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RNG Verein MP
1. SV Griesheim 0
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3. Nickelhütte Aue 0
4. OSG Baden-Baden 0
5. Bayern München 0
6. SF Berlin 0
7. Werder Bremen 0
8. Turm Emsdetten 0
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10. Hamburger SK 0
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Halbe Mannschaft auf GM-Kurs

Ilja Schneider
Ilja Schneider


Der internationale Meister Ilja Schneider spielt für die SF Berlin in der Schachbundesliga und wird wie in der Saison 2008/09 auf der Webseite der Schachbundesliga über die Kämpfe seines Vereins berichten. Der 25-jährige ist regelmäßig auf Turnieren unterwegs und berichtet darüber auf seinem Blog "Schachzoo": pointiert und schachlich lehrreich.
Von Ilja Schneider

Nach dem furiosen 7:1-Katersieg gegen die SF Katernberg und einer knappen, aber insgesamt nur schwer vermeidlichen 3:5- Niederlage gegen den SV Mülheim Nord, ist es an der Zeit, eine kleine Bilanz zum Saisonstart zu ziehen. 4:8 Mannschaftspunkte, Klassenerhalt in Sicht, positive Mannschaftspunkte (!) und daraus in direkter Folge viele, viele mögliche Normen, wenn es im Februar (diesmal wieder im angestammten Rathaus Schöneberg) in die Dreierrunde gegen Rivale König Tegel sowie das ungleiche Pärchen OSG Baden-Baden und SV Heidelberg Handschuhsheim geht.



Dass unsere Mannschaft stärker auftritt, als letztes Jahr, wurde anhand der Einzelpartien der ersten vier Runden bereits deutlich. Durch Mikael Agopov aus Kirchheim und natürlich den wieder zur Verfügung stehenden Martin Krämer wurde eine deutliche Leistungsverdichtung erreicht. An den notwendigen Stellen wurde umgestellt, zum Beispiel darf GM-Anwärter Arnd Lauber nun (nicht unerfolgreich) das erste Brett hüten. Stephan Berndt hält weiterhin mit Leichtigkeit seine Remisen durch, Rainer Polzin und euer Autor haben sich mittlerweile etwas vom Ohrid-Schock erholt…Im Moment funktioniert Bundesliga gut und macht sogar im Vergleich zum letzten Jahr ein wenig Spaß.

Es gab zwar beim Wochenende in Tegel leider kein vorbereitendes Mannschaftsessen (im Gegensatz zu früher kommen nun auch in Berlin die Spieler aus allen möglichen Ecken Deutschlands, diesmal Berlin, Stuttgart, Karlsruhe, Hannover und Weimar zusammen , so dass die logistische Planung diesmal etwas erschwert war), aber trotzdem ging es am Samstag gegen die geschwächt antretenden Katernberger (ohne Topspieler Volokitin und den soliden Christian Seel; allerdings hinten auch ohne die von uns erhoffte“ Jugendabteilung“) hochmotiviert zu Werke. Als Erster bekam den Schwall der gegnerischen Vorbereitung Katernbergs Klaus Bischoff zu spüren, der eine Woche vorher noch deutscher Blitzmeister geworden war.

Bischoff,Klaus (2561) - Kraemer,Martin (2482) [E12]
SBL 0910 SF. Berlin - SF Katernberg (5.3), 12.12.2009


1.c4 Sf6 2.Sc3 e6 3.Sf3 b6 4.d4 Lb7 5.a3 d5 6.Lg5 Le7

Bischoff-Kraemer Diagramm 1 Bischoff-Kraemer Diagramm 1


Macht Weiß hier im ruhigen Stile mit etwa 7.e3 weiter, "riskiert" er, in einer Art Tartakower-Damengambit mit dem unnützen Zug a3 zu landen. Desalb ergreift er sofort konkrete Maßnahmen und nutzt die Stellung des schwarzen Königs in der Mitte für einen Tempogewinn aus: 7.Da4+ Dd7 8.Dc2 Nun liegt für Weiß immer ein möglicher Tempogewinn mittels Se5 in der Luft. 8...0–0 In den meisten Fällen geschieht hier sofort 8...dxc4. Dazu gibt es eine Menge Theorie, in etwa Gelfand - Lautier und Gelfand - Karpov aus dem Jahre 1997. Klaus Bischoff begann hier, länger nachzudenken. 9.Td1 dxc4N An dieser Stelle eine Neuerung, 9.Td1 ist allerdings auch recht selten gespielt - wozu auch, wenn, wie wir sehen werden, der Vorstoß e2-e4 nicht nur Vorteile bringt? 10.e4?! Das Zentrum auf diese Weise zu besetzen, schein verlockend, aber ist einfach ungesund. Schwarz hat sehr aktiv posierte Figuren und behält seinen Mehrbauern - Weiß hingegen fehlt trotz des schönen Zentrums eine zündende Idee. 10...b5 11.g3?! Er spielt weiter "großspurig" auf aktive Entwicklung und Mobilisierung des Zentrums. Aber dazu hat Weiß einfach keine Zeit mehr! Eine normale Entwicklung wie 11.Le2 wäre schon deutlich angebrachter. 11.Le2 a6 12.Se5 Dc8 13.0–0 Sbd7 und es ist klar, dass Schwarz bei Weitem nicht nur ausgelichen hat, sondern respektablen Vorteil besitzt. Aber das Meiste steht hier eben noch bevor. 11...Sa6 Es sprach auch Einiges dafür, die Verhältnisse sofort zu klären: 11...h6 12.Lxf6 Lxf6 13.Lg2 Sa6; 11...a5 12.Lg2 h6 ist auch in Ordnung. 12.Lh3?

