxa3 Tb8 18.Lc3 Dc8 19.Le1 Db7 20.Tc2.
Jeweils mit etwas besserer Stellung für Weiß.
14...Tb8 15.Dxc4 Sb4! 16.a6 16.Lf4 La6 17.Db3 Tb7! (17...Lxf1 18.Lxf1 mit Initiative) 18.Tfb1 Sd3 19.Dc2 Sxf4 20.gxf4 Tb4 mit Kompensation. 16...Sc2
17.Ta2 17.Tac1 Sb4 18.Ta1=. Mit 17.Sd5 Sxa1 18.Sxe7+ Dxe7 19.Txa1 Txb2 20.Dc7 e5 21.Lc3 Tb3 22.Sxe5 De6 23.Sxd7 Lxd7 24.Ld2 konnte Weiß die Partie zwar fortsetzen, jedoch riskiert er bei diesem Qualitätsopfer mehr als sein Gegner, obwohl die Stellung sich noch in der Remisbreite befindet. 17...Sb4 18.Taa1 Sc2 19.Ta2 Sb4 ½-½
0,5-0,5
Spanisch, immerhin kein Russisch, ist an den beiden ersten Brettern zu sehen: Neu-Archangelsk in Gashimov-Anand, Breyer in Svidler-Mamedyarov. Das Erste war zu erwarten, schließlich spielt der Weltmeister seit dem Tal-Memorial Ende vergangenen Jahres die Lieblingsvariante seines Baden-Badener Teamkollegen Alexei Shirov praktisch ausschließlich. Eben dort hatte Vugar gegen Vishy alles schon einmal bis zum zehnten Zug auf dem Brett. Dann folgte mit 11. Dd3 statt 11.Lg5 die Abweichung. Dennoch war Anand zumindest bis nach dem 20.Zug in seiner Vorbereitung, wie er im Audiokommentar nach der Partie erklärte. Um 16:02 vermeldet der Liveticker dann den Friedensschluss. Ob wir gegen Topalov mehr Neu-Archangelsk zu sehen bekommen oder doch etwas anderes?
Gashimov,Vugar (2759) - Anand,Viswanathan (2790) [C78]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 b5 6.Lb3 Lc5 7.a4 Tb8 8.c3 d6 9.d4 Lb6 10.axb5 axb5 11.Dd3 11.Lg5 h6 12.Lxf6 Dxf6 13.Dd3 exd4 14.Dxb5 Ld7 15.De2 0-0 16.La4 Tfe8 ½-½ Gashimov,V (2758)-Anand,V (2788), Moskau 2009. 11...0-0 12.Lg5 exd4 13.cxd4 h6 14.Lh4 g5 15.Lg3 Sh5 16.Tc1
16...Ld7 17.e5 Kg7 18.exd6 Sxg3 19.dxc7 Dxc7 20.hxg3 Dd6 21.Sc3 Sxd4 22.Sd5 22.Sxd4 Dxd4 23.Dxd4+ Lxd4 24.Td1= ½-½ Poetz,F (2317)-Hartl,D (2253), Graz 2010. 22...Sxb3 23.Dxb3 b4= 24.Sxb6 Dxb6 25.Dd3 Tfd8 26.Ta6 Lb5 27.Txb6 Lxd3 28.Txb8 Txb8 29.Se5 Lf5 30.Tc7 Le6 31.Sc6 Tb6 32.Sd4 Td6 33.Sxe6+ Txe6 34.Kf1 Te4 35.b3 g4 36.Tb7 Kg6 37.f3 gxf3 38.gxf3 Te3 39.Txb4 Txf3+ 40.Kg2 ½-½
1-1
Nicht so einfach wird es wohl für Peter gewesen sein, die Eröffnung seines Gegners zu erraten. Immerhin hatte sich der Wechselspieler Mamedyarov nach einer sizilianischen Phase zu Beginn des letzten Jahres zuletzt doch ziemlich auf 1. e4 e5 eingeschossen. Aber Breyer hatte Shakhriyar nur in einer Partie gespielt, das immerhin bei seinem letzten Turnier und siegreich! Dennoch gelang es hier dem Anziehenden ebenso wenig, seinen gut vorbereiteten Gegner vor Probleme zu stellen, wie am Spitzenbrett. Das Remis wird nur eine Minute später als am Spitzenbrett vereinbart. Interessant übrigens, daß Shirov und Baramidze tags darauf die ersten vierzehn Züge wiederholten bis Alexei mit 15.b4 von Peters Vorbild mit 15.b3 abwich. Aber ob das oder der Gegner den entscheidenden Unterschied ausmachte, sei dahingestellt...
Svidler,Peter (2744) - Mamedyarov,Shakhriyar (2741) [C95]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 d6 8.c3 0-0 9.h3 Sb8 10.d4 Sbd7 11.Sbd2 Lb7 12.Lc2 Te8 13.a4 Lf8 14.Ld3 c6
15.b3 15.b4 Sb6 16.axb5 cxb5 17.d5 Tc8 18.Db3 Dc7 19.Lb2 Sh5 20.Tac1 f5 21.c4ƒ 1-0 Shirov (2723)-Baramidze (2519)/Bundesliga-Heidelberg [HSK-BAD] 2010. 15...g6 16.La3 Sh5 17.Lf1 Sf4
18.g3 18.Dc2 exd4 (18...Tc8 19.Tad1 Db6 20.b4 Dc7 21.c4 exd4 22.cxb5?! d3! mit Initiative in Rasmussen,A (2536)-Avrukh,B (2641), Helsingor 2009) 19.cxd4 Tc8 20.Tad1 Db6 21.b4 Se6 22.Sb3 Lg7 23.Lb2 bxa4?! 24.Sa5 c5? 25.Dxa4± Anand,V (2791)-Kamsky,G (2725), Nizza 2009. 18...Se6 19.b4 Tc8 20.Sb3 Sb6= 21.Sa5 La8 22.axb5 axb5 23.dxe5 dxe5 24.Dxd8 Texd8 25.c4 bxc4 26.Sxc4 Sd7 27.Ted1 c5 28.bxc5 ½-½
1,5-1,5
Schablone mit 18...Lc6 oder ein echter Movsesian mit 18...Sd5!?
In der Begegnung Fressinet-Movsesian wurden wir Zeuge einer anderen aktuellen theoretischen Diskussion. Sergei kopierte hier ein von Kramnik beim Tal-Memorial wiederbelebtes, vorher praktisch vergessenes Abspiel im Damengambit. Nach nur 21 Zügen war das dritte Remis des Wettkampfes um 17:35 perfekt.
Fressinet,Laurent (2670) - Movsesian,Sergei (2708) [D39]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.d4 Sf6 2.Sf3 e6 3.c4 d5 4.Sc3 dxc4 5.e4 Lb4 6.Lg5 h6 7.Lxf6 Dxf6 8.Lxc4 c5
9.0-0 9.e5 Dd8 10.d5 exd5 11.Lxd5 0-0 (11...Lxc3+ 12.bxc3 0-0 13.0-0 Dc7 14.Db3 Sc6 15.Tfe1 Lg4 16.e6 Lxe6 17.Lxe6 fxe6 18.Txe6 Df7= 19.Tae1 Kh8? 20.Db5± 1-0 Aronian,L (2786)-Morozevich,A (2750), Moskau 2009) 12.Tc1 Sc6 13.0-0 Sd4!? mit unklarer Stellung in Aronian,L (2786)-Kramnik,V (2772), Moskau 2009. 9...0-0 9...cxd4 10.e5 Dd8 11.Se4 0-0 12.De2 Ld7 13.Tfd1 Sc6 14.a3 Le7 15.b4 Db8 16.Sg3 b5 17.Lxb5 Sxe5 18.Lxd7 Sxd7= Grischuk,A (2736)-Aronian,L (2781), Linares 2010. 10.e5 Dd8 11.De2 cxd4
12.Tfd1 12.Tad1 Ld7 13.Se4 Sc6 14.Sg3 Dc7 15.Ld3 Se7 16.Tc1 Lc6 17.Sxd4 Tad8 18.Tc4 Db6 mit Gegenspiel in Kramnik,V (2788)-Ivanchuk,V (2749), Wijk aan Zee 2010. 12...Sc6 13.De4 Lxc3 14.bxc3 Ld7 15.cxd4 Se7 16.Ld3 g6 17.Df4 Kg7 18.Le4
18...Sd5 18...Lc6 19.Lxd5 exd5 20.Tdc1 Le6 21.Tab1 ½-½
2-2
Nur 20 Minuten länger dauerte die Partie zwischen zwischen Pavel Eljanov und Alexei Shirov. Die beiden spielten einen ruhigen Anti-Meraner. Mit 11...Db8 wich Alexei schließlich von einer Partie ab, die sein Gegner in Khanty Mansiysk gegen Inarkiev nach 11...a6 gewonnen hatte. In der Folge baute sich die Spannung rasch auf, aber auch schnell wieder ab.
