"In Solingen herrscht gute Stimmung"
Von Georgios Souleidis
Großmeister Rainer Buhmann spielt in der Schachbundesliga für die SG Solingen. Im Juli 2009 stieg der 28-jährige mit einer Elozahl von 2603 in den „Klub der Supergroßmeister“ auf und ist aktuell die Nr. 6 der deutschen Rangliste. Im Interview äußert er sich über seine Laufbahn, seine Ziele und seiner künftigen Tätigkeit bei der Karpow-Schachakademie Rhein-Neckar.
Schachbundesliga.de: Herr Buhmann, wie fing es mit dem Schachspielen bei Ihnen an?
Buhmann: Mein Vater brachte es mir bei, als ich sechs Jahre alt war. Er war zwar kein Vereinsspieler, doch er war überzeugt davon, dass es für meine geistige Entwicklung förderlich wäre. Ich war begeistert von dem Spiel, doch in meiner frühen Jugendzeit war mir Fußball wichtiger. Ich spielte zwar regelmäßig mit einem Mephisto Schachcomputer, doch erst mit zwölf Jahren trat ich meinem ersten Verein bei. Das war in Mannheim, dort lebten wir damals.
Schachbundesliga.de: Wie verlief Ihre Jugendzeit nachdem Sie in den Verein eintraten?
Buhmann: In meinem ersten Verein hatte der stärkste Spieler ungefähr eine Spielstärke von 1700. Die Vereinsmitglieder erzählten mir, dass er ein starker Meister wäre und ich hatte voll den Respekt vor ihm. Ich wurde dann aber sehr schnell besser und wechselte zwei Jahre später in einen anderen Verein in Mannheim. Dort wurde ich schnell zum Spitzenspieler.
Schachbundesliga.de: Haben Sie mit einem Trainer gearbeitet und welche waren ihre größten Erfolge in der Jugendzeit?
Buhmann: Ich habe, als ich ungefähr 16 war, ein Jahr lang mit IM Roman Vidonyak gearbeitet. Das war sicherlich förderlich, da ich zum ersten Mal strukturiert trainierte. Zwischendurch gab es auch mal Lehrgänge. Einen Heimtrainer hatte ich aber die meiste Zeit nicht, da das finaziell nicht machbar war für meine Eltern. Unter meinen Erfolgen ragen der deutsche Meistertitel in der U18 im Jahr 1999, der 4. Platz bei der U18-EM im gleichen Jahr und der 2. Platz bei der U20-EM 2001 heraus.
Schachbundesliga.de: Wie ging es danach weiter?
Buhmann: Nach meinem Abi entschloss ich mich nach Stuttgart zu ziehen und bei der Firma Herterkom eine Ausbildung als Fachinformatiker zu beginnen. Dort arbeiteten auch Jörg Hickl, Christian Gabriel, Dimitri Bunzmann und Matthias Duppel. Wir alle spielten für die Stuttgarter SF in der Bundesliga, die von Herterkom gesponsert wurden. Die Ausbildung dauerte allerdings nur ein Jahr, da die Firma pleite ging. Für mich persönlich war das aber kein Nachteil, da wir die Ausbildung danach bei der Firma Trost fortführten, die eine gute IT-Abteilung hat. Ich beendete dort meine Ausbildung und arbeitete noch 1,5 Jahre in diesem Unternehmen, entschloss mich aber danach voll auf Schach zu setzen, da ich das Gefühl hatte, dass ich in diesem Bereich mein Können noch nicht voll ausgeschöpft hatte.
Schachbundesliga.de: Sie haben schon einige Jahre Bundesligaerfahrung hinter sich. Lassen Sie uns über ihre verschiedenen Stationen sprechen.
Buhmann: Vor meiner Ausbildung spielte ich in der Saison 2000/01 für die SF Baiertal-Schatthausen. Das war ein sehr gutes Jahr für mich, denn ich verbesserte meine Elo-Zahl von 2400 auf 2500. Dann spielte ich zwei Jahre für Stuttgart und da wie erwähnt der Sponsor wegfiel, wechselte ich nach Baden-Baden. Dort spielte ich drei Jahre und es war eine tolle Erfahrung neben Viswanathan Anand, Peter Svidler oder Alexei Shirov am Brett zu sitzen. Am Ende wurden wir in der Saison 2005/06 deutscher Meister. Einer meiner größten Erfolge überhaupt.
