Der Spitzenkampf der Saison 2008/09
Von Philipp Schlosser
Der Kampf zwischen Werder Bremen und OSG Baden-Baden in der 13. Runde in Eppingen war einer der elointensivsten Kämpfe in der Geschichte der Schachbundesliga. Philipp Schlosser, Großmeister in Diensten der OSG Baden-Baden, analysiert alle acht Partien dieser spannenden Auseinandersetzung.
Die Reihenfolge der Partien erfolgt gemäß dem Kampverlauf und dem damit jeweiligen Zwischenstand. Vorhang auf für die Analysen von Philipp Schlosser:
Vergangenes Jahr veröffentlichte Shirov bei ChessBase die DVD "My best games with Black". Darauf erklärt er, wie er sich bei der Wahl der Eröffnung auf seine Gegner einstellt, um mit Schwarz nicht nur auszugleichen, sondern sogar auf Gewinn zu spielen. Noch schwerer auszurechnen und risikobereiter ist aber Mamedyarov: ebenso wie Alexei spielt Shakhriyar vorzugsweise e5 gegen e4, jedoch schreckt er auch vor Nebenvarianten nicht zurück. Für diese Partie hat er zwar nicht unbedingt eine Nebenvariante ausgewählt, immerhin spielte Kramnik und auch Shirov selbst vor mehr als 10 Jahren selbst so, aber nur ist es inzwischen um den klassischen Sizilianer im Allgemeinen und dieses Abspiel des Rauserangriffs im Speziellen ruhig geworden. Daraus resultiert aber nicht der zwischen den beiden erhoffte scharfe Kampf, sondern ein relativ farbloses Remis.
Shirov,Alexei (2726) - Mamedyarov,Shakhriyar (2731) [B66]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 e6 7.Dd2 a6 8.0-0-0 Le7 9.f4 Im ersten publizierten klassischen Sizilianer Mamedyarovs folgte beim Europapokal vergangenes Jahr weniger prinzipiell 9.f3 Sxd4 10.Dxd4 b5 0-1 Gunnarsson,J (2430)-Mamedyarov,S (2731)/Kallithea 2008 9...Sxd4 10.Dxd4 b5
Ob sich Shirov speziell gegen dieses Abspiel vorbereitet hat? Denkbar, immerhin spielte Mamedjarov vergangenes Jahr in Elista und in Dresden in zwei Partien so. Da er diese verlor und da Shirov in der Folge nichts besonderes zeigt, gehe ich aber eher vom Gegenteil aus, obwohl sich Alexei nicht erst Samstag Abend auf vorbereiten mußte...
11.Le2 Vorher war Mamedyarov hier nur mit 11.Lxf6 gxf6 konfrontiert worden. In der ersten Partie wich er gegen seinen Landsmann Gashimov in Elista nach 12.Ld3 Dc7 13.De3 Ld7 14.Kb1 durch 14...Dc5N von bekannten Vorbildern ab.;
11.Lxf6 gxf6 In der zweiten Partie lieferte er sich mit Vladimir Akopian in einem auf Kasparov zurückgehenden Abspiel ein scharfes theoretisches Duell, in dem der armenische Großmeister nach 12.e5 d5 13.Kb1 Lb7 14.f5! fxe5 15.Dxe5 Lf6 16.Dg3 De7 17.fxe6 fxe6 18.Le2 h5 19.a4 h4 20.Dg6+ Df7 mit 21.Dg4N eine starke theoretische Neuerung brachte. 11...Lb7 12.Lf3 0-0!
Elf Jahre früher spielte Alexei mit Schwarz und Weiß je eine Partie mit Tc8. Wie bei Shakhriyar blieb Weiß auch hier beide Male siegreich. Da der weiße Angriff eher im Zentrum als auf dem Damenflügel zu erwarten ist, erscheint der Partiezug aber logischer, was auch von den praktischen Ergebnissen bestätigt wird. 12...Tc8 13.Lxf6 gxf6 14.f5 Tc4 (14...Da5 15.fxe6 fxe6 16.Kb1 Kd7 17.e5 Lxf3 18.exd6 Lxd1 19.Txd1 Lf8 1-0 Polgar,J (2670)-Shirov,A (2710)/Wijk aan Zee 1998 20.b4+- Da3 (20...Dd8 21.Da7+ Kc6 22.Dxa6+ Kd7 23.Db7+) 21.Se4 f5 22.Td3) 15.Dd3 Dc7 16.fxe6 fxe6 17.Se2 Dc5 18.Kb1 De5 19.Sd4 h5 20.The1 Kd7 21.g3 Tg8 22.Lg2 Tg4 23.Sf3 Dc5 24.Sd2 Ta4 25.Lh3 Tg5 26.Sf3 Tg7 27.Sd4± 1-0 Shirov,A (2720)-Pelletier,Y (2525)/Elista 1998 13.e5 Lxf3
Dazu gibt es in der MegaBase 2009 sieben Partien, in denen Weiß jedoch keinen Vorteil erreichen konnte.
14.exf6 14.gxf3 dxe5 15.Dxe5 Db8 16.Thg1 Kh8= ½-½ Smirnov,P (2579)-Mamedov,R (2631)/Khantiy Mansiysk 2008 14...gxf6 15.gxf3 fxg5 16.Se4 d5 17.Sxg5 17.h4 Dc7 18.Sxg5 Dc4 19.De5 Tac8 20.c3 Dc7= ½-½ Motylev,A (2680)-Gelashvili,T (2577)/Dubai 2005 17...Lf6 18.Dd3 Lxg5 19.Thg1 Df6 20.fxg5
Mit diesem Zug bot Alexei Remis an und gestand damit ein, nichts aus der Eröffnung herausgeholt zu haben. Shakhriyar spielte zwar noch einige Züge weiter, an der Stellungsbewertung und am Endergebnis der Partie ändert das aber nichts.
20...Dg6 21.f4 Tac8 22.f5 exf5 23.Tgf1 Tfe8 24.Dxf5 Dxf5 25.Txf5 Te2 26.Td2 Te1+ 27.Td1 Te2 28.Td2 ½-½
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 0,5:0,5
Tags zuvor hatte Eljanov in einer Seeschlange von 127 Zügen gegen Berkes verloren. Das und die grünfeldindische Verteidigung Svidlers führte seitens des Anziehenden offenbar von vornherein zu einer gewissen Remisfixierung.