Eljanov,Pavel (2736) - Shirov,Alexei (2723) [D46]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.e3 e6 5.Sf3 Sbd7 6.Dc2 Ld6 7.Le2 0-0 8.0-0 dxc4 9.Lxc4 b5 10.Ld3 Lb7 11.Td1 Db8 12.e4 e5 13.dxe5 Sxe5 14.Sxe5 Lxe5 15.h3 a6N 16.a4 Tc8 17.Le3 c5
18.Sd5 18.axb5 c4 19.bxa6 cxd3 20.Dxd3 Lc6 21.Ld4 ist unklar. 18...Lxd518...c4 19.Se7+ Kh8 20.Sxc8 cxd3 21.Dc5 Lxc8 22.axb5 Lb7 23.f3 mit etwas besserer Stellung für Weiß;
18...Sxd5 19.exd5 g6 20.axb5 axb5 21.Txa8 Lxa8 22.Lxc5 Lxd5= 19.exd5 c4 20.Le2 Dd6 21.axb5 axb5 22.Txa8 Txa8 23.b3 cxb3 24.Dxb3 b4 24...Se4!? 25.Lxb5 Sc3 26.Te1 Tb8 27.Lf4 Txb5 28.Lxe5 Txb3 29.Lxd6 h6= 25.Dc4 Db8
26.Tb1 26.Lf3 b3 27.d6 b2 28.Lxa8 b1D 29.Txb1 Dxb1+ 30.Dc1 Dxc1+ 31.Lxc1 Lxd6= 26...Lh2+ 27.Kf1 ½-½
2,5-2,5
„Luft nach oben“ oder „Draw from above“
„Tatsächlich neutralisierten sich nach etwa 3,5 Stunden alle Spitzenleute von Brett 1 bis 5, wobei in den Partien Shirov-Eljanov und Fressinet-Movsesian Werder schon "etwas Luft nach oben" hatte,“ schreibt Claus Dieter Meyer, Urgestein und Trainer bei Werder, in seinem Bericht auf der Wesbseite seines Vereins. Warum machte Fressinet dann nur zum frühestens möglichen Zeitpunkt im 21.Zug Remis? Gerade bei dem in diesem Wettkampf betriebenen Aufwand hatte sicher keine Seite der anderen etwas zu schenken! Aber ich gebe zu, mir ging es nicht anders: Nur suchte ich an Brett 4 bei Etienne nach vergebenen Chancen. Zwar stieß ich dabei durchaus auf kleine Verbesserungen, an der grundsätzlichen Bewertung können diese aber auch nichts ändern. Nein: an diesen Brettern bekamen wir korrektes Schach zu sehen, das für Theoretiker sicher spannender ist als für Schlachtenbummler, die Blut sehen wollen!
Strategie, Taktik, Zeitnot, kleine & große Fehler und ein Pitbull
An Brett sechs und acht konnten Michael Adams sowie Peter Heine Nielsen gegen Alexander Areshchenko resp. Tomi Nyback aus der Eröffnung kleine, aber dauerhafte strategische Vorteile für sich verbuchen. Dagegen hatte Michael Roiz gegen die deutsche Nummer eins Arkadij Naiditsch absolut nichts aus seinem Anzugsvorteil machen können. Aber vielleicht wurde gerade das Arkadij zum Verhängnis, der wirklich ein Kämpfer vorm Herrn ist, wie ich zumindest auf diesem Niveau keinen zweiten kenne?
Roiz,Michael (2657) - Naiditsch,Arkadij (2687) [A13]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.g3 d5 4.Lg2 dxc4 5.Da4+ Sbd7
Früher hatte ich beiden Farben oft selbst so gespielt. Aus dieser Erfahrung erlaube ich mir zwei Regeln abzuleiten:
1) Gelingt es dem Anziehenden, seinen Gegner am Fianchetto seines Damenläufers zu hindern, kann er auf einen dauerhaften Vorteil hoffen.
2) Bei genauem Spiel gelingt dem Nachziehenden aber genau das und damit die Stellung völlig auszugleichen. [Erst später wurde es Mode, mit Schwarz 5...c6 6.Dxc4 b5 zu spielen. Obwohl er damit für seine Idealaufstellung (Lb7, Sbd7, a7-a6, c6-c5) so zwar ein Tempo mehr braucht, kann er diese so sogar noch einfacher erreichen! 6.Dxc4 c5 7.Db3 Ld6 8.0-0 0-0 9.Sc3 a6 10.a4 Dc7 Natürlich nicht 10...b6? 11.Sg5!± …Tb8 12.Sxe6+- 11.d3
Gerne würde Weiß den Bb7 mit 11.a5 fixieren, nur tut es Schwarz ihm darauf mit 11...c4= gleich und gleicht das Spiel aus. 11...b6 Damit setzt Schwarz den oben erwähnten Plan um, seinen Damenläufer zu fianchettieren. Gleichzeitig vermeidet er die durch a4-a5 drohende Entwertung seines Damenflügels. 11...Tb8?! 12.a5 b5 13.axb6 Sxb6 14.Sd2 mit besserer Stellung für Weiß in Suba,M (2525)-Gutierrez Martinez,J (2290), Hospitalet 1994, ist das, wonach Weiß in dieser Variante strebt. 12.Se5 Lb7 13.Sxd7 Sxd7 14.Lxb7 Dxb7 15.Le3=
Es ist schon eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die Partie am Ende die Entscheidung bringen wird, in der nach der Eröffnung am wenigsten los ist! 15...Tfc8 16.Tfc1 Le5 17.Se4 Dd5 18.Dc2 f5?!
In den letzten Zügen scheinen die Figuren nur eine Richtung zu kennen: Weiß nach hinten, Schwarz nach vorne. Jedoch täuscht der Eindruck: Da schon zwei Leichtfigurenpaare abgetauscht sind, bedeutet der Schwarze Raumvorteil nichts. 19.Sd2 Lf6 20.Tab1
20...b5? War 18...f5 nur unnötig verpflichtend, so überspannt Arkadij mit diesem weiteren Bauernvorstoß den Bogen. Notwendig war 20...Se5 mit den folgenden Möglichkeiten:
a) 21.Sc4 Sd7 22.Sd2 (22.a5?! b5 23.Sb6 Sxb6 24.axb6 Tab8 25.Lxc5 Txb6 26.Lxb6 Txc2 27.Txc2 Db3 Mit einer solchen Dame sammelte Arkadij in Chanty-Mansiysk gegen Svidler gute Ehrfahrungen gegen zwei Türme) 22...Se5=;
b) 21.a5 bxa5 22.Lf4 Sg6 23.Le3 Tab8 (23...Se5=) 24.Sc4 Tb5 unklar;
c) 21.b4 Sg4 22.b5! Nur so kann Weiß versuchen, Schwarz vor Probleme zu stellen. 22...Sxe3 23.fxe3 a5 24.Sc4 Rybka sieht diese Stellung zwar wie alle anderen zuvor als völlig ausgeglichen an, jedoch glaube ich, daß der Sc4 das Potential hat, Schwarz langfristig zur Last zu fallen;
21.axb5 axb5 22.b4 Se5 Ob es Arkadij ebenso wie Rybka ging? Der sieht anfangs die Folge 22...Ta2 23.Dd1 Lb2 24.Tc2 Ld4 25.Lxd4 Txc2 26.Dxc2 Dxd4 27.Sf3 als ausgeglichen an, erkennt auf Dauer aber immer mehr, daß Weiß am Ende mit der besseren Bauernstruktur gegenüber den Schwächen Bb5 und Be6 verbleibt. 23.bxc5 Ta2 24.Dd1 Sg4
25.Sf1 Nichts sprach dagegen, mit 25.Txb5± sofort einen zweiten Bauern zu kassieren. 25...Lb2 (25...Ld4 26.Sf1) 26.Tc4 Tca8 (26...Ta1 27.Sb1) 27.Sb3. 25...Ld4 26.Txb5± f4!? Ein Versuch in Zeitnot und verlorener Stellung zu zaubern. 27.gxf4 Gut war auch 27.Lxd4 Dxd4 28.De1 27...Lxe3
28.fxe3? Der Fehler, auf den Schwarz gehofft hatte! Richtig war das andere Schlagen auf e3: 28.Sxe3! Dh5 29.Sf1! +- In Zeitnot verfügt Schwarz zwar noch sicher über Schwindelchancen, ausreichende Kompensation für drei (!!) geopferte Bauern kann er aber nicht haben: 29...Dg6 (29...Dh4 30.De1) 30.De1! Tf8 31.c6 Sxf2+ 32.Sg3 Sh3+ 33.Kh1 Sxf4 34.c7 Taa8 35.Db4 28...Sxe3! 29.Sxe3 Dd4= Nun gewinnt Schwarz bis auf einen Bauern das ganze geopferte Material zurück und sollte trotz des starken Freibauern c5 angesichts der offenen weißen Königsstellung leicht remisieren. 30.Kg2 Nichts für Weiß zu holen war war auch nach 30.Tc2 Dxe3+ (30...Ta1? 31.Tb1 Txb1 32.Dxb1 Dxe3+ 33.Kh1 Dxf4 34.c6±) 31.Kh1 Txc2 32.Dxc2 Dxf4 33.Tb1 Df5 34.Tc1 Dd5+ 35.e4 Dg5 Der Bc5 wirkt hier zwar noch recht gefährlich und der Kh1 einigermaßen sicher, jedoch gelingt es Schwarz mit genauen Zügen, die Koordination des weißen Spiels zu verhindern: 36.c6 (36.Dc4 Df6!=) 36...Df4!= 30...Dxe3 31.Tc2 Txc2 32.Dxc2
32...Tf8?! Objektiv ist das zwar noch kein Fehler, finde ich den hinter diesem Zug stehenden Mut und Optimismus einfach unglaublich: statt das mit 32...Dxf4= relativ leicht zu habende Remis abzuholen und sich zu freuen, den Kopf noch einmal aus der Schlinge gezogen zu haben, spekuliert Arkadij noch auf mehr! Offenbar hatten Adams und Nielsen zu diesem Zeitpunkt ihren Vorteil bereits vergeben. Allerdings hatten sie trotz nunmehr leichter Nachteile objektiv nichts zu befürchten und so war mit 4-4 unser Minimalziel durchaus in Reichweite...
Nur:
1) sprach der Trend in dem Match tatsächlich gegen Baden-Baden!
2) kennt ein richtiger Pitbull kein Unentschieden! 33.Tb1 Einen Versuch wert war 33.Tb4!? Tf6! 34.Kh1 und nun führt 34...Txf4? nach 35.Txf4 Dxf4 36.Kg1 Dg4+ 37.Kf1 Df4+ 38.Ke1 Dxh2 39.c6±
Analysediagramm
zu einem Damenendspiel, das noch später in einigen Abspielen zu erreichen ist. Trotz materiellen Gleichstands sollte der Freibauer c6 den Ausschlag für Weiß geben. Besser ist daher 34...Tg6 35.Tb8+ Kf7 36.Db1 Tg4 mit intakten Remischancen, obwohl Weiß hier im Gegensatz zur Partie noch etwas versuchen kann. 33...Txf4?!
