Ins Ziel gestolpert worden
Der internationale Meister Ilja Schneider spielt für die SF Berlin in der Schachbundesliga und wird wie in der Saison 2008/09 auf der Webseite der Schachbundesliga über die Kämpfe seines Vereins berichten. Der 25-jährige ist regelmäßig auf Turnieren unterwegs und berichtet darüber auf seinem Blog "Schachzoo": pointiert und schachlich lehrreich.
Von Ilja Schneider
Ilja Schneider, der am letzten Bundesliga-Wochenende in Bremen für seinen Verein SF Berlin spielte, berichtet von den Kämpfen gegen Werder Bremen und SK Turm Emsdetten und vom Sieg Luke McShanes gegen Jan Gustafsson, der den Werderanern den Vizemeister-Titel sicherte.
Die Berichterstattung vor der letzten Bundesligadoppelrunde fand ich schon etwas einseitig. Nach der nun engültigen Entscheidung des TV Tegernsee, am vorzeitig verkündeten Rückzug festzuhalten, konnte man nun überall nachlesen, dass die Spannung aus dem Abstiegskampf nun vollständig raus sei. Das Duell in der letzten Runde zwischen SF Berlin und Turm Emsdetten "degradierte" wieder vom Abstiegsendspiel zu einem Prestigekampf um den Platz des besten Aufsteigers und den sportlich sicheren 12. Rang.
Trier kam in dieser Formel irgendwie a priori gar nicht vor. Die Sensationsmannschaft aus dem Vorjahr hatte die Saison mit einer Flut von 3,5:4,5- Niederlagen völlig verkorkst, konnte aber mit zwei Siegen noch die unterlegene Mannschaft des Bremer Prestigeduells abfangen. Man kann nicht sagen, dass sich dies positiv auf den Nervositätspegel auswirkt. Soweit ich es überblicken kann, musste ich das letzte Mal im Jahre 2003 etwas in der letzten Runde eines Mannschaftskampfes auskämpfen.
Die Trierer Aufstellung (gegen Bayern München und Tegernsee) ließ zwar von der Papierform her kein großes Aufbäumen erwarten, trotzdem gingen in Bremen die Blicke nur allzu häufig nach Remagen, wo unser Schicksal auf diese Weise quasi mitentschieden wurde. Ich persönlich hatte besonders am Samstag leider zu viel Zeit, mich dem Kampf Bayern - Trier zu widmen, denn diesmal hat meine Colorado-Verteidigung (1.e4 Sc6 2.Sf3 f5!!?) gegen Zbynek Hracek wirklich nicht den besten Tag erwischt. Wenigstens hat mich mein Gegner nicht lange leiden lassen.
Hracek,Zbynek (2613) - Schneider,Ilja (2486)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.4), 28.03.2009
Stellunga nach 25...Kh8:
26.f3! Eindeutig am schnellsten und schönsten. 26...Lxf3 27.Tf1 Le4
28.Txf8+! Eine Lehrbuchkombi. 28...Txf8 29.De7 Tg8 30.Tf1 h6 31.Tf8 1-0
Bremen schien sich überhaupt einiges vorgenommen zu haben. Wahrscheinlich war die bittere 3,5:4,5 Niederlage vor zwei Jahren noch in schmerzlich guter Erinnerung vorhanden.
Nach meinem Eigentor verlor auch Punktegarant Arnd Lauber:
Lauber,Arnd (2497) - Roiz,Michael (2677)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.3), 28.03.2009
Stellung nach 14...Se5:
15.c4 Unabhängig von den aktuellen Geschehnissen in dieser Variante und Ausführungen Topalovs, der für dieses Vorgehen stimmt, erwiesen Arnd, Henrik Rudolf und ich uns beim Post Mortem als unfähig, die weiße Bauernmasse mit Vorteil zur Geltung zu bringen und beschlossen, eventuell sofort f4 zu ziehen. 15...a6 Nun kann Schwarz schneller mit b7-b5 aufrollen und einen Freibauern bilden. 16.f4 Sxd3 17.Dxd3 b5 So oder so steht gleich also ein schwarzer Freibauer auf dem Brett. Arnd versucht, ihn einerseits in der c-Linie zu blockieren und andrerseits seinen wichtigsten Supporter, den Lg7 zu stopfen. Trotzdem machen die beiden nächsten weißen Züge einen inkompatiblen Gesamteindruck. 18.Tfc1?! 18.Dc2 18...Da519.Sg3?! Nun ist es angerichtet für den e5-Vorstoß, aber der Springer steht im Abseits, während der Läufer, den er von f5 abhält, einfach sofort über b5 aktiviert wird: 19...bxc4! 20.Dxc4 Lb5 21.Dc2 c4 22.e5
22...Tfd8 Schwarz steht klar besser. Die schwarze Strategie hat triumphiert. 23.De4 Nun rennt der Bauer unaufhaltsam. 23.Se4 Txd5 24.Sc3 Td3 25.a4 hält noch ein wenig länger durch, auch wenn einfach 25...Lxa4! 26.Sxa4 Txe3 27.Sb6 Dc5 28.Kh1 Tc7 mit klar besserer Stellung folgt. 23...c3 24.a4 Dxa4 25.Lb6 Td7 26.Dxa4 Lxa4 27.Se4 c2 28.Tb4 Txd5 0-1
Die hintere Hälfte des Kampfes lief weitaus besser, auch wenn man damit nicht mehr aufholen konnte, was hinten verbockt wurde. Henrik Rudolf und Lars Thiede erzielten jeweils ein Remis aus Position der Stärke heraus, wobei Rudi sogar noch einen Trick mit guten Erfolgschancen hatte, wobei objektiv das Gleichgewicht nicht gesört war.
Rudolf,Henrik (2368) - Fish,Gennadij (2531)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.7), 28.03.2009
Stellung nach 26...Tab8:
27.Td8 Gennadij Fish erklärte Rudi nach der Partie, dass dieser in Zeitnot mittels 27.Lxb7 einen Bauern herausschrauben konnte. Dies ist im Prinzip richtig , aber nach 27...Txb7 (27...h5!? ist Rybkas unauffindbarer Vorschlag mit der Idee 28.Lxa6 Lg4 gewisse Überlastung in Reihen des Weißen aber 29.Tc4 De3 30.Txg4 (30.Tg1 De6) 30...hxg4 31.Ld3 bringt alles in Ordnung, mit Vorteil.) 28.Td8 Ld7 29.De7 (29.T1xd7 Tb8 30.Txe8+ Txe8 31.h3 Dxc2 ergibt nichts.) 29...Dxb4 30.Txe8+ Lxe8 31.Dxe8+ Df8 32.Dc6 Ta7 33.c4 Ta8 sollte Schwarz immer noch zu retten sein. Es wäre aber gehaltvoller als die Partie, wo nach 27...g6 28.h3 Dxc2 29.Txb8 Txb8 30.Td8+ Txd8 31.Dxd8+ Kg7 32.Dd4+ Kg8 33.Lxb7 Lc4 die Dauerschachanfälligkeit des weißen Königs jegliche Versuche verhinderte. Remis (45) ½-½
Und Marco Thinius, der an sich eine sehr gute Saison gespielt hat, nahm leider vielleicht etwas zu voreilig Remis an. Natürlich muss man dabei bedenken, dass er eine schwierige Verteidigung hinter sich hatte und immer noch in schwerer Zeitnot war.
Skripchenko,Almira (2455) - Thinius,Marco (2421)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.8), 28.03.2009
Stellung nach 30.Te5:
In dieser Stellung wurde Remis vereinbart. Man erkennt irgendwie die Konturen eines ehemaligen weißen Königsangriffs, der nicht so richtig in die Gänge kommen wollte. Drei Bauern sind zwar formal eine angemessene Entschädigung für den fehlenden Stein, aber die schwarze Aufstellung verhindert recht zuverlässig das bilden und Vorrücken von weißen Freibauern. Es könnte folgen: 30.Te5 Sf4 (30...Sc3 ist laut dem Superfisch fast genau so gut, aber wollen wir uns nicht vertiefen....) 31.Tae1 (31.Lf1 Tg8 32.g3 b6 und nach Sg6 muss der Turm mit leeren Händen zurück.; 31.Lxf5 Tg8! 32.Lg4 Alles andere verliert. 32...Lxg4 33.fxg4 Txg4 34.g3 Tc6 ist auch deutlich besser für Schwarz.) 31...Tf8 32.Te7 Td6 33.d5 Sg6 und immer hat Schwarz deutlich die Oberhand. ½-½
Am nächsten Morgen berichtete Jan Markos am Frühstückstisch, dass er gegen Laurent Fressinet eine wundersame Rettung im Bauernendspiel verpasst habe. Der Gegner habe es ihm nach der Partie mitgeteilt. Trotz einiger Zweifel erwiesen sich meine Blindspielfähigkeit nicht als adäquat, um seine Aussage in Frage stellen zu können. Letztendlich erwies sich die Rettung aber doch als Ente - wenigstens muss sich Jan nicht so ärgern und die Bauernendspielspielbücher müssen nicht umgeschrieben werden.