Eljanov,Pavel (2720) - Svidler,Peter (2727) [D91]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.Sf3 Lg7 5.Lg5 Se4 6.Lf4 Sxc3 7.bxc3 c5 8.e3 0-0 9.cxd5 Dxd5 10.Le2 cxd4 11.cxd4 Sc6 12.0-0 Lf5 13.Da4 Da5 14.Db3 Db4 15.Tfc1 a6
So hatte Svidler bei der Olympiade zuerst gespielt. 16.Lc4 In Dresden kam Peter im OSG-internen Duell nach 16.h3 Tac8 17.g4 Le4 18.Dd1 Tfd8 (18...Da3!?= 19.Sg5 Ld5 20.e4 Le6 21.d5 Lxa1 22.Txa1 Tfd8) 19.a3 Da5 20.Sd2 Ld5 21.Tc5 Db6 22.Tb1 Da7 23.Tbc1 e6 24.Lf3 Da8 25.Lg5 f6 26.Lh4 g5 27.Lg3 Se7 28.e4± gerade noch mit einem blauen Auge gegen Paco davon (Remis im 38.Zug). Aber sicher hatte Peter seine Variante zwischenzeitlich repariert. 16...Dxb3 17.Lxb3 Tac8 18.Ld5 Sa5 19.Se5 Lxe5 20.Lxe5
Mit einem Remisangebot, das der Nachziehende kaum ausschlagen konnte, da er nach 20.Lxe5 Le6
aufgrund des weißen Läuferpaars noch immer etwas unter Druck steht. Wahrscheinlich war beiden Spielern klar, wie dieser zu neutralisieren ist, jedoch hätte es nicht geschadet, das dem einfachen Publikum mit ein paar Zügen mehr auf dem Brett auch zu zeigen. ½-½
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 1:1
Zu wissen, was man am besten gegen wen spielen soll, ist oft die halbe Miete! Roiz spielt auch e5, aber es nicht seine Hauptwaffe gegen 1.e4. Gegen ihn spielt Naiditsch Schottisch statt Spanisch und wirft damit ihn aber auch sich selbst aus dem Buch! Aber dennoch hatte Arkadij drei Vorteile auf seiner Seite: Er wußte vorab, was auf dem Brett stehen würde! Mit Dusan Pavasovic ist ein Experte dieser Eröffnung einer seiner Sparringspartner! Immerhin hatte er mit Schwarz einige praktische Erfahrungen. Ärgerlich mag nur gewesen sein, daß er nicht genau wissen konnte, für welche Verteidigung sich Michael entscheiden würde...
Naiditsch,Arkadij (2678) - Roiz,Michael (2677) [C45]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4! exd4 4.Sxd4 Lb4+!? Eine seltene, aber spielbare Variante. Häufiger ist 4...Sf6 5.Sxc6 bxc6 6.e5 De7 7.De2 Sd5 8.c4 oder 4...Lc5. Jedoch konnte sich Roiz sicher sein, daß Naiditsch auf diese beiden Varianten hervorragend vorbereitet sein würde. 5.c3 Lc5 6.Le3 Lb6
7.f4!? Ein neuer Zug, der zwar nicht stärker ist als die bereits bekannten Züge, Schwarz aber immerhin vor neuen Problemen stellt. Die erprobten theoretischen Alternativen sind 7.Dg4 sowie 7.Sf5 7...Sge7
Schwarz entwickelt sich solide und plant nach 0-0 und d7-d6 das Zentrum mit f7-f5 anzugreifen. Dagegen hätte er mit dem frechen 7...Sf6!? versuchen können, das weiße Konzept in Frage zu stellen. 8.c4!
Die konsequente Fortsetzung der weißen Strategie: der Vorstoß d7-d5 ist aus der Welt und dem Sb1 wird sein angestammtes Feld auf c3 geräumt. 8...d6 9.Sc3 0-0 10.Le2 f5 Möglich ist auch 10...Sxd4 11.Lxd4 Sc6 12.Lxb6 axb6 13.0-0 jedoch wäre die weiße Stellung dann aufgrund seines Raumvorteils und des starken Vorpostenfeldes auf d5 leicht, aber dauerhaft vorzuziehen. 11.Sxc6
11...bxc6?! Mit diesem frechen Schlagen macht Roiz dem Sc3 das Vorpostenfeld d5 streitig, provoziert gleichzeitig aber auch das folgende Opferspiel. Solider war 11...Sxc6 12.Lxb6 axb6 13.exf5 Lxf5 14.0-0 Df6 15.Lf3 mit einem der letzten Variante ähnlichen Stellungsbild. 12.c5! Lxc5 13.Lxc5 dxc5 14.Db3+ Kh8 15.Td1 De8 16.e5
Diese Stellung war nach dem elften Zug von Schwarz praktisch erzwungen. Von einem weißen Bauernopfer zu sprechen, befremdet eigentlich etwas, da er praktisch über eine Gewinnstellung verfügt, wenn es ihm nur gelingt, seine Entwicklung abzuschließen. Insofern liegt die eigentliche "Kompensation" für die schlechte schwarze Stellung in seinem Entwicklungsvorsprung.
16...g5? Damit bricht Schwarz die Brücken hinter sich ab und sucht die Entscheidung im Mittelspiel. Da er dabei die eigene Königsstellung irreparabel schwächt, geht dieses Unterfangen schief. Vernünftige Rettungschancen hätte er dagegen noch in dem Endspiel nach 16...Sd5 17.Sxd5 Le6 18.Lc4 cxd5 19.Lxd5 Tb8 20.Dc2 Lxd5 21.Txd5 Db5 22.b3 gehabt, da die Stellung schon weitgehend vereinfacht ist und die aktive Figurenstellung leidlich für die schlechte Bauernstruktur kompensiert. 17.0-0 Das ist nicht schlechter als die Computervariante 17.fxg5 Sg6 18.0-0± Dxe5 (18...f4 19.Lf3) 19.Lf3 17...Sg6 17...gxf4 18.Lc4 Sg6 19.e6± 18.Lh5!? Arkadij kämpft konsequent um die Kontrolle der schwarzen Felder.
18...gxf4 19.Se2 Interessant, dass die Engines erst einige Zeit brauchen, um das weiße Spiel zu verstehen, dennoch hat alles seine Richtigkeit! 19...La6 Nach 19...Dxe5 20.Lxg6 ist der weiße Angriff einfach zu stark. 20...Dxe2 (20...hxg6 21.Sxf4 Df6 22.Tf3+-; 20...Le6 21.Dh3 De3+ 22.Dxe3 fxe3 23.Lh5+-) 21.Dc3+! Kg8! 22.Tde1+- Dg4 23.Lxh7+ Kxh7 24.Te7+ Kh6 25.Tf3 20.Lxg6 Gut genug ist auch 20.e6 Lxe2 21.Dc3+ Kg8 22.Lxe2± jedoch haben die Engines bei der Partiefortsetzung immer noch mit Horizionteffekten zu kämpfen. 20...hxg6 Einfach nachzuvollziehen ist 20...Dxg6 21.Sxf4± überraschend und schön ist aber 21.Sxf4 Lxf1 22.e6!+-
Trotz Mehrturms ist Schwarz den weißen Drohungen (Td7 und Dc3+) wehrlos ausgeliefert. Ein nicht unwesentliches Detail ist, daß 22.e6 Td8 an der Hinlenkung 23.e7 Dxe7 und der Gabel 24.Sxg6+ scheitert. 1-0
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 1-2
Schon letztes Jahr war Alexander Areshenko im Wettkampf gegen Baden-Baden unter den Gewinnern gewesen. Allerdings hatte er damals in einer dramatischen, fehlerreichen Partie gegen Paco sehr viel Glück gehabt. Diesmal machte er selbst keine Fehler und hatte nur das Glück von Sergei Movsesian einen auf diesem Niveau seltenen Elfmeter aufgelegt zu bekommen.
Areshchenko,Alexander (2664) - Movsesian,Sergei (2732) [B83]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e6 6.Le2 Le7 7.0-0 0-0 8.Le3 Sc6 9.Kh1!?
Schwer zu sagen, was den Anziehenden zu dieser eigenartigen Zugfolge bewog. Ob er die alte Spasskyidee 9.f4 e5!? umgehen wollte? Jedoch wäre 9...e5 auch in der Partie möglich gewesen. 9...Ld7 10.f4 Sxd4 11.Lxd4 Lc6 12.Ld3
12...d5?!
