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RNG Verein MP
1. Nickelhütte Aue 0
2. SV Griesheim 0
3. Delmenhorster SK 0
4. OSG Baden-Baden 0
5. Bayern München 0
6. SF Berlin 0
7. Werder Bremen 0
8. Turm Emsdetten 0
9. SC Eppingen 0
10. Hamburger SK 0
11. SF Katernberg 0
12. Mülheim Nord 0
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15. SG Trier 0
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Ungeahnte und ungenutzte Chancen

Ilja Schneider
Ilja Schneider


Der internationale Meister Ilja Schneider spielt für die SF Berlin in der Schachbundesliga und wird wie in der Saison 2008/09 auf der Webseite der Schachbundesliga über die Kämpfe seines Vereins berichten. Der 25-jährige ist regelmäßig auf Turnieren unterwegs und berichtet darüber auf seinem Blog "Schachzoo": pointiert und schachlich lehrreich.
Von Ilja Schneider

Was ist im Schach eine ungenutzte Chance? Eine verpasste Gelegenheit, einen guten Zug auszuführen, für den in Wirklichkeit stattdessen ein Fehler begangen wurde. Diese Definition ist allerdings relativ grob, denn wenn jemand 1.e4 e5 2.Df3? zieht, sagt ja niemand, er habe die „Chance“ zu 2.Sf3! verpasst.



Offensichtlich sollte also bereits ein gegnerischer Fehler vorausgehen, um von einer Chance als solche reden zu können.
Und damit sind wir bei dem Punkt, warum bei jedem Spieltag der Bundesliga Georgios Souleidis‘ Gurkensammlung überquillt, und warum so oft auf Fehler direkt Gegenfehler erfolgen und Chancen eben ungenutzt bleiben. Man traut dem Gegner (u.a. aus Respekt vor der Spielstärke) meist zu, nichts einzustellen und übernimmt seine Berechnungen, glaubt ihm aufs Wort. Man ist auf einen gegnerischen Fehler einfach nicht vorbereitet, man ist in Gedanken gefangen vom vorherigen Partieverlauf und sucht nicht im Lehrbuch-Modus „Weiß zieht und gewinnt“ nach einem Ausheber. Und genau das ist nur zu oft fatal und kostet leichte Punkte. Die meisten untenstehenden Beispiele verdeutlichen dies. Je unerwarteter die Chance: 29…Te1! in Lauber –Ghaem Maghami, 23…Dxc2 in Llaneza Vega –Thiede usw… desto geringer die Wahrscheinlichkeit einer Bestrafung. Warum das Match gegen Bremen nicht gewonnen ging, ist also nicht nur ein schachliches, sondern in gewisser Weise auch ein psychologisches Problem.

Der Start in die Bundesligasaison 2009/2010 verlief für die SF Berlin und auch für Aufsteiger König Tegel trotz guter Einzelleistungen am Ende sehr wenig erfreulich. Man verlor gegen die gastgebenden, aber trotzdem ganz schön ersatzgeschwächten Mannschaften vom Hamburger SK und SV Werder Bremen alle vier Begegnungen, aber es hätte bei Weitem nicht immer so kommen müssen. Im Erstrundenmatch gegen den HSK gerieten wir leider sehr schnell durch meine klanglose Niederlage, sowie durch diejenige unseres Kirchheimer Neuzugangs Mikael Agopov in einen 0:2 – Rückstand:

Mueller,Karsten Dr (2523) - Agopov,Mikail (2452)
SBL 0910 Hamburger SK - Schachfr. Berlin (1.6), 17.10.2009


Stellung nach 15.0–0:

Mueller-Agopov Diagramm 1 Mueller-Agopov Diagramm 1



In dieser etwa ausgeglichenen Stellung entscheidet sich Schwarz für ein Bauernopfer, welches zwar wohl unnötig aber auch nicht wirklich inkorrekt ist: 15...g6?! 15...Tc8 16.Dd3 g6 17.a3 (17.Tad1 Lg7 18.Sde3 Db6=) 17...bxa3 18.Dxa3 Lg7= 16.Sxf6+ Dxf6 17.Dxd6 Tac8 17...Sd4 18.Sxd4 Tfd8 19.Dc5! Txd4 20.b3 lässt Schwarz einfach leiden. 18.Se3

Mueller-Agopov Diagramm 2 Mueller-Agopov Diagramm 2



18...Kg7? Ärgerlicher Zeitverlust. Er sah nur 18...Tfd8 19.Sd5 (19.Dc5 Sd4 20.Db6 Tc6 21.Dxa5 Lxc4= ist volle Kompensation, da Schwarz hochgradig aktiv steht.) und übersah nun 19...Dxf2+! mit Rückgewinn der Bauern und vielleicht minimal schlechterer Stellung, bedingt durch den starken Sd5. 19.Dd3 Sd4 20.f4 Dd8 21.Tad1 f6 22.Kh1 a4 23.Sd5 Da5 24.Dd2 Lxd5?! 25.exd5 Txc4?