Markos,Jan (2557) - Fressinet,Laurent (2676)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.1), 28.03.2009
Stellung nach 40.Sc3:
In einem etwa gleichen Endspiel geriet Weiß langsam, aber sicher unter Druck. Nun versucht er zu forcieren: 40...b5 41.f4+ Ke6 42.Kf3 42.Kd2 Kd6 43.e4?! War die angesproche Idee. Weiß will in einem Bauernendspiel mit Bauer durch beiderseitige Umwandlung remis halten. 43...Sxe4+ (43...fxe4 44.Ke3) 44.Sxe4+ fxe4 45.Ke3 Kd5 46.g4 a5 47.f5 gxf5 48.gxf5 Immerhin hat Weiß noch die Chance, dass Schwarz fehlgreift. Es gewinnt nämlich nur ein Zug. 48...Ke5! gewinnt elegant. a) 48...b4? Das ist quasi die weiße Idee. 49.axb4 a4 (49...axb4 50.f6 Ke6 51.Kxe4) 50.f6 Ke6 51.b5 a3 52.b6 a2 53.b7 a1D 54.b8D=; b) 48...a4? Läuft in eine bekannte Festung. 49.f6 Ke6 50.Kxe4 b4 51.Kd3 b3 52.Kc3= und diese Pattmaschine wird man nicht mehr los.; 49.f6 Kxf6 50.Kxe4 Ke6 Und unter Umgehung der typischen Pattfalle wird Schwarz gewinnen. 51.Kd4 Kd6 52.Ke3 (52.Kd3 Kd5) 52...Kc5 53.Kd3 Kd5 54.Kc3 Ke4 55.Kd2 (55.a4 b4+ 56.Kc4 Ke3) 55...Kd4 56.Kc2 Kc4 57.Kb2 Kd3 58.a4 (58.Kb3 a4+ 59.Kb4 Kc2) 58...b4 59.Kb3 Kd4 60.Kc2 Ke3 (60...Kc4 61.Kb2 b3? 62.Ka3) 61.Kb3 Kd3 62.Kb2 Kc4 63.Ka2 (63.Kc2 b3+) 63...Kc3] 42...Sb3 43.Ke2 [43.g4 Sd2+ 44.Ke2 Sc4 45.gxf5+ gxf5 46.Sb1 ist besser, weil Weiß ein kleineres Gelände verteidigen muss als in der Partie. Außerdem kann der schwarze König nicht über d4 einfallen. 43...Sa5 44.e4 Sc4 45.exf5+ gxf5 46.Sb1
Nun kann der Springer nie mher ziehen, ohne den a3 zu verlieren. Dummerweise, auch wenn letzterer durch den König auf b3 gedeckt ist. 46...Kd5 47.Kd3 Kc5 48.Kc2 Kd4 49.Kb3 a5 Der Qualitätsunterschied der Figuren ist gigantisch. Weiß kann einfach nichts mehr ziehen. 50.Sc3 Sxa3 siehe oben! 51.Se2+ Ke3 52.Sc3 Kf3 53.Sd5 Sc4 54.Se7 Sd6 55.Sc6 Kxg3 56.Sxa5 Kxf4 57.Kb4 Ke3 58.Kc5 f4 59.Sc6 f3 Von Schwarz technisch wirklich gut gemacht. 0-1
Ähnlich erging es leider auch Stellan Brynell in seinem ersten Saisonspiel gegen Nationalspieler Georg Meier. Er verlor ein optisch völlig ausgeglichenes aber vom Gegner stark vorgetragenes Endspiel.
Als Bonbönchen für alle SF Berlin Fans tatsächlich doch noch eine Gewinnpartie. Stephan Berndt gewann gegen die finnische Nr.1 Tomi Nybäck zum 2,5:5,5.
Berndt,Stephan (2440) - Nyback,Tomi (2639)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.5), 28.03.2009
Stellung nach 24...Sxh2:
Man erkennt deutlich das Bild eines geschlossenen Spaniers, in dem bisher nichts besonderes passiert ist. Schwarz hat sich sogar grade mit dem Tausch eines Figurenpaars das Leben etwas erleichtert. 25.Kxh2 f6 26.Sh3 f5 27.Sg5 27.Ld2 vielleicht wäre dies ein guter Moment, erstmal den Vorstoß b5-b4 aus der Welt zu bringen. 27...Tb7 27...b4 28.c4 ist nur eine kleine Nuance, aber der a5 könnte mal schwach werden. 28.Tg1 Lf6 29.Ld2 Te7 30.b4! c4 Nun muss sich Weiß hier keine Sorgen mehr machen. Außerdem verfügen jetzt der Läufer und die Dame über eine Einfallstraße ins gegnerische Lager. 31.Taf1 Se8? stellt sich für einen Moment unkoordiniert hin. (e6 und h5 unausreichend gedeckt). Weiß nutzt dies sofort aus: 32.exf5 gxf5
33.Se6! Txe6 Wählt in diesem Fall das größere Übel. Nach 33...Lxe6 34.dxe6 Lh8 35.Lg5 Lf6 36.Le3 Lg7 37.g4 hxg4 38.fxg4 f4 39.Lb6 Da8 40.Lf5 Hängt Schwarz auch schon in den Seilen, aber es ist denkbar, dass Weiß opfern müssen wird, um weiterzukommen. 34.dxe6 Lxe6 35.g4 Schwarz hat sogar keine schlechte Struktur, aber hier zählt einfach die rohe Gewalt. 35...hxg4 36.fxg4 Lg7 36...fxg4 37.Lf5 und Schwarz ist blank. 37.Lg5 37.gxf5 37...Dd7 38.gxf5 Lxf5 39.Lxf5 Txf5 40.Dg4 Tf7 41.Txf7 Dxf7 42.h5 d5? Missachtet die Drohung, doch eine erfolgreiche Verteidigung war in jedem Fall undenkbar: 42...Kh8 43.h6 Lf6 (43...Lf8 44.Dh3 gefolgt von Tf1.) 44.Lxf6+ Sxf6 45.Df5 und Schwarz muss die Damen tauschen, wonach sein Damenflügel verfrühstückt wird. 43.h6 1-0
Da sich Trier währenddessen mit Mühe und Not mit 4,5:3,5 gegen Bayern München durchgesetzt hatte, blieb quasi alles beim Alten. Es hieß weiterzittern und hoffen, dass sich Tegernsee möglichst nicht mit zwei Niederlagen aus der Liga verabschieden will.
Auf unserer Seite wurde es am nächsten Tag trotz des eingeflogenen Kapitäns Rainer zunächst auch nicht wirklich besser. Die Blicke gingen in hohem Maße wieder nach Remagen und die eigenen Bretter gerieten mehrheitlich unter Druck. Emsdetten ließ sich einfach nicht vom Aufstellungstrick beirren.
Als allererstes wurde offensichtlich, dass am Spitzenbrett Jan Markos ein schweres Leben haben würde:
Hector,Jonny (2551) - Markos,Jan (2557) [B30]
BL 0809 SF Berlin - SK Turm Emsdetten (15.1), 29.03.2009
1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.Lb5
4.e5 hat Hector auch schon gespielt. Es wird dann ziemlich wild nach etwa 4...Sg4 5.De2 Dc7 6.d4 cxd4 7.Sb5 Db8 8.Lf4 f6 usw. 4...Dc7 5.d3 a6 6.Lxc6 Dxc6 7.e5!