Hier wäre grundsätzlich das gleiche zu sagen wie schon im 32.Zug. 33...Dxf4!= mit den Verzweigungen:
a) 34.c6?? Dg5+ 35.Kh1 Tf2 36.Tg1 Dh4-+;
b) 34.Tg1 Tf5 35.Da2 Tg5+ 36.Kh1 Txg1+ 37.Kxg1 Dc1+ 38.Kg2 Dg5+ 39.Kf3 Df5+= und der Bauer c5 fällt mit Schach oder Schwarz gibt Dauerschach;d
c) 34.Da2 De5 35.Tg1 Tf6 36.c6 Tg6+ 37.Kh1 Txg1+ 38.Kxg1 Dc5+=; d) 34.Kh1 De5 35.e4 Dh5 36.Tg1 g6 37.d4 Df3+ 38.Dg2 De3 39.Dg4 Kg7 40.Dxe6 Df3+ 41.Tg2 Dd1+ 42.Tg1 Df3+= 34.Tf1!
34...Tg4+? Habe ich meinen Job richtig gemacht, sollte Weiß jetzt wieder auf Gewinn stehen. Ganz sicher bin ich mir dabei jedoch nicht, obwohl bei mir keine Uhr tickte und ich mich mit Herzenslust mit meinen elektronischen Helfern beraten konnte: Ein Fall für Dr. Karsten Müller oder den Analysator CD Meyer?! 34...Th4!= 35.Kh1 (35.Tf3 De5 36.h3 Tb4!; 35.Tf2 Txh2+ 36.Kxh2 Dxf2+=) 35...Dh3 36.Tf2 De3 37.Tf3 De5 38.e3 (38.e4? Da1+= 39.Kg2 Tg4+ 40.Tg3 (40.Kh3 Tg6 41.Df2 Th6+ 42.Kg2 Tg6+ 43.Tg3 Tf6=) 40...Tf4 41.Kh3 Tf6 42.De2 Dh1=) 38...Da1+ 39.Kg2 Tg4+ 40.Kh3 (40.Tg3? Ta4!-+) 40...Tg6 41.Df2 Th6+ 42.Kg2 Tg6+ 43.Tg3 Tf6 44.De2 De5 45.Dg4 (45.d4 De4+= 46.Tf3 (46.Kg1 Db1+ 47.Kg2 De4+) 46...Dg4+ 47.Kf2 Dh4+ 48.Kf1 Dh3+ 49.Kf2 Dh4+) 45...Dd5+ 46.Kg1 (46.e4 Da2+ 47.Kh1 Tf1+ 48.Tg1 Txg1+= 49.Kxg1 (49.Dxg1 De2) 49...Db1+ 50.Kf2 Dc2+) 46...g6 47.Dd4 (47.d4 Da2 48.h4 Df2+ 49.Kh1 De1+ 50.Kh2 Tf2+ 51.Tg2 Dxe3) 47...Df5 48.Kh1 Df1+ 49.Tg1 Df3+=] 35.Kh1 Dh3 35...Tf4 36.Txf4 Dxf4 37.Kg2 Dg5+ 38.Kf1 Df4+ 39.Ke1 Dxh2 40.c6± vgl. Analysediagramm 36.Tg1 Th4 36...Txg1+ 37.Kxg1 De3+ 38.Kg2 Dg5+ 39.Kf1 Df4+ 40.Ke1 Dxh2 41.c6± vgl. Analysediagramm.
37.e4? Dieser natürliche Bauernzug eröffnet Schwarz neue Remischancen. Keine Rettung sehe ich dagegen für Schwarz nach 37.Tg2! Tf4 38.Dc3 da das uns bereits bekannte Damenendspiel 38...Tf1+ 39.Tg1 Txg1+ 40.Kxg1 De3+ 41.Kf1 Df4+ 42.Ke1 Dxh2 43.c6± vgl. Analysediagramm mit Dc3 statt Dc2 ebensowenig haltbar erscheint wie das Turmendspiel nach 38...g6 39.De5 Df5 40.Dxf5 Txf5 41.d4±, oder irre ich mich da Karsten? 37...Th5 38.d4 De3 39.c6
39...g6? Nach zwei einzigen, keineswegs offensichtlichen Zügen, der entscheidende Fehler: Denkbar ist, dass es von einem Menschen einfach zuviel verlangt ist, am Brett die folgenden Varianten zu berechnen. Zumindest schien selbst meine Rybka gar nicht so recht daran glauben zu wollen: 39...Df4! 40.Te1! (40.c7? Txh2+ 41.Dxh2 Dxe4+=) 40...h6!= und Weiß gelingt es nicht, seine Stellung zu verstärken:
a) 41.Dg2 Dd6 42.De2 Th3 43.d5 (43.Dc2 Df4 44.Dg2 - 41.De2 Th3 42.Tg2; 43.Tc1 Df4!=) 43...Dg3 44.Tf1 (44.Tc1 Df4!) 44...De5;
b) 41.c7 Df3+ 42.Dg2 Dc3 43.De2 Tg5;
c) 41.De2 Th3 42.Dg2 Tc3 43.Tg1 g5 44.d5 exd5 45.exd5 De5 46.Tf1 (46.Td1 Td3!) 46...Kg7 47.h3 Td3 48.Tf7+ Kg6;
40.Tf1!+- Rien ne vas plus! 40...Dh3 41.Df2 1-0
3-4 (18:07)
Die Partie an Brett 8 endete kurz vorher in der Zeitnotphase (17:56)
Nielsen,Peter Heine (2697) - Nyback,Tomi (2643) [D15]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.e3 a6 5.Sf3 Lf5 6.Db3
6...Ta7 6...b5 7.c5! (7.cxd5 cxd5 8.a4 b4! 9.Dxb4 Sc6 10.Dc5 Sa5 11.Lxa6 Txa6 12.Db5+ Tc6 13.Se5 Ld7 14.Sxd7 Sxd7 15.Ld2 mit Kompensation) 7...Sbd7 8.a4 mit Initiative. 7.Sh4 Lg6 7...Le6 8.Ld2 g6 9.Sf3 Lg7 10.Le2 0-0 11.0-0 dxc4 12.Lxc4 Lxc4 13.Dxc4 mit etwas besserer Stellung für Weiß in Gelfand,B (2720)-Kamsky,G (2723), Moskau 2008. 8.Sxg6 hxg6 9.g3 9.Le2 e6 10.0-0 b5 (10...Sbd7 11.Ld2 Ld6 12.g3 0-0 13.Tfd1 b5 14.c5 Lc7 15.a4) 11.c5 a5 12.Ld2. 9...e6 10.Lg2 Sbd7 11.0-0 Le7
12.Ld2 12.e4 dxe4 13.Sxe4 Sxe4 14.Lxe4 Db6 15.Dc3 Sf6 16.Lf3 Ta8 17.Le3 mit etwas besserer Stellung für Weiß. 12...Sb6 12...0-0 13.Tfd1 b5 (13...Db6; 13...Sb6 14.c5 Sc4 15.Le1 b6 16.cxb6 Sxb6 17.Tac1 Db8 18.Sa4 Sxa4 19.Dxa4 Dxb2 20.Txc6 a5 21.Lf1) 14.cxd5 cxd5 15.Se2 Sb6 16.Sf4 Sc4 17.Sd3;
12...Db6 13.Dc2 dxc4 14.Tfc1 mit Kopmensation. 13.c5 Sc4 14.Le1 b6 15.cxb6 Dxb6 16.Sa4 Db5 16...Dxb3? 17.axb3 Sd6 18.Tc1±; 17.Tc1 0-0 18.Dc2 Tc8
19.Lf3 19.b3 Sa3 (19...Sb6? 20.Sc3 Da5 21.Sxd5+-; 19...Sd6 20.Lc3) 20.Db2 a5 21.Lc3 Lb4 22.Tfd1 Taa8 23.Dd2 mit etwas besserer Stellung für Weiß. 19...Db8 20.Le2 Sb6 21.b4 Sxa4 22.Dxa4 Da8
23.Tc2 23.Dc2 Se8 24.Ld3 Sd6 25.a4 mit etwas besserer Stellung für Weiß; 23.f3 Ld8 24.Ld2 Sd7 25.Tc3 a5 26.b5 cxb5 27.Dxb5 mit etwas besserer Stellung für Weiß. 23...Ld8 24.Ld2 Se4 25.Db3 a5 26.bxa5 Lxa5 27.Lxa5 Txa5 28.Tb1 Ta3 29.Db7 Sc3
30.Dxa8 Tcxa8 31.Tbb2 Txa2 ½-½
Eine schöne Partie hatte eigentlich Adams an Brett sechs gespielt, doch wie im Vorjahr scheiterte Michael daran, die Früchte seiner überlegenen Strategie zu ernten, nur war gegen Areshchenko sein Vorteil nicht so überwältigend wie gegen Efimenko und diesmal verlor er nach zwei kapitalen Böcken im 33. und 51. Zug sogar!