Mueller-Agopov Diagramm 3 Mueller-Agopov Diagramm 3



Nach den beiden laut Mikael "impulsiven" letzten Zügen (die beide durch ...Dc5 mit Versuch einer Blockade zu ersetzen wären) steht Schwarz auf Verlust und der Endspielexperte Karsten Müller ließ sich die Sache nach 26.fxe5 fxe5 27.Txf8 Kxf8 28.Tf1+ Ke8 28...Kg8 29.d6 ist genauso schlecht. 29.Dh6 nicht mehr nehmen, auch wenn die Gewinnführung sich noch überraschend etwas in die Länge zog. 1–0

Die nächste beendete Partie stellte den Anschluss wieder her. Arnd Lauber, der zum ersten Mal das Spitzenbrett verwalten durfte, setzte sich gegen den iranischen Schnellschachspezialisten Ghaem Maghami durch (er gewann doch mal das Dresdener ZMD-Open, ohne nach der vierten Runde eine Partie im Normalschach zu gewinnen!?), nachdem dieser in Zeitnot völlig die Übersicht verloren hatte, womit auch auf Seiten des HSK ein extrem unglücklicher Einstand vollzogen wäre.

Lauber,Arnd (2517) - Ghaem,Maghami Ehsan (2579)
SBL 0910 Hamburger SK - Schachfr. Berlin (1.1), 17.10.2009


Stellung nach 18.a4:

Lauber-Ghaem Maghami Diagramm 1 Lauber-Ghaem Maghami Diagramm 1



Für Arnd ist die Eröffnung gar nicht einmal so gut gelaufen und an sich wäre ich bisher lieber Schwarz. Das ändert sich nach den nächsten Zügen, mit denen der Iraner mächtig überzieht: 18...b5 Arnd betrachtete 18...Lxa4 19.b3 Db5 20.Dxb5 (20.Dc3 Sxb3 21.Tab1 c4 22.Sxc4 Tc8 23.Lf1 ist gehaltvoller und es zeichnet sich ein T vs LS-Mittelspiel ab.) 20...Lxb5 21.Txa7 La6 22.Lf1 Ta8 23.Txa8 Txa8 24.Ta1 aber nach 24...b5 ist Schwarz deutlich vorzuziehen.; 18...f5! 19.Sc4 Dc7 20.b4 fxe4 21.Lxe4 Txe4 22.Txe4 Lf5 riecht auch nach bequemem schwarzen Spiel. 19.axb5 Dc7 20.Tec1 Db8? Erst der richtige Fehler. nach 20...Db6 ohne Angst vor einem weißen Springer 21.b3 Lxb5 22.Sc4 f5 ist alles immer noch in Ordnung.

Lauber-Ghaem Maghami Diagramm 2 Lauber-Ghaem Maghami Diagramm 2



21.b4! Lxb5 22.Sc4 f5 23.bxc5 dxc5 Der schwarzen Stellung fehlt nun der innere Halt. 24.Tcb1?! wie sich zeigen wird, ist diese Entscheidung etwas unglücklich und sollte durch Tab1 oder einen Zug des f-Bauern ersetzt werden. 24...fxe4 25.Lxe4 Dd8! 26.Lxh7+ Kh8 27.Txb5

Lauber-Ghaem Maghami Diagramm 3 Lauber-Ghaem Maghami Diagramm 3



27...Sxb5 27...Dxd5! war an dieser Stelle auch möglich, ist aber recht counterintuitiv, da ein Turm nicht zurückgeschlagen wird und im Gegenteil, die Schagdrohung aufgehoben wird. Aber um den weißen König ist es nun eng. 28.Se3! einziger Zug und nun am Einfachsten Dauerschach durch 28...Sf3+ 29.Kg2 (29.Kh1 Dh5 30.Sf1 Sd4 31.Lg6 Dd5+ 32.Le4 Txe4 33.Txc5 Dxc5 34.Dxe4 Txf2=) 29...Se1+ 30.Kg1 Sf3+= 28.Lg6 Hier herrschte schon starke Zeitnot. 28...Df6 29.Tf1?

Lauber-Ghaem Maghami Diagramm 4 Lauber-Ghaem Maghami Diagramm 4



Ich stand direkt daneben und zuckte in diesem Moment zusammen, aber der GM ging nach kurzem Nachdenken an seinem Glück vorbei. 29.Ta2 29...Td8? Nach 29...Te1! guckt Weiß recht dumm aus der Wäsche - und darf etwa nach 30.f4 Txf1+ 31.Kxf1 Sd6 32.Sxd6 Dxd6 Anstrengungen unternehmen, das Endspiel zu retten. 30.De4 Sc3?? Ein grober Fehler, der sofort verliert. 30...Sd6 31.Dg4 Sf7 32.Se5! Das zu finden ist bei knapper Zeit verdammt schwer! 32...Dxe5 33.Lxf7 Td6 34.Le6 mit etwas besserer Stellung für Schwarz. 31.Dg4

Lauber-Ghaem Maghami Diagramm 5 Lauber-Ghaem Maghami Diagramm 5



Hier bot Ghaem Maghami Remis an - bei eigenem Zugrecht, etwa 30 Sekunden auf der Uhr - und nicht zuletzt in ein bisschen verlorener Stellung. Andere Länder - andere Sitten? Gegen Rabiega versuchte er es am Folgetag nochmal, stand dort aber zumindest nicht auf Verlust. Arnd bestand allerdings freundlich auf der Ausführung eines Zuges. 31...Se2+ 32.Kg2 Kg8? Will es nicht mal mit 32...Sf4+ 33.gxf4 Dxf4 34.Dh5+ Dh6 35.Dxh6+ gxh6 36.Le4 "versuchen". Am Ergebnis hätte das aber nichts mehr ändern können. 33.Dh5 Sf4+ 34.gxf4 1–0