Mir erschien während der Partie dieser Zug als etwas zu wirrköpfig nach vorne gespielt aber es sieht so aus, als ob der Schwede genau wusste, was er tat. 7...Sd5 8.Sxd5 Dxd5 9.c4 Dc6 10.d4
Das moderne Konzept: Stellung öffnen gegen das Läuferpaar. 10...cxd4 Der Sizi-Reflex, aber es könnte gut und gerne 10...b5 11.cxb5 axb5 12.d5 (12.0-0 e6) 12...Dg6 13.0-0 e6 14.d6 Lb7 gehaltvoller sein. Ich denke nicht, dass Schwarz matt wird, während der Weiße ein gewisses strategisches Risiko eingeht. Aber am Brett ist sowas nicht zu beurteilen. 11.Dxd4
11...g6?! So schafft Schwarz die Rochade nicht. 11...e6 12.0-0 b5 wäre interessant. 12.0-0 Lg7 13.Dh4! h6 14.b3 g5 15.Dg3 b6 15...b5 zerstört sich auch den zweiten möglichen Rochadeflügel aber lässt Weiß wenigstens nicht die volle Kontrolle übernehmen. 16.La3 Lb7 17.Tad1 Dg6 17...b5 18.Tfe1 bxc4 19.Sd4 Dg6 20.bxc4 kommt mittlerweile schon zu spät. 18.Tfe1 e6
19.h4 Rybka findet dies zu voreilig und möchte mit ewa 19.Sd4 fortfahren. 19.Sd4 Der Vorteil davon ist, dass Schwarz fast nichts sinnvolles unternehmen kann. 19...Lf8 19...Df5 20.hxg5 0-0-0! mit etwas Hoffnung in der h-Linie. 20.Lxf8 Txf8 21.hxg5 0-0-0 22.Td6 Th8 23.Ted1 Mein Rechner will es technisch gewinnen: 23.Sh4 Dxg5 24.Txb6 Dxg3 25.fxg3 und hat vermutlich recht. 23...hxg5 24.Sxg5 Th5 Diesen Zug braucht Schwarz nicht unbedingt, er hätte lieber dem anderen Turm die Hände entbinden sollen: 24...Lc6 25.f4 Tdg8 26.a4 f6 27.exf6 Dxf6 mit zwei vagen Ideen: Quallenopfer auf g5 oder ein Damenschach auf c5 25.f4 Tdh8 26.Kf2 Lc6
27.Txc6+! Natürlich. Wenn Weiß zu vorsichtig spielt, etwa 27.Dd3 , dann kassiert er selber ein Quallenopfer: 27...Txg5 28.fxg5 Dxg5 29.Dg3 Tg8 30.Dxg5 Txg5 und hat sehr große Schwierigkeiten die Partie überhaupt zu gewinnen. 27...dxc6 28.Df3 Kb8 29.Td7?!
Sieht beängstigend aus, ist aber nicht das Beste. 29.Td6! Der Sinn dieses Zuges wird alsbald deutlich. 29...Tc8? Genau das hat Hector gewollt. Wäre aber 29...Dc2+ gekommen, wer weiß wie die Partie dann ausgegangen wäre. 30.De2 (30.Kg3 Dc1 und Ausgleich wie etwa nach 31.Txf7 (31.Dxc6? De1+ 32.Kf3 verliert sogar: 32...Th3+!! 33.Sxh3 Txh3+ 34.gxh3 Dh1+ Deshalb 29.Td6! , dann wäre die Dame gedeckt... AHAAAA!) 31...Txg5+ 32.fxg5 Dxg5+ 33.Kf2 Td8) 30...Dxe2+ 31.Kxe2 Tf8 32.Kf3 und das Endspiel ist natürlich trotzdem sehr schwer zu spielen, aber nicht hoffnungslos. 30.De3! c5 31.Df3 Tc7 32.Td8+ Tc8 33.Txc8+ Kxc8 34.Dc6+ Nun ist die Partie gelaufen. Jan wehrte sich noch lange nach Kräften aber Jonny Hector erledigte den Rest sicher. 1-0
Rainers Partie kam auch beileibe nicht gut in Gang, aber er konnte den Schaden noch in Grenzen halten und nach einer gegnerischen Unachtsamkeit auf den Zugwiederholungszug aufspringen, ähnlich wie Stellan im Duell mit seiner Landsfrau Pia Cramling in Emsdettener Diensten. Während der Partie stand er die ganze Zeit optisch gedrückt, aber eine grobe Durchsicht ergab nicht, dass die Weiße irgendetwas Zählbares erreichen konnte. Am Ende war der weiße Freibauer sehr gut blockiert und das Turmendspiel remis.
An Brett 4 hatte allerdings Arnd Lauber nun wirklich nicht sein bestes Wochenende erwischt und musste seine zweite Niederlage in Bremen quittieren:
Lauber, Arnd (2497) - Janssen, Ruud (2524)
BL 0809 SF Berlin - SK Turm Emsdetten (15.4), 29.03.2009
Stellung nach 14.f3:
Nimzoindisch. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir die weiße Stellung eh nicht mehr besonders gut gefällt, aber nach 14...0-0-0 15.0-0-0?! Sf4 fällt mir einfach nichts ein, was Weiß jemals unternehmen soll. 16.Lf1 16.Lxf4 gxf4 17.Kb2 Thg8 18.Sb3 Dg5 macht auch nicht gerade glücklich. 16...h5 17.h4 Sg6 17...g4 18.Lxf4 exf4 19.Kb2 ist halbwegs OK für Weiß. 18.hxg5 Dxg5 19.Lf2 h4 20.Kb1 20.Kb2 20...Sf4 21.Le3 Kb8 22.Da4
22...c5! Irgendwas sagt mir, dass Nimzowitsch seine helle Freude an dieser Partie gehabt hätte. 23.Ka1 exd4! Der Doppelbauer wird aufgelöst, die schwachen Felder bleiben. 24.cxd4 cxd4 25.Lxd4 Sc5 26.Dc2 Thg8 27.Sb3 f5
28.e5? Verliert so gut wie auf der Stelle, während 28.Sxc5 bxc5 29.Lc3 eine Möglichkeit darstellte, den Gegner wenigstens etwas zu schwächen. 28...h3! und Weiß verliert eine Menge Material. 29.Dc1 hxg2 30.Lxg2 Sxg2 31.Dxg5 Sxb3+ 32.axb3 Txg5 33.exd6 Tg6 34.d7 Te6 35.c5 Lxf3 36.cxb6 axb6 An sich ist Zurückschlagen meistens etwas Triviales, aber hier galt es 36...Lxd1 37.Th8! aus dem Weg zu gehen, wonach Weiß lebt: 37...axb6 38.Txd8+ Kc7 39.Tg8 Kxd7 40.Txg2 37.Th8 und wegen Kc7 0-1
Hinten beendete Marco Thinius seine gute Saison noch mit einem Sieg gegen Christian Richter:
Thinius, Marco (2421) - Richter, Christian (2403)
BL 0809 SF Berlin - SK Turm Emsdetten (15.8), 29.03.2009
Stellung nach 16...Sdc5:
Der Se6 wirkt wie ein Fremdkörper und erlaubt den typischen Einfall. 17.Sf5! gxf5 Was sonst? Er kann sich ja kaum den Lg7 wegtauschen lassen...18.exf5 Dh4 18...a5 verhindert das folgende b4. Man kann aber natürlich verstehen, dass Richter schnell aus der Fesselung will. 19.fxe6 Lxe6 20.b4 Sa6 21.a3 Weiß hat klaren, dauerhafen Vorteil und braucht sich nicht zu beeilen. 21...h6 22.Se4 Lf5 23.Ld3 d5 24.cxd5 cxd5 25.Sg3 Lxd3 26.Dxd3
Der Unterschied der Figuren ist so groß, dass Schwarz ohne direkte Drohungen parieren zu müssen, quasi auf Verlsut steht. 26...Sc7 27.Sf5 Dc4 28.Lxh6?! 28.Sxg7 und baldiger Einstieg auf e7 ist einfacher. 28...Dxd3 29.Txd3 Kxg7 30.Ld4+ Kh7 31.Te7 und Schwarz kann aufgeben. 28...Dxd3 29.Txd3 Lxh6 30.Sxh6+ Kf8 31.Sf5?! Macht sich normalerweise etwas mehr Arbeit... 31.Tf3! Kg7 (31...Td7 32.Tg3 und es geht ein Turm drauf.) 32.Txf7+ Kxh6 33.Txc7 Mit Gewinn. 31...Td7 32.Sh6
und Richter überschitt vermutlich zu Marcos Erleichterung die Zeit. 1-0
Leider verlor Lars Thiede seine interessante, aber keineswegs schlechte Stellung gegen Bellon Lopez, so dass der Kampf beim Stande von 2:4 quasi gelaufen war. Dafür war genau dies auch der aktuelle Spielstand in der Begegnung Trier - Tegernsee. Tegernsee hat sich in seiner üblichen Manier auf die hinteren Weißbretter verlassen und alle anderen Partien mit mehr oder weniger Aufwand schnell ins Remis geschickt... aber was solls, es hat gereicht!