Zwar wollen ohne Eröffnungsbuch auch Rybka 3 und Fritz 11 so spielen, jedoch ist der Übergang in französische Strukturen hier strategisch falsch, denn das Zentrum wird geschlossen, so daß Weiß freie Hand am Königsflügel erhält, während Schwarz ohne Gegenspiel bleibt. Der theoretische Hauptzug lautet hier eigentlich 12...Sd7 aber auch 12...Dd7 oder 12...Dc7 erscheinen stellungsgerecht. 13.e5 Se4 14.De2
14...Sxc3? Das ist konsequent, jedoch entwickelt sich die Partie danach zunehmend in der oben beschriebenen Weise. Da Schwarz aus dem Doppelbauern auf der c-Linie keinen Profit zu schlagen vermag, hätte er vielleicht am besten versuchen sollen, mit 14...Sc5 einen der beiden weißen Angriffsläufer abzutauschen. Sinn macht es auch 14...Lb4 zu spielen, um den Läufer auf c3 abzutauschen und den Zentralspringer auf e4 zu behaupten. 15.De3 Lxc3 16.bxc3 Da5 17.f5 exf5 18.Txf5 Tae8 19.Taf1 mit Initiative für Weiß. 15.bxc3 g6 16.g4 Während das weiße Spiel am Königsflügel zunehmend konkreter wird, ist für Schwarz kein rechtes Gegenspiel in Sicht. Dennoch sehen die Engines die Stellung nach wie vor als etwa ausgeglichen an. Wie mir scheint, ein typisches Computerschachphänomen, für das bereits vor Jahren der Begriff der Königsdrift geprägt wurde: Eisschollen gleich driften die weißen Figuren nach und nach zum Königsflügel und bis kurz vor der tödlichen Kollision erkennen die Engines die Gefahr aber nicht - so auch hier...
16...Te8 17.f5 Lf8 18.Tf3 Dh4
Mit dem Damenausfall versucht Schwarz das weiße Spiel am Königsflügel zu hemmen, wird kurz darauf aber nur selbst Ziel des Angriffs.
19.Dg2 b5 20.Taf1 a5 Auch keine Rettung mehr brachte 20...Dg5 21.h4!? Dxh4+ 22.Th3 Dg5 23.Le3 Dd8 24.Dh2+- oder 20...Lh6 21.f6 mit der Idee ?Tg1, g5, Th3, Tf1+- 21.fxg6 fxg6 22.g5+-
Die nette, schöne, aber nicht überraschende Schlußkombination. 22...Le7 23.Tf4 Dxg5 24.Dh3 Lf8 25.Txf8+ Txf8 26.Dxe6+ Kg7 27.Tg1 Dh5 28.Dxc6 Die beiden weißen Läufer sind natürlich viel stärker als der schwarze Turm. 28...Df3+ 29.Tg2 Tf4 29...Dd1+ 30.Lg1 30.Le2 1-0
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 2-2
Meier und Harikrishna folgten zwar nicht wie die beiden Spitzenbretter bis zum "unausweichlichen Remisschluß" theoretischen Hauptvarianten, rechte Spannung wollte aber dennoch nicht aufkommen. Georg scheute wohl die Verantwortung bei einem so wichtigen Wettkampf seinen nominell höher bewerteten Gegner so erfrischend direkt anzugehen, wie er es bei der Olympiade gegen Cheparinov gewagt hatte. Einige Zeit verwaltete er einen symbolischen Minimalvorteil, mit dem er auch gut über die volle Distanz hätte gehen können, dann war er aber doch zufrieden mit der Schaukel, die sich kurz vor dem 30.Zug ergab.
Meier,Georg (2558) - Harikrishna,Penteala (2659) [A05]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.Sf3 Sf6 2.g3 c5 3.Lg2 g6 4.c4 Sc6 5.Sc3 d6 6.d4 cxd4 7.Sxd4 Ld7 8.0-0 Lg7 9.Sc2 0-0 10.b3 Da5 11.Lb2 Dh5 12.Se3 Lh3 13.Dd2 Lxg2 14.Kxg2 Da5 15.Tfd1 Tfd8 16.Sed5 Sxd5 17.Sxd5 Dxd2 18.Txd2 Lxb2 19.Txb2 Tab8 20.Td2 Kf8 21.f4 Tdc8 22.Tc1 Sd8 23.Tc3 Se6 24.g4 Sc7 25.Th3 Sxd5 26.Txd5 Kg7 27.Te3 Kf8 28.Th3 Kg7 29.Te3 Kf8
½-½
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 2,5-2,5
In den letzten drei Jahren scheint es sowohl für Tomi Nyback als auch für Rustem Dautov nur einen Gegner, eine Farbe und eine Eröffnung zu geben. Nur bei den Ergebnissen gab es bislang keine Wiederholungen! Die erste "Matchpartie" der beiden endete in Hamburg Remis, letzte Saison gewann Rustem in Bremen und nun war in Eppingen Tomi dran.
Nyback,Tomi (2634) - Dautov,Rustem (2601) [D15]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.d4 Sf6 2.c4 c6 3.Sc3 d5 4.Sf3 a6
Die Chebanenko-Variante, auf die sich Rustem seit Jahren nicht nur gegen Tomi Nyback gerne verläßt.
5.c5 So spielte Nyback in der ersten und dritten Partie. In der zweiten Partie machte er dagegen keine guten Erfahrungen mit 5.a4 e6 6.Lg5 Sbd7 7.a5 Lb4 8.Da4 Le7 9.e3 0-0 10.Db3 h6 11.Lf4 Sh5 12.cxd5? Der Übergang in eine Karlsbader Struktur war hier ein grober strategischer Fehler. 12...exd5 13.Lg3 Sxg3 14.hxg3 Sf6 15.Ld3 Ld6 0-1 Nyback,T (2565)-Dautov,R (2582), Deutschland 2007. Aufgrund seines Läuferpaars stand Schwarz bereits deutlich besser, zumal Weiß aufgrund des Bauern a5 am Damenflügel keine Fortschritte machen kann. (Für eine ausführliche Kommentierung dieser Partie siehe meinen Matchbericht vom vergangenen Jahr auf dieser Webseite) 5...Lf5 6.Lf4 Sbd7 7.e3 e6 8.Sd2
Diese Umgruppierung geht auf Kramnik zurück. Weiß will den starken Lf4 behaupten. Prinzipiell spielt er am Damenflügel, jedoch kann er gelegentlich mit einem Bauernsturm am Königsflügel loslegen, wenn Schwarz seine Königsstellung zu früh festlegt.
8...Le7 9.Le2 Lg6 10.b4 Im ersten Jahr hatte es an Brett 8 eine "Zwillingspartie" zu Nyback-Dautov gegeben. Diese entwickelte sich wie folgt: 10.0-0 0-0 11.Tc1 Te8 12.Lg3 Dc8 13.b4 Ld8 14.Sb3 Lc7 15.Lxc7 Dxc7 16.f3 e5 17.Dd2 h6 18.Tfe1 Te7 19.a4 Sf8 20.b5 axb5 21.axb5 Tae8 22.b6 Dc8 23.Ta1 Df5 24.Sa5 Dg5 25.Ted1 Se6 26.Lf1 h5 27.Se2 h4 28.Sb3 1-0 Schandorff,L (2517)-Buhmann,R (2546), Deutschland 2006. Und hier hätte Buhmann mit 28...h3! am Königsflügel eine schöne Initiative entfalten können. Dagegen gelang es Schandorf in der Folge die Partie am Damenflügel für sich zu entscheiden. 10...Dc8 11.a4!?