Von den restlichen 5 Partien besaßen wir zwischenzeitlich fast in allen gewisse Vorteile. Martin Krämer zeigte sich etwa nach fast einjähriger Schachpause wieder voll im Saft und hatte den rumänischen Großmeister Dorian Rogozenco fast auf der Schippe:

Kraemer,Martin (2482) - Rogozenco,Dorian (2541) [A32]
SBL 0910 Hamburger SK - Schachfr. Berlin (1.3), 17.10.2009


Stellung nach 18.Lf4:

Kraemer-Rogozenco Diagramm 1 Kraemer-Rogozenco Diagramm 1



18...Ld7 Martin hatte diese Stellung schon vor anderthalb Jahren auf dem Brett, damals geschah das schärfere 18...e5 19.Lg5 h6 20.Ld2 Sf6 21.Sc7 Db6 22.Txc6 bxc6 23.Sxa8 ½–½ Kraemer,M-Berkes,F/BL0708 Eppingen-Erfurt 2008. 19.e4 Sb4 20.exd5 exd5 21.Lxd5 Sxd5 22.Dxd5 Sf6 23.Dd4 Lh3 23...b6? kommt nicht in Frage wegen 24.Tg5 h6 25.Txg7+ Kxg7 26.Le5 24.Td1 b6 25.Tc3

Kraemer-Rogozenco Diagramm 2 Kraemer-Rogozenco Diagramm 2



25.Tg5?? Db7 zeigt den Nachteil der schwarzfeldrig orientierten weißen Armee. 25...Tac8 26.f3 Txc3 27.Dxc3 Da8 27...Ld7!? 28.Le5 Lxb5 29.axb5 Dxb5 30.Lxf6 gxf6= bietet Weiß nichts, auch wenn es auf den ersten Blick anders aussieht. 28.Le5 Tc8 29.Dd3 Sd7 30.Lc3 Sc5 31.Dd4 Se6 32.Dd5 Dxd5 33.Txd5 g6?

Kraemer-Rogozenco Diagramm 3 Kraemer-Rogozenco Diagramm 3



Man sah richtig, dass Rogocenko Sorgen um seinen vergessenen Läufer auf h3 hatte, aber dieser Bauernvorstoß schwächt das Feld f6 zu sehr. 33...Sc5 34.g4 Sxa4 35.Ld4 (35.Th5 Tc5; 35.Sd6 Sxc3 36.bxc3 Txc3) 35...f6 gab diesem allerdings genug Support über das Feld f1. 34.g4 34.Sd6! Tc6 (34...Td8 35.Se4!) 35.Se4 h5 36.Sf6+ Kf8 37.Td2 bewahrte gewissen Stellungsvorteil. 34...Sc5 35.Td4? 35.Sd6! Tb8 (35...Td8 36.Lf6) 36.Ld4 f5 (36...Sxa4? 37.Se4 gewinnt für Weiß.) 37.gxf5 Sxa4 38.fxg6 hxg6 39.Tg5 Kh7 40.Te5± 35...Se6 35...f5 wäre einfacher, aber die schlimmsten Schwierigkeiten hat Schwarz eh schon überstanden. 36.Td6 Sc5 37.Td4 37.Sc7!? 37...h5 38.Kf2 38.gxh5 gewinnt den Bauern, aber Martin konnte sich hier noch nicht von der Vorstellung eines ganzen Läufers trennen. 38...hxg4 39.fxg4 Se6 39...f5 40.Te4 Sg5 41.Te5 Se6 41...f6

Kraemer-Rogozenco Diagramm 4 Kraemer-Rogozenco Diagramm 4



42.Sd6 Tc6 43.Se4 und Remis vereinbart. Es könnte folgen: 43.Se4 f5 44.Txe6 Txe6 45.Sg5 Te4!= (am Einfachsten). Schade. Martin verpasste hier eine Vielzahl von kleineren Gelegenheiten, seinen langanhaltenden Vorteil zu vergrößern. Irgendeine davon hätte genutzt werden müssen. ½–½

Der zwischenzeitliche leichte Vorteil von Lars Thiede und der Mehrbauer von Stephan Berndt sind fast schon zu gering, um diese hier detailliert zu erwähnen, wirklich schade ist es, dass folgende Partie nicht gewonnen werden konnte. Diesmal glaubte ich ganz fest an den ersten Bundesliga-Sieg von Dennes Abel, aber es sollte einfach immer noch nicht sein:

Sebastian,Dirk (2443) - Abel,Dennes (2380)
SBL 0910 Hamburger SK - Schachfr. Berlin (1.8), 17.10.2009


Stellung nach 36.Te4:

Sebastian-Abel Diagramm 1 Sebastian-Abel Diagramm 1



Dennes hat zu Beginn des Mittelspiels eine konzeptionell interessante Neuerung gebracht und seinen Gegner in den letzten Zügen überspielt. Schwarz hat Druck am Königsflügel und auch Spiel gegen den Doppelbauern. Er kann sich auch auf die meisten Endspiele freuen. Weiß steht klar schlechter, aber kann immerhin auf den halbwegs sicheren König pochen und auf die latente Möglichkeit, c4-c5 zu spielen. 36...Tc5?! Macht nichts kaputt, aber der Turm stand auf f8 bereits ideal, da er schnell auf die g-Linie wechseln konnte und das Feld c5 kontrollierte. 36...Df5! 37.De1 (37.De2 Tc5; 37.Dd3 Tc5; 37.Df3 Tc5) 37...h5 hätte den Widerstand vermutlich gebrochen. 37.De1 Df5 38.h3 Tc8 39.De2 Schwarz hat Zeit verloren und hätte hier zuerst mittels 39...h6 etwa den König verbessern sollen, aber es geschah: 39...Tg8?