Adams,Michael (2694) - Areshchenko,Alexander (2670) [B90]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.a4 e5 7.Sf3 Dc7 8.Le2 Sbd7 9.Le3 Sc5 10.Sd2 Le6 11.0-0 Le7 12.a5
12...d5N
Der erste neue Zug. Bislang wurde hier nur 0-0 und Tc8 gespielt. 13.exd5 Lxd5!? Eine interessante Idee, Areshchenko vermeidet den Abtausch des Sc3, um so die weiße Mehrheit am Damenflügel zu hemmen. 13...Sxd5 14.Sxd5 Lxd5 15.c4 Le6 (15...Lc6 16.b4 Se6 17.b5 Ld7 18.Lb6 Dc8 19.bxa6 bxa6 20.c5 0-0 21.Sc4±) 16.b4 Sd7 17.c5 0-0 18.Lc4 eine ungewöhnliche Struktur, die mich ein wenig an die erste Partie erinnert, die Vishy nach dem WM-Sieg in Mexiko 2007 gewann (gegen Yannik Pelletier in der Schlußrunde des Europapokals in Kemer). 14.Lf3 Nichts bringt 14.Sxd5 Sxd5 15.Lc4 Sxe3 16.fxe3 0-0 17.Df3 Lg5 14...Le6 14...Lxf3 15.Dxf3 0-0 16.Sc4 Weiß hat gute Felder für seine Springer und eine starke Bauernmehrheit am Damenflügel. 15.Sde4! Scxe4 16.Sxe4 Sxe4 16...Sd5 17.Sg5 Sxe3 (17...Lxg5 18.Lxg5) 18.Sxe6 fxe6 19.fxe3 mit leicht besserer Stellung für Weiß. 17.Lxe4 f5! Schwarz darf dem Anziehenden keine Zeit geben sein Druckspiel gegen den Bb7 zu koordinieren. 18.Lb6 Dc8 19.Ld5 Dd7 19...0-0 20.Df3 (20.c4) 20...e4 21.Db3 Lxd5 22.Dxd5+ Tf7 23.c3 mit leicht besserer Stellung für Weiß.
20.Te1!? Eine nette Finte: Weiß nutzt den Umstand, daß Schwarz zwar den Laufer auf d5 schlagen, die Mehrfigur in der Folge aber nicht behaupten kann. 20...Lf6 20...e4 21.Dh5+ g6 22.Lxe6 Dxe6 23.Dh6 21.Lxe6 Dxe6 22.Dh5+ g6 23.Dh6 Kf7 Schwarz gelingt es zwar auch ohne Rochade seinen König in Sicherheit zu bringen, jedoch wird Weiß dazu kommen, die d-Linie zu besetzen und seine Bauernmehrheit am Damenflügel zu mobilisieren. 24.Tad1 Lg7 25.Dh3 The8
26.Td2! Das ist genauer als die Bauern am Damenflügel sofort in Bewegung zu setzen, da Schwarz dann nach 26.b3 Te7 27.c4 Td7= sich durch den Abtausch eines Turmpaars entlasten kann. 26...Kg8 27.Ted1 Tac8 28.b3! e4 29.Td6 Df7 30.c4 Te6
Meiner Meinung nach ist das die kritische Stellung, wenn man das Ergebnis der Eröffnung bewerten will. Offensichtlich verfügt Weiß über eine Druckstellung. Aber kann er Fortschritte machen und wenn ja wie? Da mir diese Fragen einer einfachen Analyse nur schwer zugänglich erschienen versuchte ich es die Stellung von verschiedenen starken Programmen bei langer Bedenkzeit (30min +45sec/Zug) ausspielen zu lassen: Weiß gewann 5-1 (+4,=2, 0-) Aber was beweist das?! 31.Td7 Te7 32.T7d2 Tce8
33.Ld8? An sich ist es keine schlechte Idee, die 7-te Reihe so frei zu kämpfen, nur müßte der Td2 dazu auf d5 stehen. 33.Lc5 Tc7 34.Td5 mit leicht besserer Stellung für Weiß. 33...e3!
Wie gewonnen so zerronnen! Das Vorzeichen des Vorteils wechselt, sein Wert nimmt ein wenig ab. 34.Lxe7 exd2 35.Lb4 Dd7 36.Df3 Te4 37.g3 Lh6 38.Lc3 Dd6 39.h3
Hier brachen wir unseren Baden-Badener Bundesligstammtisch ab, da klar war, dass Adams diese Stellung nicht mehr umdrehen würde können und wir den diesjährigen G2-Gipfel verloren hatten. Zuhause angekommen, war ich dann aber doch vom Ergebnis überrascht, nur hatte es leider Wunder in unserem Sinne nicht gegeben: 39...Dd7 40.Kg2 Dd6 41.Kf1 Lg5 42.h4 Lh6 43.Kg2 Kf7 44.Kf1 Ke6 45.Kg2 Kd7 46.Kf1 Kc8 47.Kg2 Kb8 48.Kf1 Ka7 49.Kg2 Ka8 50.Kf1 Dc6
Die Überführung des schwarzen Königs nach a8 war zwar eine nette Idee, allein entscheidende Bedeutung sollte ihr eigentlich nicht zukommen, da Schwarz es nach wie vor nicht gelingt aus eigener Kraft das positionelle Patt im Zentrum aufzulösen.
51.Dd3?? Sekundenschlaf am Schachbrett? 51.Kg2= 51...Te1+ mit Matt in 5 Zügen. 51...Te1+ 52.Txe1 Dh1+ 53.Ke2 Dxe1+ 54.Kf3 d1D+ 55.Dxd1 De4# 0-1
3-5 Endstand (19:07) für Bremen
Gratulation nach Bremen zu dem verdienten, wenn auch um einen halben Zähler zu hohen Sieg!
Fazit: Nach der achten Begegnung zwischen Baden-Baden und Bremen steht es nunmehr nach Mannschaftspunkten 9-7 (+3,=3,-2) und nach Brettpunkten 33,5-30,5 (+14,=39,-11) für die Kurstädter, die jetzt allerdings erstmals einen Wettkampf ohne Sieg blieben.
Ausklang: Abschließen möchte ich meine Betrachtungen mit einer faszinierenden Stellung, die Peter Heine Nielsen tags darauf gegen den Hamburger Dirk Sebastian spielte: es wäre einfach zu schade, wenn das Feuerwerk, auf das mich meine Rybka aufmerksam machte, nicht nur ungespielt, sondern auch unbemerkt bliebe!
Sebastian,Dirk (2443) - Nielsen,Peter-Heine (2687)
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
Stellung nach 24.h3:
Schwarz hat einen Bauern geopfert, dafür aber Kompensation durch die halboffene g-Linie. Irgendwie spürt man, daß taktische Ideen rund um den Brennpunkt g2 funktionieren könnten. Nur wie soll Schwarz um alles in der Welt die lange Diagonale für seinen Damenläufer öffnen?
Statt 24...La8, was in der Partie geschah, hatte Schwarz hier das unglaubliche 24...Tc4!! in petto. Die folgenden Varianten zeigen, dass der schwarze Angriff praktisch entscheidend gewesen wäre:
a) 25.Db2? d4!-+ 26.g3 [26.Lxc4 Txg2+ 27.Kf1 Dd8! 28.Ke2 Txf2+! 29.Kd1 (29.Kxf2 Dh4+ 30.Ke2 Dh5+ 31.Kf2 Df3+ 32.Kg1 Dg2#) 29...Txd2+ 30.Kxd2 Dg5+ 31.Kd1 Lf3+ 32.Te2 Dg2 33.c3 dxc3-+] 26...Dd5 27.Te4 fxe4 28.Lxc4 Dxe5 29.dxe4 Txg3+ 30.fxg3 Dxg3+ 31.Kf1 Df3+ 32.Ke1 Le7!-+;
b) 25.dxc4? Txg2+!!-+ 26.Kf1 (26.Kh1 Tg4!; 26.Kxg2 dxc4+ 27.Kf1 Dxd4) 26...Lc5 27.cxd5 Lxd4 28.Kxg2 Lxd5+ 29.Lxd5 Dxd5+;
c) 25.Lxc4! Txg2+! 26.Kf1 (26.Kxg2? dxc4+-+; 26.Kh1? Tg4!-+) 26...Lc5 27.Lxd5 (27.Lb3 Lxd4 28.Kxg2 De7 29.Lf4 Lc3 30.Tf1 Db4!?-+) 27...Lxd5 28.Df4 Txf2+ 29.Dxf2 Lxf2 30.Kxf2 Dc7!? 31.c4 La8 mit Angriff;
25.Kf1 Tg6 26.f3 h5 27.g4 hxg4 28.hxg4 fxg4 29.Te2 g3 30.Kg2 Le7 31.Df4 Kg7 32.Th1 Tg8 33.Th6 Kf8 34.Th7 Lg5 35.Lb4+ Ke8 36.Dd4 Le7 37.a5 Lxb4 38.Dxb4 d4 39.Th1 Dd8 40.Dc4 Lxf3+ 41.Kxf3 g2 42.Dc6+ Kf8 43.Txg2 Txg2 44.Dd6+ Dxd6 45.exd6 Ke8 46.axb6 axb6 47.Ta1 Kd7 0-1
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Bericht vom Spitzenspiel OSG Baden-Baden gegen Werder Bremen am 27. Februar 2010.
In einem ersten Durchgang besahen wir uns die Eröffnungen aller Partien der Rangfolge nach in aller Ruhe. Dann standen nach knapp zwei Stunden Spielzeit die ersten Ergebnisse an.
Schon um 15:34 steht mit einer Zugwiederholung zwischen Etienne Bacrot und Zahar Efimenko das Remis nach knapp eineinhalb Stunden Spielzeit fest. Mit einem Bauernopfer in einer katalanischen Variante, die Efimenko und sein ukrainisch-werderaner Teamkollege Eljanov bereits bei der Mannschaftseuropameisterschaft 2009 in Novi Sad erfolgreich getestet hatten, hatte die Partie aber durchaus vielversprechend begonnen! Letztlich war der Spannungsbogen doch nur, aber heftig, nachdem Zahar mit 13...b5!? den Spieß umdrehte und seinerseits einen Bauern opferte.
Bacrot,Etienne (2713) - Efimenko,Zahar (2657) [E11]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.g3 d5 4.Sf3 Lb4+ 5.Ld2 Le7 6.Lg2 c6 7.0-0 Sbd7 8.Sc3 dxc4 9.a4 0-0 10.a5 c5 11.e3 cxd4 12.exd4 Sd5 13.Da4 b5!?