So konnten es Stephan Berndt und ihr Autor recht gemütlich angehen lassen. Am Ende hielt Stephan sein Endspiel gegen Wunderkind Anish Giri ohne größeren Ärger remis - Ärger bereitete ihm nach eigener Aussage am meisten der Fakt, dass Giri in dieser Saison noch mit einer solch geringen ELO-Zahl von 2466 ausgewertet wird :-) - und ich konnte die an sich verkorkste, coloradoverseuchte Saison durch folgendes Ende halbwegs versöhnlich gestalten:
Spoelman, Wouter (2459) - Schneider, Ilja (2486)
BL 0809 SF Berlin - SK Turm Emsdetten (15.5), 29.03.2009
Stellung nach 41.Db4:
Ich hatte in der Zeitnotphase einen Bauern gewonnen, aber an dieser Stelle wurde es klar, dass er wieder über Bord gehört, um größeren Ärger zu vermeiden. 41...De6 42.Txa4 Txa4 Mit Remisgebot, was mein Gegner zum Unverständnis von Anish Giri :-) ablehnte. 43.Dxa4 h5! 44.Db5 h4
45.Se2?! Es lohnt sich für Weiß, dem Spiel schon hier mit 45.Dxe5 eine neue Wende zu geben. Und nun 45...Dxe5 46.Sxe5 Te7 47.Sxg6 Kxg6 48.Sf5 Td7 49.Sxh4+ Mit dynamischem Ausgleich. 45...Sh5 45...Sxe4! ist in einer praktischen Partie sehr chancenreich. 46.fxe4 Lxe4 47.Sc3 Lc6! 48.Dc5 Nun verstellt die Dame ihren Läufer. 48...Lxg2! Mit Angriff. 46.Sa5 Tf7?! Nur ein Nullzug. 46...Lc8! 47.Sxb7 Txb7 48.Tc6 Da2 49.Dd3 Sg3 Hier fühlte ich mich schon im Vorteil, aber 50.Sc1! öffnet einem schnell die Augen. 50...Df7 50...Da1 51.Dd6 ist nah am Selbstmatt. Es geht zwar noch 51...Se2+ 52.Kh2 Sf4 53.Le3 aber hier bricht Schwarz doch zusammen. 51.Dd8 Dd7! Der h4 ist nicht zu nehmen. 52.Dxd7 Txd7 Und nun muss wieder Weiß aufpassen, außerdem hatte er so gut wie keine Zeit mehr. 53.Kh2 Td1 54.Kh3 Th1+ 55.Kg4 Th2
56.Tc2? Da kommt der Fehler! Das Festhalten an g2 kostet am Ende den König. 56.Sd3 Txg2 57.Kxh4 Sf1 58.Sf2 und man kriegt wohl kein Matt zustande. 56...Sh5 57.Lg1 57.f4 ist schon der Luftröhrenschnitt als einzige möglich Maßnahme. 57...Sxf4 und Schwarz sollte gewinnen. 57...Th1 58.Se2 Sf6+ 59.Kg5 h3 Und der Bauer, der nicht genommen werden kann, geht zur Dame. 60.g4 60.gxh3 Txh3 und Matt.; 60.Kh4 Txg1 61.Sxg1 h2 60...h2 61.Lf2 Tg1 62.Sg3 Txg3 63.Lxg3
63...Sxe4+ Naja. 63...h1D 64.Th2+ und nun wahlweise 64...Lh6+ (oder lieber 64...Sh5! ) 64.fxe4 Lh6+ 65.Kf6 h1D 66.Tc7+ Kg8 67.Tc8+ Lf8 68.Lxe5 Df3+ 69.Kg5 Kf7 0-1
3,5:4,5. Wieder verloren, aber es gibt beileibe Niederlagen, die schmerzhafter sind, als diese.
So verließen wir um 16:30 erleichtert das Weserstadion, doch die Saison war noch nicht ganz zu Ende.
Die seit Wochen an sich wohl wichtigste Fragestellung der Saison, nämlich die nach dem Deutschen Vizemeister, hatte sich zu diesem Zeitpunkt auf eine einzige Partie herunterdestilliert. Nach dem verkorksten Saisonstart von "Favorit" :-) Werder Bremen wurden in abwechselnder Reihenfolge Tegernsee, Mülheim, Eppingen oder Solingen als mögliche Kandidaten gehandelt. Doch sie alle patzten dann und wann und so hatte sich das Ganze plötzlich zur Brettpunktefrage entwickelt. Die letzte Partie der Saison, Mc Shane - Gustafsson, konnte Werder durch einen Sieg tatsächlich den "Best of the rest"-Titel bringen, ein Remis war aber nur für Platz 4 gut und wäre in Tegernsee groß gefeiert worden. Nach 7 Stunden Spielzeit fiel unter einer großen Zuschauertraube dann die Entscheidung:
McShane, Luke (2596) - Gustafsson,Jan (2634)
BL 0809 Hamburger SK - Werder Bremen (15.1), 29.03.2009
Stellung nach 88.Ke3:
Man beachte, dass wir uns im 88.Zug befinden. Die Partie zwischen Banker McShane (der extra für dieses Spiel eingeflogen wurde) und Pokerspieler Gustafsson ist bis dato dermaßen langweilig verlaufen, dass ich ab der Eröffnung konstant mit einem schnellen Remisschluss gerechnet habe. Doch hätte sowohl ich als auch Gusti gewarnt sein sollen: In seinem hervorragenden Buch "Schach für Zebras" widmet Jonathan Rowson der Endspielkunst und der Geduld Mc Shanes in langweiligen Stellungen ein ganzes Kapitel! 88...Th5? Nach scheinbar jahrelangem Manövrieren will Gustafsson Klarheit. Leider scheint der Turmtausch einfach zu verlieren, oder zumindest in sehr sehr schlechtes Damenendspiel überzuleiten, ich habe jedenfalls nichts gefunden. 88...Tg5 sollte wirklich genug für die Aufrechterhaltung der Kontrolle sein. 89.Txh5 gxh5 90.Kf4 Kf6 91.c3 c6
erstaunlich, wie lange man davon braucht, den Rechner zu überzeugen, dass hier nicht Schwarz gewinnt, sondern Weiß. 92.d4 cxd4 92...Ke7 93.d5 (93.Kg5 b5 94.cxb5 cxd4 95.cxd4 cxb5 und Remis.) 93...h4 (93...cxd5 94.exd5) 94.dxc6 Kd6 95.Kg4 Kxc6 96.Kxh4] 93.cxd4 Ke7 94.e5 h4 [94...Ke6 95.Ke4 h4 96.d5+ 95.d5
95...b5 Einzige Chance, aber das Damenendspiel ist wohl nicht zu retten. Gegen zwei verbundene Freibauern gibt es so gut wie nie ein Dauerschach. 95...cxd5 96.cxd5 96.axb5 cxb5 97.cxb5 a4 98.b6 a3 99.b7 a2 100.b8D a1D 101.Db7+
Der Bremer erledigt den Rest sehr sicher. 101...Kf8 102.Dc8+ Kg7 103.Dd7+ Kf8 104.Dd8+ Kg7 105.Dg5+ Kf8 106.Df6+ Kg8 107.d6 Dd4+ 108.Kf5 Dd3+ 108...h3 109.Dg5+ Kf8 110.Kg6!? und Matt in 6. 109.Ke6 h3 110.d7 Dc4+ 111.Ke7 Db4+ 112.Ke8 Db5 113.Dg6+ Kh8 114.Dh5+ 114.e6 wäre Matt in 8, aber in so einer Stellung kann man kaum etwas falsch machen. 114...Kg7 115.Dg4+ Kh8 116.Dxh3+ Kg7 117.Dg4+ Kh8 118.Dh4+ Kg7 119.Df6+ Kg8 120.De6+ Kg7 121.Ke7 Db4+ 122.Dd6 Dc4 123.Df6+ Kh7 124.Df7+ 1-0
Herzlichen Glückwunsch an Werder Bremen und natürlich auch noch einmal an Baden-Baden zum Titel!