Sebastian-Abel Diagramm 2 Sebastian-Abel Diagramm 2



39...h6 40.Kh2 Kh7 41.Dd3 Tc7 40.c5! Tg3 41.De1! bedroht den Turm und nimmt der schwarzen Initiative jeden Schwung, während das schwarze Zentrum zerbricht. So schnell kann es gehen. Dennes frohlockte hier mit 41.cxd6?? f3 42.De1 Txh3+ 43.Kg1 fxg2–+ 41...Dg5 41...f3?! 42.Dxg3 f2 43.Te1 Df4 44.Dc3 fxe1D+ 45.Dxe1 dxc5 46.Dd1 macht alles nur noch schlimmer. 42.cxd6 f3? 42...Txg2! 43.Txe5 Tg1+ 44.Dxg1 Dxe5 45.Dd1 Dxd6 46.Dd3± gefiel Dennes weniger als die Partiefortsetzung - auch zurecht. Trotzdem hätte er so spielen müssen.

Sebastian-Abel Diagramm 3 Sebastian-Abel Diagramm 3



43.Tg4?! Nach sehr langem Nachdenken führt Dirk Sebastian nur den Zweitbesten aus - obwohl er den Besten durchaus sah, im Gegensatz etwa zu mir. 43.Df2! grenzt an die schwarze Kapitulation. Das vergleichsweise Beste ist zudem noch schwer zu finden: 43...Kg7 44.h4! Dc1+ 45.De1 Dxe1+ 46.Txe1 f2 47.Tf1 Tg4 48.Txf2 Txh4+ 49.Kg1 Th6 50.Tf5 Txd6 51.c4+- 43...Txg4 44.hxg4 Dh6+ 45.Kg1 Dxd6 46.c4 fxg2 47.Kxg2 Weiß steht klar besser und spielt auch folgerichtig weiter - auf Eindringen des Königs. Sein einziger Fehler bleibt das (zum Teil wohl auch mannschaftstaktische) Akzeptieren der Zugwiederholung. 47...Kg8 48.De4 Dc7 49.Kh3 De7 50.De3 Dd6 51.Dg5+ Kh8 52.Df5 Dh6+ 53.Kg2 Dd2+ 54.Df2 Dh6?

Sebastian-Abel Diagramm 4 Sebastian-Abel Diagramm 4



54...Db4± 55.Df7 Einfach 55.c5 und ich denke, dass Weiß sehr gute Chancen hat zu gewinnen. 55...Dd2+ 56.Df2 Dh6 57.Df7 ½–½

Natürlich kann sich Dennes am Ende bei seinem Gegner bedanken, dass er ihm wenigstens noch einen halben Punkt zugesteckt hat. Die Stellung sieht in Wirklichkeit, besonders bei Inkrement einfach gewonnen aus. Rainer Polzin hielt gegen David Baramidze durch eine aktive Endspielverteidigung verdient Remis, aber der Kampf war 3,5:4,5 verloren. Zählt man den Europacup in Ohrid hinzu, war es die vierte Niederlage der SF Berlin in Folge.

Im Parallelkampf von Werder Bremen gegen SK König Tegel setzte sich der Favorit durch, aber keinesfalls ohne größere Verluste. GM Vlastimil Babula verlor mit Weiß relativ schnell gegen den jungen Stefan Frübing und der „hitzige“ Spanier Llaneza Vega, der mir schon in Bad Wiessee wegen seines „sengehäuptigen“ Spielstils, der etwas Triviales wie eine Rochade von vornherein ausschließt, aufgefallen ist, wurde sehenswert von Torsten Sarbok ausgekontert:

Sarbok,Torsten (2319) - Llaneza Vega,Marcos (2504)
SBL 0910 Werder Bremen - SK König Tegel (1.7), 17.10.2009


Stellung nach 28...Sc5:

Sarbok-Llaneza Vega Diagramm 1 Sarbok-Llaneza Vega Diagramm 1



Llaneza Vega hat (natürlich) mal wieder nicht rochiert, die Stellung ist unausgewogen und scharf. Er erhält im nächsten Zug eine Gelegenheit zum K.O: 29.f3?? 29.b4 Se6 30.c5 Kg7 29...gxf3 30.Dxf3

Sarbok-Llaneza Vega Diagramm 2 Sarbok-Llaneza Vega Diagramm 2



30...Td6? 30...d3! 31.Txd3 (31.Lxd3 Txd3 32.Txd3 Lxe4–+) 31...Sxd3 32.Lxd3 Db6+ 33.Kh1 h4–+ gewinnt nicht nur die Qualität, sondern leitet auch einen tödlichen Angriff ein. 31.b4 Tf6 32.De2 Se6 33.c5 Tg6 34.Tf1 h4 35.Ta3 d3?