Schachbundesliga.de: Warum haben Sie Baden-Baden verlassen?
Buhmann: Es gibt verschiedene Gründe. Zum Einen ist es zwar interessant neben den ganzen Stars agieren zu dürfen, aber irgendwann wollte ich nicht mehr nur an Brett sieben oder acht spielen und dann immer nur acht oder neun Partien. Und zum Anderen habe ich gedacht, dass die Bundesliga ein gutes aber im Endeffekt nur ein Turnier von vielen ist. Nach zwei Jahren bei meinem Heimatverein in Hockenheim juckte es aber wieder in den Fingern und ich wechselte in der Saison 2008/09 nach Solingen. Außerdem wollte ich hinsichtlich der Olympiade in Dresden wieder in der Bundesliga spielen und meine Chancen, in die Nationalmannschaft zu kommen, erhöhen.
Schachbundesliga.de: Wie kam der Kontakt mit Solingen zu Stande?
Buhmann: Das lief über Alexander Naumann und Michael Hoffmann. Sie meinten für einen starken deutschen Spieler wäre noch Platz in Solingen.
Schachbundesliga.de: Sind Sie zufrieden mit Ihrem jetzigen Engagement?
Buhmann: Ja, sehr. Wir sind eine junge Mannschaft und es herrscht eine gute Stimmung zwischen den hautpsächlich deutschen und holländischen Spielern. Mit Markus Ragger (Österreich) spiele ich auch schon seit acht Jahren in der gleichen österreichischen Mannschaft. Wir kennen uns gut und trainieren manchmal zusammen.
Schachbundesliga.de: In wie vielen Ligen spielen Sie eigentlich?
Buhmann: Neben der Schachbundesliga zur Zeit in Österreich und Frankreich. Zwischendurch auch mal in Holland. Das war mir aber auf Dauer etwas zu aufwendig, nur wegen einer Partie nach Holland zu fahren. Ich bevorzuge es, mehrere Partien am Wochenende zu spielen.
Schachbundesliga.de: Sie haben über mehrere Jahre für mehrere Vereine in der Schachbundesliga gespielt. Wie sehen Sie die Entwicklung der höchsten deutschen Spielklasse?
Buhmann: Sportlich ist die Liga sehr stark, wobei ich den Eindruck habe, dass der Unterschied zwischen den stärkeren und schwächeren Teams größer geworden ist. Organisatorisch gibt es wenig zu beanstanden. Die Spielorte sind immer top. Mir macht es immer Spaß in der Bundesliga zu spielen, insbesondere da man zwei Partien an einem Wochenende spielt. Das ist gut für die mannschaftliche Geschlossenheit. Man trifft sich meistens freitags und verbringt das ganze Wochenende zusammen.
Schachbundesliga.de: Welche Ziele verfolgen Sie mit Solingen und persönlich in der Bundesliga?
Buhmann: Vom Verein gibt es keine Vorgaben. Wir sind alle sehr motiviert. Mit etwas Glück hätten wir am ersten Spieltag sogar Baden-Baden einen oder sogar zwei Punkte abgeknöpft. Dafür konnten wir in der dritten Runde Mülheim schlagen, was ein großer Erfolg war. Realistisch betrachtet können wir zwar kein Meister werden, aber um Platz zwei oder drei und der Qualifikation für den Europacup können wir mitspielen. Persönlich habe ich die Ambition einfach ein gutes Turnier zu spielen. Ich bin an Brett vier gemeldet und treffe auf starke Gegner, was sehr interessant für mich ist.
Rainer Buhmann im Einsatz für Solingen
Schachbundesliga.de: Nach Ihrem Elo-Sprung auf 2603 hatten nicht wenige erwartet, dass Sie für die Nationalmannschaft bei der EM in Novi Sad spielen würden. Sind Sie ob der Nichtnominierung von Bundestrainer Uwe Bönsch enttäuscht?