Uns bleibt somit nur noch, uns auf das nächste Jahr erste Liga zu freuen und zu hoffen, dass der Klassenerhalt dann weniger ELO-Punkte, Nerven und graue Haare kosten wird.
Ich habe mich sehr gefreut, diese Saison von den Matches der SF Berlin hier berichten zu können und hoffe auf ein zahlreiches Wiedersehen in der nächsten Saison im Oktober. Bis dann!
Ilja Schneider
Partien dieses Beitrags online nachspielen:
Online nachspielen
Partien dieses Beitrags herunterladen:
Als PGN-Datei runterladen
Trier kam in dieser Formel irgendwie a priori gar nicht vor. Die Sensationsmannschaft aus dem Vorjahr hatte die Saison mit einer Flut von 3,5:4,5- Niederlagen völlig verkorkst, konnte aber mit zwei Siegen noch die unterlegene Mannschaft des Bremer Prestigeduells abfangen. Man kann nicht sagen, dass sich dies positiv auf den Nervositätspegel auswirkt. Soweit ich es überblicken kann, musste ich das letzte Mal im Jahre 2003 etwas in der letzten Runde eines Mannschaftskampfes auskämpfen.
Die Trierer Aufstellung (gegen Bayern München und Tegernsee) ließ zwar von der Papierform her kein großes Aufbäumen erwarten, trotzdem gingen in Bremen die Blicke nur allzu häufig nach Remagen, wo unser Schicksal auf diese Weise quasi mitentschieden wurde. Ich persönlich hatte besonders am Samstag leider zu viel Zeit, mich dem Kampf Bayern - Trier zu widmen, denn diesmal hat meine Colorado-Verteidigung (1.e4 Sc6 2.Sf3 f5!!?) gegen Zbynek Hracek wirklich nicht den besten Tag erwischt. Wenigstens hat mich mein Gegner nicht lange leiden lassen.
Hracek,Zbynek (2613) - Schneider,Ilja (2486)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.4), 28.03.2009
Stellunga nach 25...Kh8:
26.f3! Eindeutig am schnellsten und schönsten. 26...Lxf3 27.Tf1 Le4
28.Txf8+! Eine Lehrbuchkombi. 28...Txf8 29.De7 Tg8 30.Tf1 h6 31.Tf8 1-0
Bremen schien sich überhaupt einiges vorgenommen zu haben. Wahrscheinlich war die bittere 3,5:4,5 Niederlage vor zwei Jahren noch in schmerzlich guter Erinnerung vorhanden.
Nach meinem Eigentor verlor auch Punktegarant Arnd Lauber:
Lauber,Arnd (2497) - Roiz,Michael (2677)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.3), 28.03.2009
Stellung nach 14...Se5:
15.c4 Unabhängig von den aktuellen Geschehnissen in dieser Variante und Ausführungen Topalovs, der für dieses Vorgehen stimmt, erwiesen Arnd, Henrik Rudolf und ich uns beim Post Mortem als unfähig, die weiße Bauernmasse mit Vorteil zur Geltung zu bringen und beschlossen, eventuell sofort f4 zu ziehen. 15...a6 Nun kann Schwarz schneller mit b7-b5 aufrollen und einen Freibauern bilden. 16.f4 Sxd3 17.Dxd3 b5 So oder so steht gleich also ein schwarzer Freibauer auf dem Brett. Arnd versucht, ihn einerseits in der c-Linie zu blockieren und andrerseits seinen wichtigsten Supporter, den Lg7 zu stopfen. Trotzdem machen die beiden nächsten weißen Züge einen inkompatiblen Gesamteindruck. 18.Tfc1?! 18.Dc2 18...Da519.Sg3?! Nun ist es angerichtet für den e5-Vorstoß, aber der Springer steht im Abseits, während der Läufer, den er von f5 abhält, einfach sofort über b5 aktiviert wird: 19...bxc4! 20.Dxc4 Lb5 21.Dc2 c4 22.e5
22...Tfd8 Schwarz steht klar besser. Die schwarze Strategie hat triumphiert. 23.De4 Nun rennt der Bauer unaufhaltsam. 23.Se4 Txd5 24.Sc3 Td3 25.a4 hält noch ein wenig länger durch, auch wenn einfach 25...Lxa4! 26.Sxa4 Txe3 27.Sb6 Dc5 28.Kh1 Tc7 mit klar besserer Stellung folgt. 23...c3 24.a4 Dxa4 25.Lb6 Td7 26.Dxa4 Lxa4 27.Se4 c2 28.Tb4 Txd5 0-1
Die hintere Hälfte des Kampfes lief weitaus besser, auch wenn man damit nicht mehr aufholen konnte, was hinten verbockt wurde. Henrik Rudolf und Lars Thiede erzielten jeweils ein Remis aus Position der Stärke heraus, wobei Rudi sogar noch einen Trick mit guten Erfolgschancen hatte, wobei objektiv das Gleichgewicht nicht gesört war.
Rudolf,Henrik (2368) - Fish,Gennadij (2531)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.7), 28.03.2009
Stellung nach 26...Tab8:
27.Td8 Gennadij Fish erklärte Rudi nach der Partie, dass dieser in Zeitnot mittels 27.Lxb7 einen Bauern herausschrauben konnte. Dies ist im Prinzip richtig , aber nach 27...Txb7 (27...h5!? ist Rybkas unauffindbarer Vorschlag mit der Idee 28.Lxa6 Lg4 gewisse Überlastung in Reihen des Weißen aber 29.Tc4 De3 30.Txg4 (30.Tg1 De6) 30...hxg4 31.Ld3 bringt alles in Ordnung, mit Vorteil.) 28.Td8 Ld7 29.De7 (29.T1xd7 Tb8 30.Txe8+ Txe8 31.h3 Dxc2 ergibt nichts.) 29...Dxb4 30.Txe8+ Lxe8 31.Dxe8+ Df8 32.Dc6 Ta7 33.c4 Ta8 sollte Schwarz immer noch zu retten sein. Es wäre aber gehaltvoller als die Partie, wo nach 27...g6 28.h3 Dxc2 29.Txb8 Txb8 30.Td8+ Txd8 31.Dxd8+ Kg7 32.Dd4+ Kg8 33.Lxb7 Lc4 die Dauerschachanfälligkeit des weißen Königs jegliche Versuche verhinderte. Remis (45) ½-½
Und Marco Thinius, der an sich eine sehr gute Saison gespielt hat, nahm leider vielleicht etwas zu voreilig Remis an. Natürlich muss man dabei bedenken, dass er eine schwierige Verteidigung hinter sich hatte und immer noch in schwerer Zeitnot war.
Skripchenko,Almira (2455) - Thinius,Marco (2421)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.8), 28.03.2009
Stellung nach 30.Te5:
In dieser Stellung wurde Remis vereinbart. Man erkennt irgendwie die Konturen eines ehemaligen weißen Königsangriffs, der nicht so richtig in die Gänge kommen wollte. Drei Bauern sind zwar formal eine angemessene Entschädigung für den fehlenden Stein, aber die schwarze Aufstellung verhindert recht zuverlässig das bilden und Vorrücken von weißen Freibauern. Es könnte folgen: 30.Te5 Sf4 (30...Sc3 ist laut dem Superfisch fast genau so gut, aber wollen wir uns nicht vertiefen....) 31.Tae1 (31.Lf1 Tg8 32.g3 b6 und nach Sg6 muss der Turm mit leeren Händen zurück.; 31.Lxf5 Tg8! 32.Lg4 Alles andere verliert. 32...Lxg4 33.fxg4 Txg4 34.g3 Tc6 ist auch deutlich besser für Schwarz.) 31...Tf8 32.Te7 Td6 33.d5 Sg6 und immer hat Schwarz deutlich die Oberhand. ½-½
Am nächsten Morgen berichtete Jan Markos am Frühstückstisch, dass er gegen Laurent Fressinet eine wundersame Rettung im Bauernendspiel verpasst habe. Der Gegner habe es ihm nach der Partie mitgeteilt. Trotz einiger Zweifel erwiesen sich meine Blindspielfähigkeit nicht als adäquat, um seine Aussage in Frage stellen zu können. Letztendlich erwies sich die Rettung aber doch als Ente - wenigstens muss sich Jan nicht so ärgern und die Bauernendspielspielbücher müssen nicht umgeschrieben werden.