Sarbok-Llaneza Vega Diagramm 3 Sarbok-Llaneza Vega Diagramm 3



Nun bedient er sich des gleichen Motivs, aber in sehr viel schlechterer Fassung: 36.Txd3 Sd4 37.Txd4! exd4 38.Dc4 Tf6 39.Lf4 39.Dxd4! 39...Dd7 39...Dc6 hält besser dagegen, aber ich gehe eh von starker Zeitnot aus. 40.Sxh4

Sarbok-Llaneza Vega Diagramm 4 Sarbok-Llaneza Vega Diagramm 4



Ich weiß nicht, wieviel Zeit der Spanier hier noch für seinen 40.Zug hatte, aber vermute, es kann aber nicht mehr viel gewesen sein. Der Zug ist zumindest sehr unglücklich: 40...Dg4?? Geradewegs aufs Abstellgleis. 41.Sf5+- und man sieht, dass Weiß komplett auf Gewinn steht, was Sarbok auch ziemlich sicher verwertete. 1-0 nach 64 Zügen.

Tegels Spitzenbrett Rabiega hatte Bremens traditionelles Spitzenbrett und nun nur noch Gelegenheitsspieler Luke McShane, der den Werderandern letztendlich die Vizemeisterschaft gesichert hat, ebenfalls schon fast auf der Schippe, ließ den Briten am Ende aber noch ins Remis entswischen. Nein, Tegel verkaufte insgesamt seine Haut sehr teuer, aber es gingen im Mittelfeld einfach zu viele Partien verloren.

DIE Stellung des Wettkampfes entstammt auch aus einer Partie, die zugunsten des Favoriten ausging:

Muse,Drazen (2367) - Hracek,Zbynek (2606)
SBL 0910 Werder Bremen - SK König Tegel (1.5), 17.10.2009


Stellung nach 40...Sh6:

Muse-Hracek Muse-Hracek



Eine tragikomische Stellung. Weiß, der sogar einen "Mehrbauern" besitzt, ist offensichtlich völlig gelähmt und muss auf die Freibauern und auf das Manöver Sh6-f5-d4xb3 achten, gefolgt von der Abholung des Sa4 durch den König. Das alles zusammen ist selbstverständlich unmöglich. Schwarz gewann schnell, indem er den h-Bauern durchschob. 0–1

Kommen wir zum sonntäglichen Geschehen. Sämtliche Teams traten in Hamburg unverändert an. Als ein kleiner Hallo-Wach-Effekt mit verspäteter Wirkung diente nach einer Stunde Spielzeit die Partie von Dennes Abel gegen Almira Skripchenko. „Die Partie“ trifft es nicht ganz genau, denn eigentlich waren es zwei. Die neue Anti-Schieber-Regel (kein Remis unterhalb von 20 Zügen), die ab dieser Saison gilt, aber vom Schiri nicht speziell angesagt wurde, ist anscheinend noch nicht in aller Munde (ich hätte es im Zweifel auch nicht gewusst) und forderte mit den beiden Genannten ihr erstes Opfer. Sie mussten eine im 16.Zug vereinbarte Remispartie etwa 5-10 Minuten nach ihrer Beendigung wieder aufnehmen und noch weitere 4 Züge absolvieren, bevor der Arbeitstag vollendet war. Ich bin auf diese Kuriosität inklusive der Partienotation bereits in meinem Schachzoo unter eingegangen und war überrascht aus dem Comments zu erfahren, dass die Regel auch unter den Schiedsrichtern noch keine große Verbreitung gefunden hat. Ich bin auch klar gegen die Regel in dieser Form, da ich diese einfach nur halbherzig formuliert finde (20 Züge sind viel zu wenig!), aber wenn dann sollte sie auch für alle gelten?!
Zurück zum Wettkampf SF Berlin – Werder Bremen, in dem als Nächstes unsere restlichen Weißpartien beendet wurden: Rainer verlor am zweiten Brett gegen den augenscheinlich hervorragend auf seinen 5.De2-Spanier eingestellten Zahar Efimenko, und ich ließ gegen Tomi Nyback eine subtile Nuance aus, die zu großem Vorteil geführt hätte (auch dieser Moment ist bereits ausführlich im Schachzoo dargelegt) und musste im Endspiel Remis machen.
Mikael Agopov spielte derweil gegen den sichtlich nicht in Form befindlichen Vlastimil Babula eine klasse Angriffspartie, aber fand einfach das „Tor“ nicht.

Agopov,Mikail (2452) - Babula,Vlastimil (2569) [B90]
SBL 0910 Schachfr. Berlin - Werder Bremen (2.6), 18.10.2009


1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.h3 g6 7.Le3 Lg7 8.Dd2 Sc6 9.0–0–0 0–0 10.g4 Ld7 11.Le2 Tc8 12.g5 Se8 13.h4 Da5 14.Kb1

Agopov-Babula Diagramm 1 Agopov-Babula Diagramm 1



Mikaels h3-Najdorf mutierte durch Babulas Setup zu einem Drachen, allerdings ist Weiß hier mit seinen Angriffsbemühungen schon erkennbar weiter fortgeschritten (unter anderem muss im Drachen der schwarze Springer sehr selten nach e8 gehen und die Türme versperren) und Babula hätte ganz schön aufpassen sollen. Stattdessen übersieht er ein eigentlich elementares Drachenmotiv: 14...Sc7? 14...Sxd4 15.Lxd4 Lxd4 16.Dxd4 Sc7 17.De3 b5 war anscheinend geboten. 15.Sb3? 15.Sxc6! bxc6 16.Sd5 Dxd2 17.Sxe7+ Kh8 18.Txd2 Tce8 Haben sie beide nur bis hierhin gerechnet? Wohl ja. (18...Tb8 19.b3 Tfe8 20.Lf4+-) 19.Lf4± 15...Lxc3 16.bxc3 Da4 17.h5 Se5 18.f4 Sg4 19.Ld4 Sb5 20.De1