Buhmann: Ich hätte gerne in Novi Sad gespielt. Neben Arkadij Naiditsch, Georg Meier, Daniel Fridman und Jan Gustafsson, die gesetzt sind, ging es darum, ob ich oder Igor Khenkin berufen werde. Uwe Bönsch ging hier strikt nach Elo-Zahl vor. Ich war natürlich enttäuscht, weil der Elo-Unterschied gering war. Andererseits ist es aber verständlich. Vor zwei Jahren hat Bönsch eine junge Mannschaft zur EM nach Kreta geschickt und dort haben wir geschlossen unter Erwartung gespielt. Nach dieser Erfahrung hat er wohl wieder nach Elo aufgestellt. Ich muss mich durch gute Leistungen wieder ins Gespräch bringen.
Schachbundesliga.de: Also bleibt die Nationalmannschaft weiterhin ein Ziel?
Buhmann: Ja natürlich. Wo wir gerade beim Thema Spitzenschach in Deutschland sind. Ich gehöre dem B-Kader des deutschen Schachbunds an, aber ehrlich gesagt, ich habe da wenig von. Ich erhalte zwar einige Produkte von Chessbase, die mir beim Training hilfreich sind, aber darüberhinaus nur einige Turnierhinweise, die ich auch selbst recherchieren kann. Insgesamt hat die Unterstzützung des DSB nur einen symbolischen Wert. Es wäre schön, wenn man zumindest für die großen Turniere wie das Aeroflot-Open oder die EM finanziell unterstützt werden würde.
Schachbundesliga.de: Wie sieht denn unter diesen Bedingungen Ihre Turnierplanung in nächster Zeit aus?
Buhmann: Ich spiele auf jeden Fall die EM in Rijeka (5. bis 19. März 2010) – auch wenn ich alles aus eigener Tasche zahlen muss, allein um zumindest die Chance zu wahren, mich für den Weltcup zu qualifizieren. Sehr ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass ich wegen Überschneidung auf die deutsche Einzelmeisterschaft (4. bis 14. März 2010) verzichten muss. Angeblich lässt sich der Termin nicht mehr ändern, aber ich will unbedingt die EM spielen. Das ist alles sehr unglücklich. Ein Ziel ist natürlich auch für die Nationalmannschaft bei der Olympiade in Khanty Mansyisk zu spielen. Vielleicht spiele ich auch das Open in Cappelle La Grande. Aber viele Turniere sind nicht geplant.
Schachbundesliga.de: Sehen Sie sich eigentlich als Schachprofi?
Buhmann: Prinzipiell ja, da ich vom Schach lebe. Für die Zukunft hoffe ich, dass ich durch mein Engagement bei der Karpov-Schachakademie Rhein-Neckar finanziell etwas unabhängiger bin und so zu den großen Turnieren fahren kann, denn nur dort kann man sich verbessern. Mein Ziel ist, eine Elo von 2650 zu erreichen. Nur durch Spielen bei offenen Turnieren ist das auf Dauer schwierig.
Schachbundesliga.de: Sie werden ab dem 1. Januar 2010 Geschäftsführer der Karpow-Schachakademie Rhein-Neckar. Wie ist der Kontakt entstanden?
Buhmann: Da der Sitz in Hockenheim ist und ich dort lebe, gab es schon immer einen guten Kontakt zu Dieter Auer, der mit Karpow seit über 20 Jahren befreundet ist und die Akademie im Jahr 2005 gründete. Der jetzige Geschäftsführer, Dr. Markus Keller, wechselt zum Schachzentrum Baden-Baden. Ich habe mich im Laufe des Jahres schon eingearbeitet und werde seinen Posten ab dem 1. Januar 2010 übernehmen.
Schachbundesliga.de: Umreißen Sie bitte ihren Arbeitsbereich als Geschäftsführer der Karpow-Schachakademie Rhein-Neckar.
Buhmann: Bisher haben wir hautpsächlich voneinander unabhängige Veranstaltungen organisiert wie Lehrgänge für die Nationalteams zur Olympiavorbereitung. In Zukunft möchten wir durchgängig Seminare für Vereinsspieler und insbesondere Jugendliche anbieten. In Kooperation mit dem Racket-Center in Nussloch, ein modernes Sport- und Freizeitzentrum, organisieren wir Schachferiencamps über das ganze Jahr. Diese Camps sind für Kinder ideal, um sich geistig und körperlich zu betätigen. Mein Aufgabenbereich umfasst neben meiner Trainertätigkeit für die Akademie die Planung und Organisation der Seminare, Events und Feriencamps. Außerdem kümmere ich mich um das Marketing der Veranstaltungen. Wie in der Vergangenheit werden wir weiterhin alle zwei Jahre den Wissenschaftspreis, mit dem wir herausragende wissenschaftliche Arbeiten, die Schach als zentrales Thema beinhalten, auszeichnen.
