Never Change a Winning Team!
Der internationale Meister Ilja Schneider spielt für die SF Berlin in der Schachbundesliga und wird wie in der Saison 2008/09 auf der Webseite der Schachbundesliga über die Kämpfe seines Vereins berichten. Der 25-jährige ist regelmäßig auf Turnieren unterwegs und berichtet darüber auf seinem Blog "Schachzoo": pointiert und schachlich lehrreich.
Von Ilja Schneider
Die Schachfreunde Berlin gastierten am 14./15. November in Emsdetten. Ilja Schneider war als Spieler vor Ort und berichtet in seiner Kolumne von den Spielen gegen die Gastgeber und Wattenscheid.
Wie sich die Vorzeichen doch ändern. Letztes Jahr das Treffen zwischen Berlin und Emsdetten in Runde 15 - als Abstiegsduell ohne Absteiger, diesmal grüßten die Spieler aus dem Münsterland nach 3 Spielen und 6 Punkten als Tabellenprimus. Ob aus finanziellen, logistischen oder gar aus pragmatischen Erwägungen – es ging schließlich „nur“ gegen die beiden Berliner Teams – vergaßen die Emsdettener auch entsprechend aufzustellen. Sie spielten ohne Wunderkind Giri und Spitzenmann Mikail Mchedlishvili oder auch Grand Dame Pia Cramling – und dafür mit vielen jungen Holländern und Deutschen während unser Rainer genau für dieses Wochenende eine schlagkräftige Truppe zusammengestellt hatte. Was soll ich sagen – es reichte! Teilweise auch weil die in Bremen liegengelassenen halben Punkte zurückkamen. Um einfach mal in medias res einzusteigen, folgt hier der sich lange abzeichnende 1:0 – Treffer.
Fiebig,Thomas (2416) - Agopov,Mikail (2452)
SBL 0910 SK Turm Emsdetten - SF Berlin, 14.11.2009
Stellung nach 17...f4:
Fiebig-Agopov Diagramm 1
Schwarz hat bereits ausgeglichen und sogar die Initiative übernommen, aber nun hilft der deutsche Pokalsieger noch kräftig nach: 18.g3? fxg3 19.Tg1 Weiß gab später zu, 19.fxg3?? Txf1+ glatt übersehen zu haben. 19...Se5! 20.Txg3 Lg4! So gewinnt Mikail noch ein Tempo an der Mattdrohung auf d1. 21.Lg2 Tad8 22.Txd8 Txd8 23.b3 Td1+ 24.Kb2 Lf3! Alles sehr konsequent. 25.Lxf3 Sxf3 26.Sf4
Fiebig-Agopov Diagramm 2
26...g5?! Eine zu "kunstvolle" Verwertung der Mehrheit. Einfach 26...Sxh4! 27.Tg4 g5 28.Se6+ Kf6 29.Txe4 Sf3 und die Ampel für den h-Bauern ist auf grün geschaltet. 27.hxg5 hxg5? Er will auf Domination des Turms spielen, aber diese kann nicht aufrechterhalten werden. 27...Sxg5 war hier besser, mit leichtem Vorteil.
Fiebig-Agopov Diagramm 3
28.Se6+? Unternimmt nichts zur Rettung des um Hilfe rufenden Turmes. Weiß ist ab jetzt total verloren. 28.Se2! hält dagegen mindestens Remis: Der Bauer e4 fliegt forciert vom Brett. 28...Kg6 (28...Td2 und hier zeigt der Rechner 29.Sc3 Se1 30.Kc1!? Txf2 31.Sxe4 Te2 32.Txg5+ Kh6 33.Te5 Txc2+ 34.Kd1 Tc1+! 35.Ke2!? mit sogar noch minimalen weißen Chancen auf Vorteil.) 29.Sc3 Td4 30.Sxe4 g4 und Schwarz sollte wegen des immer noch eingesperrten weißen Riesen außer jeder Gefahr sein. Der "deutliche Vorteil" aus der Emsdettener Volkszeitung scheint mir doch etwas lokalpatriotisch angehaucht. 28...Kf6 29.Sc5 Kf5 Der f2 ist todgeweiht. 30.Sxb7 Td2 31.Th3 Txf2 32.Sc5 Sd4 33.Kc3 Tf3+ 34.Txf3+ Sxf3 35.b4 g4 36.Sb3 Kf4 37.Sc1 Ke3 0-1
Unsere zweite Gewinnpartie der Saison – und logischerweise für unseren Neuzugang Mikail die erste. Sehr schön, und herzlichen Glückwunsch, gerne auch trotz 28.Se2!
Leider verlor Arnd Lauber einige Zeit später gegen den schwedischen Angriffsspieler Jonny Hector. Aber auch diese Partie wird Arnd nicht von seinem geliebten Caro-Kannösisch abbringen, soviel steht fest. Leider war diese Lehrstunde aber der Ausgleichstreffer zum 1:1
Die Supergurke
Man kann es nach Rainer „Klassischer Fall einer absoluten Traumpartie" nennen oder „nicht bundesligatauglich“ oder eben auch die Supergurke. Gemeint ist meine Partie gegen Dennis Breder. Als ich nach diesem Gepatze endlich das Partieformular unterschreiben durfte, wusste ich, dass an diesem Tag alles ein gutes Ende nehmen würde.
Schneider,Ilja (2500) - Breder,Dennis (2427)
SBL 0910 SK Turm Emsdetten - SF Berlin, 14.11.2009
Stellung nach 16.Lf1:
Schneider-Breder Diagramm 1
Ich hatte in der Stonewall-Eröffnung Mist gebaut (obwohl ich etwa mit Aronian oder Jussupov durchaus prominente Vorgänger hatte) und Weiß ist mittlerweile schon im Nachteil. Zu schlecht ist die Dame postiert und die Entwicklung lässt auch zu wünschen übrig. Durch den Läuferrückzug und den Angriff auf den Bauern d5 gedachte ich, Zeit zu gewinnen, und zum Glück glaubte mir mein Gegner...16...Kh8?! Deckt den Bauern, aber nun könnte ich mich befreien. 16...f4! ist zweifellos der thematische schwarze Vorstoß in diesem Stellungsbild, und Breder hat nicht erkannt, das er auch hier möglich war. 17.Sbd2 ist dann nur leichter weißer Nachteil, nach 17.Txd5 Df6 18.Td4 fxe3 19.fxe3 Se6 20.Lc4 Kh8 21.Lxe6 Dxe6 hat Schwarz trotz des Minusbauern Vorteil: Mein Bauer e3 ist so weich, dass er jede sinnvolle Entwicklung des Springers b1 verhindert. Das sieht nicht gut aus.. 17.b4 Verständlich. 17.Sbd2 Sxf2! befanden wir beide für unmöglich, aber unbeeindruckt will der Rechner genau das sehen: 18.Sc4 De6 (sonst Txd5) 19.Kxf2 Se4+ 20.Kg1 dxc4 21.Lxc4= mit "Ausgleich & more" 17...Sa4 18.Sbd2? Der Springer stürzt sich in den Kampf, aber lässt den Feinden das Operationsfeld c3 über. 18.Db3 gleicht endlich richtig aus. 18...Sec3 19.Tdc1 19.Sc4 Dc7 20.Sce5 Sxd1 21.Txd1-/+ ist ein zu verzweifeltes Quallenopfer, um es in einem Mannschaftskampf zu spielen, auch wenn ich schon wusste, was mich in der Partie erwarten würde. 19...a5! Und zwar der sinnlose Verlust eines Bauern. 20.Db3 axb4 20...Dxb4 befürchtete ich mehr, aber es stellte sich posthum heraus, dass nach 21.Se5 Schwarz in die Sackgasse geraten ist und den gewonnenen Bauern sofort mit 21...Lb5! 22.Lxb5 Sxb5 23.Dxd5= zurückgeben muss. 21.a3