14.Dxb5 Danach endet die Partie schnell in einer Remisschaukel. Ob das weiße Spiel mit 14.Sxb5 La6 15.Tfc1 zu verbessern ist?
a) 15...Tb8 16.Sxa7 Txb2 17.Sc6 De8 18.Lf1.
b) 15...S7f6 16.Lf1 Dd7 (16...Lxb5 17.Dxb5 Tb8 18.Dxc4 Txb2 19.Tab1 Txb1 20.Txb1 Se4 21.Le1) 17.Lxc4 Tab8 18.Se5 Db7 19.Sa3.
c) 15...h6 16.Lf1 Lxb5 17.Dxb5 Tb8 18.Dxc4 Txb2 19.Tab1 Txb1 20.Txb1 Da8 21.Se5.
d) 15...Db8 16.Sa3 Lxa3 (16...Tc8 17.Sxc4 Lxc4 18.Txc4 Txc4 19.Dxc4 Dxb2 20.Tc1) 17.Dxa3 Tc8 18.Le1 Db7 19.Tc2 Tab8 20.Tac1 h6 21.Sd2.
e) 15...De8 16.Sa3 Lxa3 (16...Tb8 17.Sxc4 Lxc4 18.Dxc4 Txb2 19.Tab1) 17.Dxa3 Tb8 18.Lc3 Dc8 19.Le1 Db7 20.Tc2.
Jeweils mit etwas besserer Stellung für Weiß.
14...Tb8 15.Dxc4 Sb4! 16.a6 16.Lf4 La6 17.Db3 Tb7! (17...Lxf1 18.Lxf1 mit Initiative) 18.Tfb1 Sd3 19.Dc2 Sxf4 20.gxf4 Tb4 mit Kompensation. 16...Sc2
17.Ta2 17.Tac1 Sb4 18.Ta1=. Mit 17.Sd5 Sxa1 18.Sxe7+ Dxe7 19.Txa1 Txb2 20.Dc7 e5 21.Lc3 Tb3 22.Sxe5 De6 23.Sxd7 Lxd7 24.Ld2 konnte Weiß die Partie zwar fortsetzen, jedoch riskiert er bei diesem Qualitätsopfer mehr als sein Gegner, obwohl die Stellung sich noch in der Remisbreite befindet. 17...Sb4 18.Taa1 Sc2 19.Ta2 Sb4 ½-½
0,5-0,5
Spanisch, immerhin kein Russisch, ist an den beiden ersten Brettern zu sehen: Neu-Archangelsk in Gashimov-Anand, Breyer in Svidler-Mamedyarov. Das Erste war zu erwarten, schließlich spielt der Weltmeister seit dem Tal-Memorial Ende vergangenen Jahres die Lieblingsvariante seines Baden-Badener Teamkollegen Alexei Shirov praktisch ausschließlich. Eben dort hatte Vugar gegen Vishy alles schon einmal bis zum zehnten Zug auf dem Brett. Dann folgte mit 11. Dd3 statt 11.Lg5 die Abweichung. Dennoch war Anand zumindest bis nach dem 20.Zug in seiner Vorbereitung, wie er im Audiokommentar nach der Partie erklärte. Um 16:02 vermeldet der Liveticker dann den Friedensschluss. Ob wir gegen Topalov mehr Neu-Archangelsk zu sehen bekommen oder doch etwas anderes?
Gashimov,Vugar (2759) - Anand,Viswanathan (2790) [C78]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 b5 6.Lb3 Lc5 7.a4 Tb8 8.c3 d6 9.d4 Lb6 10.axb5 axb5 11.Dd3 11.Lg5 h6 12.Lxf6 Dxf6 13.Dd3 exd4 14.Dxb5 Ld7 15.De2 0-0 16.La4 Tfe8 ½-½ Gashimov,V (2758)-Anand,V (2788), Moskau 2009. 11...0-0 12.Lg5 exd4 13.cxd4 h6 14.Lh4 g5 15.Lg3 Sh5 16.Tc1
16...Ld7 17.e5 Kg7 18.exd6 Sxg3 19.dxc7 Dxc7 20.hxg3 Dd6 21.Sc3 Sxd4 22.Sd5 22.Sxd4 Dxd4 23.Dxd4+ Lxd4 24.Td1= ½-½ Poetz,F (2317)-Hartl,D (2253), Graz 2010. 22...Sxb3 23.Dxb3 b4= 24.Sxb6 Dxb6 25.Dd3 Tfd8 26.Ta6 Lb5 27.Txb6 Lxd3 28.Txb8 Txb8 29.Se5 Lf5 30.Tc7 Le6 31.Sc6 Tb6 32.Sd4 Td6 33.Sxe6+ Txe6 34.Kf1 Te4 35.b3 g4 36.Tb7 Kg6 37.f3 gxf3 38.gxf3 Te3 39.Txb4 Txf3+ 40.Kg2 ½-½
1-1
Nicht so einfach wird es wohl für Peter gewesen sein, die Eröffnung seines Gegners zu erraten. Immerhin hatte sich der Wechselspieler Mamedyarov nach einer sizilianischen Phase zu Beginn des letzten Jahres zuletzt doch ziemlich auf 1. e4 e5 eingeschossen. Aber Breyer hatte Shakhriyar nur in einer Partie gespielt, das immerhin bei seinem letzten Turnier und siegreich! Dennoch gelang es hier dem Anziehenden ebenso wenig, seinen gut vorbereiteten Gegner vor Probleme zu stellen, wie am Spitzenbrett. Das Remis wird nur eine Minute später als am Spitzenbrett vereinbart. Interessant übrigens, daß Shirov und Baramidze tags darauf die ersten vierzehn Züge wiederholten bis Alexei mit 15.b4 von Peters Vorbild mit 15.b3 abwich. Aber ob das oder der Gegner den entscheidenden Unterschied ausmachte, sei dahingestellt...
Svidler,Peter (2744) - Mamedyarov,Shakhriyar (2741) [C95]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Le7 6.Te1 b5 7.Lb3 d6 8.c3 0-0 9.h3 Sb8 10.d4 Sbd7 11.Sbd2 Lb7 12.Lc2 Te8 13.a4 Lf8 14.Ld3 c6
15.b3 15.b4 Sb6 16.axb5 cxb5 17.d5 Tc8 18.Db3 Dc7 19.Lb2 Sh5 20.Tac1 f5 21.c4ƒ 1-0 Shirov (2723)-Baramidze (2519)/Bundesliga-Heidelberg [HSK-BAD] 2010. 15...g6 16.La3 Sh5 17.Lf1 Sf4
18.g3 18.Dc2 exd4 (18...Tc8 19.Tad1 Db6 20.b4 Dc7 21.c4 exd4 22.cxb5?! d3! mit Initiative in Rasmussen,A (2536)-Avrukh,B (2641), Helsingor 2009) 19.cxd4 Tc8 20.Tad1 Db6 21.b4 Se6 22.Sb3 Lg7 23.Lb2 bxa4?! 24.Sa5 c5? 25.Dxa4± Anand,V (2791)-Kamsky,G (2725), Nizza 2009. 18...Se6 19.b4 Tc8 20.Sb3 Sb6= 21.Sa5 La8 22.axb5 axb5 23.dxe5 dxe5 24.Dxd8 Texd8 25.c4 bxc4 26.Sxc4 Sd7 27.Ted1 c5 28.bxc5 ½-½
1,5-1,5
Schablone mit 18...Lc6 oder ein echter Movsesian mit 18...Sd5!?
In der Begegnung Fressinet-Movsesian wurden wir Zeuge einer anderen aktuellen theoretischen Diskussion. Sergei kopierte hier ein von Kramnik beim Tal-Memorial wiederbelebtes, vorher praktisch vergessenes Abspiel im Damengambit. Nach nur 21 Zügen war das dritte Remis des Wettkampfes um 17:35 perfekt.
Fressinet,Laurent (2670) - Movsesian,Sergei (2708) [D39]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.d4 Sf6 2.Sf3 e6 3.c4 d5 4.Sc3 dxc4 5.e4 Lb4 6.Lg5 h6 7.Lxf6 Dxf6 8.Lxc4 c5
9.0-0 9.e5 Dd8 10.d5 exd5 11.Lxd5 0-0 (11...Lxc3+ 12.bxc3 0-0 13.0-0 Dc7 14.Db3 Sc6 15.Tfe1 Lg4 16.e6 Lxe6 17.Lxe6 fxe6 18.Txe6 Df7= 19.Tae1 Kh8? 20.Db5± 1-0 Aronian,L (2786)-Morozevich,A (2750), Moskau 2009) 12.Tc1 Sc6 13.0-0 Sd4!? mit unklarer Stellung in Aronian,L (2786)-Kramnik,V (2772), Moskau 2009. 9...0-0 9...cxd4 10.e5 Dd8 11.Se4 0-0 12.De2 Ld7 13.Tfd1 Sc6 14.a3 Le7 15.b4 Db8 16.Sg3 b5 17.Lxb5 Sxe5 18.Lxd7 Sxd7= Grischuk,A (2736)-Aronian,L (2781), Linares 2010. 10.e5 Dd8 11.De2 cxd4
12.Tfd1 12.Tad1 Ld7 13.Se4 Sc6 14.Sg3 Dc7 15.Ld3 Se7 16.Tc1 Lc6 17.Sxd4 Tad8 18.Tc4 Db6 mit Gegenspiel in Kramnik,V (2788)-Ivanchuk,V (2749), Wijk aan Zee 2010. 12...Sc6 13.De4 Lxc3 14.bxc3 Ld7 15.cxd4 Se7 16.Ld3 g6 17.Df4 Kg7 18.Le4
18...Sd5 18...Lc6 19.Lxd5 exd5 20.Tdc1 Le6 21.Tab1 ½-½
2-2
Nur 20 Minuten länger dauerte die Partie zwischen zwischen Pavel Eljanov und Alexei Shirov. Die beiden spielten einen ruhigen Anti-Meraner. Mit 11...Db8 wich Alexei schließlich von einer Partie ab, die sein Gegner in Khanty Mansiysk gegen Inarkiev nach 11...a6 gewonnen hatte. In der Folge baute sich die Spannung rasch auf, aber auch schnell wieder ab.