Schachbundesliga.de: Öffentlichkeitsarbeit scheint kein Fremdwort für Sie zu sein. Sie besitzen als einziger deutscher Spitzenspieler eine eigene Webseite.
Buhmann: Eine eigene Webseite halte ich für sehr wichtig. Egal in welcher Sportart, jeder Profi hat eine. Aus irgendeinem Grund ist das im Schach aber nicht der Fall. Durch meine Ausbildung zum Fachinformatiker bin ich in der Lage, meine eigene Webseite zu gestalten. Ich sehe es eher als eine Visitenkarte, um mich öffentlich präsentieren. Daraus sind nicht selten Kontakte, z.B. für Simultanveranstaltugen, entstanden.
Herr Buhmann, vielen Dank für das Interview
Bei der Durchsicht von Rainer Buhmanns Partien fällt insbesondere Eines auf: Er ist ein Königsindisch-Killer. Bei 39 in den Datenbanken erfassten Partien beträgt sein Score +34 =2 -3. Das entspricht einer Leistung von mehr als 2900 Elo-Punkten! Bezeichnend für seine Herangehensweise gegen diese Eröffnung ist seine Partie gegen den mazedonischen Großmeister Trajko Nedev bei der Mannschafts-EM 2007 in Heraklion (Griechenland). In einer theoretisch interessanten Variante opfert er eine Qualität, um dank anhaltender Initiative den Sieg zu erringen.
Steckbrief Rainer Buhmann:
Geburtsdatum: 20.02.1981
Geburtsort: Leimen
Wohnort: Hockenheim
Hobbies: Laufen, Radfahren, Kultur, Reisen
Titel: Internationaler Großmeister
Größte Erfolge:
- Deutscher Meister U18 (1999)
- Vize-Europameister U20 (2001)
- Bronze bei der Mannschafts-EM in Spanien (2001)
- Deutscher Meister mit dem OSC Baden-Baden (2006)
- Ernennung zum Internationalen Großmeister (2007)
- Deutscher Pokalsieger mit der SG Solingen (2009)
Buhmann: Mein Vater brachte es mir bei, als ich sechs Jahre alt war. Er war zwar kein Vereinsspieler, doch er war überzeugt davon, dass es für meine geistige Entwicklung förderlich wäre. Ich war begeistert von dem Spiel, doch in meiner frühen Jugendzeit war mir Fußball wichtiger. Ich spielte zwar regelmäßig mit einem Mephisto Schachcomputer, doch erst mit zwölf Jahren trat ich meinem ersten Verein bei. Das war in Mannheim, dort lebten wir damals.
Schachbundesliga.de: Wie verlief Ihre Jugendzeit nachdem Sie in den Verein eintraten?
Buhmann: In meinem ersten Verein hatte der stärkste Spieler ungefähr eine Spielstärke von 1700. Die Vereinsmitglieder erzählten mir, dass er ein starker Meister wäre und ich hatte voll den Respekt vor ihm. Ich wurde dann aber sehr schnell besser und wechselte zwei Jahre später in einen anderen Verein in Mannheim. Dort wurde ich schnell zum Spitzenspieler.
Schachbundesliga.de: Haben Sie mit einem Trainer gearbeitet und welche waren ihre größten Erfolge in der Jugendzeit?
Buhmann: Ich habe, als ich ungefähr 16 war, ein Jahr lang mit IM Roman Vidonyak gearbeitet. Das war sicherlich förderlich, da ich zum ersten Mal strukturiert trainierte. Zwischendurch gab es auch mal Lehrgänge. Einen Heimtrainer hatte ich aber die meiste Zeit nicht, da das finaziell nicht machbar war für meine Eltern. Unter meinen Erfolgen ragen der deutsche Meistertitel in der U18 im Jahr 1999, der 4. Platz bei der U18-EM im gleichen Jahr und der 2. Platz bei der U20-EM 2001 heraus.