Schneider-Breder Diagramm 2
23...f4?! Spielt mit wenig Zeit auf der Uhr (er hatte in der Eröffnung eine Stunde über einen einzigen Zug nachgedacht - Leko lässt grüßen!) auf Sicherheit, aber gibt dabei jeden Vorteil aus der Hand. 21...bxa3 ließ ihn 22.Txc3 (22.Dxa3 Dxa3 23.Txa3 ist "sicherer", aber Schwarz hat einfach einen Freibauern mehr.) 22...Sxc3 23.Dxc3 befürchten, aber dies ist eine der Stellungen, wo sich die "rohe Gewalt", die von der schwarzen Stellung verkörpert wid, durchsetzen sollte. 23...Tfc8 mit deutlichem Vorteil für Schwarz. 22.Dxb4 Dxb4 23.axb4 fxe3 24.fxe3 Tfe8 25.Sb1!? Seit langem eine gute Idee von mir, aber besser war hier 25.Se5! mit praktischen Gewinnchancen - ob er sich hier mit den paar Minuten auf das nötige 25...Txe5 26.Txc3 Sxc3! 27.Txa8+ Te8 28.Ta7 Lc8= eingelassen hätte? Wenn nicht, hätte Weiß auch objektiv etwas Vorteil bekommen. 25...Tac8! 25...Sxb1 26.Taxb1 Txe3 27.Tc7+/= ergibt einen sehr schmerzhafen Turm. 26.Sxc3 Sxc3
Schneider-Breder Diagramm 3
Jetzt wird es ganz ganz dunkel. 27.Ta7?? Se2+! Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Ich hatte genug Zeit, und hatte auch 27...Txe3 28.Txb7 Se2+? 29.Kf2!+- gesehen - ehrlich! 28.Lxe2 Txc1+ Die nächsten Züge zu kommentieren, gliche aus dem Kaffeesatz oder dem Badesalzrückstand zu lesen. Dennis hatte hier keine 2 Minuten mehr und lebte von seinem Inkrement. Mir blieb keine Wahl, als mitzuzocken - und ich hatte am Ende unverdientes, ja fast schon unverschämtes Glück. Für Breder hieß es nach einer gut gespielten Partie: "Kurz vor dem Lokus in die Hose". 29.Kf2 Tc7 30.Sd4 Lc8 31.Lf3 Tce7 32.Sb5 Le6 33.Sd4 Lg8 34.Sf5 Td7 35.Ke2 g6 36.Sd4 Tde7 37.Kf2 Lf7 38.b5 Kg8 39.b6
Schneider-Breder Diagramm 4
39...Tb8?? 39...Tc8 Hätte dem Gehopse des Springers bald ein Ende gesetzt. So aber... 40.Sc6! bxc6 41.Txe7 Txb6 42.Tc7 ... ohne große Chance, den Mehrbauern jemals verwerten zu können. Zu passiv stehen die schwarzen Figuren in der Gegend herum. 42...Tb2+ 43.Kg3 Tc2 44.Kf4 Tc3 45.h4 h6 46.e4 dxe4 47.Lxe4 Tc5 1/2-1/2
Wo wir aber grade bei Gurken sind, unser Spitzenbrett Jan Markos hätte aber vermutlich auch nicht im 30. Zug gedacht, dass sein Gegner in 10 weiteren Zügen die Hand zur Aufgabe reichen wird. In der folgenden Begegnung muss seinem Gegner Spoelman irgendwo ein kapitaler Fehler im Gedankengang unterlaufen sein.
Markos,Jan (2565) - Spoelman,Wouter (2554)
SBL 0910 SK Turm Emsdetten - SF Berlin, 14.11.2009
Stellung nach 32...Kh5:
Markos-Spoelman Diagramm 1
"Seit wann können Schweine fliegen? Und seit wann Schachkönige?", so etwas dachte ich mir als ich nach längerer Zeit mal wieder auf diese Stellung sag. Es stellte sich später heraus, dass der König h5 ein Produkt holländischer Gewinnversuche war. Aus einem sicheren Dauerschach auf den Feldern f8/f7 ist er an die Schachwand gelaufen. Doch Markos bereitet ihm auch da einen heißen Empfang vor. 33.h3 g6? Diese übertriebene "Prophylaxe" versperrt ihm auch noch den Rückweg. 33...Db1+ 34.Kh2 De4 wäre in jedem Fall Ausgleich, da Weiß in keinem Endspiel der Welt auf Vorteil hoffen kann, allein schon wegen der Schwäche auf c5. 34.Df4
Markos-Spoelman Diagramm 2
Droht Matt. Was hat Spoelman da übersehen? 34...Db1+? 34...g5 35.Dxf5 (Das sophisticated 35.g4+ fxg4 36.hxg4+ Kh6 37.Dd6 mit der möglichen Computer-Folge 37...Dc1+ 38.Kg2 Df4 39.Dxf4 gxf4 40.g5+! Lxg5 41.Sd4 f3+! 42.Kxf3 Lc1 43.Sxc6 La3 44.Sxa7 Lxc5 wäre noch spannend zu analysieren.) 35...Dc1+ 36.Kh2 Df4+ 37.Dxf4 gxf4 gibt Schwarz immer noch Rettungschancen. 35.Kh2 g5 36.Dd6 Nun geht mindestens der c6 über die Wupper, oder auch der Läufer auf f6... 36...De4??
Markos-Spoelman Diagramm 3
37.Dxf6 ...wenn man ihn nicht deckt oder wegzieht. 37...Df4+ 38.Kh1 Dc1+ 39.Sg1 Dxc5 40.Se2 Spoelman saß noch lange nach Partieende auf seinem Stuhl und guckte leer in die Luft. Was hat er da bitte am Schluss angerichtet? 1-0
Die Führung blieb über die Zeitnotphase hinaus bestehen, da die Partien von Rainer und Martin Krämer mit vergleichsweise wenig Aufregung Remis endeten.
Festgemacht wurde der unverhoffte Mannschaftssieg dann nach fünfeinhalb Stunden von (Endspiel)-Lars Thiede, der am Ende einfach alles richtig gemacht hat:
Thiede,Lars (2450) - Pruijssers,Roeland (2415)
SBL 0910 SK Turm Emsdetten - SF Berlin, 14.11.2009
Stellung nach 48...Lc7:
Thiede-Pruijssers Diagramm 1
Lars hat seinen Gegner mit simplen Mitteln total überspielt, auch wenn ich ihm vor gar nicht zu langer Zeit ein Remisgebot empfohlen hatte, um den Mannschaftssieg abzusichern. Der Partieschluss ist sehr hübsch und nicht besonders typisch. 49.Lc1 Lc8 50.La3 a6 51.Lxd6 axb5
Thiede-Pruijssers Diagramm 2
52.Lxc7 52.axb5 Daran gefiel Lars nicht, dass nach 52...Lxd6 53.Sxd6 Ld7 54.Sc4 Kf6 55.Sxb6 Lxb5 "Der Springer am A.. der Welt " steht, und in der Tat ist die Variante 56.Sc8 Ld3 57.Sd6 Ke7 58.Sf5+ Kf6 59.Kf3 Kg6 (59...Lf1 60.Sxh6 Lxh3 61.Kf2 Mit Zugzwang.) 60.Ke3 Lf1 61.d6 Lb5 62.Kd2 Kf6 63.Kc3 Ke6 64.Kb4 Lc6 65.Kc5 Lxe4 66.Sxh6 schwer zu bewerten, wenn man nicht schon vor etlichen Zügen das gigantische 66...Lg2 67.Sf7!! gesehen hat. Und das ist definitiv niemandem der Anwesenden gegeben. 52...bxc4 53.Lxe5+ Kg6 53...Kf7!? hat bestimmt andere Nachteile, aber hätte nicht so verloren, wie in der Partie. 54.Ld4 Ld7 55.e5! Lxa4 56.e6
Thiede-Pruijssers Diagramm 3
Der Bauer c4 verdirbt Schwarz das Remis. 56...c3 57.d6 c2 58.Lb2 c1D 59.Lxc1 Kf6 60.d7 Nach 60.... Ke7 61.Lb2! injiziert der Läufer rechtzeitig das tödliche Schach auf f6. 1-0
Genießer Marco Thinius (er steht vor 6 Stunden nicht vom Brett auf) hätte mit einem weiteren Punkt schon fast einen kleinen Kantersieg besorgen können – doch am Ende musste er aufpassen, nicht selber zu verlieren. Letzlich ließ Richter Gnade vor Recht ergehen.