Weiß wartet noch einen Zug mit der Rochade, um vielleicht doch noch am Königsflügel loslegen zu können. In der ersten Partie hatte Nyback noch brav rochiert, jedoch konnte Dautov darauf nach und nach ausgleichen: 11.0-0 0-0 12.a4 b6 13.cxb6 Sxb6 14.a5 Sbd7 15.Sa2 Db7 16.Tc1 Tfc8 17.Tc3 Se8 18.Da4 Sd6= ½-½ Nyback,T (2563)-Dautov,R (2581)/Germany 2006/CBM 112/[Dautov]. 11...0-0!?
Rustem nimmt die Herausforderung an, schließlich ist er gut entwickelt und Weiß hat sich mit a4 auch geschwächt. 12.h4! h6 13.g4 a5! Natürlich muß Schwarz jetzt energisch handeln. 14.bxa5 e5! 15.dxe5 Se8 16.g5
16...hxg5 Eine interessante Alternative bestand in dem Blockadeopfer 16...h5!?, um den Königsflügel geschlossen zu halten. In der Partie verschärft sich das Geschehen durch die Öffnung der h-Linie nun weiter, jedoch ist aus schwarzer Sicht alles im Lot. 17.hxg5 Sxc5 18.Lg4 Lf5!
Jetzt gelangt die schwarze Dame zwar schneller auf die offene h-Linie jedoch kann er dort seinen Angriff nicht entscheidend verstärken. Schwächer waren dagegen die beiden Damenzüge 18...Dd8? 19.Df3 Lxg5 20.Lxg5 Dxg5 21.Dh3 f5 (21...Sd3+ 22.Ke2 f5 23.Lf3 Sxe5 24.Sxd5 mit Initiative) 22.Le2 und 18...Dc7? 19.Df3 Lxg5 20.Dh3 Lh6 21.Lxh6 gxh6 22.f4 f5 23.Le2? wonach es für Schwarz zu gefährlich wird. 19.Lxf5 Dxf5 20.Dh5 f6
Unglaublich, aber die schwarze Verteidigung hält! 21.gxf6 21.exf6 gxf6 22.Se2 Sg7 23.Sd4 Dd3= 21...Dxh5 22.Txh5 gxf6 23.Ke2 Sg7?! Einfacher und völlig unproblematisch aus schwarzer Sicht war 23...fxe5 24.Lxe5 (24.Lh6 Sg7 25.Tg1 Tf7 26.Sf3 Sd7=; 24.Tg1+ Kf7=) 24...Sf6 25.Tf5 Sg4 26.Txf8+ Kxf8 27.Ld4 Txa5= 24.Tg1
24...Txa5?? Ein grober taktischer Fehler, nach dem Schwarz eine Fgur und die Partie verliert. Notwendig war 24...Sce6, wonach Weiß zwar etwas Druck behauptet, die schwarze Verteidigung aber nach wie vor intakt sein sollte. 25.Sf3 a) 25.Lh6 Lb4; b) 25.Lh2 Kf7=; c) 25.Th6 Txa5 (25...Sxf4+ 26.exf4 fxe5 27.fxe5 Lb4 28.Thg6 Tf7 29.Kd3 Lxa5 30.f4 mit Initiative) 26.Sb3 Taa8 27.Sd4 Kf7 28.Sxe6 Sxe6 29.Th7+ Ke8 30.Lh6 Tf7 31.Th8+ Lf8 32.Lxf8 Txf8 33.Txf8+ (33.Th6) 33...Kxf8 34.Tg6 Sc5 35.Txf6+ Ke7 36.f4 Sxa4 37.Sxa4 Txa4 38.Th6; 25...Lb4 a) 25...Sxf4+ 26.exf4 fxe5 27.fxe5 Tf4 28.Th6 d4 29.Sd1 Txa5 30.Sb2; b) 25...Kf7 26.Th7 Th8 27.Txh8 Txh8 28.Tb1 Sc5 29.a6 bxa6 30.Tb6 (30.Sd4 Tc8 31.Tb6) 30...Tc8 31.Sd4 Sge6 32.Sxc6 Ld8 33.Sxd8+ Txd8 34.a5 (34.f3 d4 35.Se4 Sxe4 36.fxe4 d3+ 37.Kd1 fxe5 38.Lxe5 Sc5) 34...d4 35.Sd1 d3+ 36.Ke1 (36.Kf3 Sd7 37.Tb7 Sxf4 38.exf4 fxe5) 36...fxe5 37.Lxe5 Sd7 38.Tb7 Sg5=; 26.Sd1 (26.Sa2 Lxa5 27.Lh6 fxe5 28.Lxg7 (28.Txe5 Kf7=) 28...Sxg7 29.Thg5 Tf7 30.Sxe5 Te7 31.Sg6) 26...Txa5 (26...Kf7; 26...Lxa5) ;
Zu spät war es dagegen für 24...fxe5? 25.Lxe5 Lf6 26.Sc4!± 25.Lh6+- Sce6 26.Sb3 Tfa8 27.Sd4 Kf7 28.Lxg7 Sxg7 29.Th7 Lf8 30.e6+ Kg8 31.Tgh1 1-0
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 3,5-2,5
Etienne Bacrot scheint der Angstgegner (bête noir) seines Landsmanns Laurent Fressinet zu sein, zumindest deutet deren persönliches Score von +10, =2, -2 stark darauf hin. Bacrot konnte um weiteren Sieg erhöhen, da Fressinet in der entscheidenden Phase der Partie zwischen dem 20. und 32. Zug zu zögerlich spielte. Dagegen konnte ich in dem Damenendspiel, in dem man sich auf Bremer Seite noch Hoffnungen ausmachte, keine Rettungschancen für Schwarz ausmachen.
Bacrot,Etienne (2705) - Fressinet,Laurent (2676) [C80]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Sxe4 6.d4 b5 7.Lb3 d5 8.dxe5 Le6 9.Sbd2 Sc5 10.c3 d4 11.Lxe6 Das Talsche Springeropfer 11.Sg5!?, das von Karpov 1978 und Kasparov 1995 in WM-Kämpfen gespielt wurde, ist ein anderes Kapitel. 11...Sxe6 12.cxd4 Scxd4 13.a4
Dieser Zug geht auf Karpov zurück, der damit die Schlußpartie des WM-Kampfes 1981 gegen Kortschnoi damit für sich entschied. 13...Lb4 13...Le7 14.Sxd4 Sxd4 15.Se4 Se6 16.Le3 0-0 17.f4± 1-0 Karpov,A (2700)-Kortschnoj,V (2695), Meran 1981. 14.axb5 Sxf3+ Gespielt wird auch 14...Sxb5, jedoch scheint Schwarz damit seine Eröffnungsprobleme nicht ganz lösen zu können, zumindest kam er damit letztes Jahr so unter die Räder: 15.Da4 Le7 16.Se4 0-0 17.Td1 Dc8 18.Le3 Te8 19.h4 h6 20.Tac1 Db7 21.Sg3 Ted8 22.Dg4? Kh8 23.Dh5 Kg8 24.Txd8+ Txd8 25.Lxh6! gxh6 26.Sf5 Lf8 27.Tc4+- 1-0 Almasi,Z (2667)-Mikhalevski,V (2632), Heviz 2008. 15.Sxf3 axb5 16.Txa8 Dxa8 17.Sg5
17...Le7N Ganz falsch ist 17...Dc6? 18.Dg4 Dc4 19.Df5 Sd8 20.Td1+- Dc6 (20...Le7 21.Le3 Dc6 22.Txd8+ 1-0 Ganguly,S (2583)-Iuldachev,S (2537)/Dhaka 2005) 21.Sxh7 Le7 ½-½ Kramnik,V (2754)-Shirov,A (2713), Monte Carlo 2005 und 22.Lg5! 18.Sxe6 fxe6 19.Dg4 Kf7
Wie lautet nun das Ergebnis der Eröffnung? Schwarz steht fest, jedoch verfügt Weiß über die bessere Bauernstruktur. Der schwarze König steht auch offen, aber die Stellung ist zu sehr vereinfacht als daß Weiß dies leicht ausnutzen könnte. Kurz, die Stellung ist noch heiß, Schwarz ist dem Ausgleich nahe, jedoch hat Weiß nach wie vor Druck.