Schachbundesliga.de: Wie ging es danach weiter?
Buhmann: Nach meinem Abi entschloss ich mich nach Stuttgart zu ziehen und bei der Firma Herterkom eine Ausbildung als Fachinformatiker zu beginnen. Dort arbeiteten auch Jörg Hickl, Christian Gabriel, Dimitri Bunzmann und Matthias Duppel. Wir alle spielten für die Stuttgarter SF in der Bundesliga, die von Herterkom gesponsert wurden. Die Ausbildung dauerte allerdings nur ein Jahr, da die Firma pleite ging. Für mich persönlich war das aber kein Nachteil, da wir die Ausbildung danach bei der Firma Trost fortführten, die eine gute IT-Abteilung hat. Ich beendete dort meine Ausbildung und arbeitete noch 1,5 Jahre in diesem Unternehmen, entschloss mich aber danach voll auf Schach zu setzen, da ich das Gefühl hatte, dass ich in diesem Bereich mein Können noch nicht voll ausgeschöpft hatte.
Schachbundesliga.de: Sie haben schon einige Jahre Bundesligaerfahrung hinter sich. Lassen Sie uns über ihre verschiedenen Stationen sprechen.
Buhmann: Vor meiner Ausbildung spielte ich in der Saison 2000/01 für die SF Baiertal-Schatthausen. Das war ein sehr gutes Jahr für mich, denn ich verbesserte meine Elo-Zahl von 2400 auf 2500. Dann spielte ich zwei Jahre für Stuttgart und da wie erwähnt der Sponsor wegfiel, wechselte ich nach Baden-Baden. Dort spielte ich drei Jahre und es war eine tolle Erfahrung neben Viswanathan Anand, Peter Svidler oder Alexei Shirov am Brett zu sitzen. Am Ende wurden wir in der Saison 2005/06 deutscher Meister. Einer meiner größten Erfolge überhaupt.
Schachbundesliga.de: Warum haben Sie Baden-Baden verlassen?
Buhmann: Es gibt verschiedene Gründe. Zum Einen ist es zwar interessant neben den ganzen Stars agieren zu dürfen, aber irgendwann wollte ich nicht mehr nur an Brett sieben oder acht spielen und dann immer nur acht oder neun Partien. Und zum Anderen habe ich gedacht, dass die Bundesliga ein gutes aber im Endeffekt nur ein Turnier von vielen ist. Nach zwei Jahren bei meinem Heimatverein in Hockenheim juckte es aber wieder in den Fingern und ich wechselte in der Saison 2008/09 nach Solingen. Außerdem wollte ich hinsichtlich der Olympiade in Dresden wieder in der Bundesliga spielen und meine Chancen, in die Nationalmannschaft zu kommen, erhöhen.
Schachbundesliga.de: Wie kam der Kontakt mit Solingen zu Stande?
Buhmann: Das lief über Alexander Naumann und Michael Hoffmann. Sie meinten für einen starken deutschen Spieler wäre noch Platz in Solingen.
Schachbundesliga.de: Sind Sie zufrieden mit Ihrem jetzigen Engagement?
Buhmann: Ja, sehr. Wir sind eine junge Mannschaft und es herrscht eine gute Stimmung zwischen den hautpsächlich deutschen und holländischen Spielern. Mit Markus Ragger (Österreich) spiele ich auch schon seit acht Jahren in der gleichen österreichischen Mannschaft. Wir kennen uns gut und trainieren manchmal zusammen.
Schachbundesliga.de: In wie vielen Ligen spielen Sie eigentlich?
Buhmann: Neben der Schachbundesliga zur Zeit in Österreich und Frankreich. Zwischendurch auch mal in Holland. Das war mir aber auf Dauer etwas zu aufwendig, nur wegen einer Partie nach Holland zu fahren. Ich bevorzuge es, mehrere Partien am Wochenende zu spielen.
Schachbundesliga.de: Sie haben über mehrere Jahre für mehrere Vereine in der Schachbundesliga gespielt. Wie sehen Sie die Entwicklung der höchsten deutschen Spielklasse?