Richter,Christian (2412) - Thinius,Marco (2375)
SBL 0910 SK Turm Emsdetten - SF Berlin, 14.11.2009
Stellung nach 49.Td1:
Richter-Thinius Diagramm 1
Marco hatte sich eine total überlegene Stellung mit Mehrbauern erarbeitet, aber nun folgen nach fünfeinhalb Stunden Spielzeit zwei unverständliche Turmzüge, die Marco fast noch beide Punkthälften gekostet hätten. 49...Tc2 50.Le4 Tb2? Der Turm greift hier nichts an, droht nicht, nach b1 zu gelangen - und das Schlimmste - er schränkt die Handlungsfreiheit seines Chefs ein. 50...Te2 ist das Beste, aber gewinnen nach 51.Lf3 Te3 52.Lxg4 hxg4 ist eben nicht einfach (wenn auch nicht unmöglich). 51.Td7+ Ke8 51...Kf6 52.Lc3+ 52.Td2! Plötzlich brechen der g6 mit dem h5 weg, ersterer mit Schach. 52...Tb3 53.Lxg6+ Ke7 54.Lxh5 Tb1 55.Lxg4 Txe1+ 56.Kf2 Tf1+ 57.Ke3 Tg1 58.Kf2 Tf1+ 59.Kg2 Ta1
Richter-Thinius Diagramm 2
60.f5 Auch Richter hat anscheinend genug von der Partie und wickelt ins Remis ab. Dabei spricht einiges dafür, dass 60.h5 Txa5 61.h6 Kf6 62.h7 Kg7 63.Td7+ Kh8 64.f5! einfach sehr stark ist. 60...exf5 61.Lxf5 Txa5 62.h5 Echte Zocker hätten hier noch sicher weitergemacht, aber durch die hohe Dichte an potenziellen falschen Läufern auf dem Brett ist die Remisbreite schon sehr hoch. 1/2-1/2
Wie meinem Blogeintrag im Schachzoo zu entnehmen ist, von der Atmosphäre her war Emsdetten nicht begeisternd. Nicht direkt schlecht, aber die Kälte, die viel zu wenigen Zuschauer im dafür zu großen Raum, dann diese tiefen Mensastühle oder auch einfach, dass man Samstag bis Viertel vor 2 sich im Spielsaal nicht vernünftig unterhalten konnte, da noch eine Siegerehrung eines Jugendturniers lief – Timo Sträters „rührig“ wirkt da noch sehr milde ausgedrückt auf mich…:-). Púnkte nehmen wir aber (wie er auch) gerne mit…
Und um die Chance auf selbige auch anderntags gegen die Wattenscheider zu optimieren (diese waren im Stile der Redewendung mit den Kanonen und den Spatzen einfach mal mit 8 GMs angereist), hatte sich unser Teamchef Rainer einen Trick ersonnen: Er stieg Sonntag aus und korrigierte Klausuren, während sich an Brett 8 Jungspund Dennes Abel austoben durfte. Dadurch sollten die Wattenscheider um die Vorbereitung gebracht werden. Nachteil dieser Taktik war einmal, die Ungerechtigkeit, dass dadurch einige das zweite Mal Schwarz aufgedrückt bekamen, während andererseits an Dennes und vor Allem eurem Berichterstatter wieder mal die weißen Steine verschwendet wurden! Sowas nennt man wohl (weiße) Perlen vor die Säue werfen! Die "Weißverschwendung" von Rainer beim Abendessen am Samstag noch in weiter Runde angekündigt, also gesagt – getan:
Schneider,Ilja (2500) - Bartel,Mateusz (2609)
SBL 0910 SF Berlin - SV Wattenscheid, 15.11.2009
Stellung nach 13...Sg6:
Schneider-Bartel Diagramm 1
Bartel hat die Eröffnung sehr ungewöhnlich behandelt. Ich spürte, hier musste ich besser stehen und verzichtete auf der Suche nach "mehr" sogar untypischerweise auf das offensichtliche 14.Lxg6. 14.f4?! 14.Lxg6 fxg6 15.Dd3 Lf7 16.Tab1 b6+/= ist Mini-Vorteil. 14.h3 Bei der anschließenden Analyse (ohne Anwesenheit meines Gegners; bei der Analyse mit ihm hatten wir das nicht betrachtet) herrschte eine Stimmung, dass 14.h3 mir großen Vorteil hätte bringen können. Besonders GM Rabiega plädierte für diese Prophylaxe, die Sg4 für immer aus der Stellung nehmen soll. Laut Rybka aber lebt Schwarz noch sehr gut. 14...Sxe5 (14...Sd7 ist auch durchaus möglich.) 15.dxe5 Sd7 16.f4 Hier haben wir schon abgebrochen, mit "weißem Angriff" 16...g6!? Ohne Furcht - muss man erstmal sich dazu durchringen! 17.Df3 Sc5 18.f5 gxf5 19.Sxf5 Lxf5 20.Dxf5 Sxd3 21.cxd3 Dg5+/= und Weiß kann mit einem besseren Endspiel rechnen. 14...Sg4! 15.Sf5 Nach langem Nachdenken ausgeführt, als klar wurde, dass ich den Vorteil verspielt hatte. 15.Lxg6 sollte einfach mit 15...fxg6= beantwortet werden, nicht von dem Zug den ich annahm: (15...Dh4 16.Lxf7+! Lxf7 17.Sf1+/= und der Mehrbauer ist "gut") 15...S4xe5 15...h5 war interessant, aber ich war sicher, dass ich hier etwas Gutes finden würde. Und, dass er es eh nicht ziehen würde. 16.fxe5 Dg5
Schneider-Bartel Diagramm 2
17.Df3 Keinen echten Vorteil, aber etwas Ähnliches hätte ich mit dem paradoxalen 17.Te3!? erlangen können: 17...Lxf5 (was sonst?) 18.Tg3 Df4 19.Tf3 Lg4 (19...Dg5 20.Txf5+/=) 20.Txf4 Lxd1 21.Lxg6 fxg6 22.Txd1 Auch wenn ich nicht glaube, dass man das irgendwie gewinnen kann. 17...Lxf5 17...Dd2!? war durchaus einen Versuch wert - ich hatte das nicht vorhergesehen (nur während er hier grübelte) und er gewinnt eben einen Bauern. 18.Df2 Dxc3 19.Tab1 Tab8 20.Tb3 Da5 21.Tf1 ist aber definitiv auch Kompensation. 18.Dxf5 Dxf5 19.Lxf5 Sf4 20.Tab1 Tab8 21.Ld7!
Schneider-Bartel Diagramm 3
Bringt den Halben in trockene Tücher. 21...Tf8 21...Te7 22.Lc6 ist gar nicht gut für ihn. 22.e6 Sxe6 mit Sterilisierung der Stellung. 1/2-1/2
Naja, wenigstens ohne grobe Einsteller. Jetzt konnte ich mir zusammen mit Rainer das Leid ansehen. Wobei Moment… welches Leid? Erst einmal kam die Führung durch einen Schwarzsieg, wie am Tage zuvor. Martin hat mit Ankündigung (nicht überzubewerten, denn er kündigt vor jeder Partie einen Sieg an, egal gegen wen) den polnischen GM Macieja vom Brett gefegt:
Macieja,Bartlomiej (2618) - Kraemer,Martin (2482)
SBL 0910 SF Berlin - SV Wattenscheid, 15.11.2009
1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 b6 4.g3 Lb7 5.Lg2 Le7 6.d4 Se4 7.Ld2 0-0 8.Dc2 Sxd2 9.Dxd2 d6 10.Dc2 g6 11.h4 c5 12.d5 exd5 13.Sxd5 Lxd5 14.cxd5 Lf6 15.h5 Te8 16.Sh4 Lg7
Macieja-Krämer Diagramm 1
Martin hat die Initiative des starken polnischen Großmeisters neutralisiert und bei Weiß steht langsam ein Königsproblem an. Außerdem wurde die Zeit von Macieja knapp. Sein nächster Zug verursachte bei allen bei der Analyse Anwesenden ungläubiges Kopfschütteln: 17.f4?! Aha?! 17...Df6 18.Tb1 18.0-0-0 war die letzte Chance, den König in relative Sicherheit zu evakuieren. 18...Sa6 19.Dd2 c4! Alle schwarzen Züge kamen wie aus der Pistole geschossen. 20.hxg6 hxg6 21.Sf3 Sc5 Weiß hat soviele schwache Bauern, dass er so gut wie auf Verlust steht. 22.Sg5 Sd3+ 23.Kf1 Sxb2 24.Se4
Macieja-Krämer Diagramm 2
Martin: "Das ganze Springermanöver, hatte ich alles vorhergesehen. Weg damit!" 24...Txe4! 25.Lxe4 c3 26.Dc1 Sc4 26...Dd4 Macht wohl noch schneller Schluss. 27.Kg2 27.Ld3 "Zwingt" Martin, die Qualität zurückzugewinnen, ändert aber auch nicht mehr viel. 27...Sd2+ 28.Kg2 Dd4 29.Dc2 Sxb1 30.Txb1 Te8 27...Dd4 28.Lf3 Se3+ 29.Kh3 29.Kf2 Welcher König will schon ins Abzugsschach? 29...f5 Viel besser ist es am Brettrand aber auch nicht. Gratulation an Martin! 0-1
Super Leistung von Martin, aber was war mit Macieja los? Hatte er nicht am Tage davor nicht auch noch gegen Mladen Muse verloren? Jedenfalls lautete für den Polen anschließend das Motto Frustbewältigung. Stundenlang spielten er, Rustemov und Najer gegeneinander 3-Minuten-Blitzpartien und erheiterten mit ihren „sachkundigen“, lautstarken Kommentaren den russischsprachigen Teil der Anwesenden.