Markos,Jan (2557) - Fressinet,Laurent (2676)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.1), 28.03.2009
Stellung nach 40.Sc3:
In einem etwa gleichen Endspiel geriet Weiß langsam, aber sicher unter Druck. Nun versucht er zu forcieren: 40...b5 41.f4+ Ke6 42.Kf3 42.Kd2 Kd6 43.e4?! War die angesproche Idee. Weiß will in einem Bauernendspiel mit Bauer durch beiderseitige Umwandlung remis halten. 43...Sxe4+ (43...fxe4 44.Ke3) 44.Sxe4+ fxe4 45.Ke3 Kd5 46.g4 a5 47.f5 gxf5 48.gxf5 Immerhin hat Weiß noch die Chance, dass Schwarz fehlgreift. Es gewinnt nämlich nur ein Zug. 48...Ke5! gewinnt elegant. a) 48...b4? Das ist quasi die weiße Idee. 49.axb4 a4 (49...axb4 50.f6 Ke6 51.Kxe4) 50.f6 Ke6 51.b5 a3 52.b6 a2 53.b7 a1D 54.b8D=; b) 48...a4? Läuft in eine bekannte Festung. 49.f6 Ke6 50.Kxe4 b4 51.Kd3 b3 52.Kc3= und diese Pattmaschine wird man nicht mehr los.; 49.f6 Kxf6 50.Kxe4 Ke6 Und unter Umgehung der typischen Pattfalle wird Schwarz gewinnen. 51.Kd4 Kd6 52.Ke3 (52.Kd3 Kd5) 52...Kc5 53.Kd3 Kd5 54.Kc3 Ke4 55.Kd2 (55.a4 b4+ 56.Kc4 Ke3) 55...Kd4 56.Kc2 Kc4 57.Kb2 Kd3 58.a4 (58.Kb3 a4+ 59.Kb4 Kc2) 58...b4 59.Kb3 Kd4 60.Kc2 Ke3 (60...Kc4 61.Kb2 b3? 62.Ka3) 61.Kb3 Kd3 62.Kb2 Kc4 63.Ka2 (63.Kc2 b3+) 63...Kc3] 42...Sb3 43.Ke2 [43.g4 Sd2+ 44.Ke2 Sc4 45.gxf5+ gxf5 46.Sb1 ist besser, weil Weiß ein kleineres Gelände verteidigen muss als in der Partie. Außerdem kann der schwarze König nicht über d4 einfallen. 43...Sa5 44.e4 Sc4 45.exf5+ gxf5 46.Sb1
Nun kann der Springer nie mher ziehen, ohne den a3 zu verlieren. Dummerweise, auch wenn letzterer durch den König auf b3 gedeckt ist. 46...Kd5 47.Kd3 Kc5 48.Kc2 Kd4 49.Kb3 a5 Der Qualitätsunterschied der Figuren ist gigantisch. Weiß kann einfach nichts mehr ziehen. 50.Sc3 Sxa3 siehe oben! 51.Se2+ Ke3 52.Sc3 Kf3 53.Sd5 Sc4 54.Se7 Sd6 55.Sc6 Kxg3 56.Sxa5 Kxf4 57.Kb4 Ke3 58.Kc5 f4 59.Sc6 f3 Von Schwarz technisch wirklich gut gemacht. 0-1
Ähnlich erging es leider auch Stellan Brynell in seinem ersten Saisonspiel gegen Nationalspieler Georg Meier. Er verlor ein optisch völlig ausgeglichenes aber vom Gegner stark vorgetragenes Endspiel.
Als Bonbönchen für alle SF Berlin Fans tatsächlich doch noch eine Gewinnpartie. Stephan Berndt gewann gegen die finnische Nr.1 Tomi Nybäck zum 2,5:5,5.
Berndt,Stephan (2440) - Nyback,Tomi (2639)
BL 0809 Werder Bremen - SF Berlin (14.5), 28.03.2009
Stellung nach 24...Sxh2:
Man erkennt deutlich das Bild eines geschlossenen Spaniers, in dem bisher nichts besonderes passiert ist. Schwarz hat sich sogar grade mit dem Tausch eines Figurenpaars das Leben etwas erleichtert. 25.Kxh2 f6 26.Sh3 f5 27.Sg5 27.Ld2 vielleicht wäre dies ein guter Moment, erstmal den Vorstoß b5-b4 aus der Welt zu bringen. 27...Tb7 27...b4 28.c4 ist nur eine kleine Nuance, aber der a5 könnte mal schwach werden. 28.Tg1 Lf6 29.Ld2 Te7 30.b4! c4 Nun muss sich Weiß hier keine Sorgen mehr machen. Außerdem verfügen jetzt der Läufer und die Dame über eine Einfallstraße ins gegnerische Lager. 31.Taf1 Se8? stellt sich für einen Moment unkoordiniert hin. (e6 und h5 unausreichend gedeckt). Weiß nutzt dies sofort aus: 32.exf5 gxf5
33.Se6! Txe6 Wählt in diesem Fall das größere Übel. Nach 33...Lxe6 34.dxe6 Lh8 35.Lg5 Lf6 36.Le3 Lg7 37.g4 hxg4 38.fxg4 f4 39.Lb6 Da8 40.Lf5 Hängt Schwarz auch schon in den Seilen, aber es ist denkbar, dass Weiß opfern müssen wird, um weiterzukommen. 34.dxe6 Lxe6 35.g4 Schwarz hat sogar keine schlechte Struktur, aber hier zählt einfach die rohe Gewalt. 35...hxg4 36.fxg4 Lg7 36...fxg4 37.Lf5 und Schwarz ist blank. 37.Lg5 37.gxf5 37...Dd7 38.gxf5 Lxf5 39.Lxf5 Txf5 40.Dg4 Tf7 41.Txf7 Dxf7 42.h5 d5? Missachtet die Drohung, doch eine erfolgreiche Verteidigung war in jedem Fall undenkbar: 42...Kh8 43.h6 Lf6 (43...Lf8 44.Dh3 gefolgt von Tf1.) 44.Lxf6+ Sxf6 45.Df5 und Schwarz muss die Damen tauschen, wonach sein Damenflügel verfrühstückt wird. 43.h6 1-0
Da sich Trier währenddessen mit Mühe und Not mit 4,5:3,5 gegen Bayern München durchgesetzt hatte, blieb quasi alles beim Alten. Es hieß weiterzittern und hoffen, dass sich Tegernsee möglichst nicht mit zwei Niederlagen aus der Liga verabschieden will.
Auf unserer Seite wurde es am nächsten Tag trotz des eingeflogenen Kapitäns Rainer zunächst auch nicht wirklich besser. Die Blicke gingen in hohem Maße wieder nach Remagen und die eigenen Bretter gerieten mehrheitlich unter Druck. Emsdetten ließ sich einfach nicht vom Aufstellungstrick beirren.
Als allererstes wurde offensichtlich, dass am Spitzenbrett Jan Markos ein schweres Leben haben würde:
Hector,Jonny (2551) - Markos,Jan (2557) [B30]
BL 0809 SF Berlin - SK Turm Emsdetten (15.1), 29.03.2009
1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.Lb5
4.e5 hat Hector auch schon gespielt. Es wird dann ziemlich wild nach etwa 4...Sg4 5.De2 Dc7 6.d4 cxd4 7.Sb5 Db8 8.Lf4 f6 usw. 4...Dc7 5.d3 a6 6.Lxc6 Dxc6 7.e5!