Bischoff-Kraemer Diagramm 2 Bischoff-Kraemer Diagramm 2


Spielt immer noch konsequent auf die Idee der Durchbruchs mit d4-d5, aber diese Schwächung der langen Diagonale verträgt die weiße Stellung nicht mehr. Merkwürdig, dass Bischoff die nahende Gefahr nicht sah oder nicht sehen wollte. 12.Lg2 war natürlich und auch geboten und nach 12...h6 13.Lf4 Tad8 14.Se5 De8 sage ich aber immer noch, dass Schwarz besser steht. da Weiß einfach keinen guten Plan findet. 12...b4! Rainer Polzin und ich tuschelten an dieser Stelle bereits, dass in zehn Zügen bei Martin alles vorbei sein wird. Wir hatten uns vertan - es waren acht! 13.Se5 De8 14.axb4 Sxb4 15.De2

Bischoff-Kraemer Diagramm 3 Bischoff-Kraemer Diagramm 3


Die weißen Züge waren absolut forciert, aber nun schlägt es trotzdem ein: 15...Sxe4! Bei einem Läufer auf h3 kommt es aber auch nicht allzu überraschend. 16.Lxe7 16.Sxe4 Lxg5 ändert nichts. 16...Sxc3 17.bxc3 Sd3+ 18.Sxd3 cxd3 hier hätte sich Bischoff in einer der Formen mit dem Minusbauern abfinden sollen, aber kam nun auf eine total sachfremde Idee: 19.Db2?! Lxh1 20.Da3? Dc6

Bischoff-Kraemer Diagramm 4 Bischoff-Kraemer Diagramm 4


Und Matt. Gratulation an den Sieger, aber so kann man natürlich nur gewinnen, wenn der Gegner ordentlich mithilft. 0–1 (Matt ist es zwar nicht, aber Weiß verbleibt in der Tat mit einem Trümmerhaufen, Anm. d. Red.)

Martin Krämer, SF Berlin Martin Krämer, SF Berlin



Nach diesem zweiten Damenindisch-Sieg in Folge ist eine GM-Norm für Martin in absolut greifbare Nähe gerückt. Der junge Mann redet nicht nur viel, er gehört auch zu denen, die halten, was sie versprechen. Die meisten anderen Bretter standen ebenfalls so gut, dass es Stephan Berndt anschließend keine große Selbstüberwindung kostete, in minimal besserer Stellung gegen Katernbergs Ilja Zaragatski ins Remis einzuwilligen.

Zaragatski,Ilja (2475) - Berndt,Stephan (2442)
SBL 0910 SF Berlin - SF Katernberg (5.5), 12.12.2009


Stellung nach 26...Se5:

Zaragatski-Berndt


Zaragatski hat den Drachen nicht gerade agressiv behandelt und vor einigen Zügen auf h5 einen Bauern geopfert. Ohne Frage steht er sehr stabil und schwer knackbar da, aber "Bauer ist Bauer" und "Schwarz besser" ist, das, was mir beim Blick auf dieses Diagramm einfällt. Er kann seinen h-Bauern vorschieben, den König verbessern, versuchen, einen Minoritätsangriff auf die Beine zu stellen... also lauter vage Sachen, die man (oder Stephan) in einem wichtigen Mannschaftskampf eigentlich doch lieber nicht ausprobieren will. Daher Remis. ½–½

Stephan Berndt, SF Berlin Stephan Berndt, SF Berlin



Auf 2,5:0,5 zu erhöhen, blieb dem Berichterstatter vorbehalten. Dabei setzt sich der Trend, wonach meine Partien eine sehr unterdurchschnittliche Zügezahl und Zeitdauer vorzuweisen haben, auch diesmal fort. Dass ich ein Freund jeglicher incrementhaltiger Bedenkzeit bin, kann ich wahrlich nicht behaupten, aber gegen meinen Gegner Igor Glek stand trotzdem von Anfang an die Devise, ihn in Zeitnot zu treiben. Schachlich war ich dem GM an diesem Tag nicht wirklich überlegen, aber das gesündere Bedenkzeitmanagement siegte. Die ganze, ausführlich kommentierte Partie findet sich hier. In diesem Stile ging es anschließend einfach munter weiter. Mikael Agopov widerlegte das Figurenopfer seines Gegners Mathias Thesing durch dessen Annahme und das Mehrmaterial entschied die Partie. Vorher geschah allerdings noch das folgende Kuriosum:

Agopov,Mikail (2452) - Thesing,Matthias (2419)
SBL 0910 SF Berlin - SF Katernberg (5.6), 12.12.2009


Stellung nach 15. Dd2:

Agopov-Thesing Diagramm 1 Agopov-Thesing Diagramm 1


Man erkennt in aller Deutlichkeit die Umrisse eines Paulsen-Sizilianers. Mit dem vor zwei Zügen erfolgten Vorstoß b2-b4 hat es Agopov auf den gegnerischen schwarzfeldrigen Läufer abgesehen. 15...b5 16.Sc5 Lxc5 17.bxc5 Dxc5 18.c4! b4 19.a3