Eine andere Art Frustbewältigung lebten die Brüder Muse von Tegel nach ihren beiden Kurzniederlagen beim 2:6 gegen Emsdetten aus. Nach zahlreichen Blitzpartien okkupierten sie zusammen mit Robert Rabiega, dem jungen Georg Kachibadze, der bei seinem Bundesligaeinstand einen hervorragenden Eindruck hinterlassen hatte und mit einigen Holländern den Krökeltisch (vermutlich meint der Autor den Kickertisch, Anm. d. Red.) im Analyseraum und tobten sich da richtig aus. Ist aber vielleicht tatsächlich eine gute Verdrängungstaktik, statt stundenlang zu grübeln, wie man auf den oder auf den Zug kommen konnte. Die Krökelspieler hatten jedenfalls sichtlich Spaß, das war nicht zu übersehen…
Feygin,Michael (2546) - Muse,Mladen (2448)
SBL 0910 SK Koenig Tegel - SK Turm Emsdetten, 15.11.2009
Stellung nach 17...De8:
Feygin-Muse, M. Diagramm 1
Weiß zieht und gewinnt. 18.S5g6+! fxg6 19.Sxg6+ hxg6 20.Dh3+ Kg8 21.Lc4+ Tf7 22.fxg6 Se5
Feygin-Muse, M. Diagramm 2
Er muss auf f7 decken, aber 23.gxf7+ Sxf7 24.Lxf7+! kostet noch den Sh5. 1-0
Breder,Dennis (2427) - Muse,Drazen (2367)
SBL 0910 SK Koenig Tegel - SK Turm Emsdetten, 15.11.2009
Stellung nach 18.Ld5:
18...Thd8?? 18...Sxf3 19.Lxf3 Lxf2 frißt einen Bauern und blockiert den Türmen den Zugang zu der e-Linie, so dass es kompletter Ausgleich ist. 19.The1+, da nach 19...Kf8 20.Sxd4 Txd5 21.Se6+ folgt. 1-0
Zurück zu unserem „seriösen“ Wettkampf. Die Führung hielt nicht lange. Fast zeitgleich mussten an beiden Enden der Mensa, an den Brettern 1 und 8 Jan Markos und Joker Dennes kapitulieren, bei Letzterem kam es fast so plötzlich wie ein Blitzschlag.
Abel,Dennes (2380) - Handke,Florian (2513)
SBL 0910 SF Berlin - SV Wattenscheid, 15.11.2009
Stellung nach 24.Se2:
Abel-Handke Diagramm 1
Bisher haben die Gegner in extrem friedlicher Nachbarschaft gelebt. Handke startet eine elegante Umgruppierung seiner Streitkräfte. 24...Th7 25.Th3 Tdh8 26.Tch1 Sf8 27.Sg3 Se8! Nun sah Dennes den passenden Moment gekommen für den lang ersehnten Vorstoß im Zentrum. Leider stellt dieser beide eigenen Leichtfiguren kalt. 28.e4?! Se6 29.Ke3 S8c7!
Abel-Handke Diagramm 2
Nun ist klar, dass Weiß in der totalen Sackgasse steckt. Plötzlich sind alle seine Bauern unbeweglich - außer einem, wie Dennes dachte... 30.e5? 30.f4 schwächt sich zwar, aber wäre noch die optimale Lösung mit Remischancen nach etwa 30...dxe4 31.Lxe4 Kd6 32.f5! Sxg5 33.fxg6 fxg6 34.Lxg6 Sd5+ 35.Kd2 Sxh3 36.Lxh7 30...c5! So schnell kann es gehen. Weiß verliert Material. Kein Wunder bei den passiven Figuren. 31.f4 31.dxc5 d4+ 32.Ke4 Sa6! 33.f4 Saxc5+ 34.Kf3 Sxb3 31...Sxd4 32.h5 gxh5 33.f5 g6! Deckt ruhig den h5 und bringt die weiße Mehrheit zum Erliegen. 34.f6+ Kd7 35.Th4 Sde6
Abel-Handke Diagramm 3
Der g5 ist als Nächster dran. 36.Td1 d4+ 37.Kd3 Sxg5 38.Kc4 b6 und mit drei Minusbauern gab Weiß auf. 0-1
Später gingen die Partien von Mikail Agopov (er nahm Rustemov sicher das erste Remis der Saison ab!) und von Arnd Lauber gegen Evgeny Najer friedlich zu Ende, so dass beim Stande von 2,5:3,5 die Niederlage unabwendbar war. Die Longplayer Lars Thiede und Marco Thinius saßen wiederum sechs Stunden am Brett, aber diesmal gab es für beide nichts zu retten. Während Marcos Gegner Frank Holzke (diesmal ein echter Richter) keine Gnade zeigte und Marco im Mittelspiel einen schwachen Bauern nach dem anderen abnahm, geriet der König von Lars in ein immer enger sich zuziehendes Mattnetz:
Thiede,Lars (2450) - Appel,Ralf (2551)
SBL 0910 SF Berlin - SV Wattenscheid, 15.11.2009
Stellung nach 30.Dc2:
Thiede-Appel Diagramm 1
Lars hat sich hier mit einer ungewöhnlichen Traktion seiner Lieblingseröffnung (1.g3 d5 2.Lg2 c6 3.d3 Sf6 4.f4?!) in große Schwierigkeiten manövriert, aber hier musste er sich zur Vermeidung noch größeren Ärgers wohl oder Übel auf den Springertausch einlassen müssen. So würde ihm zwar immer noch ein Endspieltod drohen, aber immerhin kein direkter Mattangriff. 30...Te7 31.Sa4 31.Sxd5 cxd5 32.Tc3 Tec7 33.Txc7 Txc7 34.Db3 Tc4 ist natürlich etwas worauf man null Lust hat, wenn man es kommen sieht. 31...Dg4 32.Le1 g5! 33.hxg5 Die Abfederungstaktik 33.De2 scheitert an 33...De6 34.hxg5 Sxf4+! und der Tb3 fällt vom Brett. 33...h4 34.De2 Dxg3+ 35.Kh1
Thiede-Appel Diagramm 2
35...Lxf4! ... und wieder spielt der lose Turm eine Schlüsselrolle... 36.Txf4 Dh3+ 37.Dh2 Sxf4 ...und hier noch einmal. 38.Dxh3 Sxh3 39.Lxh4 Th8 40.Lg3+ Ka8 41.Le5 Th5 42.Kh2 Sxg5+ 43.Kg3 Sf3
Thiede-Appel Diagramm 3
Der König zappelt immer noch im Mattnetz, aus dem er bis zum Ende nicht entkommen kann. 44.Lf4 f5 45.b5 Th2! 46.Le5 Te8 47.Tb4 cxb5 48.Txb5 Tg8+ 49.Kf4 Th5 0-1
Am Ende stand eine im Prinzip nie gefährdete Niederlage im Raum. Immerhin stand nun der Rückkehr in die „Zivilisation“ nichts mehr im Wege :-). Die zwei Punkte aus Emsdetten werden uns jedenfalls im Abstiegskampf (es ist zu befürchten, dass es ihn nach vielen Jahren Abstiegsfarce diesmal wirklich geben wird) ziemlich nützlich sein. Mitte Dezember sind die nächsten zwei Runden, wo es bei Berlin Tegel gegen Westteams aus Katernberg und Mülheim gehen wird. Da kann man ja zumindest mal unser Brettpunktekonto auffüllen…, wenn es schon mit den Mannschaftspunkten schwer wird….