Agopov-Babula Diagramm 2 Agopov-Babula Diagramm 2



20.Th4 Bei der Analyse schlug Mikaels Landsmann Nyback diesen Zug vor, nach dem "all black pieces are hanging". Wir kamen auch dazu, dass es gewinnt, aber ich kann mich nicht erinnern, dass wir uns den besten schwarzen Zug angeschaut hätten: 20...Sxd4! 21.cxd4 (21.Sxd4 Sf2!) 21...Sf2 22.Lb5 Sxe4 23.Lxa4 Sxd2+ 24.Txd2 Lxa4 25.Tdh2 Kg7 20...Sa3+? Schwarz ist gerade dabei seine beste Leichtfigur abzutauschen. Damit gibt er Mikael alle Trümpfe wieder in die Hand. 21.Kb2 Sc4+ 22.Lxc4 Dxc4 23.Dh4 Es ist schwer zu glauben, dass Weiß diese Stellung nicht gewinnt, aber es ist nicht so einfach, wie es den Anschein hat. 23...e5 24.fxe5 Er hätte sich das Zwischentauschen auf e5 auch lassen können, aber es ist wirklich kein großer Unterschied. 24.hxg6 h6 25.gxh6 exd4 (25...fxg6 26.fxe5 dxe5 27.h7+ Kh8 28.Dxg4! Der Knackpunkt. Das Vorhandensein von solchen Möglichkeiten entscheidet nur zu oft über Erfolg oder Scheitern eines Angriffs. 28...exd4 (28...Lxg4 29.Lxe5+ Tf6 30.Lxf6#) 29.Dxd7 Dxc3+ 30.Ka3) 26.g7 Dxc3+ 27.Ka3 Kh7 (27...Tfe8 28.h7+ Kxg7 29.h8D+ Txh8 30.Dg5+ Kf8 31.Txh8#) 28.gxf8D Txf8 29.Td3+- 24...dxe5 25.hxg6 h6

Agopov-Babula Diagramm 3 Agopov-Babula Diagramm 3



26.g7? 26.gxh6 ist wie gehabt: 26...exd4 (26...fxg6 27.h7+ Kh8 28.Dxg4! exd4 29.Dxd7+-) 27.g7 Dxc3+ 28.Ka3 Kh7 29.gxf8D Txf8 30.Td3+- Das mussten wir alles zu fünft oder zu sechst in der Post-Mortem-Analyse herleiten. 26...Tfe8 27.gxh6 Kh7 Weiß ist in der Sackgasse gelandet, der bedrohte Läufer muss jetzt aber trotzdem etwas unternehmen 28.Lc5 28.De1 exd4 29.Txd4 ist im Weiterspielsinne durchaus möglich, aber schon längst nicht mehr nach jedermanns Geschmack. 28...Txc5 29.Txd7 29.Sxc5 Dxc5 30.Td3 (30.Txd7 Db5+ 31.Kc1 Dxd7 32.Tg1 Sxh6 33.g8D+ Txg8 34.Txg8 Kxg8 35.Dxh6 Dg4 36.Kb2=) 30...Le6 31.Tg3 Dc4 würde bei mir als Mannschaftskollege bereits auch ein mulmiges Gefühl verursachen.

Agopov-Babula Diagramm 4 Agopov-Babula Diagramm 4



29...Dxc3+ 30.Kb1 Dxc2+ 31.Ka1 Dc3+ ½–½

Schade. Da stand ein glatter Sieg auf dem Brett.
Von den Schwarzpartien war diejenige von Stephan Berndt gegen „Colorado-Killer“ Zbynek Hracek die am wenigsten mitreißende. „Was spielt denn der Weiße für einen Dreck?“ oder ähnlich – solche Sätze fielen hinterher in der Analyse. Stephan erzielte ohne große Probleme ein Remis. Dann endete die Partie von Lars gegen den Spanier Llaneza Vega, der auch heute hätte für seine übermäßige Aggression bestraft werden können:

Llaneza Vega,Marcos (2504) - Thiede,Lars (2450) [B06]
SBL 0910 Schachfr. Berlin - Werder Bremen (2.7), 18.10.2009


1.e4 g6 2.d4 Lg7 3.Sc3 d6 4.Le3 a6 5.g4 b5 6.Lg2 Lb7 7.h4 h6 8.Sge2 Sf6 9.Sf4

Llaneza Vega-Thiede Diagramm 1 Llaneza Vega-Thiede Diagramm 1



Kampf der Systeme. Auf der einen Seite der Spanier, der immer losstürmt wie ein Berserker und dabei mit keiner Farbe an Bauernzügen geizt, gegenüber Lars, der solange ich ihn kenne die Modern Defence zelebriert und sich innerhalb der ersten 20 Züge immer auf den Reihen 6-8 einkuschelt und hofft, später die gegnerischen Bauernschwächen zu belagern und ihn auszukontern. 9...Dc8 10.Lf3?! Als ich das sah, musste ich lachen. Die weiße Stellung demonstriert rohe Gewalt, aber keinerlei Harmonie. 10...Sbd7 11.g5 ich hätte mein Pulver nicht so schnell verschossen, gebe aber zu, in einer derartigen Stellung würde ich mir eh ganz schön im Wald ausgesetzt vorkommen. 11...hxg5 12.hxg5 Txh1+ 13.Lxh1 Sh7 14.Dg4 c5!