Agopov-Thesing Diagramm 2 Agopov-Thesing Diagramm 2


An dieser Stelle (!) reklamierte Thesing auf falschen Zug - er vermutete den weißen König auf g1. Dass dieser dadurch die letzten 7-8 Züge gemütlich im Schach verbracht hätte, fiel ihm dabei allerdings nicht auf :-) Der herbeigerufene Schiedsrichter und Agopov konnten dank der Notation den Irrtum aber schnell beseitigen. Weiß steht übrigens bereits etwas besser, da für den Gegner kein Weg besteht, Linienöffnung am Damenflügel zu vermeiden. 19...bxa3 20.Le3 De7 20...Dd6 verhindert für einen Moment die auf a5 auftauchende Konkurrentin - und ist wohl etwas besser. 21.Da5 Sg4 22.Lc5 Dh4 23.h3

Agopov-Thesing Diagramm 3 Agopov-Thesing Diagramm 3


23...Lxf5?? Ein kapitales Versehen. Er will das Feld d8 mit Tempo decken, aber eine Figur ist ein zu hoher Preis für diesen Spaß. 23...Dg3 war schon der einzige Zug. Es droht Matt und 24.Lg1 ist erzwungen. 24...0–0 (Der Läufer ist tabu wegen 24...Dxd3?? 25.Tfd1 - Feld d8!) 25.Txa3 Dh4 mit natürlich klar vorteilhafter weißer Stellung. 24.Txf5 Dg3 Nun ist das Feld d8 gedeckt und Thesing wollte wohl nach Lg1 den Läufer auf d3 schlagen, doch es kam einfach 25.hxg4 hxg4+ 26.Kg1

Agopov-Thesing Diagramm 4 Agopov-Thesing Diagramm 4


Weiß hat zwei Figuren mehr und nach dem "konsequenten" 26.Kg1 Th2 27.Lf1 Dh4 mahlt der Weiße durch 28.Txe5+ entschieden zuerst. Deshalb gab der Nachziehende auf. 1–0

Thesing (links) - Agopov (rechts) Thesing (links) - Agopov (rechts)



Der Zwischenstand also 3,5:0,5. Die Sache war im Prinzip gelaufen. Die Mitte hatte sich aufgelöst und es waren nur noch die Bretter 1-2 und 7-8 übrig geblieben. Während erstere auch nach der Zeitnotphase das sonst prima Ambiente des ausrichtenden Hotels und die für eine Veranstaltung dieser Klasse erforderliche Ruhe genießen konnten, hatten die Hintermänner einen schweren Stand. Sie spielten fast direkt an der Tür, die unmittelbar in den Analyse- und den PC-Raum führte. Dort war es zuweilen laut, wie in einer Fußgängerzone (natürlich nehme ich da etwa meine eigene Person nicht aus, die Diskussionen mit Glek über die korrekte Stellungsbewertung einiger Schlüsselmomente unserer Partie verliefen teilweise recht lautstark; sonst ist der Lärmpegel durchaus auch mit der erhöhten Altersstruktur des durchschnittlichen Berliner Schachkiebitze zu begründen – je leiser der Mensch hört, desto lauter schreit er eben) und der Schiedsrichter musste draußen mehrfach zur Ruhe anmahnen oder gar drohen, den Raum zu räumen. Die Halbwertszeit dieser Drohungen lag allerdings meist im Bereich von einigen Minuten, so dass die alte Geräuschkulisse sehr schnell wiederhergestellt war. Zum Glück hatten wir hinten mit Marco Thinius jemanden mit himmlischer Ruhe und Orchestererfahrung sitzen, dem der Trubel nicht übermäßig viel auszumachen schien.

Spielsaal Spielsaal



Zurück zum Geschehen auf den Brettern. An Brett 2 spielte Rainer, der in der letzten Saison ganz schön viele Federn hat lassen müssen, gegen Topscorer Nazar Firman. Aber an diesem Tag gelang einfach alles, da warf sogar der taktisch starke, trickreiche Ukrainer plötzlich mit Figuren um sich:

Polzin,Rainer (2491) - Firman,Nazar (2571)
SBL 0910 SF Berlin - SF Katernberg (5.2), 12.12.2009


Stellung nach 25.Te3:

Polzin-Firman Diagramm 1 Polzin-Firman Diagramm 1


Für die (verbesserte) Französisch-Abtauschvariante ist hier einiges im Gange, doch das Stellungsgleichgewicht kann noch nicht ernsthaft gestört sein. Dazu hätte der Ukrainer elementar mit 25...bxc4 26.Lxc4 Sd6 eine Blockade des weißen Zentrumsbauern/des Läuferpaares anstreben müssen. Danach hätte vermutlich die verbliebene Bedenkzeit entschieden. Was Firman hier aber zu 25...Sd6?? ritt, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls verliert er jetzt einen ganzen Stein. 26.c5 Se4 27.d6 cxd6 28.cxd6

Polzin-Firman Diagramm 2 Polzin-Firman Diagramm 2


Und die "excelsiorartige" Drohung 29.d7 gewann nach 28...Dc5 29.dxe7 Txe7 30.Dd4 einfach Material, wobei ich die genaue Verwertung infolge eines manuellen Eingabefehlers nicht präsentieren kann. Laut Rainer ist hier aber auch nichts mehr passiert. 1–0