Eljanov,Pavel (2736) - Shirov,Alexei (2723) [D46]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.e3 e6 5.Sf3 Sbd7 6.Dc2 Ld6 7.Le2 0-0 8.0-0 dxc4 9.Lxc4 b5 10.Ld3 Lb7 11.Td1 Db8 12.e4 e5 13.dxe5 Sxe5 14.Sxe5 Lxe5 15.h3 a6N 16.a4 Tc8 17.Le3 c5
18.Sd5 18.axb5 c4 19.bxa6 cxd3 20.Dxd3 Lc6 21.Ld4 ist unklar. 18...Lxd518...c4 19.Se7+ Kh8 20.Sxc8 cxd3 21.Dc5 Lxc8 22.axb5 Lb7 23.f3 mit etwas besserer Stellung für Weiß;
18...Sxd5 19.exd5 g6 20.axb5 axb5 21.Txa8 Lxa8 22.Lxc5 Lxd5= 19.exd5 c4 20.Le2 Dd6 21.axb5 axb5 22.Txa8 Txa8 23.b3 cxb3 24.Dxb3 b4 24...Se4!? 25.Lxb5 Sc3 26.Te1 Tb8 27.Lf4 Txb5 28.Lxe5 Txb3 29.Lxd6 h6= 25.Dc4 Db8
26.Tb1 26.Lf3 b3 27.d6 b2 28.Lxa8 b1D 29.Txb1 Dxb1+ 30.Dc1 Dxc1+ 31.Lxc1 Lxd6= 26...Lh2+ 27.Kf1 ½-½
2,5-2,5
„Luft nach oben“ oder „Draw from above“
„Tatsächlich neutralisierten sich nach etwa 3,5 Stunden alle Spitzenleute von Brett 1 bis 5, wobei in den Partien Shirov-Eljanov und Fressinet-Movsesian Werder schon "etwas Luft nach oben" hatte,“ schreibt Claus Dieter Meyer, Urgestein und Trainer bei Werder, in seinem Bericht auf der Wesbseite seines Vereins. Warum machte Fressinet dann nur zum frühestens möglichen Zeitpunkt im 21.Zug Remis? Gerade bei dem in diesem Wettkampf betriebenen Aufwand hatte sicher keine Seite der anderen etwas zu schenken! Aber ich gebe zu, mir ging es nicht anders: Nur suchte ich an Brett 4 bei Etienne nach vergebenen Chancen. Zwar stieß ich dabei durchaus auf kleine Verbesserungen, an der grundsätzlichen Bewertung können diese aber auch nichts ändern. Nein: an diesen Brettern bekamen wir korrektes Schach zu sehen, das für Theoretiker sicher spannender ist als für Schlachtenbummler, die Blut sehen wollen!
Strategie, Taktik, Zeitnot, kleine & große Fehler und ein Pitbull
An Brett sechs und acht konnten Michael Adams sowie Peter Heine Nielsen gegen Alexander Areshchenko resp. Tomi Nyback aus der Eröffnung kleine, aber dauerhafte strategische Vorteile für sich verbuchen. Dagegen hatte Michael Roiz gegen die deutsche Nummer eins Arkadij Naiditsch absolut nichts aus seinem Anzugsvorteil machen können. Aber vielleicht wurde gerade das Arkadij zum Verhängnis, der wirklich ein Kämpfer vorm Herrn ist, wie ich zumindest auf diesem Niveau keinen zweiten kenne?
Roiz,Michael (2657) - Naiditsch,Arkadij (2687) [A13]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.g3 d5 4.Lg2 dxc4 5.Da4+ Sbd7
Früher hatte ich beiden Farben oft selbst so gespielt. Aus dieser Erfahrung erlaube ich mir zwei Regeln abzuleiten:
1) Gelingt es dem Anziehenden, seinen Gegner am Fianchetto seines Damenläufers zu hindern, kann er auf einen dauerhaften Vorteil hoffen.
2) Bei genauem Spiel gelingt dem Nachziehenden aber genau das und damit die Stellung völlig auszugleichen. [Erst später wurde es Mode, mit Schwarz 5...c6 6.Dxc4 b5 zu spielen. Obwohl er damit für seine Idealaufstellung (Lb7, Sbd7, a7-a6, c6-c5) so zwar ein Tempo mehr braucht, kann er diese so sogar noch einfacher erreichen! 6.Dxc4 c5 7.Db3 Ld6 8.0-0 0-0 9.Sc3 a6 10.a4 Dc7 Natürlich nicht 10...b6? 11.Sg5!± …Tb8 12.Sxe6+- 11.d3
Gerne würde Weiß den Bb7 mit 11.a5 fixieren, nur tut es Schwarz ihm darauf mit 11...c4= gleich und gleicht das Spiel aus. 11...b6 Damit setzt Schwarz den oben erwähnten Plan um, seinen Damenläufer zu fianchettieren. Gleichzeitig vermeidet er die durch a4-a5 drohende Entwertung seines Damenflügels. 11...Tb8?! 12.a5 b5 13.axb6 Sxb6 14.Sd2 mit besserer Stellung für Weiß in Suba,M (2525)-Gutierrez Martinez,J (2290), Hospitalet 1994, ist das, wonach Weiß in dieser Variante strebt. 12.Se5 Lb7 13.Sxd7 Sxd7 14.Lxb7 Dxb7 15.Le3=
Es ist schon eine Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet die Partie am Ende die Entscheidung bringen wird, in der nach der Eröffnung am wenigsten los ist! 15...Tfc8 16.Tfc1 Le5 17.Se4 Dd5 18.Dc2 f5?!
In den letzten Zügen scheinen die Figuren nur eine Richtung zu kennen: Weiß nach hinten, Schwarz nach vorne. Jedoch täuscht der Eindruck: Da schon zwei Leichtfigurenpaare abgetauscht sind, bedeutet der Schwarze Raumvorteil nichts. 19.Sd2 Lf6 20.Tab1
20...b5? War 18...f5 nur unnötig verpflichtend, so überspannt Arkadij mit diesem weiteren Bauernvorstoß den Bogen. Notwendig war 20...Se5 mit den folgenden Möglichkeiten:
a) 21.Sc4 Sd7 22.Sd2 (22.a5?! b5 23.Sb6 Sxb6 24.axb6 Tab8 25.Lxc5 Txb6 26.Lxb6 Txc2 27.Txc2 Db3 Mit einer solchen Dame sammelte Arkadij in Chanty-Mansiysk gegen Svidler gute Ehrfahrungen gegen zwei Türme) 22...Se5=;
b) 21.a5 bxa5 22.Lf4 Sg6 23.Le3 Tab8 (23...Se5=) 24.Sc4 Tb5 unklar;
c) 21.b4 Sg4 22.b5! Nur so kann Weiß versuchen, Schwarz vor Probleme zu stellen. 22...Sxe3 23.fxe3 a5 24.Sc4 Rybka sieht diese Stellung zwar wie alle anderen zuvor als völlig ausgeglichen an, jedoch glaube ich, daß der Sc4 das Potential hat, Schwarz langfristig zur Last zu fallen;
21.axb5 axb5 22.b4 Se5 Ob es Arkadij ebenso wie Rybka ging? Der sieht anfangs die Folge 22...Ta2 23.Dd1 Lb2 24.Tc2 Ld4 25.Lxd4 Txc2 26.Dxc2 Dxd4 27.Sf3 als ausgeglichen an, erkennt auf Dauer aber immer mehr, daß Weiß am Ende mit der besseren Bauernstruktur gegenüber den Schwächen Bb5 und Be6 verbleibt. 23.bxc5 Ta2 24.Dd1 Sg4
25.Sf1 Nichts sprach dagegen, mit 25.Txb5± sofort einen zweiten Bauern zu kassieren. 25...Lb2 (25...Ld4 26.Sf1) 26.Tc4 Tca8 (26...Ta1 27.Sb1) 27.Sb3. 25...Ld4 26.Txb5± f4!? Ein Versuch in Zeitnot und verlorener Stellung zu zaubern. 27.gxf4 Gut war auch 27.Lxd4 Dxd4 28.De1 27...Lxe3
28.fxe3? Der Fehler, auf den Schwarz gehofft hatte! Richtig war das andere Schlagen auf e3: 28.Sxe3! Dh5 29.Sf1! +- In Zeitnot verfügt Schwarz zwar noch sicher über Schwindelchancen, ausreichende Kompensation für drei (!!) geopferte Bauern kann er aber nicht haben: 29...Dg6 (29...Dh4 30.De1) 30.De1! Tf8 31.c6 Sxf2+ 32.Sg3 Sh3+ 33.Kh1 Sxf4 34.c7 Taa8 35.Db4 28...Sxe3! 29.Sxe3 Dd4= Nun gewinnt Schwarz bis auf einen Bauern das ganze geopferte Material zurück und sollte trotz des starken Freibauern c5 angesichts der offenen weißen Königsstellung leicht remisieren. 30.Kg2 Nichts für Weiß zu holen war war auch nach 30.Tc2 Dxe3+ (30...Ta1? 31.Tb1 Txb1 32.Dxb1 Dxe3+ 33.Kh1 Dxf4 34.c6±) 31.Kh1 Txc2 32.Dxc2 Dxf4 33.Tb1 Df5 34.Tc1 Dd5+ 35.e4 Dg5 Der Bc5 wirkt hier zwar noch recht gefährlich und der Kh1 einigermaßen sicher, jedoch gelingt es Schwarz mit genauen Zügen, die Koordination des weißen Spiels zu verhindern: 36.c6 (36.Dc4 Df6!=) 36...Df4!= 30...Dxe3 31.Tc2 Txc2 32.Dxc2
32...Tf8?! Objektiv ist das zwar noch kein Fehler, finde ich den hinter diesem Zug stehenden Mut und Optimismus einfach unglaublich: statt das mit 32...Dxf4= relativ leicht zu habende Remis abzuholen und sich zu freuen, den Kopf noch einmal aus der Schlinge gezogen zu haben, spekuliert Arkadij noch auf mehr! Offenbar hatten Adams und Nielsen zu diesem Zeitpunkt ihren Vorteil bereits vergeben. Allerdings hatten sie trotz nunmehr leichter Nachteile objektiv nichts zu befürchten und so war mit 4-4 unser Minimalziel durchaus in Reichweite...