20.Df4+ Die Engines wollen 20.Lg5!? sehen und sehen Weiß danach im Plus, aber ob das auch auf Dauer zu behaupten ist? 20...Ke8 21.Le3 Tf8 Ein natürlicher Zug, jedoch wollen die Engines mit 21...Dd5!? ausgleichen. 22.Dg4 Kf7 23.h3 Dd5 Vielleicht sollte Schwarz hier die Gelegenheit nutzen mit 23...c5!? seine Mehrheit am Damenflügel zu aktivieren. In der Partie wird er nicht mehr dazu kommen, so daß Weiß quasi mit einem "gefühlten" Mehrbauern spielen wird. 24.Dh5+ Kg8 25.Td1 Dc6 26.Tc1
26...Dd7 Ohne Fressinet einen richtigen Fehler ankreiden zu können, hat man doch den Eindruck, dass er in einer scharfen Stellung zu vorsichtig spielt. So gefällt mir die aktive Verteidigung 26...Dd5 besser. Nach 27.Txc7 Ld6 28.Td7 Dxe5 29.Dd1 steht der Anziehende aufgrund der besseren Struktur noch geringfügig besser. Die Stellung ist aber bereits weitgehend vereinfacht und die schwarzen Figuren sind so aktiv, dass es schwer zu glauben ist, dass Schwarz nicht Remis halten können sollte. 29...Lc5 (29...Dh2+ 30.Kf1 Lb4 31.Ld4 g6 32.Ke2 Tf7 33.Txf7 Kxf7 34.Db3 Le7 35.Df3+) 30.Lxc5 Dxc5 31.De2] 27.Dg4 Tc8 28.Td1 Dc6 29.h4 mit Initiative. Da sich sein Gegner ausschließlich abwartend passiv verteidigt, nutzt Etienne die Gelegenheit seinen h-Bauern aufzuziehen, um eine Bresche in die schwarze Königsstellung zu schlagen.
29...Kh8 30.h5 Lf8 31.Lg5 De8 32.h6±
Ab hier scheint mir der weiße Vorteil unstrittig zu sein. Bei dessen Verwertung räumt Etienne in der Folge Laurent keinerlei Gegenchancen ein. 32...Df7 33.Td3 Te8 34.Tf3 Dg6 35.Df4 Df5 36.De3 Db1+ 37.Kh2 Dg6 37...Dxb2?? 38.Df4 Db4 39.hxg7++- 38.Df4 gxh6 39.Lf6+ Lg7 40.Tg3 Dh5+ 41.Th3 Df7 42.Lxg7+ Vielleicht war 42.Txh6 Kg8 43.Th4 Lxf6 44.exf6 Td8 45.Th3+- noch stärker. 42...Dxg7 43.Txh6 Tf8 44.Tf6 Kg8 45.g4 Txf6 46.exf6
Der Bauer f6 bildet nun eine Art Sargnagel. Er ist nicht zu beseitigen und bindet doch die schwarze Dame.
46...Dd7 46...Dg6 47.Kg3+- 47.Dg5+ Kf8 48.b4+- Damit wird endgültig klar, dass die schwarze Mehrheit am Damenflügel keine Rolle in der Partie mehr spielen wird. 48...c6 49.Kh3 Da7 50.De3 Dd7 51.Dh6+ Ke8 52.Dg5 Kf8 53.Kh4 Df7 54.f4 Da7 55.Kh5 Db7 56.Kh6
Schwarz ist wehrlos gegen die Drohung Dg7+. 1-0
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 3,5-3,5
Leicht hätte diese Partie zum Siegpunkt auf Seite der OSG Baden-Baden werden können, ja vielleicht sogar müssen! Gegen den Najdorf Efimenkos entschied sich Adams nicht zu irgendeiner scharfen, modernen Variante, sondern grub ein schon fast vergessenes Abspiel aus, in dem weniger der schwarze König als der schwarze Damenflügel das Ziel der weißen Bemühungen ist. Im frühen damenlosen Mittelspiel nutzt die englische Nummer 1 einige strategische Fehler seines Gegners aus und erlangt eine posititionelle Gewinnstellung, scheitert in der Folge aber an deren Verwertung.
Adams,Michael (2734) - Efimenko,Zahar (2680) [B92]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le2 e5 7.Sb3 Le7 8.0-0 0-0 9.Le3
Die Grundstellung des Geller-Karpov-Systems, in dem der Anziehende auf das in den meisten Sizilianern sonst übliche Spiel mit f2-f4 am Königsflügel verzichtet: meist wird der schwarze Damenflügel durch a4-a5 eingeschnürt. Später soll der schlecht stehende Sb3 durch das Manöver Sb3-c1-a2(d3)-b4 verbessert und die Kontrolle über das schwache Feld d5 errungen werden. Häufiger spielt Weiß aber auch einfach direkt Sc3-d5 und setzt auf eine Bauernmehrheit am Damenflügel. Zur Veranschaulichung dieser Ideen habe ich in der Folge neben den Partien unserer Akteure auch die besten Modellpartien der Ahnherren zitiert.