Ich wünsche allen Lesern einen ruhigen, stressfreien Einstieg in die besinnliche Weihnachtszeit und freue mich, bald aus Tegel zu berichten. Bis bald!
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Fiebig,Thomas (2416) - Agopov,Mikail (2452)
SBL 0910 SK Turm Emsdetten - SF Berlin, 14.11.2009
Stellung nach 17...f4:
Fiebig-Agopov Diagramm 1
Schwarz hat bereits ausgeglichen und sogar die Initiative übernommen, aber nun hilft der deutsche Pokalsieger noch kräftig nach: 18.g3? fxg3 19.Tg1 Weiß gab später zu, 19.fxg3?? Txf1+ glatt übersehen zu haben. 19...Se5! 20.Txg3 Lg4! So gewinnt Mikail noch ein Tempo an der Mattdrohung auf d1. 21.Lg2 Tad8 22.Txd8 Txd8 23.b3 Td1+ 24.Kb2 Lf3! Alles sehr konsequent. 25.Lxf3 Sxf3 26.Sf4
Fiebig-Agopov Diagramm 2
26...g5?! Eine zu "kunstvolle" Verwertung der Mehrheit. Einfach 26...Sxh4! 27.Tg4 g5 28.Se6+ Kf6 29.Txe4 Sf3 und die Ampel für den h-Bauern ist auf grün geschaltet. 27.hxg5 hxg5? Er will auf Domination des Turms spielen, aber diese kann nicht aufrechterhalten werden. 27...Sxg5 war hier besser, mit leichtem Vorteil.
Fiebig-Agopov Diagramm 3
28.Se6+? Unternimmt nichts zur Rettung des um Hilfe rufenden Turmes. Weiß ist ab jetzt total verloren. 28.Se2! hält dagegen mindestens Remis: Der Bauer e4 fliegt forciert vom Brett. 28...Kg6 (28...Td2 und hier zeigt der Rechner 29.Sc3 Se1 30.Kc1!? Txf2 31.Sxe4 Te2 32.Txg5+ Kh6 33.Te5 Txc2+ 34.Kd1 Tc1+! 35.Ke2!? mit sogar noch minimalen weißen Chancen auf Vorteil.) 29.Sc3 Td4 30.Sxe4 g4 und Schwarz sollte wegen des immer noch eingesperrten weißen Riesen außer jeder Gefahr sein. Der "deutliche Vorteil" aus der Emsdettener Volkszeitung scheint mir doch etwas lokalpatriotisch angehaucht. 28...Kf6 29.Sc5 Kf5 Der f2 ist todgeweiht. 30.Sxb7 Td2 31.Th3 Txf2 32.Sc5 Sd4 33.Kc3 Tf3+ 34.Txf3+ Sxf3 35.b4 g4 36.Sb3 Kf4 37.Sc1 Ke3 0-1
Unsere zweite Gewinnpartie der Saison – und logischerweise für unseren Neuzugang Mikail die erste. Sehr schön, und herzlichen Glückwunsch, gerne auch trotz 28.Se2!
Leider verlor Arnd Lauber einige Zeit später gegen den schwedischen Angriffsspieler Jonny Hector. Aber auch diese Partie wird Arnd nicht von seinem geliebten Caro-Kannösisch abbringen, soviel steht fest. Leider war diese Lehrstunde aber der Ausgleichstreffer zum 1:1
Die Supergurke
Man kann es nach Rainer „Klassischer Fall einer absoluten Traumpartie" nennen oder „nicht bundesligatauglich“ oder eben auch die Supergurke. Gemeint ist meine Partie gegen Dennis Breder. Als ich nach diesem Gepatze endlich das Partieformular unterschreiben durfte, wusste ich, dass an diesem Tag alles ein gutes Ende nehmen würde.
Schneider,Ilja (2500) - Breder,Dennis (2427)
SBL 0910 SK Turm Emsdetten - SF Berlin, 14.11.2009
Stellung nach 16.Lf1:
Schneider-Breder Diagramm 1
Ich hatte in der Stonewall-Eröffnung Mist gebaut (obwohl ich etwa mit Aronian oder Jussupov durchaus prominente Vorgänger hatte) und Weiß ist mittlerweile schon im Nachteil. Zu schlecht ist die Dame postiert und die Entwicklung lässt auch zu wünschen übrig. Durch den Läuferrückzug und den Angriff auf den Bauern d5 gedachte ich, Zeit zu gewinnen, und zum Glück glaubte mir mein Gegner...16...Kh8?! Deckt den Bauern, aber nun könnte ich mich befreien. 16...f4! ist zweifellos der thematische schwarze Vorstoß in diesem Stellungsbild, und Breder hat nicht erkannt, das er auch hier möglich war. 17.Sbd2 ist dann nur leichter weißer Nachteil, nach 17.Txd5 Df6 18.Td4 fxe3 19.fxe3 Se6 20.Lc4 Kh8 21.Lxe6 Dxe6 hat Schwarz trotz des Minusbauern Vorteil: Mein Bauer e3 ist so weich, dass er jede sinnvolle Entwicklung des Springers b1 verhindert. Das sieht nicht gut aus.. 17.b4 Verständlich. 17.Sbd2 Sxf2! befanden wir beide für unmöglich, aber unbeeindruckt will der Rechner genau das sehen: 18.Sc4 De6 (sonst Txd5) 19.Kxf2 Se4+ 20.Kg1 dxc4 21.Lxc4= mit "Ausgleich & more" 17...Sa4 18.Sbd2? Der Springer stürzt sich in den Kampf, aber lässt den Feinden das Operationsfeld c3 über. 18.Db3 gleicht endlich richtig aus. 18...Sec3 19.Tdc1 19.Sc4 Dc7 20.Sce5 Sxd1 21.Txd1-/+ ist ein zu verzweifeltes Quallenopfer, um es in einem Mannschaftskampf zu spielen, auch wenn ich schon wusste, was mich in der Partie erwarten würde. 19...a5! Und zwar der sinnlose Verlust eines Bauern. 20.Db3 axb4 20...Dxb4 befürchtete ich mehr, aber es stellte sich posthum heraus, dass nach 21.Se5 Schwarz in die Sackgasse geraten ist und den gewonnenen Bauern sofort mit 21...Lb5! 22.Lxb5 Sxb5 23.Dxd5= zurückgeben muss. 21.a3
Schneider-Breder Diagramm 2
23...f4?! Spielt mit wenig Zeit auf der Uhr (er hatte in der Eröffnung eine Stunde über einen einzigen Zug nachgedacht - Leko lässt grüßen!) auf Sicherheit, aber gibt dabei jeden Vorteil aus der Hand. 21...bxa3 ließ ihn 22.Txc3 (22.Dxa3 Dxa3 23.Txa3 ist "sicherer", aber Schwarz hat einfach einen Freibauern mehr.) 22...Sxc3 23.Dxc3 befürchten, aber dies ist eine der Stellungen, wo sich die "rohe Gewalt", die von der schwarzen Stellung verkörpert wid, durchsetzen sollte. 23...Tfc8 mit deutlichem Vorteil für Schwarz. 22.Dxb4 Dxb4 23.axb4 fxe3 24.fxe3 Tfe8 25.Sb1!? Seit langem eine gute Idee von mir, aber besser war hier 25.Se5! mit praktischen Gewinnchancen - ob er sich hier mit den paar Minuten auf das nötige 25...Txe5 26.Txc3 Sxc3! 27.Txa8+ Te8 28.Ta7 Lc8= eingelassen hätte? Wenn nicht, hätte Weiß auch objektiv etwas Vorteil bekommen. 25...Tac8! 25...Sxb1 26.Taxb1 Txe3 27.Tc7+/= ergibt einen sehr schmerzhafen Turm. 26.Sxc3 Sxc3
Schneider-Breder Diagramm 3
Jetzt wird es ganz ganz dunkel. 27.Ta7?? Se2+! Ich weiß nicht, wie ich das erklären soll. Ich hatte genug Zeit, und hatte auch 27...Txe3 28.Txb7 Se2+? 29.Kf2!+- gesehen - ehrlich! 28.Lxe2 Txc1+ Die nächsten Züge zu kommentieren, gliche aus dem Kaffeesatz oder dem Badesalzrückstand zu lesen. Dennis hatte hier keine 2 Minuten mehr und lebte von seinem Inkrement. Mir blieb keine Wahl, als mitzuzocken - und ich hatte am Ende unverdientes, ja fast schon unverschämtes Glück. Für Breder hieß es nach einer gut gespielten Partie: "Kurz vor dem Lokus in die Hose". 29.Kf2 Tc7 30.Sd4 Lc8 31.Lf3 Tce7 32.Sb5 Le6 33.Sd4 Lg8 34.Sf5 Td7 35.Ke2 g6 36.Sd4 Tde7 37.Kf2 Lf7 38.b5 Kg8 39.b6
Schneider-Breder Diagramm 4
39...Tb8?? 39...Tc8 Hätte dem Gehopse des Springers bald ein Ende gesetzt. So aber... 40.Sc6! bxc6 41.Txe7 Txb6 42.Tc7 ... ohne große Chance, den Mehrbauern jemals verwerten zu können. Zu passiv stehen die schwarzen Figuren in der Gegend herum. 42...Tb2+ 43.Kg3 Tc2 44.Kf4 Tc3 45.h4 h6 46.e4 dxe4 47.Lxe4 Tc5 1/2-1/2
Wo wir aber grade bei Gurken sind, unser Spitzenbrett Jan Markos hätte aber vermutlich auch nicht im 30. Zug gedacht, dass sein Gegner in 10 weiteren Zügen die Hand zur Aufgabe reichen wird. In der folgenden Begegnung muss seinem Gegner Spoelman irgendwo ein kapitaler Fehler im Gedankengang unterlaufen sein.