Nur:
1) sprach der Trend in dem Match tatsächlich gegen Baden-Baden!
2) kennt ein richtiger Pitbull kein Unentschieden! 33.Tb1 Einen Versuch wert war 33.Tb4!? Tf6! 34.Kh1 und nun führt 34...Txf4? nach 35.Txf4 Dxf4 36.Kg1 Dg4+ 37.Kf1 Df4+ 38.Ke1 Dxh2 39.c6±
Analysediagramm
zu einem Damenendspiel, das noch später in einigen Abspielen zu erreichen ist. Trotz materiellen Gleichstands sollte der Freibauer c6 den Ausschlag für Weiß geben. Besser ist daher 34...Tg6 35.Tb8+ Kf7 36.Db1 Tg4 mit intakten Remischancen, obwohl Weiß hier im Gegensatz zur Partie noch etwas versuchen kann. 33...Txf4?!
Hier wäre grundsätzlich das gleiche zu sagen wie schon im 32.Zug. 33...Dxf4!= mit den Verzweigungen:
a) 34.c6?? Dg5+ 35.Kh1 Tf2 36.Tg1 Dh4-+;
b) 34.Tg1 Tf5 35.Da2 Tg5+ 36.Kh1 Txg1+ 37.Kxg1 Dc1+ 38.Kg2 Dg5+ 39.Kf3 Df5+= und der Bauer c5 fällt mit Schach oder Schwarz gibt Dauerschach;d
c) 34.Da2 De5 35.Tg1 Tf6 36.c6 Tg6+ 37.Kh1 Txg1+ 38.Kxg1 Dc5+=; d) 34.Kh1 De5 35.e4 Dh5 36.Tg1 g6 37.d4 Df3+ 38.Dg2 De3 39.Dg4 Kg7 40.Dxe6 Df3+ 41.Tg2 Dd1+ 42.Tg1 Df3+= 34.Tf1!
34...Tg4+? Habe ich meinen Job richtig gemacht, sollte Weiß jetzt wieder auf Gewinn stehen. Ganz sicher bin ich mir dabei jedoch nicht, obwohl bei mir keine Uhr tickte und ich mich mit Herzenslust mit meinen elektronischen Helfern beraten konnte: Ein Fall für Dr. Karsten Müller oder den Analysator CD Meyer?! 34...Th4!= 35.Kh1 (35.Tf3 De5 36.h3 Tb4!; 35.Tf2 Txh2+ 36.Kxh2 Dxf2+=) 35...Dh3 36.Tf2 De3 37.Tf3 De5 38.e3 (38.e4? Da1+= 39.Kg2 Tg4+ 40.Tg3 (40.Kh3 Tg6 41.Df2 Th6+ 42.Kg2 Tg6+ 43.Tg3 Tf6=) 40...Tf4 41.Kh3 Tf6 42.De2 Dh1=) 38...Da1+ 39.Kg2 Tg4+ 40.Kh3 (40.Tg3? Ta4!-+) 40...Tg6 41.Df2 Th6+ 42.Kg2 Tg6+ 43.Tg3 Tf6 44.De2 De5 45.Dg4 (45.d4 De4+= 46.Tf3 (46.Kg1 Db1+ 47.Kg2 De4+) 46...Dg4+ 47.Kf2 Dh4+ 48.Kf1 Dh3+ 49.Kf2 Dh4+) 45...Dd5+ 46.Kg1 (46.e4 Da2+ 47.Kh1 Tf1+ 48.Tg1 Txg1+= 49.Kxg1 (49.Dxg1 De2) 49...Db1+ 50.Kf2 Dc2+) 46...g6 47.Dd4 (47.d4 Da2 48.h4 Df2+ 49.Kh1 De1+ 50.Kh2 Tf2+ 51.Tg2 Dxe3) 47...Df5 48.Kh1 Df1+ 49.Tg1 Df3+=] 35.Kh1 Dh3 35...Tf4 36.Txf4 Dxf4 37.Kg2 Dg5+ 38.Kf1 Df4+ 39.Ke1 Dxh2 40.c6± vgl. Analysediagramm 36.Tg1 Th4 36...Txg1+ 37.Kxg1 De3+ 38.Kg2 Dg5+ 39.Kf1 Df4+ 40.Ke1 Dxh2 41.c6± vgl. Analysediagramm.
37.e4? Dieser natürliche Bauernzug eröffnet Schwarz neue Remischancen. Keine Rettung sehe ich dagegen für Schwarz nach 37.Tg2! Tf4 38.Dc3 da das uns bereits bekannte Damenendspiel 38...Tf1+ 39.Tg1 Txg1+ 40.Kxg1 De3+ 41.Kf1 Df4+ 42.Ke1 Dxh2 43.c6± vgl. Analysediagramm mit Dc3 statt Dc2 ebensowenig haltbar erscheint wie das Turmendspiel nach 38...g6 39.De5 Df5 40.Dxf5 Txf5 41.d4±, oder irre ich mich da Karsten? 37...Th5 38.d4 De3 39.c6
39...g6? Nach zwei einzigen, keineswegs offensichtlichen Zügen, der entscheidende Fehler: Denkbar ist, dass es von einem Menschen einfach zuviel verlangt ist, am Brett die folgenden Varianten zu berechnen. Zumindest schien selbst meine Rybka gar nicht so recht daran glauben zu wollen: 39...Df4! 40.Te1! (40.c7? Txh2+ 41.Dxh2 Dxe4+=) 40...h6!= und Weiß gelingt es nicht, seine Stellung zu verstärken:
a) 41.Dg2 Dd6 42.De2 Th3 43.d5 (43.Dc2 Df4 44.Dg2 - 41.De2 Th3 42.Tg2; 43.Tc1 Df4!=) 43...Dg3 44.Tf1 (44.Tc1 Df4!) 44...De5;
b) 41.c7 Df3+ 42.Dg2 Dc3 43.De2 Tg5;
c) 41.De2 Th3 42.Dg2 Tc3 43.Tg1 g5 44.d5 exd5 45.exd5 De5 46.Tf1 (46.Td1 Td3!) 46...Kg7 47.h3 Td3 48.Tf7+ Kg6;
40.Tf1!+- Rien ne vas plus! 40...Dh3 41.Df2 1-0
3-4 (18:07)
Die Partie an Brett 8 endete kurz vorher in der Zeitnotphase (17:56)
Nielsen,Peter Heine (2697) - Nyback,Tomi (2643) [D15]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.e3 a6 5.Sf3 Lf5 6.Db3
6...Ta7 6...b5 7.c5! (7.cxd5 cxd5 8.a4 b4! 9.Dxb4 Sc6 10.Dc5 Sa5 11.Lxa6 Txa6 12.Db5+ Tc6 13.Se5 Ld7 14.Sxd7 Sxd7 15.Ld2 mit Kompensation) 7...Sbd7 8.a4 mit Initiative. 7.Sh4 Lg6 7...Le6 8.Ld2 g6 9.Sf3 Lg7 10.Le2 0-0 11.0-0 dxc4 12.Lxc4 Lxc4 13.Dxc4 mit etwas besserer Stellung für Weiß in Gelfand,B (2720)-Kamsky,G (2723), Moskau 2008. 8.Sxg6 hxg6 9.g3 9.Le2 e6 10.0-0 b5 (10...Sbd7 11.Ld2 Ld6 12.g3 0-0 13.Tfd1 b5 14.c5 Lc7 15.a4) 11.c5 a5 12.Ld2. 9...e6 10.Lg2 Sbd7 11.0-0 Le7
12.Ld2 12.e4 dxe4 13.Sxe4 Sxe4 14.Lxe4 Db6 15.Dc3 Sf6 16.Lf3 Ta8 17.Le3 mit etwas besserer Stellung für Weiß. 12...Sb6 12...0-0 13.Tfd1 b5 (13...Db6; 13...Sb6 14.c5 Sc4 15.Le1 b6 16.cxb6 Sxb6 17.Tac1 Db8 18.Sa4 Sxa4 19.Dxa4 Dxb2 20.Txc6 a5 21.Lf1) 14.cxd5 cxd5 15.Se2 Sb6 16.Sf4 Sc4 17.Sd3;
12...Db6 13.Dc2 dxc4 14.Tfc1 mit Kopmensation. 13.c5 Sc4 14.Le1 b6 15.cxb6 Dxb6 16.Sa4 Db5 16...Dxb3? 17.axb3 Sd6 18.Tc1±; 17.Tc1 0-0 18.Dc2 Tc8
19.Lf3 19.b3 Sa3 (19...Sb6? 20.Sc3 Da5 21.Sxd5+-; 19...Sd6 20.Lc3) 20.Db2 a5 21.Lc3 Lb4 22.Tfd1 Taa8 23.Dd2 mit etwas besserer Stellung für Weiß. 19...Db8 20.Le2 Sb6 21.b4 Sxa4 22.Dxa4 Da8
23.Tc2 23.Dc2 Se8 24.Ld3 Sd6 25.a4 mit etwas besserer Stellung für Weiß; 23.f3 Ld8 24.Ld2 Sd7 25.Tc3 a5 26.b5 cxb5 27.Dxb5 mit etwas besserer Stellung für Weiß. 23...Ld8 24.Ld2 Se4 25.Db3 a5 26.bxa5 Lxa5 27.Lxa5 Txa5 28.Tb1 Ta3 29.Db7 Sc3
30.Dxa8 Tcxa8 31.Tbb2 Txa2 ½-½
Eine schöne Partie hatte eigentlich Adams an Brett sechs gespielt, doch wie im Vorjahr scheiterte Michael daran, die Früchte seiner überlegenen Strategie zu ernten, nur war gegen Areshchenko sein Vorteil nicht so überwältigend wie gegen Efimenko und diesmal verlor er nach zwei kapitalen Böcken im 33. und 51. Zug sogar!