9...Le6 9...Dc7 10.a4 (10.Dd2 Sbd7 (10...b6 11.Tfd1 Le6 12.a4 Sbd7 13.f3 Db7 14.Sc1! Tfd8 15.S1a2 Sc5 16.Sb4± 1-0 Geller,E-Bolbochan,J/Stockholm 1962) 11.a4 b6 12.Tfd1 Lb7 13.f3 Tfd8 14.Lf1 Sc5 15.Sxc5 dxc5 16.Df2 Txd1 17.Txd1 Td8 18.Txd8+ Lxd8 19.Lc4 Le7 20.De2 Dc8 21.Dd3 h6 22.Kf1 Lf8 23.Ke1 Le7 24.Lf2 Kf8 25.Lg3 Sd7 26.Sd5± 1-0 Geller,E-Bertok,M, Belgrad 1961 ) 10...Le6 11.a5 Sbd7 (11...Dc6 12.Lf3 Sbd7 13.Sd5 Lxd5 14.exd5 Db5 15.Dd3! 1-0 Smyslov,V-Tal,M/Bled/Zagreb, Belgrad 1959) 12.Sd5 Sxd5 13.exd5 Lf5 14.c4 Lg6 15.Tc1 Sc5 16.Sxc5 dxc5 17.b4! Tac8 18.Db3 1-0 Geller,E-Fischer,R, Curacao 1962. 10.Dd2 Sbd7 11.a4 Tc8 11...Dc7 12.Tfd1 Tac8 13.a5 Tfe8 (13...Tfd8 14.De1 Dc6 15.Lf3 Lc4 16.Sc1 h6 17.S1a2 Sc5 18.Sb4 De8 19.g3 Tc7 20.Lg2 Tdc8 21.b3 Le6 22.Scd5± 1-0 Karpov,A (2720)-Nunn,J (2600), Amsterdam 1985) 14.h3 h6 15.De1 Db8 16.Lf3 Tc4 17.Sd2 Tc6 18.Sf1 Tec8 19.Ld2 b6 20.Se3 1-0 Adams,M (2729)-Svidler,P (2746), Baku 2008;
11...Sb6 12.a5 Sc4 13.Lxc4 Lxc4 14.Tfd1 h6 15.Sc1 Tc8 16.Sd3 Le6 17.Lb6 De8 18.f3 Sd7 19.Le3 f5 20.exf5 Txf5 21.Sb4 Sf6 22.Sbd5 Sxd5 23.Sxd5 Lf8 24.b3 Df7 25.Sb6 Tc6 26.c4 1-0 Karpov,A (2725)-Quinteros,M (2540), Luzern 1982. 12.a5 h6 12...Te8 13.Tfd1 h6 14.Sc1 Dc7 15.Lf3 b5 16.axb6 Sxb6 17.Le2 Sc4 18.Lxc4 Lxc4 19.De1 Db7 20.b3 Le6 21.f3 d5 mit klar besserer Stellung für Schwarz in Nevostrujev,V (2495)-Efimenko,Z (2594)/St Petersburg 2004: 12...Dc7 13.Tfc1 Dc6 14.Lf3 Lc4 15.Ta4 Tfd8 16.Tb4 Dc7 17.Sd5 Sxd5 18.exd5 f5 19.Le2 Lxb3? 20.Txb3 f4? 21.Lb6 Sxb6 22.Txb6 Lg5 23.Lg4 Tb8 24.Te1 Dc5 25.Te4± Karpov,A (2720)-Portisch,L (2630), London 1982. 13.f3 Dc7 14.Tac1 Sc5 14...Tfe8 15.Sd5 Lxd5 16.exd5 e4 17.f4 Sc5 ½-½ Kruppa,Y (2505)-Savon,V (2435), Alushta 1994. Da nach dem Abtausch auf c5 die schwarzfeldrige Blocke kaum zu durchbrechen war, ist hier nach Adams Vorbild wohl 18.Sa1!? einen Versuch wert. Weiß will mit Tempo b4 und c4 spielen, mit seinem Springer nach b3 zurückkehren und langfristig c4-c5 durchsetzen. 15.Sd5 Sxd5 Durchaus möglich war alternativ 15...Lxd5 16.exd5 e4! (16...Sxb3?! 17.cxb3 Dd7 18.Tc4) 17.Sa1!? Diese Idee ist auch hier möglich und interessant, jedoch bietet sie aufgrund des zerrütteten weißen Königsflügels hier wesentlich mehr Gegenchancen. (17.Sxc5 dxc5 18.c4 Ld6 19.f4=) 17...exf3 18.gxf3 Tfe8 19.b4 Scd7 20.c4 Se5 21.Sb3 Dd7 22.Kh1 Dh3 23.Sd4 unklar. 16.exd5 Lf5
17.Sa1! Ein interessantes Patent, durch das es Adams gelingt, die Beweglichkeit seines Damenflügels aufrecht zu erhalten. 17...Dd8 18.b4 Sd7 19.Sb3 Lg5
Trotz der interessanten Idee 17.Sa1 sollte die schwarze Stellung hier in Ordnung sein. 20.Lxg5!?
Eine überraschende Entscheidung, denn es ist nicht klar, für wen der Doppelbauer auf der g-Linie von Vorteil sein wird: einerseits verliert die schwarze Mehrheit an Beweglichkeit, jedoch wird Weiß auch die Option fehlen das Feld d4 später eventuell durch f3-f4 freizukämpfen.
20...Dxg5 Schwarz sollte die Damen auf jeden Fall mit abtauschen, um eine dauerhafte Bindung seiner stärksten Figur an den Bauern g5 zu vermeiden. 21.Dxg5 hxg5 22.c4 Sf6 23.Tfd1
23...Ld7? Ein grober strategischer Fehler, durch den Weiß entscheidend Zeit für die Verwirklichung seiner Ziele gewinnt. Am besten sollte Schwarz mit 23...g4 seinen Doppelbauern auflösen und versuchen, seine eigene Mehrheit in Bewegung zu bringen, oder sich mit 23...Tfd8 gegen den von Weiß angestrebten Vorstoß c4-c5 stemmen und die Zentralisierung seines Königs vorbereiten. 24.Sd2! Der Springer wird am Damenflügel nicht mehr gebraucht. Adams will ihn daher über f1 und e3 oder g3 aktivieren oder über e4 abtauschen. 24...g6?! Die Tatsache, dass die meisten Engines mit 24...Lf5 den letzten Zug am liebsten zurücknehmen wollen, sagt eine Menge über die Qualität der beiden letzten schwarzen Züge aus, jedoch kann Weiß die gewonnene Zeit nutzen und seine Figurenstellung weiter für den thematischen Vorstoß c4-c5 optimieren. 25.Sf1 Sd7 26.Tc3 und Schwarz wird es nicht gelingen, Weiß dauerhaft an dem thematischen Vorstoß c4-c5 zu hindern. Besser als der Partiezug war wohl auch 24...g4 25.Se4 gxf3 26.Sxf6+ gxf6 27.gxf3 obwohl die weiße Stellung zweifellos vorzuziehen ist. 25.Se4!± Sxe4 26.fxe4
Der weiße Vorteil gründet sich hier auf drei Aspekten:
1) Im Endspiel ist die vom König entfernte Mehrheit gefährlicher.
2) Das weiße Spiel am Damenflügel ist weiter fortgeschritten als das schwarze am Königsflügel.
3) Der "gute" Läufer von Schwarz ist ohne Funktion, dagegen leistet der schlechte weiße einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der Bauernkette e4/d5.