Buhmann: Sportlich ist die Liga sehr stark, wobei ich den Eindruck habe, dass der Unterschied zwischen den stärkeren und schwächeren Teams größer geworden ist. Organisatorisch gibt es wenig zu beanstanden. Die Spielorte sind immer top. Mir macht es immer Spaß in der Bundesliga zu spielen, insbesondere da man zwei Partien an einem Wochenende spielt. Das ist gut für die mannschaftliche Geschlossenheit. Man trifft sich meistens freitags und verbringt das ganze Wochenende zusammen.
Schachbundesliga.de: Welche Ziele verfolgen Sie mit Solingen und persönlich in der Bundesliga?
Buhmann: Vom Verein gibt es keine Vorgaben. Wir sind alle sehr motiviert. Mit etwas Glück hätten wir am ersten Spieltag sogar Baden-Baden einen oder sogar zwei Punkte abgeknöpft. Dafür konnten wir in der dritten Runde Mülheim schlagen, was ein großer Erfolg war. Realistisch betrachtet können wir zwar kein Meister werden, aber um Platz zwei oder drei und der Qualifikation für den Europacup können wir mitspielen. Persönlich habe ich die Ambition einfach ein gutes Turnier zu spielen. Ich bin an Brett vier gemeldet und treffe auf starke Gegner, was sehr interessant für mich ist.
Rainer Buhmann im Einsatz für Solingen
Schachbundesliga.de: Nach Ihrem Elo-Sprung auf 2603 hatten nicht wenige erwartet, dass Sie für die Nationalmannschaft bei der EM in Novi Sad spielen würden. Sind Sie ob der Nichtnominierung von Bundestrainer Uwe Bönsch enttäuscht?
Buhmann: Ich hätte gerne in Novi Sad gespielt. Neben Arkadij Naiditsch, Georg Meier, Daniel Fridman und Jan Gustafsson, die gesetzt sind, ging es darum, ob ich oder Igor Khenkin berufen werde. Uwe Bönsch ging hier strikt nach Elo-Zahl vor. Ich war natürlich enttäuscht, weil der Elo-Unterschied gering war. Andererseits ist es aber verständlich. Vor zwei Jahren hat Bönsch eine junge Mannschaft zur EM nach Kreta geschickt und dort haben wir geschlossen unter Erwartung gespielt. Nach dieser Erfahrung hat er wohl wieder nach Elo aufgestellt. Ich muss mich durch gute Leistungen wieder ins Gespräch bringen.
Schachbundesliga.de: Also bleibt die Nationalmannschaft weiterhin ein Ziel?
Buhmann: Ja natürlich. Wo wir gerade beim Thema Spitzenschach in Deutschland sind. Ich gehöre dem B-Kader des deutschen Schachbunds an, aber ehrlich gesagt, ich habe da wenig von. Ich erhalte zwar einige Produkte von Chessbase, die mir beim Training hilfreich sind, aber darüberhinaus nur einige Turnierhinweise, die ich auch selbst recherchieren kann. Insgesamt hat die Unterstzützung des DSB nur einen symbolischen Wert. Es wäre schön, wenn man zumindest für die großen Turniere wie das Aeroflot-Open oder die EM finanziell unterstützt werden würde.
Schachbundesliga.de: Wie sieht denn unter diesen Bedingungen Ihre Turnierplanung in nächster Zeit aus?
Buhmann: Ich spiele auf jeden Fall die EM in Rijeka (5. bis 19. März 2010) – auch wenn ich alles aus eigener Tasche zahlen muss, allein um zumindest die Chance zu wahren, mich für den Weltcup zu qualifizieren. Sehr ärgerlich ist in diesem Zusammenhang, dass ich wegen Überschneidung auf die deutsche Einzelmeisterschaft (4. bis 14. März 2010) verzichten muss. Angeblich lässt sich der Termin nicht mehr ändern, aber ich will unbedingt die EM spielen. Das ist alles sehr unglücklich. Ein Ziel ist natürlich auch für die Nationalmannschaft bei der Olympiade in Khanty Mansyisk zu spielen. Vielleicht spiele ich auch das Open in Cappelle La Grande. Aber viele Turniere sind nicht geplant.
Schachbundesliga.de: Sehen Sie sich eigentlich als Schachprofi?