Markos,Jan (2565) - Spoelman,Wouter (2554)
SBL 0910 SK Turm Emsdetten - SF Berlin, 14.11.2009
Stellung nach 32...Kh5:
Markos-Spoelman Diagramm 1
"Seit wann können Schweine fliegen? Und seit wann Schachkönige?", so etwas dachte ich mir als ich nach längerer Zeit mal wieder auf diese Stellung sag. Es stellte sich später heraus, dass der König h5 ein Produkt holländischer Gewinnversuche war. Aus einem sicheren Dauerschach auf den Feldern f8/f7 ist er an die Schachwand gelaufen. Doch Markos bereitet ihm auch da einen heißen Empfang vor. 33.h3 g6? Diese übertriebene "Prophylaxe" versperrt ihm auch noch den Rückweg. 33...Db1+ 34.Kh2 De4 wäre in jedem Fall Ausgleich, da Weiß in keinem Endspiel der Welt auf Vorteil hoffen kann, allein schon wegen der Schwäche auf c5. 34.Df4
Markos-Spoelman Diagramm 2
Droht Matt. Was hat Spoelman da übersehen? 34...Db1+? 34...g5 35.Dxf5 (Das sophisticated 35.g4+ fxg4 36.hxg4+ Kh6 37.Dd6 mit der möglichen Computer-Folge 37...Dc1+ 38.Kg2 Df4 39.Dxf4 gxf4 40.g5+! Lxg5 41.Sd4 f3+! 42.Kxf3 Lc1 43.Sxc6 La3 44.Sxa7 Lxc5 wäre noch spannend zu analysieren.) 35...Dc1+ 36.Kh2 Df4+ 37.Dxf4 gxf4 gibt Schwarz immer noch Rettungschancen. 35.Kh2 g5 36.Dd6 Nun geht mindestens der c6 über die Wupper, oder auch der Läufer auf f6... 36...De4??
Markos-Spoelman Diagramm 3
37.Dxf6 ...wenn man ihn nicht deckt oder wegzieht. 37...Df4+ 38.Kh1 Dc1+ 39.Sg1 Dxc5 40.Se2 Spoelman saß noch lange nach Partieende auf seinem Stuhl und guckte leer in die Luft. Was hat er da bitte am Schluss angerichtet? 1-0
Die Führung blieb über die Zeitnotphase hinaus bestehen, da die Partien von Rainer und Martin Krämer mit vergleichsweise wenig Aufregung Remis endeten.
Festgemacht wurde der unverhoffte Mannschaftssieg dann nach fünfeinhalb Stunden von (Endspiel)-Lars Thiede, der am Ende einfach alles richtig gemacht hat:
Thiede,Lars (2450) - Pruijssers,Roeland (2415)
SBL 0910 SK Turm Emsdetten - SF Berlin, 14.11.2009
Stellung nach 48...Lc7:
Thiede-Pruijssers Diagramm 1
Lars hat seinen Gegner mit simplen Mitteln total überspielt, auch wenn ich ihm vor gar nicht zu langer Zeit ein Remisgebot empfohlen hatte, um den Mannschaftssieg abzusichern. Der Partieschluss ist sehr hübsch und nicht besonders typisch. 49.Lc1 Lc8 50.La3 a6 51.Lxd6 axb5
Thiede-Pruijssers Diagramm 2
52.Lxc7 52.axb5 Daran gefiel Lars nicht, dass nach 52...Lxd6 53.Sxd6 Ld7 54.Sc4 Kf6 55.Sxb6 Lxb5 "Der Springer am A.. der Welt " steht, und in der Tat ist die Variante 56.Sc8 Ld3 57.Sd6 Ke7 58.Sf5+ Kf6 59.Kf3 Kg6 (59...Lf1 60.Sxh6 Lxh3 61.Kf2 Mit Zugzwang.) 60.Ke3 Lf1 61.d6 Lb5 62.Kd2 Kf6 63.Kc3 Ke6 64.Kb4 Lc6 65.Kc5 Lxe4 66.Sxh6 schwer zu bewerten, wenn man nicht schon vor etlichen Zügen das gigantische 66...Lg2 67.Sf7!! gesehen hat. Und das ist definitiv niemandem der Anwesenden gegeben. 52...bxc4 53.Lxe5+ Kg6 53...Kf7!? hat bestimmt andere Nachteile, aber hätte nicht so verloren, wie in der Partie. 54.Ld4 Ld7 55.e5! Lxa4 56.e6
Thiede-Pruijssers Diagramm 3
Der Bauer c4 verdirbt Schwarz das Remis. 56...c3 57.d6 c2 58.Lb2 c1D 59.Lxc1 Kf6 60.d7 Nach 60.... Ke7 61.Lb2! injiziert der Läufer rechtzeitig das tödliche Schach auf f6. 1-0
Genießer Marco Thinius (er steht vor 6 Stunden nicht vom Brett auf) hätte mit einem weiteren Punkt schon fast einen kleinen Kantersieg besorgen können – doch am Ende musste er aufpassen, nicht selber zu verlieren. Letzlich ließ Richter Gnade vor Recht ergehen.