Adams,Michael (2694) - Areshchenko,Alexander (2670) [B90]
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.a4 e5 7.Sf3 Dc7 8.Le2 Sbd7 9.Le3 Sc5 10.Sd2 Le6 11.0-0 Le7 12.a5
12...d5N
Der erste neue Zug. Bislang wurde hier nur 0-0 und Tc8 gespielt. 13.exd5 Lxd5!? Eine interessante Idee, Areshchenko vermeidet den Abtausch des Sc3, um so die weiße Mehrheit am Damenflügel zu hemmen. 13...Sxd5 14.Sxd5 Lxd5 15.c4 Le6 (15...Lc6 16.b4 Se6 17.b5 Ld7 18.Lb6 Dc8 19.bxa6 bxa6 20.c5 0-0 21.Sc4±) 16.b4 Sd7 17.c5 0-0 18.Lc4 eine ungewöhnliche Struktur, die mich ein wenig an die erste Partie erinnert, die Vishy nach dem WM-Sieg in Mexiko 2007 gewann (gegen Yannik Pelletier in der Schlußrunde des Europapokals in Kemer). 14.Lf3 Nichts bringt 14.Sxd5 Sxd5 15.Lc4 Sxe3 16.fxe3 0-0 17.Df3 Lg5 14...Le6 14...Lxf3 15.Dxf3 0-0 16.Sc4 Weiß hat gute Felder für seine Springer und eine starke Bauernmehrheit am Damenflügel. 15.Sde4! Scxe4 16.Sxe4 Sxe4 16...Sd5 17.Sg5 Sxe3 (17...Lxg5 18.Lxg5) 18.Sxe6 fxe6 19.fxe3 mit leicht besserer Stellung für Weiß. 17.Lxe4 f5! Schwarz darf dem Anziehenden keine Zeit geben sein Druckspiel gegen den Bb7 zu koordinieren. 18.Lb6 Dc8 19.Ld5 Dd7 19...0-0 20.Df3 (20.c4) 20...e4 21.Db3 Lxd5 22.Dxd5+ Tf7 23.c3 mit leicht besserer Stellung für Weiß.
20.Te1!? Eine nette Finte: Weiß nutzt den Umstand, daß Schwarz zwar den Laufer auf d5 schlagen, die Mehrfigur in der Folge aber nicht behaupten kann. 20...Lf6 20...e4 21.Dh5+ g6 22.Lxe6 Dxe6 23.Dh6 21.Lxe6 Dxe6 22.Dh5+ g6 23.Dh6 Kf7 Schwarz gelingt es zwar auch ohne Rochade seinen König in Sicherheit zu bringen, jedoch wird Weiß dazu kommen, die d-Linie zu besetzen und seine Bauernmehrheit am Damenflügel zu mobilisieren. 24.Tad1 Lg7 25.Dh3 The8
26.Td2! Das ist genauer als die Bauern am Damenflügel sofort in Bewegung zu setzen, da Schwarz dann nach 26.b3 Te7 27.c4 Td7= sich durch den Abtausch eines Turmpaars entlasten kann. 26...Kg8 27.Ted1 Tac8 28.b3! e4 29.Td6 Df7 30.c4 Te6
Meiner Meinung nach ist das die kritische Stellung, wenn man das Ergebnis der Eröffnung bewerten will. Offensichtlich verfügt Weiß über eine Druckstellung. Aber kann er Fortschritte machen und wenn ja wie? Da mir diese Fragen einer einfachen Analyse nur schwer zugänglich erschienen versuchte ich es die Stellung von verschiedenen starken Programmen bei langer Bedenkzeit (30min +45sec/Zug) ausspielen zu lassen: Weiß gewann 5-1 (+4,=2, 0-) Aber was beweist das?! 31.Td7 Te7 32.T7d2 Tce8
33.Ld8? An sich ist es keine schlechte Idee, die 7-te Reihe so frei zu kämpfen, nur müßte der Td2 dazu auf d5 stehen. 33.Lc5 Tc7 34.Td5 mit leicht besserer Stellung für Weiß. 33...e3!
Wie gewonnen so zerronnen! Das Vorzeichen des Vorteils wechselt, sein Wert nimmt ein wenig ab. 34.Lxe7 exd2 35.Lb4 Dd7 36.Df3 Te4 37.g3 Lh6 38.Lc3 Dd6 39.h3
Hier brachen wir unseren Baden-Badener Bundesligstammtisch ab, da klar war, dass Adams diese Stellung nicht mehr umdrehen würde können und wir den diesjährigen G2-Gipfel verloren hatten. Zuhause angekommen, war ich dann aber doch vom Ergebnis überrascht, nur hatte es leider Wunder in unserem Sinne nicht gegeben: 39...Dd7 40.Kg2 Dd6 41.Kf1 Lg5 42.h4 Lh6 43.Kg2 Kf7 44.Kf1 Ke6 45.Kg2 Kd7 46.Kf1 Kc8 47.Kg2 Kb8 48.Kf1 Ka7 49.Kg2 Ka8 50.Kf1 Dc6
Die Überführung des schwarzen Königs nach a8 war zwar eine nette Idee, allein entscheidende Bedeutung sollte ihr eigentlich nicht zukommen, da Schwarz es nach wie vor nicht gelingt aus eigener Kraft das positionelle Patt im Zentrum aufzulösen.
51.Dd3?? Sekundenschlaf am Schachbrett? 51.Kg2= 51...Te1+ mit Matt in 5 Zügen. 51...Te1+ 52.Txe1 Dh1+ 53.Ke2 Dxe1+ 54.Kf3 d1D+ 55.Dxd1 De4# 0-1
3-5 Endstand (19:07) für Bremen
Gratulation nach Bremen zu dem verdienten, wenn auch um einen halben Zähler zu hohen Sieg!
Fazit: Nach der achten Begegnung zwischen Baden-Baden und Bremen steht es nunmehr nach Mannschaftspunkten 9-7 (+3,=3,-2) und nach Brettpunkten 33,5-30,5 (+14,=39,-11) für die Kurstädter, die jetzt allerdings erstmals einen Wettkampf ohne Sieg blieben.
Ausklang: Abschließen möchte ich meine Betrachtungen mit einer faszinierenden Stellung, die Peter Heine Nielsen tags darauf gegen den Hamburger Dirk Sebastian spielte: es wäre einfach zu schade, wenn das Feuerwerk, auf das mich meine Rybka aufmerksam machte, nicht nur ungespielt, sondern auch unbemerkt bliebe!
Sebastian,Dirk (2443) - Nielsen,Peter-Heine (2687)
SBL 0910 OSG Baden-Baden - Werder Bremen, 27.02.2010
Stellung nach 24.h3:
Schwarz hat einen Bauern geopfert, dafür aber Kompensation durch die halboffene g-Linie. Irgendwie spürt man, daß taktische Ideen rund um den Brennpunkt g2 funktionieren könnten. Nur wie soll Schwarz um alles in der Welt die lange Diagonale für seinen Damenläufer öffnen?
Statt 24...La8, was in der Partie geschah, hatte Schwarz hier das unglaubliche 24...Tc4!! in petto. Die folgenden Varianten zeigen, dass der schwarze Angriff praktisch entscheidend gewesen wäre:
a) 25.Db2? d4!-+ 26.g3 [26.Lxc4 Txg2+ 27.Kf1 Dd8! 28.Ke2 Txf2+! 29.Kd1 (29.Kxf2 Dh4+ 30.Ke2 Dh5+ 31.Kf2 Df3+ 32.Kg1 Dg2#) 29...Txd2+ 30.Kxd2 Dg5+ 31.Kd1 Lf3+ 32.Te2 Dg2 33.c3 dxc3-+] 26...Dd5 27.Te4 fxe4 28.Lxc4 Dxe5 29.dxe4 Txg3+ 30.fxg3 Dxg3+ 31.Kf1 Df3+ 32.Ke1 Le7!-+;
b) 25.dxc4? Txg2+!!-+ 26.Kf1 (26.Kh1 Tg4!; 26.Kxg2 dxc4+ 27.Kf1 Dxd4) 26...Lc5 27.cxd5 Lxd4 28.Kxg2 Lxd5+ 29.Lxd5 Dxd5+;
c) 25.Lxc4! Txg2+! 26.Kf1 (26.Kxg2? dxc4+-+; 26.Kh1? Tg4!-+) 26...Lc5 27.Lxd5 (27.Lb3 Lxd4 28.Kxg2 De7 29.Lf4 Lc3 30.Tf1 Db4!?-+) 27...Lxd5 28.Df4 Txf2+ 29.Dxf2 Lxf2 30.Kxf2 Dc7!? 31.c4 La8 mit Angriff;
25.Kf1 Tg6 26.f3 h5 27.g4 hxg4 28.hxg4 fxg4 29.Te2 g3 30.Kg2 Le7 31.Df4 Kg7 32.Th1 Tg8 33.Th6 Kf8 34.Th7 Lg5 35.Lb4+ Ke8 36.Dd4 Le7 37.a5 Lxb4 38.Dxb4 d4 39.Th1 Dd8 40.Dc4 Lxf3+ 41.Kxf3 g2 42.Dc6+ Kf8 43.Txg2 Txg2 44.Dd6+ Dxd6 45.exd6 Ke8 46.axb6 axb6 47.Ta1 Kd7 0-1
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Baden-Baden vs. Werder Bremen
erstellt am 04.03.2010