Buhmann: Prinzipiell ja, da ich vom Schach lebe. Für die Zukunft hoffe ich, dass ich durch mein Engagement bei der Karpov-Schachakademie Rhein-Neckar finanziell etwas unabhängiger bin und so zu den großen Turnieren fahren kann, denn nur dort kann man sich verbessern. Mein Ziel ist, eine Elo von 2650 zu erreichen. Nur durch Spielen bei offenen Turnieren ist das auf Dauer schwierig.
Schachbundesliga.de: Sie werden ab dem 1. Januar 2010 Geschäftsführer der Karpow-Schachakademie Rhein-Neckar. Wie ist der Kontakt entstanden?
Buhmann: Da der Sitz in Hockenheim ist und ich dort lebe, gab es schon immer einen guten Kontakt zu Dieter Auer, der mit Karpow seit über 20 Jahren befreundet ist und die Akademie im Jahr 2005 gründete. Der jetzige Geschäftsführer, Dr. Markus Keller, wechselt zum Schachzentrum Baden-Baden. Ich habe mich im Laufe des Jahres schon eingearbeitet und werde seinen Posten ab dem 1. Januar 2010 übernehmen.
Schachbundesliga.de: Umreißen Sie bitte ihren Arbeitsbereich als Geschäftsführer der Karpow-Schachakademie Rhein-Neckar.
Buhmann: Bisher haben wir hautpsächlich voneinander unabhängige Veranstaltungen organisiert wie Lehrgänge für die Nationalteams zur Olympiavorbereitung. In Zukunft möchten wir durchgängig Seminare für Vereinsspieler und insbesondere Jugendliche anbieten. In Kooperation mit dem Racket-Center in Nussloch, ein modernes Sport- und Freizeitzentrum, organisieren wir Schachferiencamps über das ganze Jahr. Diese Camps sind für Kinder ideal, um sich geistig und körperlich zu betätigen. Mein Aufgabenbereich umfasst neben meiner Trainertätigkeit für die Akademie die Planung und Organisation der Seminare, Events und Feriencamps. Außerdem kümmere ich mich um das Marketing der Veranstaltungen. Wie in der Vergangenheit werden wir weiterhin alle zwei Jahre den Wissenschaftspreis, mit dem wir herausragende wissenschaftliche Arbeiten, die Schach als zentrales Thema beinhalten, auszeichnen.
Schachbundesliga.de: Öffentlichkeitsarbeit scheint kein Fremdwort für Sie zu sein. Sie besitzen als einziger deutscher Spitzenspieler eine eigene Webseite.
Buhmann: Eine eigene Webseite halte ich für sehr wichtig. Egal in welcher Sportart, jeder Profi hat eine. Aus irgendeinem Grund ist das im Schach aber nicht der Fall. Durch meine Ausbildung zum Fachinformatiker bin ich in der Lage, meine eigene Webseite zu gestalten. Ich sehe es eher als eine Visitenkarte, um mich öffentlich präsentieren. Daraus sind nicht selten Kontakte, z.B. für Simultanveranstaltugen, entstanden.
Herr Buhmann, vielen Dank für das Interview
Bei der Durchsicht von Rainer Buhmanns Partien fällt insbesondere Eines auf: Er ist ein Königsindisch-Killer. Bei 39 in den Datenbanken erfassten Partien beträgt sein Score +34 =2 -3. Das entspricht einer Leistung von mehr als 2900 Elo-Punkten! Bezeichnend für seine Herangehensweise gegen diese Eröffnung ist seine Partie gegen den mazedonischen Großmeister Trajko Nedev bei der Mannschafts-EM 2007 in Heraklion (Griechenland). In einer theoretisch interessanten Variante opfert er eine Qualität, um dank anhaltender Initiative den Sieg zu erringen.
Steckbrief Rainer Buhmann:
Geburtsdatum: 20.02.1981
Geburtsort: Leimen
Wohnort: Hockenheim
Hobbies: Laufen, Radfahren, Kultur, Reisen
Titel: Internationaler Großmeister
Größte Erfolge:
- Deutscher Meister U18 (1999)
- Vize-Europameister U20 (2001)
- Bronze bei der Mannschafts-EM in Spanien (2001)
- Deutscher Meister mit dem OSC Baden-Baden (2006)
- Ernennung zum Internationalen Großmeister (2007)
- Deutscher Pokalsieger mit der SG Solingen (2009)
erstellt am 04.12.2009