Rainer Polzin, SF Berlin Rainer Polzin, SF Berlin



Danach gewann noch mein diesmaliger Gastgeber Lars Thiede (ich punkte meist besser, wenn ich bei ihm wohne, weil ich dort in der Regel ein Frühstück erhalte; danke Lars!) gegen seinen vorher geäußerten „Wunschgegner“ Sebastian Siebrecht. Nicht dass die Partie jederzeit absolut glatt verlief, verdient war der Sieg aber auf jeden Fall. Anschließend musste noch Marco Thinius das zweite Hälftchen an diesem Tage abgeben. Er erspielte sich früh im Mittelspiel einen bedeutenden Vorteil, bedingt durch einen schwachen gegnerischen Doppelbauern, aber verpasste unterwegs einige dynamische Möglichkeiten und erlaubte schließlich dem Autor eines Endspielbuches, Bernd Rosen, den Bau einer Festung mit schlechtem Läufer. Schade für Marco, denn er gehört noch zu denen, die keinen Saisonsieg auf dem Konto haben. Bleibt nur noch Arnd Lauber, der auf einen an diesem Wochenende etwas indisponierten Vladimir Chuchelov traf.

Vladimir Chuchelov, SF Katernberg Vladimir Chuchelov, SF Katernberg



Der bekannte GM und Trainer ließ sich beim Übergang ins Endspiel einen Bauern abnehmen, und Arnds Technik ließ einfach nichts zu wünschen übrig - für Arnd mit 3/5 bei einem Gegnerschnitt über 2600 ist die Norm in absoluter Reichweite.

Chuchelov,Vladimir (2598) - Lauber,Arnd (2517)
SBL 0910 SF Berlin - SF Katernberg (5.1), 12.12.2009


Stellung nach 42.Le4:

Chuchelov-Lauber Diagramm 1 Chuchelov-Lauber Diagramm 1


42...Lc6! Das Turmendspiel mit dem von der Seite gedeckten Freibauern sollte sehr wahrscheinlich zu gewinnen sein. 43.Lxc6 bxc6 44.Txf4 Txg2+ 45.Kc3 Tg3+ 46.Kd2 h3 47.Th4 Kc7 48.Txh5 Kd6 49.b3 Tg2+ 50.Kd3 h2 51.a4 Ke6 52.b4 Kf6

Chuchelov-Lauber Diagramm 2 Chuchelov-Lauber Diagramm 2


53.b5?! Er spielt auf Bauerntausch, aber er spielt keine entscheidende Rolle. Besser wäre eine sofortige Annährung des Königs mit folgendem Abspiel: 53.Ke3! Kg6 54.Kf3 Tb2 (54...Kxh5 ist Remis.; 54...Ta2 55.Th4 Kg5 56.Th8) 55.Th4 Kg5 56.Th7 a6 57.Th8 Tb3+ 58.Kg2 Txb4 59.Tc8 Txa4 60.Kxh2 mit Datenbank-Remis. Ich schließe nicht aus, dass Schwarz unterwegs irgendwo verstärken kann. Klar ist jedoch, dass dies für Chuchelov das Mittel der Wahl war. 53...cxb5 54.axb5 Kg6 55.Th8 Kf5 56.Ke3 Tb2

Chuchelov-Lauber Diagramm 3 Chuchelov-Lauber Diagramm 3


57.Th4?! Wozu? Man sah, wie der Großmeister unmittelbar nach Ausführen dieses Zuges rot im Gesicht anlief. 57.Kf3 ist wehrhafter, aber es folgt 57...Ke5! 58.Th7 (58.Ke3? Tb3+ 59.Kf2 Txb5 und gewinnt leicht. (59...Tb1? 60.Txh2 ist gerade so Remis.) ) 58...Kd5 59.Kg3 Kc4 60.Th5 (sonst nimmt der König den Bauern.) 60...Txb5 und gewinnt trotzdem. 57...Kg5 58.Th7 Kg4 Nun kommt der schwarze König bis auf die Grundreihe. 59.Tg7+ Kh3 60.Th7+ Kg2 61.Tg7+ Kf1 62.Tf7+ 62.Th7 Tb3+ sehr stark! 63.Kf4 Kg2 64.Tg7+ Kf2 65.Th7 Tb4+ 66.Kf5 Txb5+ 62...Kg1 63.Tg7+ Tg2 64.Txa7

Chuchelov-Lauber Diagramm 4 Chuchelov-Lauber Diagramm 4


Die letzte Finte! Umwandeln ist jetzt verderblich: 64...Tg5! Greift den Bauern an, der nicht ziehen kann. 64...h1D?? 65.Ta1+ Kh2 66.Txh1+ Kxh1 67.Kd4= 65.Kf4 65.b6 h1D 66.Ta1+ Kh2 67.Txh1+ Kxh1 ist trivial. 65...Txb5 66.Tg7+ 66.Ta1+ Kg2 67.Ta2+ Kh3 68.Ta3+ Kh4 69.Ta1 Tb8 rettet auch nichts mehr - zu passiv ist der weiße Turm. 66...Kf2 0–1