Richter,Christian (2412) - Thinius,Marco (2375)
SBL 0910 SK Turm Emsdetten - SF Berlin, 14.11.2009
Stellung nach 49.Td1:
Richter-Thinius Diagramm 1
Marco hatte sich eine total überlegene Stellung mit Mehrbauern erarbeitet, aber nun folgen nach fünfeinhalb Stunden Spielzeit zwei unverständliche Turmzüge, die Marco fast noch beide Punkthälften gekostet hätten. 49...Tc2 50.Le4 Tb2? Der Turm greift hier nichts an, droht nicht, nach b1 zu gelangen - und das Schlimmste - er schränkt die Handlungsfreiheit seines Chefs ein. 50...Te2 ist das Beste, aber gewinnen nach 51.Lf3 Te3 52.Lxg4 hxg4 ist eben nicht einfach (wenn auch nicht unmöglich). 51.Td7+ Ke8 51...Kf6 52.Lc3+ 52.Td2! Plötzlich brechen der g6 mit dem h5 weg, ersterer mit Schach. 52...Tb3 53.Lxg6+ Ke7 54.Lxh5 Tb1 55.Lxg4 Txe1+ 56.Kf2 Tf1+ 57.Ke3 Tg1 58.Kf2 Tf1+ 59.Kg2 Ta1
Richter-Thinius Diagramm 2
60.f5 Auch Richter hat anscheinend genug von der Partie und wickelt ins Remis ab. Dabei spricht einiges dafür, dass 60.h5 Txa5 61.h6 Kf6 62.h7 Kg7 63.Td7+ Kh8 64.f5! einfach sehr stark ist. 60...exf5 61.Lxf5 Txa5 62.h5 Echte Zocker hätten hier noch sicher weitergemacht, aber durch die hohe Dichte an potenziellen falschen Läufern auf dem Brett ist die Remisbreite schon sehr hoch. 1/2-1/2
Wie meinem Blogeintrag im Schachzoo zu entnehmen ist, von der Atmosphäre her war Emsdetten nicht begeisternd. Nicht direkt schlecht, aber die Kälte, die viel zu wenigen Zuschauer im dafür zu großen Raum, dann diese tiefen Mensastühle oder auch einfach, dass man Samstag bis Viertel vor 2 sich im Spielsaal nicht vernünftig unterhalten konnte, da noch eine Siegerehrung eines Jugendturniers lief – Timo Sträters „rührig“ wirkt da noch sehr milde ausgedrückt auf mich…:-). Púnkte nehmen wir aber (wie er auch) gerne mit…
Und um die Chance auf selbige auch anderntags gegen die Wattenscheider zu optimieren (diese waren im Stile der Redewendung mit den Kanonen und den Spatzen einfach mal mit 8 GMs angereist), hatte sich unser Teamchef Rainer einen Trick ersonnen: Er stieg Sonntag aus und korrigierte Klausuren, während sich an Brett 8 Jungspund Dennes Abel austoben durfte. Dadurch sollten die Wattenscheider um die Vorbereitung gebracht werden. Nachteil dieser Taktik war einmal, die Ungerechtigkeit, dass dadurch einige das zweite Mal Schwarz aufgedrückt bekamen, während andererseits an Dennes und vor Allem eurem Berichterstatter wieder mal die weißen Steine verschwendet wurden! Sowas nennt man wohl (weiße) Perlen vor die Säue werfen! Die "Weißverschwendung" von Rainer beim Abendessen am Samstag noch in weiter Runde angekündigt, also gesagt – getan:
Schneider,Ilja (2500) - Bartel,Mateusz (2609)
SBL 0910 SF Berlin - SV Wattenscheid, 15.11.2009
Stellung nach 13...Sg6:
Schneider-Bartel Diagramm 1
Bartel hat die Eröffnung sehr ungewöhnlich behandelt. Ich spürte, hier musste ich besser stehen und verzichtete auf der Suche nach "mehr" sogar untypischerweise auf das offensichtliche 14.Lxg6. 14.f4?! 14.Lxg6 fxg6 15.Dd3 Lf7 16.Tab1 b6+/= ist Mini-Vorteil. 14.h3 Bei der anschließenden Analyse (ohne Anwesenheit meines Gegners; bei der Analyse mit ihm hatten wir das nicht betrachtet) herrschte eine Stimmung, dass 14.h3 mir großen Vorteil hätte bringen können. Besonders GM Rabiega plädierte für diese Prophylaxe, die Sg4 für immer aus der Stellung nehmen soll. Laut Rybka aber lebt Schwarz noch sehr gut. 14...Sxe5 (14...Sd7 ist auch durchaus möglich.) 15.dxe5 Sd7 16.f4 Hier haben wir schon abgebrochen, mit "weißem Angriff" 16...g6!? Ohne Furcht - muss man erstmal sich dazu durchringen! 17.Df3 Sc5 18.f5 gxf5 19.Sxf5 Lxf5 20.Dxf5 Sxd3 21.cxd3 Dg5+/= und Weiß kann mit einem besseren Endspiel rechnen. 14...Sg4! 15.Sf5 Nach langem Nachdenken ausgeführt, als klar wurde, dass ich den Vorteil verspielt hatte. 15.Lxg6 sollte einfach mit 15...fxg6= beantwortet werden, nicht von dem Zug den ich annahm: (15...Dh4 16.Lxf7+! Lxf7 17.Sf1+/= und der Mehrbauer ist "gut") 15...S4xe5 15...h5 war interessant, aber ich war sicher, dass ich hier etwas Gutes finden würde. Und, dass er es eh nicht ziehen würde. 16.fxe5 Dg5
Schneider-Bartel Diagramm 2
17.Df3 Keinen echten Vorteil, aber etwas Ähnliches hätte ich mit dem paradoxalen 17.Te3!? erlangen können: 17...Lxf5 (was sonst?) 18.Tg3 Df4 19.Tf3 Lg4 (19...Dg5 20.Txf5+/=) 20.Txf4 Lxd1 21.Lxg6 fxg6 22.Txd1 Auch wenn ich nicht glaube, dass man das irgendwie gewinnen kann. 17...Lxf5 17...Dd2!? war durchaus einen Versuch wert - ich hatte das nicht vorhergesehen (nur während er hier grübelte) und er gewinnt eben einen Bauern. 18.Df2 Dxc3 19.Tab1 Tab8 20.Tb3 Da5 21.Tf1 ist aber definitiv auch Kompensation. 18.Dxf5 Dxf5 19.Lxf5 Sf4 20.Tab1 Tab8 21.Ld7!
Schneider-Bartel Diagramm 3
Bringt den Halben in trockene Tücher. 21...Tf8 21...Te7 22.Lc6 ist gar nicht gut für ihn. 22.e6 Sxe6 mit Sterilisierung der Stellung. 1/2-1/2
Naja, wenigstens ohne grobe Einsteller. Jetzt konnte ich mir zusammen mit Rainer das Leid ansehen. Wobei Moment… welches Leid? Erst einmal kam die Führung durch einen Schwarzsieg, wie am Tage zuvor. Martin hat mit Ankündigung (nicht überzubewerten, denn er kündigt vor jeder Partie einen Sieg an, egal gegen wen) den polnischen GM Macieja vom Brett gefegt:
Macieja,Bartlomiej (2618) - Kraemer,Martin (2482)
SBL 0910 SF Berlin - SV Wattenscheid, 15.11.2009
1.Sf3 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 b6 4.g3 Lb7 5.Lg2 Le7 6.d4 Se4 7.Ld2 0-0 8.Dc2 Sxd2 9.Dxd2 d6 10.Dc2 g6 11.h4 c5 12.d5 exd5 13.Sxd5 Lxd5 14.cxd5 Lf6 15.h5 Te8 16.Sh4 Lg7
Macieja-Krämer Diagramm 1
Martin hat die Initiative des starken polnischen Großmeisters neutralisiert und bei Weiß steht langsam ein Königsproblem an. Außerdem wurde die Zeit von Macieja knapp. Sein nächster Zug verursachte bei allen bei der Analyse Anwesenden ungläubiges Kopfschütteln: 17.f4?! Aha?! 17...Df6 18.Tb1 18.0-0-0 war die letzte Chance, den König in relative Sicherheit zu evakuieren. 18...Sa6 19.Dd2 c4! Alle schwarzen Züge kamen wie aus der Pistole geschossen. 20.hxg6 hxg6 21.Sf3 Sc5 Weiß hat soviele schwache Bauern, dass er so gut wie auf Verlust steht. 22.Sg5 Sd3+ 23.Kf1 Sxb2 24.Se4
Macieja-Krämer Diagramm 2
Martin: "Das ganze Springermanöver, hatte ich alles vorhergesehen. Weg damit!" 24...Txe4! 25.Lxe4 c3 26.Dc1 Sc4 26...Dd4 Macht wohl noch schneller Schluss. 27.Kg2 27.Ld3 "Zwingt" Martin, die Qualität zurückzugewinnen, ändert aber auch nicht mehr viel. 27...Sd2+ 28.Kg2 Dd4 29.Dc2 Sxb1 30.Txb1 Te8 27...Dd4 28.Lf3 Se3+ 29.Kh3 29.Kf2 Welcher König will schon ins Abzugsschach? 29...f5 Viel besser ist es am Brettrand aber auch nicht. Gratulation an Martin! 0-1
Super Leistung von Martin, aber was war mit Macieja los? Hatte er nicht am Tage davor nicht auch noch gegen Mladen Muse verloren? Jedenfalls lautete für den Polen anschließend das Motto Frustbewältigung. Stundenlang spielten er, Rustemov und Najer gegeneinander 3-Minuten-Blitzpartien und erheiterten mit ihren „sachkundigen“, lautstarken Kommentaren den russischsprachigen Teil der Anwesenden.