Llaneza Vega-Thiede Diagramm 2 Llaneza Vega-Thiede Diagramm 2



Schwarz hat Nachzugsvorteil. Die weißen Figuren stehen planlos in der Gegend herum und greifen nichts an, während sein Zentrum auseinander fliegt. 15.Dh4 Shf8 Die Überdeckung am Königsflügel ist sehr angenehm für mein Auge. 16.dxc5 Sxc5 17.Sfd5?! Dass der Rechner schon für 17.e5 Lxh1 18.Dxh1 Lxe5 19.Scd5 mit kleiner Kompensation für Minusbauer plädiert, sagt schon viel aus. 17...Lxd5! 18.Sxd5 bis jetzt hat Lars eine absolut blitzsaubere Partie hingelegt. Jetzt kommt ein Lapsus: 18...Sa4?

Llaneza Vega-Thiede Diagramm 3 Llaneza Vega-Thiede Diagramm 3



18...Lxb2 "b2 or not b2?" 19.Tb1 Sa4 20.e5 Lxe5 21.Sb4 Se6 22.Lxa8 Dxa8 Mit großem schwarzem Vorteil war möglich. 19.Sf6+!? 19.e5! wäre besser. 19...Lxe5 20.De4 Tb8 21.f4 e6 22.fxe5 exd5 23.Dxd5± Endlich einmal eine Variante wo Weiß in der Mitte zum schwarzen König durchgebrochen ist, auch wenn es weiterhin sehr kompliziert bleibt. 19...Lxf6 19...exf6 20.gxf6 Lxf6 21.Dxf6 De6 22.e5 machts auch nicht besser. 20.gxf6 e5! 21.Dh8? Hat der Junge denn keinerlei Gespür für Gefahr? 21.0–0–0 war angesichts von zwei bedrohten Bauern in Königsnähe geboten und nicht gerade schwer zu finden. Aber ich hatte Lars ja noch am Samstag gewarnt, dass Llaneza Vega nie rochiert. 21...Sxb2 22.Lh6 Kd7–+ 23.Lxf8?

Llaneza Vega-Thiede Diagramm 4 Llaneza Vega-Thiede Diagramm 4



Die weiße Stellung war eh schon zerstört, da macht dieser endgültige Fehler nichts mehr aus, außer... 23...Dxf8?? 23...Dxc2! Setzt auf der Stelle den Genickschuss. Leider hat Lars nach seinen Angaben diese Möglichkeit nicht einmal betrachtet. Wie erzieht man dem Schachspieler endlich das automatische Zurückschlagen ab? 24.Kf1 Sd3 25.Dh3+ Kc6 26.De3 Txf8 27.Da7 Sc5–+ 24.Dh3+ Kc6 24...Kc7 war laut Lars besser. 25.Dc3+ Nun kommt der schwarze König gehörig unter Beschuss. Sogar der Ta1 macht mit. 25...Sc4 26.a4 Dh8 27.Lg2 Tb8 28.Lf1 Dxf6 29.axb5+ axb5 30.Lxc4 bxc4 31.Ta7

Llaneza Vega-Thiede Diagramm 5 Llaneza Vega-Thiede Diagramm 5



Spielt weiter auf Angriff, sofort zur Punkteteilung führte 31.Dxc4+ Kd7 32.Ta7+ Ke8 33.Dc6+ Kf8 34.Txf7+! Ich tippe mal, das hat er übersehen. 34...Kxf7 35.Dc7+ Ke6 36.Dxb8 Df4 37.De8+= 31...Tb1+ 32.Ke2 De6 33.f3 Tb7! 34.Ta8 f5 Versucht, selbst Spiel aufzuziehen, statt mit dem König zu fliehen, aber mittlerweile ist die Stellung eh Remis. 34...Kd7 35.Da5 Dh3 36.Dd5 35.Da5 fxe4 36.Da4+ Kc7 37.Da5+ Kc6 38.Da4+ Kc7 39.Da5+ Kc6 40.Da6+

Llaneza Vega-Thiede Diagramm 6 Llaneza Vega-Thiede Diagramm 6



und keine Seite kommt sinnvoll aus der Schaukel heraus. Noch eine Partie mit einer dicken verpassten Chance. ½–½

Damit war das Match gelaufen, denn wir hatten nur noch zwei schlechtere passive Stellungen in Form der Partien McShane – Lauber und Fressinet – Krämer zu verwalten. Beiden ist für die hartnäckige Defensivarbeit und die letztlich erzielten Punkteteilungen großer Respekt zu zollen. Gewinnchancen hatten beide aber im Verlauf der Partien keinerlei gehabt.
Dachten wir zumindest alle bis wir nach Hause kamen und Rybka und Co bemühten.
Nicht dass Martins Sieg in dieser Partie nicht doch ein bisschen zuviel des Guten gewesen wäre, aber hier noch ein bisschen Material zum Ärgern. Selten wird Bremen in dieser Saison so leicht zu schlagen sein wie an diesem Tag.