Arnd Lauber, SF Berlin Arnd Lauber, SF Berlin



Der Sieg wurde dann anschließend mit Grill- und Balkan-Spezialplatten bei unserem Stammjugoslawen gefeiert. Stammjugoslawe, weil wir da normalerweise immer hingehen, wenn wir verlieren (was ja nicht ganz so selten der Fall ist ), und zwar deshalb, damit es unser verstimmter Mannschaftsführer dann nach dem Essen nicht allzu weit nach Hause hat. Diesmal haben wir aber uns schon vorher auf den Laden geeinigt – und siehe da, es hat geklappt. Das Essen verlief locker und entspannt, vermutlich weil das Schachbrett in der Tischmitte gefehlt hat. Vielleicht ist es das Modell für die Zukunft. Als wir jedenfalls abends um halb 11 das Lokal verließen, war es in Berlin-Kreuzberg bereits bitterkalt und nur der kräftige jugoslawische Schnaps zum Abschluss half mir, die paar Meter bis zu Lars‘ Auto heile zu überstehen.
Apropos Lars. Dieser konnte sich im Gegensatz zu mir bereits an dieser Stelle ganz den wochenendlichen Freizeitaktivitäten widmen, denn wieder sollte am Sonntag gegen Mülheim der mittlerweile sattsam bekannte Aufstellungstrick greifen: Hinten Thiede raus, Dennes Abel rein. Nach seiner wenig überzeugenden Leistung bekam unser „Jugendbrett“ also wieder eine Chance, sich zu bewähren. Nutznießer der Aktion war Marco Thinius, dem dadurch zwei Mal Weiß spendiert wurde.
Das Match gegen die unverändert angetretenen Mülheimer gestaltete sich zunächst zäh und ohne besonders interessante Momente. Die Ausnahme war, wie so oft die Partie, mit der ich persönlich am Meisten zu tun hatte. Aber gerade da tat sich lange Zeit nichts, da mein Gegner Felix Lewin nach meiner vorbereiteten Neuerung im Chebanenko-Slaven für 40 Minuten eine Auszeit nahm, zum Glück, ohne dabei die stärkste Antwort zu finden. Ich bitte um Verzeihung ob der an dieser Stelle fehlenden/vermissten theoretischen Gesamtdiskussion des entsprechenden Abspiels, und steige hingegen an einer anderen kritischen Stelle ins Geschehen ein:

Levin,Felix (2481) - Schneider,Ilja (2500)
SBL 0910 SV Mülheim Nord - SF Berlin (6.4), 13.12.2009


Stellung nach 14...Sd4:

Levin-Schneider Diagramm 1 Levin-Schneider Diagramm 1


Weiß ist hier am Scheideweg: Darf er den Bauern auf b7 wegnehmen und die materiellen Verhältnisse ausgleichen? 15.b4!? Diese Auswahl ist nur zu gut verständlich, deshalb auch das Ausrufezeichen voran, aber dies vergibt für alle Ewigkeiten die Chance auf Vorteil. 15.Lxb7 war kritisch. Nun muss der schwarze Turm wissen, was zu tun ist: 15...Ta7!? (15...Tb8 16.Lxa6 belässt Weiß tatsächlich mit einem Mehrbauern, denn auch das sehr verlockende 16...Lc6+ 17.f3 Sxf3!? bringt Schwarz, der hier schon vom Matt träumte, nach dem subtilen 18.Lb5! Lxb5 19.axb5 Lxe3 20.Sdxe3 Sd4 21.b6 einen Sack voller Probleme.) 16.Lg2 Sd5 Hier war ich in der Partie sicher, dass Ausgleich auf dem Brett steht, aber mit Rybkas Hilfe findet man schnell die nicht leicht aber immerhin eindeutig nachzuvollziehende, keine Erklärung benötigende Sequenz 17.b4!! Sxb4 18.Tc1! Sa2! 19.Tb1 0–0 20.Tb2 Lxa4! 21.Txa2 Lb3 22.Ta5 Lxc4 23.Txc5 Lxf1 24.Lxf1 Td7 mit weißen Knettchancen aber wohl objektivem Remis. 15...La7 16.b5! 16.Lxb7 Tb8 ist einfach nicht wirksam, da der b4 hängt. 16...Sd5! Einziger, aber reicht aus. 16...axb5 17.axb5 lohnt keinen zweiten Blick - man sieht, Schwarz ist pleite. 17.b6! Sxb6 18.Sd6+ 18.Sxb6 Lxb6 19.Tb1 Lc5 20.Txb7 Ke7 21.Tc7 Lb6 22.Tb7 Lc5 23.Tc7= ist ein anderer Weg zum toten Remis. 18...Ke7 19.Lxd4 Kxd6

Levin-Schneider Diagramm 2 Levin-Schneider Diagramm 2


Nun stehen bei Schwarz zwei Mehrbauern auf dem Brett, aber der König ist etwas unsicher. Weiß muss jetzt aber zugreifen: 20.Lxb7 Tab8Automatismus. Oder wollte ich nur das Remis, welches bereits in Sichtweite war? 20...e5!? bringt wohl keinen "echten" Vorteil, aber auf Sieg spielen ließ sich nach 21.Lxb6 Lxb6 22.Lxa8 Txa8 ganz gut. 21.Lxa6 Sxa4

Levin-Schneider Diagramm 3 Levin-Schneider Diagramm 3


Die Entfesselung, die für toten Ausgleich sorgt: 22.Lxa7 Ta8 23.Ld4 Lc6+ 24.f3 e5 Um ihm nicht den g7 zu geben. 25.Lxe5+ Kxe5 26.Le2 mit absolutem Ausgleich und logischen Remisschluss. ½–½

Ilja Schneider, SF Berlin Ilja Schneider, SF Berlin



„Same Procedure as every Weekend“: Ilja ist nach zweieinhalb Stunden als Erster fertig und rennt aufgescheucht zwischen Turniersaal und Übertragungsmonitoren der anderen Spielorte hin und her. Dabei erlebt er zunächst ein relativ ereignisloses Remis zwischen Stephan Berndt (wer sonst?!) und Daniel Hausrath (Begründung : “Ich dachte, am Ende geht …Se6 für ihn , aber anscheinend ging das wohl doch nicht so richtig. Naja…“). Schauen wir doch mal, ob am Ende eigentlich …Se6 für Hausrath ging oder nicht!