Eine andere Art Frustbewältigung lebten die Brüder Muse von Tegel nach ihren beiden Kurzniederlagen beim 2:6 gegen Emsdetten aus. Nach zahlreichen Blitzpartien okkupierten sie zusammen mit Robert Rabiega, dem jungen Georg Kachibadze, der bei seinem Bundesligaeinstand einen hervorragenden Eindruck hinterlassen hatte und mit einigen Holländern den Krökeltisch (vermutlich meint der Autor den Kickertisch, Anm. d. Red.) im Analyseraum und tobten sich da richtig aus. Ist aber vielleicht tatsächlich eine gute Verdrängungstaktik, statt stundenlang zu grübeln, wie man auf den oder auf den Zug kommen konnte. Die Krökelspieler hatten jedenfalls sichtlich Spaß, das war nicht zu übersehen…
Feygin,Michael (2546) - Muse,Mladen (2448)
SBL 0910 SK Koenig Tegel - SK Turm Emsdetten, 15.11.2009
Stellung nach 17...De8:
Feygin-Muse, M. Diagramm 1
Weiß zieht und gewinnt. 18.S5g6+! fxg6 19.Sxg6+ hxg6 20.Dh3+ Kg8 21.Lc4+ Tf7 22.fxg6 Se5
Feygin-Muse, M. Diagramm 2
Er muss auf f7 decken, aber 23.gxf7+ Sxf7 24.Lxf7+! kostet noch den Sh5. 1-0
Breder,Dennis (2427) - Muse,Drazen (2367)
SBL 0910 SK Koenig Tegel - SK Turm Emsdetten, 15.11.2009
Stellung nach 18.Ld5:
18...Thd8?? 18...Sxf3 19.Lxf3 Lxf2 frißt einen Bauern und blockiert den Türmen den Zugang zu der e-Linie, so dass es kompletter Ausgleich ist. 19.The1+, da nach 19...Kf8 20.Sxd4 Txd5 21.Se6+ folgt. 1-0
Zurück zu unserem „seriösen“ Wettkampf. Die Führung hielt nicht lange. Fast zeitgleich mussten an beiden Enden der Mensa, an den Brettern 1 und 8 Jan Markos und Joker Dennes kapitulieren, bei Letzterem kam es fast so plötzlich wie ein Blitzschlag.
Abel,Dennes (2380) - Handke,Florian (2513)
SBL 0910 SF Berlin - SV Wattenscheid, 15.11.2009
Stellung nach 24.Se2:
Abel-Handke Diagramm 1
Bisher haben die Gegner in extrem friedlicher Nachbarschaft gelebt. Handke startet eine elegante Umgruppierung seiner Streitkräfte. 24...Th7 25.Th3 Tdh8 26.Tch1 Sf8 27.Sg3 Se8! Nun sah Dennes den passenden Moment gekommen für den lang ersehnten Vorstoß im Zentrum. Leider stellt dieser beide eigenen Leichtfiguren kalt. 28.e4?! Se6 29.Ke3 S8c7!
Abel-Handke Diagramm 2
Nun ist klar, dass Weiß in der totalen Sackgasse steckt. Plötzlich sind alle seine Bauern unbeweglich - außer einem, wie Dennes dachte... 30.e5? 30.f4 schwächt sich zwar, aber wäre noch die optimale Lösung mit Remischancen nach etwa 30...dxe4 31.Lxe4 Kd6 32.f5! Sxg5 33.fxg6 fxg6 34.Lxg6 Sd5+ 35.Kd2 Sxh3 36.Lxh7 30...c5! So schnell kann es gehen. Weiß verliert Material. Kein Wunder bei den passiven Figuren. 31.f4 31.dxc5 d4+ 32.Ke4 Sa6! 33.f4 Saxc5+ 34.Kf3 Sxb3 31...Sxd4 32.h5 gxh5 33.f5 g6! Deckt ruhig den h5 und bringt die weiße Mehrheit zum Erliegen. 34.f6+ Kd7 35.Th4 Sde6
Abel-Handke Diagramm 3
Der g5 ist als Nächster dran. 36.Td1 d4+ 37.Kd3 Sxg5 38.Kc4 b6 und mit drei Minusbauern gab Weiß auf. 0-1
Später gingen die Partien von Mikail Agopov (er nahm Rustemov sicher das erste Remis der Saison ab!) und von Arnd Lauber gegen Evgeny Najer friedlich zu Ende, so dass beim Stande von 2,5:3,5 die Niederlage unabwendbar war. Die Longplayer Lars Thiede und Marco Thinius saßen wiederum sechs Stunden am Brett, aber diesmal gab es für beide nichts zu retten. Während Marcos Gegner Frank Holzke (diesmal ein echter Richter) keine Gnade zeigte und Marco im Mittelspiel einen schwachen Bauern nach dem anderen abnahm, geriet der König von Lars in ein immer enger sich zuziehendes Mattnetz:
Thiede,Lars (2450) - Appel,Ralf (2551)
SBL 0910 SF Berlin - SV Wattenscheid, 15.11.2009
Stellung nach 30.Dc2:
Thiede-Appel Diagramm 1
Lars hat sich hier mit einer ungewöhnlichen Traktion seiner Lieblingseröffnung (1.g3 d5 2.Lg2 c6 3.d3 Sf6 4.f4?!) in große Schwierigkeiten manövriert, aber hier musste er sich zur Vermeidung noch größeren Ärgers wohl oder Übel auf den Springertausch einlassen müssen. So würde ihm zwar immer noch ein Endspieltod drohen, aber immerhin kein direkter Mattangriff. 30...Te7 31.Sa4 31.Sxd5 cxd5 32.Tc3 Tec7 33.Txc7 Txc7 34.Db3 Tc4 ist natürlich etwas worauf man null Lust hat, wenn man es kommen sieht. 31...Dg4 32.Le1 g5! 33.hxg5 Die Abfederungstaktik 33.De2 scheitert an 33...De6 34.hxg5 Sxf4+! und der Tb3 fällt vom Brett. 33...h4 34.De2 Dxg3+ 35.Kh1
Thiede-Appel Diagramm 2
35...Lxf4! ... und wieder spielt der lose Turm eine Schlüsselrolle... 36.Txf4 Dh3+ 37.Dh2 Sxf4 ...und hier noch einmal. 38.Dxh3 Sxh3 39.Lxh4 Th8 40.Lg3+ Ka8 41.Le5 Th5 42.Kh2 Sxg5+ 43.Kg3 Sf3
Thiede-Appel Diagramm 3
Der König zappelt immer noch im Mattnetz, aus dem er bis zum Ende nicht entkommen kann. 44.Lf4 f5 45.b5 Th2! 46.Le5 Te8 47.Tb4 cxb5 48.Txb5 Tg8+ 49.Kf4 Th5 0-1
Am Ende stand eine im Prinzip nie gefährdete Niederlage im Raum. Immerhin stand nun der Rückkehr in die „Zivilisation“ nichts mehr im Wege :-). Die zwei Punkte aus Emsdetten werden uns jedenfalls im Abstiegskampf (es ist zu befürchten, dass es ihn nach vielen Jahren Abstiegsfarce diesmal wirklich geben wird) ziemlich nützlich sein. Mitte Dezember sind die nächsten zwei Runden, wo es bei Berlin Tegel gegen Westteams aus Katernberg und Mülheim gehen wird. Da kann man ja zumindest mal unser Brettpunktekonto auffüllen…, wenn es schon mit den Mannschaftspunkten schwer wird….
Ich wünsche allen Lesern einen ruhigen, stressfreien Einstieg in die besinnliche Weihnachtszeit und freue mich, bald aus Tegel zu berichten. Bis bald!
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erstellt am 20.11.2009