26...f5 27.c5 La4 27...dxc5 28.bxc5 fxe4 29.c6 bxc6 30.Lxa6 Tc7 (30...Ta8 31.dxc6 Le6 32.Lb7 Txa5 33.c7+-) 31.Tc5 Lg4 32.Te1 Ta7 33.Txc6± 28.Te1 Tfd8 29.Ld3 dxc5 30.bxc5 Lb5
31.Lb1 Gut sieht auch 31.Lxb5 axb5 32.c6 aus, jedoch täuschen hohe Bewertungen der Engines im Endspiel oft. So ist folgendes enginegeneriertes Abspiel nicht für Weiß gewonnen, sondern Remis: 32...bxc6 33.dxc6 b4 34.exf5 Td6 35.c7 Td7 36.Txe5 Tdxc7 37.Txc7 Txc7 38.Tb5 Ta7 39.fxg6 b3 40.Txb3 Txa5 41.Tb7 g4 42.Kf2 Ta3 Weiß gelingt es nicht, die Ablenkung seines h-Bauern in die g-Linie mit theoretischem Remis zu vermeiden. 31...Kg7 32.h3 Kf6 33.Te3 Tc7 34.Tf3 f4 35.Tfc3 g4 36.hxg4 Kg5 37.Kf2 Kxg4 38.La2 Kg5 39.d6 Th7 40.Ld5 Kf6 41.Th3 Thd7 42.Kf3 Mit der Aktivierung des Königs vergibt Weiß noch nichts, jedoch erscheint 42.g3!? sofort logischer, da Weiß in der Folge kaum um diesen Abtausch herumkommen wird, um neben der h- auch die f-Linie zu öffnen und die schwarze Bauernstruktur zu schwächen. 42...Tc8 43.Thh1 Lc6 Hätte Schwarz ohne Tc8 früher so gespielt, so hätte Weiß natürlich die Läufer getauscht und das Vorpostenfeld b6 entscheidend mit dem Turm besetzt.
44.Lxc6 Txc6
45.Kg4?
Auf jeden Fall erschwert Adams damit den Gewinn, vielleicht gibt er ihn aber auch schon ganz aus der Hand! Richtig war zunächst 45.g3! fxg3 46.Th8!+- Ke6 (46...Kg7 47.Tb8) 47.Te8+ Kf7 (47...Kf6 48.Kxg3) 48.Txe5 oder auch sofort 45.Th8!?+- Jedenfalls durfte die Chance auf der 8.Reihe einzudringen nicht ungenutzt bleiben, schließlich lehrte schon Nimzowitsch, dass das Eindringen auf der 7. oder 8.Reihe das finale Ziel des Spiels auf einer Linie ist! 45...Tc8 Einziger Zug. Natürlich gibt Efimenko seinem Gegner keine zweite Chance, die 8.Reihe zu besetzen. Noch immer sieht die weiße Stellung vielversprechend aus, nur ein zwingender Gewinn ist nicht mehr in Sicht. 46.g3 fxg3 47.Kxg3 Ke6 48.Th6 Kf6
49.Th2 Mit 49.Tg1!? statt des zwei Züge später folgenden 51. Kg4 schlägt Rybka einen interessanten, taktisch begründeten Gewinnversuch vor. Die kritische Stellung entsteht nach 49...Kg5 (49...Txc5? 50.Kh4! Tg7 51.Tgxg6+ Txg6 52.Txg6+ Kxg6 53.d7+-; 49...Kg7? 50.Tgh1 Kf6 51.Kh4+-) 50.Th3 Kf6 (50...Txc5 51.Kf3+ Kf6 52.Th6 Tc3+ 53.Ke2 Tg7 54.Thxg6+ Txg6 55.Txg6+ Kf7 56.Tg7+!+-) 51.Kf3±
Kann Schwarz den Status quo aufrecht erhalten, oder gelingt es Weiß doch, nach und nach Fortschritte zu erzielen? Schwer zu sagen, eine plausible Folge in weißem Sinne könnte 51...Tdd8 52.Th6 Tg8 53.Tc1 Tgd8 54.Ke2 Td7 (54...Txd6 55.cxd6 Txc1 56.Txg6+ Kxg6 57.d7 Tc2+ 58.Ke3 Tc3+ 59.Kd2 Tc4 60.d8D Td4+ 61.Dxd4 exd4 62.Kd3+-) 55.Tc3 sein. Er hätte zumindest die taktische Gegendrohung Txd6 aus der Welt geschafft und könnte versuchen, seinen König nach b4 oder d5 zu bringen und mit beiden Türmen am Königsflügel zu spielen. 49...Ke6 50.Th6 Kf6 51.Kg4 Txd6! Verteidigt sich Schwarz passiv, so bricht seine Stellung schnell zusammen - zum Beispiel: 51...Tg7? 52.Td1 Ke6 53.Kg5 Tf8 54.Tdh1 Tf2 55.Th8+- 52.Tf1+ Kg7 53.cxd6 Kxh6 54.d7 Mit 54.Th1+ Kg7 55.Tb1 Kf6 56.d7 Td8 57.Txb7 Tf8 58.Tb6+ Ke7 59.Kg5 Tf4 60.Te6+ Kxd7 61.Txe5 Tf1 62.Kxg6 könnte Weiß ähnlich wie in der Partie ein Turmendspiel mit Mehrbauern erreichen, das aber bei normalem Verlauf nur Remis enden kann. 54...Td8 55.Tf7 Tg8 Natürlich nicht 55...g5?? 56.Kf5 g4 57.Ke6+- 56.Te7 Td8=
Um jetzt noch gewinnen zu können, müßte Weiß ein Tempo verlieren, jedoch ist das ebensowenig möglich wie auszusetzen. 57.Tf7 Tg8 58.Te7 Td8 59.Kh4 g5+ 60.Kg4 Kg6 61.Txe5 Txd7 62.Te6+ Kf7 63.Tb6 Td1 64.Kxg5 Ta1 65.Txb7+ Ke6 66.Tb6+ Ke5 67.Txa6 Kxe4 68.Ta8 Kd5 69.a6 ½-½
Endstand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 4:4
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Vergangenes Jahr veröffentlichte Shirov bei ChessBase die DVD "My best games with Black". Darauf erklärt er, wie er sich bei der Wahl der Eröffnung auf seine Gegner einstellt, um mit Schwarz nicht nur auszugleichen, sondern sogar auf Gewinn zu spielen. Noch schwerer auszurechnen und risikobereiter ist aber Mamedyarov: ebenso wie Alexei spielt Shakhriyar vorzugsweise e5 gegen e4, jedoch schreckt er auch vor Nebenvarianten nicht zurück. Für diese Partie hat er zwar nicht unbedingt eine Nebenvariante ausgewählt, immerhin spielte Kramnik und auch Shirov selbst vor mehr als 10 Jahren selbst so, aber nur ist es inzwischen um den klassischen Sizilianer im Allgemeinen und dieses Abspiel des Rauserangriffs im Speziellen ruhig geworden. Daraus resultiert aber nicht der zwischen den beiden erhoffte scharfe Kampf, sondern ein relativ farbloses Remis.
Shirov,Alexei (2726) - Mamedyarov,Shakhriyar (2731) [B66]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 Sc6 6.Lg5 e6 7.Dd2 a6 8.0-0-0 Le7 9.f4 Im ersten publizierten klassischen Sizilianer Mamedyarovs folgte beim Europapokal vergangenes Jahr weniger prinzipiell 9.f3 Sxd4 10.Dxd4 b5 0-1 Gunnarsson,J (2430)-Mamedyarov,S (2731)/Kallithea 2008 9...Sxd4 10.Dxd4 b5
Ob sich Shirov speziell gegen dieses Abspiel vorbereitet hat? Denkbar, immerhin spielte Mamedjarov vergangenes Jahr in Elista und in Dresden in zwei Partien so. Da er diese verlor und da Shirov in der Folge nichts besonderes zeigt, gehe ich aber eher vom Gegenteil aus, obwohl sich Alexei nicht erst Samstag Abend auf vorbereiten mußte...