Berndt,Stephan (2442) - Hausrath,Daniel (2528)
SBL 0910 SV Mülheim Nord - SF Berlin (6.5), 13.12.2009


Stellung nach 22.Txd5:

Berndt-Hausrath Berndt-Hausrath


Weiß steht etwas aktiver und nennt auch den besseren Läufer sein Eigen. Außerdem steckt der schwarze Springer ein wenig am Rande fest. 22.Txd5 Se6 ist aber trotzdem durchaus möglich, zumindest nützt es Weiß nichts, sich hier auf e5 zu bedienen, man sehe: 23.Txe5 Ld6 24.Td5 (24.Tf5 Da1! 25.Df1 Db1! mit schwarzem Vorteil - haben die beiden etwa 24...Da1 übersehen?) 24...Sc5 und der e4 ist nicht zu retten, wie etwa (24...Da1 25.Td1) 25.Td4 (oder 25.Tf5 Dg6 26.Sh4 De6 27.Dxe6 fxe6 28.Tf3 Td8!? mit computerunterstützter Sympathie für die schwarze Stellung.) 25...De7 26.e5 Lxe5 27.Sxe5 Dxe5 28.Le3= zeigt. Da die Beweislast aber immer bei Schwarz liegt, hätte man natürlich noch gucken können, ob Schwarz 22...Se6 wirklich findet. Nicht, dass es der einzige Weg zum Totalausgleich wäre. ½–½

Daniel Hausrath, SV Mülheim Nord Daniel Hausrath, SV Mülheim Nord



Also gut, Remis. Das nächste seinesgleichen kam durch Mikael Agopov zustande, der gegen Michail Saltaev seit der Eröffnung immer irgendwie vorzuziehender stand, aber keine konkreten Mittel finden konnte. Ob es welche gab, ist aber eher ungewiß. Unsere Post-Mortem-Analyse sagt ja, mittlerweile bin ich mir nicht mehr ganz so sicher.

Was danach folgte, war aus Berliner Sicht weniger erfreulich. Martin der „schwarze Ritter“ musste gegen Alexander Berelovich seine erste Niederlage der Saison hinnehmen. Und dazu noch mit Weiß! Martin spielte das frühe Mittelspiel recht sorglos, ließ sich den wichtigen schwarzfeldrigen Läufer abgreifen und sah sich fortan dem Druck des schwarzen Läuferpaars ausgesetzt, bevor Berelovich irgendwann mustergültig einlochte. Krämers Leistung diesmal war einfach nicht besonders gut. Kann aber jeden mal passieren. Bei der Analyse war Martin jedenfalls wieder ganz der Alte:
M.K.: „Hier hast du deinen Vorteil bereits verspielt, und ich könnte locker ausgleichen. Aber das wollte ich nicht, denn hier habe ich schon wieder auf Sieg umgeschaltet.“
A.B.: „Mehr Objektivität bitte!“
M.K. (nachdrücklich): „ Aber ich sehe doch in der Partie, wie Du die Stellung bewertest. Du bewertest sie ganz ganz anders als ich! Gegen so jemanden kann ich die Stellung ja wohl locker auf Gewinn spielen!“

Möge sich jeder Interessierte die Begegnung ansehen und sich ein eigenes Urteil dazu bilden – ich persönlich vermag es nicht. Jedenfalls lag Mülheim von nun an mit 2,5:1,5 in Front. Schlimmer war – es fehlte an aussichtsreichen Stellungen, um das Geschehen noch zu drehen. Arnd hielt zwar vorne gegen Konstantin Landa, der verbittert versuchte, ein technisch remises Turmendspiel noch für sich zu entscheiden locker durch, aber Rainer hat es gegen Nationalspieler Daniel Fridman letztendlich erwischt:

Fridman,Daniel (2661) - Polzin,Rainer (2491)
SBL 0910 SV Mülheim Nord - SF Berlin (6.2), 13.12.2009


Stellung nach 54.Df5+:

Fridman-Polzin Diagramm 1 Fridman-Polzin Diagramm 1


Ich kam hier ans Brett und traute meinen Augen kaum. Rainer zog sofort nach Ausführung des gegnerischen Zuges den König nach g8 weg, (scheinbar) ohne den Damentausch und den anschließenden Figurengewinn mit Se4+ zu prüfen! Ist er denn des Wahnsinns? Zu fragen traute ich mich im Laufe des Abends nicht mehr (ich würde gerne noch weiter eingesetzt werden), aber der Blick in die Notation beantwortete mir die Fragen: 1) Die Stellung war schon zum zweiten Mal auf dem Brett, deshalb sah Rainer keinen Grund, noch einmal nachzudenken. 2) Ja, das entstehende Endspiel ist elementar gewonnen für Weiß. Also, ich nehme alles zurück und entschuldige mich dafür, die Hälfte der Anwesenden im Analyseraum absolut umsonst aufgescheucht zu haben. 54...Kg8 54...Dxf5 55.Txf5 Se4+ 56.Kf3 Sxg3 57.Td5 (57.d7?? ist sogar tatsächlich Remis. 57...Txd7 58.Kxg3=) 57...Td7 58.Kxg3 Kg6 59.Kf4 Kf6 60.Ke4 Ke6 61.Te5+!+- sollte ich einem Mann wie Fridman durchaus zutrauen. 55.Dxd7 Txd7 56.Te3 Tb7 57.Ke1 Kf8 57...Txb2 58.d7 Sf7 59.Te8+ Kg7 60.Te7+- 58.Kd1 Sf7 59.Kc2 Td7 Alles verlorene Liebesmüh! Nehmen kann er den Bauern doch eh nicht wirklich... 60.b4 Sxd6 61.Lxd6+ Txd6 62.Kb3

Fridman-Polzin Diagramm 2 Fridman-Polzin Diagramm 2


...oder eben um hier zu kapitulieren. Der Freibauer kommt leicht und locker ins Ziel. 1–0

Daniel Fridman, SV Mülheim Nord Daniel Fridman, SV Mülheim Nord



Nun bräuchte es für ein 4:4 noch zweier Siege auf dem letzten Drücker und die entsprechenden Stellungen von Marco Thinius und Dennes Abel waren optisch auch besser. Marcos größte Chance in der Schlussphase einer langen, ereignisreichen Partie wäre die da:

Thinius,Marco (2375) - Schebler,Gerhard (2486)
SBL 0910 SV Mülheim Nord - SF Berlin (6.7), 13.12.2009


Stellung nach 58...Kf5:

Thinius-Schebler Diagramm 1 Thinius-Schebler Diagramm 1


Die Partie ist genauso wild verlaufen, wie die Reste, die man immer noch begutachten kann, andeuten. Lange Zeit war die schwarze Bauernkette das dominante Element der Stellung gewesen, doch die Zeiten änderten sich und nun geht es darum, ob Schebler Marcos Freibauern aufhalten kann. 59.a7 Ta8 60.Ta6! e4 61.fxe4+ Kxe4

Thinius-Schebler Diagramm 2 Thinius-Schebler Diagramm 2


Und hier verfiel Marco Thinius auf eine verlockende, naheliegende Idee, die sich aber als nicht ganz sauber erwies. Verdenken kann man dies den Spielern nach über 6 Stunden Spielzeit kaum. 62.Tc6?! Er will den Springer verteiben und dann mit Tc5 auf Matt spielen. 62.b5 Kd5 63.Tc6 war allerdings geboten. Nun kann man leicht beweisen, dass Schwarz seinen Springer sofort abgeben muss, und zwar mit 63...Txa7 64.Sb4+ Ke4 65.Txc4 , allerdings glaube ich hier bisher nicht an einen weißen Sieg, wie soll es etwa nach 65...Tg7 weitergehen? 62...Txa7!? 62...Sb2 erlaubt Schwarz bereits auf Gewinn zu spielen. Ich weiß nicht ob Schebler das nicht sah, oder lieber schnell das Remis "absaven" wollte, wozu der Textzug hervorragend geeignet ist. 63.Sf2+ Kf4 64.Sd3+ 64.Txc4 Ta2+ und Schwarz gewinnt. Unter anderem, weil der König nicht nach d3 herauskommt. 64...Ke4 65.Sf2+ Kf4 66.Sd3+ ½–½

Marco Thinius, SF Berlin Marco Thinius, SF Berlin



Damit war der Kampf gelaufen. Dennes kämpfte mit seinem Mehrbauern noch eine Weile weiter, konnte aber ebenfalls nicht mehr entscheidend verstärken und musste nach etwa sieben Stunden Spielzeit erneut ein Remis quittieren und seine Jagd nach dem ersten Bundesliga-Sieg auf das nächste Mal verschieben. 3:5, doch die Mülheimer waren an diesem Tag einfach ein Stückchen besser. Halb so wild, mit den vier Mannschaftpunkten zur Winterpause können wir ganz gut leben. Im Februar spielen Arnd und Martin um eine begehrte GM-Norm, und chancenlos sind Mikael, Lars und meine Wenigkeit auch beileibe nicht.

Dies alles gilt aber nicht wirklich für Gastgeber und Reisepartner Tegel (auch wenn diese zugegebenermaßen mit etwas anderen Ambitionen an die Sache herangehen als wir). Null Mannschaftspunkte bedeuten mittlerweile die alleinige Rote Laterne. Auch in den Runden 5 und 6 lieferte die Mannschaft der Blitz- und Schnellschachspezialisten viel Kampf, aber Zählbares kam weder beim 1,5:6,5 gegen Mülheim, noch beim 2:6 gegen Katernberg heraus. Jeweils ein Beispiel negativer und positiver Tegeler Eindrücke:

Berelovich,Alexander (2551) - Muse,Mladen (2448)
SBL 0910 SK König Tegel - SV Mülheim Nord (5.3), 12.12.2009


Stellung nach 22...Sd3:

Berelovich-Muse, M. Diagramm 1 Berelovich-Muse, M. Diagramm 1


Weiß hat gerade eine Qualität gewonnen. Ihre Verwertung ist nicht leicht, wird aber von Berelovich meisterhaft vorgetragen: 23.Se5! Sxc1 24.Sxd7 Sd3

Berelovich-Muse, M. Diagramm 2 Berelovich-Muse, M. Diagramm 2


25.Sb8!! statt sich auf Spielchen wie 25.Sxf6+ Lxf6 26.Te2 Sxb2 27.Txb2 Lxc3 einzulassen. 25...Sxe1 26.Sxa6! Sc2 27.Td2 Sa1 28.Sb8!