Fressinet,Laurent (2658) - Kraemer,Martin (2482)
SBL 0910 Schachfr. Berlin - Werder Bremen (2.3), 18.10.2009


Stellung nach 31...Tf6:

Fressinet-Kraemer Diagramm 1 Fressinet-Kraemer Diagramm 1



Weiß ist seit der Eröffnung leicht am Drücker, aber Schwarz steht sehr solide und hat keinen besonderen Grund zur Panik. Worauf in solchen typischen Situationen beide Partner oft nicht achten, sind teilweise die aus dem Nichts aufkommenden taktischen Gegenchancen. 32.Dg5 Te8 33.h5?

Fressinet-Kraemer Diagramm 2 Fressinet-Kraemer Diagramm 2



Sieht aus wie der logischste Zug der Welt, aber... 33...h6? Martin war im Nachhinein beim Mannschaftsessen im Fischrestaurant zurecht froh, diesen Ausgleichszug gefunden zu haben, das dies aber nicht der optimale Zug war, stellte sich erst bei der Analyse mit dem Rechner raus. Möglich war 33...Lxe4! 34.Te3 (34.fxe4?? Tf1+; 34.Te1 Dd8!! Das kann man ruhig mal übersehen. 35.Td2 Lb7 36.Txe8+ Dxe8 37.Dxf6 De1+ 38.Lf1 Dxd2 ist schwarzer Mehrbauer.; 34...Txf3 35.Dxe7 Txe7 36.Txf3 Lxf3 37.Txd6 Kg7 und Schwarz hat einfach einen Bauern mehr, auch wenn es noch ein weiter Weg ist. In der Partie dagegen erhielt nach kurzem Mittelspielkampf Fressinet den Mehrbauern, wobei Martin das Endspiel bravourös gerettet hat. 34.Dd2 De5 35.Lg2 Dxh5 35...Dxg3 sollte er sich getraut haben. 36.Txd6 Txd6 37.Dxd6 Dg5 38.Kf2 Kg7 39.Td2?! h5 40.f4 De7 41.Dxe7 Txe7 42.e5 Lxg2 43.Kxg2 a5 44.Td5 a4 45.Txc5 axb3 46.axb3 Tb7 47.Tc3 f6

Fressinet-Kraemer Diagramm 3 Fressinet-Kraemer Diagramm 3



Das Endspiel sollte Remis sein, da der schwarze König unverhinderbar zu großer Aktivität kommt. Dies auch bis zum Ende durchzuhalten ist aber trotzdem eine gute Leistung. 48.exf6+ Kxf6 49.Kf3 Kf5 50.Ke3 Kg4 51.Kd2 g5 52.fxg5 Kxg5 53.Te3 Tb8 54.Kc3 Tc8+ 55.Kb2 Tb8

Fressinet-Kraemer Diagramm 4 Fressinet-Kraemer Diagramm 4



Der Freibauer hat bisher noch nicht die Brettmitte überschritten, also reichen zur Verteidigung stumpfe Schachs. 56.Te4 Tf8! Die Rettungsidee ist die ständige Bereitschaft, den Bg3 zu beseitigen. 57.Te3 Tb8 58.Kc3 Tc8+ 59.Kd4 Tb8 60.Kc5 Tc8+ 61.Kd5 Tb8 62.Kc4 Tc8+ 63.Kd3 Tb8 64.Ke2 Tb7 65.Td3 Tb8 66.Kd2 Kg4 67.Ke1 Tb7 68.Kf2 Kg5 69.Kf3 Tb8 70.Tc3 Tf8+ 71.Ke4 Tb8 72.Kd3 Kg4 73.Kd4 Kh3 74.Ke5 Tb4 75.Kd6 75.g4+ Kxg4 76.Tc4+ Txc4 77.bxc4 h4 78.c5 h3 79.c6 h2 80.c7 h1D 81.c8D+ ist zwar total remis, aber überraschender Weise hat Schwarz nur einen möglichen Zug von immerhin 5 legalen.

Fressinet-Kraemer Diagramm 5 Fressinet-Kraemer Diagramm 5



75...Tb6+ 76.Kc5 Tg6 77.b4 ½–½

Am Ende stehen (für die, die nicht mitgezählt haben) zwei ärgerliche 3,5:4,5–Niederlagen. Damit liegt man in der höchst aussagekräftigen Tabelle zwar immerhin vor Tegel, die auch gegen Hamburg trotz einer wieder guten Leistung sich geschlagen geben mussten und noch vor ein paar anderen Mannschaften, aber es ändert nichts daran, dass für beide Berliner Vereine Punkte her müssen, und zwar so schnell wie möglich. Diese waren vorsichtig für das nächste Spielwochenende in Emsdetten eingeplant, diese grüßen allerdings momentan als Tabellenführer und werden wenig Neigung verspüren, diesen Status gerade gegen solche „Kätzchen“ wie uns abzugeben. Was mir an diesem Wochenende auf jeden Fall gefallen hat, ist eine sehr geringe Anzahl an groben Fehlern in unserer Truppe. Chancen auslassen ja, aber immerhin keine üblichen groben Einsteller. Wenn diese auch weiterhin nicht heimsuchen werden, dann behaupte ich mal, dass wir die Klasse halten können.
Alles Gute bis zur 3./4. Runde in Emsdetten also!
 

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erstellt am 24.10.2009

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