Mir erschien während der Partie dieser Zug als etwas zu wirrköpfig nach vorne gespielt aber es sieht so aus, als ob der Schwede genau wusste, was er tat. 7...Sd5 8.Sxd5 Dxd5 9.c4 Dc6 10.d4
Das moderne Konzept: Stellung öffnen gegen das Läuferpaar. 10...cxd4 Der Sizi-Reflex, aber es könnte gut und gerne 10...b5 11.cxb5 axb5 12.d5 (12.0-0 e6) 12...Dg6 13.0-0 e6 14.d6 Lb7 gehaltvoller sein. Ich denke nicht, dass Schwarz matt wird, während der Weiße ein gewisses strategisches Risiko eingeht. Aber am Brett ist sowas nicht zu beurteilen. 11.Dxd4
11...g6?! So schafft Schwarz die Rochade nicht. 11...e6 12.0-0 b5 wäre interessant. 12.0-0 Lg7 13.Dh4! h6 14.b3 g5 15.Dg3 b6 15...b5 zerstört sich auch den zweiten möglichen Rochadeflügel aber lässt Weiß wenigstens nicht die volle Kontrolle übernehmen. 16.La3 Lb7 17.Tad1 Dg6 17...b5 18.Tfe1 bxc4 19.Sd4 Dg6 20.bxc4 kommt mittlerweile schon zu spät. 18.Tfe1 e6
19.h4 Rybka findet dies zu voreilig und möchte mit ewa 19.Sd4 fortfahren. 19.Sd4 Der Vorteil davon ist, dass Schwarz fast nichts sinnvolles unternehmen kann. 19...Lf8 19...Df5 20.hxg5 0-0-0! mit etwas Hoffnung in der h-Linie. 20.Lxf8 Txf8 21.hxg5 0-0-0 22.Td6 Th8 23.Ted1 Mein Rechner will es technisch gewinnen: 23.Sh4 Dxg5 24.Txb6 Dxg3 25.fxg3 und hat vermutlich recht. 23...hxg5 24.Sxg5 Th5 Diesen Zug braucht Schwarz nicht unbedingt, er hätte lieber dem anderen Turm die Hände entbinden sollen: 24...Lc6 25.f4 Tdg8 26.a4 f6 27.exf6 Dxf6 mit zwei vagen Ideen: Quallenopfer auf g5 oder ein Damenschach auf c5 25.f4 Tdh8 26.Kf2 Lc6
27.Txc6+! Natürlich. Wenn Weiß zu vorsichtig spielt, etwa 27.Dd3 , dann kassiert er selber ein Quallenopfer: 27...Txg5 28.fxg5 Dxg5 29.Dg3 Tg8 30.Dxg5 Txg5 und hat sehr große Schwierigkeiten die Partie überhaupt zu gewinnen. 27...dxc6 28.Df3 Kb8 29.Td7?!
Sieht beängstigend aus, ist aber nicht das Beste. 29.Td6! Der Sinn dieses Zuges wird alsbald deutlich. 29...Tc8? Genau das hat Hector gewollt. Wäre aber 29...Dc2+ gekommen, wer weiß wie die Partie dann ausgegangen wäre. 30.De2 (30.Kg3 Dc1 und Ausgleich wie etwa nach 31.Txf7 (31.Dxc6? De1+ 32.Kf3 verliert sogar: 32...Th3+!! 33.Sxh3 Txh3+ 34.gxh3 Dh1+ Deshalb 29.Td6! , dann wäre die Dame gedeckt... AHAAAA!) 31...Txg5+ 32.fxg5 Dxg5+ 33.Kf2 Td8) 30...Dxe2+ 31.Kxe2 Tf8 32.Kf3 und das Endspiel ist natürlich trotzdem sehr schwer zu spielen, aber nicht hoffnungslos. 30.De3! c5 31.Df3 Tc7 32.Td8+ Tc8 33.Txc8+ Kxc8 34.Dc6+ Nun ist die Partie gelaufen. Jan wehrte sich noch lange nach Kräften aber Jonny Hector erledigte den Rest sicher. 1-0
Rainers Partie kam auch beileibe nicht gut in Gang, aber er konnte den Schaden noch in Grenzen halten und nach einer gegnerischen Unachtsamkeit auf den Zugwiederholungszug aufspringen, ähnlich wie Stellan im Duell mit seiner Landsfrau Pia Cramling in Emsdettener Diensten. Während der Partie stand er die ganze Zeit optisch gedrückt, aber eine grobe Durchsicht ergab nicht, dass die Weiße irgendetwas Zählbares erreichen konnte. Am Ende war der weiße Freibauer sehr gut blockiert und das Turmendspiel remis.
An Brett 4 hatte allerdings Arnd Lauber nun wirklich nicht sein bestes Wochenende erwischt und musste seine zweite Niederlage in Bremen quittieren:
Lauber, Arnd (2497) - Janssen, Ruud (2524)
BL 0809 SF Berlin - SK Turm Emsdetten (15.4), 29.03.2009
Stellung nach 14.f3:
Nimzoindisch. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir die weiße Stellung eh nicht mehr besonders gut gefällt, aber nach 14...0-0-0 15.0-0-0?! Sf4 fällt mir einfach nichts ein, was Weiß jemals unternehmen soll. 16.Lf1 16.Lxf4 gxf4 17.Kb2 Thg8 18.Sb3 Dg5 macht auch nicht gerade glücklich. 16...h5 17.h4 Sg6 17...g4 18.Lxf4 exf4 19.Kb2 ist halbwegs OK für Weiß. 18.hxg5 Dxg5 19.Lf2 h4 20.Kb1 20.Kb2 20...Sf4 21.Le3 Kb8 22.Da4
22...c5! Irgendwas sagt mir, dass Nimzowitsch seine helle Freude an dieser Partie gehabt hätte. 23.Ka1 exd4! Der Doppelbauer wird aufgelöst, die schwachen Felder bleiben. 24.cxd4 cxd4 25.Lxd4 Sc5 26.Dc2 Thg8 27.Sb3 f5
28.e5? Verliert so gut wie auf der Stelle, während 28.Sxc5 bxc5 29.Lc3 eine Möglichkeit darstellte, den Gegner wenigstens etwas zu schwächen. 28...h3! und Weiß verliert eine Menge Material. 29.Dc1 hxg2 30.Lxg2 Sxg2 31.Dxg5 Sxb3+ 32.axb3 Txg5 33.exd6 Tg6 34.d7 Te6 35.c5 Lxf3 36.cxb6 axb6 An sich ist Zurückschlagen meistens etwas Triviales, aber hier galt es 36...Lxd1 37.Th8! aus dem Weg zu gehen, wonach Weiß lebt: 37...axb6 38.Txd8+ Kc7 39.Tg8 Kxd7 40.Txg2 37.Th8 und wegen Kc7 0-1
Hinten beendete Marco Thinius seine gute Saison noch mit einem Sieg gegen Christian Richter:
Thinius, Marco (2421) - Richter, Christian (2403)
BL 0809 SF Berlin - SK Turm Emsdetten (15.8), 29.03.2009
Stellung nach 16...Sdc5:
Der Se6 wirkt wie ein Fremdkörper und erlaubt den typischen Einfall. 17.Sf5! gxf5 Was sonst? Er kann sich ja kaum den Lg7 wegtauschen lassen...18.exf5 Dh4 18...a5 verhindert das folgende b4. Man kann aber natürlich verstehen, dass Richter schnell aus der Fesselung will. 19.fxe6 Lxe6 20.b4 Sa6 21.a3 Weiß hat klaren, dauerhafen Vorteil und braucht sich nicht zu beeilen. 21...h6 22.Se4 Lf5 23.Ld3 d5 24.cxd5 cxd5 25.Sg3 Lxd3 26.Dxd3
Der Unterschied der Figuren ist so groß, dass Schwarz ohne direkte Drohungen parieren zu müssen, quasi auf Verlsut steht. 26...Sc7 27.Sf5 Dc4 28.Lxh6?! 28.Sxg7 und baldiger Einstieg auf e7 ist einfacher. 28...Dxd3 29.Txd3 Kxg7 30.Ld4+ Kh7 31.Te7 und Schwarz kann aufgeben. 28...Dxd3 29.Txd3 Lxh6 30.Sxh6+ Kf8 31.Sf5?! Macht sich normalerweise etwas mehr Arbeit... 31.Tf3! Kg7 (31...Td7 32.Tg3 und es geht ein Turm drauf.) 32.Txf7+ Kxh6 33.Txc7 Mit Gewinn. 31...Td7 32.Sh6
und Richter überschitt vermutlich zu Marcos Erleichterung die Zeit. 1-0
Leider verlor Lars Thiede seine interessante, aber keineswegs schlechte Stellung gegen Bellon Lopez, so dass der Kampf beim Stande von 2:4 quasi gelaufen war. Dafür war genau dies auch der aktuelle Spielstand in der Begegnung Trier - Tegernsee. Tegernsee hat sich in seiner üblichen Manier auf die hinteren Weißbretter verlassen und alle anderen Partien mit mehr oder weniger Aufwand schnell ins Remis geschickt... aber was solls, es hat gereicht!