Berelovich-Muse, M. Diagramm 3 Berelovich-Muse, M. Diagramm 3


Wie mit einem Laubgerät pustete Weiß die schwarzen Figuren in die Ecken des Brettes. Der schwarze Turm wird gerade noch rechtzeitig befreit, auf den Springer a1 kann aber nur ein Urteil warten - auch wenn es noch nicht so bald vollstreckt werden kann. 28...Sh5 29.Lc7 Lh6 30.d6 exd6 31.Txd6 Kg7 32.Td8 Lg5 32...Lc1 33.Sd5 Lxb2 34.Ld6 rettet auch nicht mehr. 33.Tc8 Sf4 34.h4! Se6

Berelovich-Muse, M. Diagramm 4 Berelovich-Muse, M. Diagramm 4


Und nun werden methodisch alle Zeugen vernichtet, die den Mord am Sa1 beobachten könnten: 35.hxg5 Sxc7 36.Txc7 Txb8 37.Se4 Te8 38.f3! h6 39.Tc1 hxg5 40.Txa1 g4 41.Td1 Genial! Hut ab! 1–0

Alexander Berelovich, SV Mülheim Nord Alexander Berelovich, SV Mülheim Nord



Rabiega,Robert (2531) - Chuchelov,Vladimir (2598)
SBL 0910 SF Katernberg - SK König Tegel (6.1), 13.12.2009


Stellung nach 27.Tad1:

Rabiega-Chuvelov Diagramm 1 Rabiega-Chuvelov Diagramm 1


Chuchelov hat gerade noch einen gefährlichen Königsangriff abgewehrt und die Damen getauscht, aber nun kam die zweite Welle. 27...h6?! Jagt den Springer nur wieder zurück in die Mitte. Besser war es, mittels 27...Lc6 Halt für den Läufer zu suchen. 28.Se4 Tc7 29.Sd6 Weiß hat deutlichen Vorteil, weil er soviele Felder mitten im feindlichen Lager kontrolliert. 29...Lc6? Was vor zwei Zügen vermutlich Ausgleich war, ist jetzt eine katastrophe. Der Läuferzug lässt eine tödliche Fesselung in der c-Linie zu. Nützlicher wäre es, selbst mit 29...La4 30.Td4 Td8 auf Fesselung zu spielen - mit gewissen Rettungschancen. 30.Tc1

Rabiega-Chuvelov Diagramm 2 Rabiega-Chuvelov Diagramm 2


Schwarz ist in der Klemme. Er kann nichts mehr bewegen und es droht alles - angefangen bei Sxb7 und Sb5 über Se8 bis Te8+ - zuviel um alles auf einmal zu parieren. 30...h5 31.Lf5 Sh4 32.Lh3 a6 33.Te7 33.Se8 Tcc8 34.Lxc8 Txc8 ist ihm schon zuwenig. 33...Td8

Rabiega-Chuvelov Diagramm 3 Rabiega-Chuvelov Diagramm 3


34.Sf5 34.Td1! Hier hätte Chuchelov aufgegeben. Denn 34...La4 35.Txc7 Lxd1 36.Sxf7 ist zu trostlos. 34...Sxf5 35.Txc7 Sd4 36.Tc5 Se2+ 37.Kh2 Sf4 38.Tg5+ Kf8 39.Tg7 Ld5 40.Lf5 1–0

Robert Rabiega, SK König Tegel Robert Rabiega, SK König Tegel



Zum Abschluss meines Berichtes als kleines Schmankerl noch eine Diskussion über verschiedene Spielertypen, geführt auf allerhöchstem Niveau. Nach seiner obenstehenden Partie wurde Robert im Analyseraum vom nie um ein Wort verlegenen Martin empfangen: „Na Robert? Wieder mit deiner Lutschervariante gewonnen?“ (gemeint ist Rabiegas omnipräsenter 2.c3-Sizilianer). Worauf Robert dem Jüngling erst einmal eine kleine Standpauke las: „Weißt du Martin, es gibt Spieler wie dich oder naja… der da! (zeigt auf mich), die machen Theorie bis zum 20. Zug, holen eine gute Stellung heraus und wissen danach nichts mehr. Und es gibt solche Spieler wie der hier (zeigt auf Lars Thiede) oder eben mich, die versuchen einfach aus der Eröffnung eine halbwegs spielbare Stellung zu bekommen. Und wenn wir das geschafft haben, DANN machen wir solche wie Euch einfach fertig!

In diesem Sinne: Friede sei mit euch, frohes Fest, guten Rutsch und viel, viel Erfolg bei den Weihnachts- und Neujahrsturnieren. Bis Februar, dann aus dem Rathaus Schöneberg!

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Alle Fotos in diesem Beitrag stammen von Frank Hoppe
 
erstellt am 19.12.2009

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