So konnten es Stephan Berndt und ihr Autor recht gemütlich angehen lassen. Am Ende hielt Stephan sein Endspiel gegen Wunderkind Anish Giri ohne größeren Ärger remis - Ärger bereitete ihm nach eigener Aussage am meisten der Fakt, dass Giri in dieser Saison noch mit einer solch geringen ELO-Zahl von 2466 ausgewertet wird :-) - und ich konnte die an sich verkorkste, coloradoverseuchte Saison durch folgendes Ende halbwegs versöhnlich gestalten:
Spoelman, Wouter (2459) - Schneider, Ilja (2486)
BL 0809 SF Berlin - SK Turm Emsdetten (15.5), 29.03.2009
Stellung nach 41.Db4:
Ich hatte in der Zeitnotphase einen Bauern gewonnen, aber an dieser Stelle wurde es klar, dass er wieder über Bord gehört, um größeren Ärger zu vermeiden. 41...De6 42.Txa4 Txa4 Mit Remisgebot, was mein Gegner zum Unverständnis von Anish Giri :-) ablehnte. 43.Dxa4 h5! 44.Db5 h4
45.Se2?! Es lohnt sich für Weiß, dem Spiel schon hier mit 45.Dxe5 eine neue Wende zu geben. Und nun 45...Dxe5 46.Sxe5 Te7 47.Sxg6 Kxg6 48.Sf5 Td7 49.Sxh4+ Mit dynamischem Ausgleich. 45...Sh5 45...Sxe4! ist in einer praktischen Partie sehr chancenreich. 46.fxe4 Lxe4 47.Sc3 Lc6! 48.Dc5 Nun verstellt die Dame ihren Läufer. 48...Lxg2! Mit Angriff. 46.Sa5 Tf7?! Nur ein Nullzug. 46...Lc8! 47.Sxb7 Txb7 48.Tc6 Da2 49.Dd3 Sg3 Hier fühlte ich mich schon im Vorteil, aber 50.Sc1! öffnet einem schnell die Augen. 50...Df7 50...Da1 51.Dd6 ist nah am Selbstmatt. Es geht zwar noch 51...Se2+ 52.Kh2 Sf4 53.Le3 aber hier bricht Schwarz doch zusammen. 51.Dd8 Dd7! Der h4 ist nicht zu nehmen. 52.Dxd7 Txd7 Und nun muss wieder Weiß aufpassen, außerdem hatte er so gut wie keine Zeit mehr. 53.Kh2 Td1 54.Kh3 Th1+ 55.Kg4 Th2
56.Tc2? Da kommt der Fehler! Das Festhalten an g2 kostet am Ende den König. 56.Sd3 Txg2 57.Kxh4 Sf1 58.Sf2 und man kriegt wohl kein Matt zustande. 56...Sh5 57.Lg1 57.f4 ist schon der Luftröhrenschnitt als einzige möglich Maßnahme. 57...Sxf4 und Schwarz sollte gewinnen. 57...Th1 58.Se2 Sf6+ 59.Kg5 h3 Und der Bauer, der nicht genommen werden kann, geht zur Dame. 60.g4 60.gxh3 Txh3 und Matt.; 60.Kh4 Txg1 61.Sxg1 h2 60...h2 61.Lf2 Tg1 62.Sg3 Txg3 63.Lxg3
63...Sxe4+ Naja. 63...h1D 64.Th2+ und nun wahlweise 64...Lh6+ (oder lieber 64...Sh5! ) 64.fxe4 Lh6+ 65.Kf6 h1D 66.Tc7+ Kg8 67.Tc8+ Lf8 68.Lxe5 Df3+ 69.Kg5 Kf7 0-1
3,5:4,5. Wieder verloren, aber es gibt beileibe Niederlagen, die schmerzhafter sind, als diese.
So verließen wir um 16:30 erleichtert das Weserstadion, doch die Saison war noch nicht ganz zu Ende.
Die seit Wochen an sich wohl wichtigste Fragestellung der Saison, nämlich die nach dem Deutschen Vizemeister, hatte sich zu diesem Zeitpunkt auf eine einzige Partie herunterdestilliert. Nach dem verkorksten Saisonstart von "Favorit" :-) Werder Bremen wurden in abwechselnder Reihenfolge Tegernsee, Mülheim, Eppingen oder Solingen als mögliche Kandidaten gehandelt. Doch sie alle patzten dann und wann und so hatte sich das Ganze plötzlich zur Brettpunktefrage entwickelt. Die letzte Partie der Saison, Mc Shane - Gustafsson, konnte Werder durch einen Sieg tatsächlich den "Best of the rest"-Titel bringen, ein Remis war aber nur für Platz 4 gut und wäre in Tegernsee groß gefeiert worden. Nach 7 Stunden Spielzeit fiel unter einer großen Zuschauertraube dann die Entscheidung:
McShane, Luke (2596) - Gustafsson,Jan (2634)
BL 0809 Hamburger SK - Werder Bremen (15.1), 29.03.2009
Stellung nach 88.Ke3:
Man beachte, dass wir uns im 88.Zug befinden. Die Partie zwischen Banker McShane (der extra für dieses Spiel eingeflogen wurde) und Pokerspieler Gustafsson ist bis dato dermaßen langweilig verlaufen, dass ich ab der Eröffnung konstant mit einem schnellen Remisschluss gerechnet habe. Doch hätte sowohl ich als auch Gusti gewarnt sein sollen: In seinem hervorragenden Buch "Schach für Zebras" widmet Jonathan Rowson der Endspielkunst und der Geduld Mc Shanes in langweiligen Stellungen ein ganzes Kapitel! 88...Th5? Nach scheinbar jahrelangem Manövrieren will Gustafsson Klarheit. Leider scheint der Turmtausch einfach zu verlieren, oder zumindest in sehr sehr schlechtes Damenendspiel überzuleiten, ich habe jedenfalls nichts gefunden. 88...Tg5 sollte wirklich genug für die Aufrechterhaltung der Kontrolle sein. 89.Txh5 gxh5 90.Kf4 Kf6 91.c3 c6
erstaunlich, wie lange man davon braucht, den Rechner zu überzeugen, dass hier nicht Schwarz gewinnt, sondern Weiß. 92.d4 cxd4 92...Ke7 93.d5 (93.Kg5 b5 94.cxb5 cxd4 95.cxd4 cxb5 und Remis.) 93...h4 (93...cxd5 94.exd5) 94.dxc6 Kd6 95.Kg4 Kxc6 96.Kxh4] 93.cxd4 Ke7 94.e5 h4 [94...Ke6 95.Ke4 h4 96.d5+ 95.d5
95...b5 Einzige Chance, aber das Damenendspiel ist wohl nicht zu retten. Gegen zwei verbundene Freibauern gibt es so gut wie nie ein Dauerschach. 95...cxd5 96.cxd5 96.axb5 cxb5 97.cxb5 a4 98.b6 a3 99.b7 a2 100.b8D a1D 101.Db7+
Der Bremer erledigt den Rest sehr sicher. 101...Kf8 102.Dc8+ Kg7 103.Dd7+ Kf8 104.Dd8+ Kg7 105.Dg5+ Kf8 106.Df6+ Kg8 107.d6 Dd4+ 108.Kf5 Dd3+ 108...h3 109.Dg5+ Kf8 110.Kg6!? und Matt in 6. 109.Ke6 h3 110.d7 Dc4+ 111.Ke7 Db4+ 112.Ke8 Db5 113.Dg6+ Kh8 114.Dh5+ 114.e6 wäre Matt in 8, aber in so einer Stellung kann man kaum etwas falsch machen. 114...Kg7 115.Dg4+ Kh8 116.Dxh3+ Kg7 117.Dg4+ Kh8 118.Dh4+ Kg7 119.Df6+ Kg8 120.De6+ Kg7 121.Ke7 Db4+ 122.Dd6 Dc4 123.Df6+ Kh7 124.Df7+ 1-0
Herzlichen Glückwunsch an Werder Bremen und natürlich auch noch einmal an Baden-Baden zum Titel!
Uns bleibt somit nur noch, uns auf das nächste Jahr erste Liga zu freuen und zu hoffen, dass der Klassenerhalt dann weniger ELO-Punkte, Nerven und graue Haare kosten wird.
Ich habe mich sehr gefreut, diese Saison von den Matches der SF Berlin hier berichten zu können und hoffe auf ein zahlreiches Wiedersehen in der nächsten Saison im Oktober. Bis dann!
Ilja Schneider
Partien dieses Beitrags online nachspielen:
Online nachspielen
Partien dieses Beitrags herunterladen:
Als PGN-Datei runterladen
erstellt am 07.04.2009