11.Le2 Vorher war Mamedyarov hier nur mit 11.Lxf6 gxf6 konfrontiert worden. In der ersten Partie wich er gegen seinen Landsmann Gashimov in Elista nach 12.Ld3 Dc7 13.De3 Ld7 14.Kb1 durch 14...Dc5N von bekannten Vorbildern ab.;
11.Lxf6 gxf6 In der zweiten Partie lieferte er sich mit Vladimir Akopian in einem auf Kasparov zurückgehenden Abspiel ein scharfes theoretisches Duell, in dem der armenische Großmeister nach 12.e5 d5 13.Kb1 Lb7 14.f5! fxe5 15.Dxe5 Lf6 16.Dg3 De7 17.fxe6 fxe6 18.Le2 h5 19.a4 h4 20.Dg6+ Df7 mit 21.Dg4N eine starke theoretische Neuerung brachte. 11...Lb7 12.Lf3 0-0!
Elf Jahre früher spielte Alexei mit Schwarz und Weiß je eine Partie mit Tc8. Wie bei Shakhriyar blieb Weiß auch hier beide Male siegreich. Da der weiße Angriff eher im Zentrum als auf dem Damenflügel zu erwarten ist, erscheint der Partiezug aber logischer, was auch von den praktischen Ergebnissen bestätigt wird. 12...Tc8 13.Lxf6 gxf6 14.f5 Tc4 (14...Da5 15.fxe6 fxe6 16.Kb1 Kd7 17.e5 Lxf3 18.exd6 Lxd1 19.Txd1 Lf8 1-0 Polgar,J (2670)-Shirov,A (2710)/Wijk aan Zee 1998 20.b4+- Da3 (20...Dd8 21.Da7+ Kc6 22.Dxa6+ Kd7 23.Db7+) 21.Se4 f5 22.Td3) 15.Dd3 Dc7 16.fxe6 fxe6 17.Se2 Dc5 18.Kb1 De5 19.Sd4 h5 20.The1 Kd7 21.g3 Tg8 22.Lg2 Tg4 23.Sf3 Dc5 24.Sd2 Ta4 25.Lh3 Tg5 26.Sf3 Tg7 27.Sd4± 1-0 Shirov,A (2720)-Pelletier,Y (2525)/Elista 1998 13.e5 Lxf3
Dazu gibt es in der MegaBase 2009 sieben Partien, in denen Weiß jedoch keinen Vorteil erreichen konnte.
14.exf6 14.gxf3 dxe5 15.Dxe5 Db8 16.Thg1 Kh8= ½-½ Smirnov,P (2579)-Mamedov,R (2631)/Khantiy Mansiysk 2008 14...gxf6 15.gxf3 fxg5 16.Se4 d5 17.Sxg5 17.h4 Dc7 18.Sxg5 Dc4 19.De5 Tac8 20.c3 Dc7= ½-½ Motylev,A (2680)-Gelashvili,T (2577)/Dubai 2005 17...Lf6 18.Dd3 Lxg5 19.Thg1 Df6 20.fxg5
Mit diesem Zug bot Alexei Remis an und gestand damit ein, nichts aus der Eröffnung herausgeholt zu haben. Shakhriyar spielte zwar noch einige Züge weiter, an der Stellungsbewertung und am Endergebnis der Partie ändert das aber nichts.
20...Dg6 21.f4 Tac8 22.f5 exf5 23.Tgf1 Tfe8 24.Dxf5 Dxf5 25.Txf5 Te2 26.Td2 Te1+ 27.Td1 Te2 28.Td2 ½-½
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 0,5:0,5
Tags zuvor hatte Eljanov in einer Seeschlange von 127 Zügen gegen Berkes verloren. Das und die grünfeldindische Verteidigung Svidlers führte seitens des Anziehenden offenbar von vornherein zu einer gewissen Remisfixierung.
Eljanov,Pavel (2720) - Svidler,Peter (2727) [D91]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.d4 Sf6 2.c4 g6 3.Sc3 d5 4.Sf3 Lg7 5.Lg5 Se4 6.Lf4 Sxc3 7.bxc3 c5 8.e3 0-0 9.cxd5 Dxd5 10.Le2 cxd4 11.cxd4 Sc6 12.0-0 Lf5 13.Da4 Da5 14.Db3 Db4 15.Tfc1 a6
So hatte Svidler bei der Olympiade zuerst gespielt. 16.Lc4 In Dresden kam Peter im OSG-internen Duell nach 16.h3 Tac8 17.g4 Le4 18.Dd1 Tfd8 (18...Da3!?= 19.Sg5 Ld5 20.e4 Le6 21.d5 Lxa1 22.Txa1 Tfd8) 19.a3 Da5 20.Sd2 Ld5 21.Tc5 Db6 22.Tb1 Da7 23.Tbc1 e6 24.Lf3 Da8 25.Lg5 f6 26.Lh4 g5 27.Lg3 Se7 28.e4± gerade noch mit einem blauen Auge gegen Paco davon (Remis im 38.Zug). Aber sicher hatte Peter seine Variante zwischenzeitlich repariert. 16...Dxb3 17.Lxb3 Tac8 18.Ld5 Sa5 19.Se5 Lxe5 20.Lxe5
Mit einem Remisangebot, das der Nachziehende kaum ausschlagen konnte, da er nach 20.Lxe5 Le6
aufgrund des weißen Läuferpaars noch immer etwas unter Druck steht. Wahrscheinlich war beiden Spielern klar, wie dieser zu neutralisieren ist, jedoch hätte es nicht geschadet, das dem einfachen Publikum mit ein paar Zügen mehr auf dem Brett auch zu zeigen. ½-½
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 1:1
Zu wissen, was man am besten gegen wen spielen soll, ist oft die halbe Miete! Roiz spielt auch e5, aber es nicht seine Hauptwaffe gegen 1.e4. Gegen ihn spielt Naiditsch Schottisch statt Spanisch und wirft damit ihn aber auch sich selbst aus dem Buch! Aber dennoch hatte Arkadij drei Vorteile auf seiner Seite: Er wußte vorab, was auf dem Brett stehen würde! Mit Dusan Pavasovic ist ein Experte dieser Eröffnung einer seiner Sparringspartner! Immerhin hatte er mit Schwarz einige praktische Erfahrungen. Ärgerlich mag nur gewesen sein, daß er nicht genau wissen konnte, für welche Verteidigung sich Michael entscheiden würde...
Naiditsch,Arkadij (2678) - Roiz,Michael (2677) [C45]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.d4! exd4 4.Sxd4 Lb4+!? Eine seltene, aber spielbare Variante. Häufiger ist 4...Sf6 5.Sxc6 bxc6 6.e5 De7 7.De2 Sd5 8.c4 oder 4...Lc5. Jedoch konnte sich Roiz sicher sein, daß Naiditsch auf diese beiden Varianten hervorragend vorbereitet sein würde. 5.c3 Lc5 6.Le3 Lb6
7.f4!? Ein neuer Zug, der zwar nicht stärker ist als die bereits bekannten Züge, Schwarz aber immerhin vor neuen Problemen stellt. Die erprobten theoretischen Alternativen sind 7.Dg4 sowie 7.Sf5 7...Sge7
Schwarz entwickelt sich solide und plant nach 0-0 und d7-d6 das Zentrum mit f7-f5 anzugreifen. Dagegen hätte er mit dem frechen 7...Sf6!? versuchen können, das weiße Konzept in Frage zu stellen. 8.c4!
Die konsequente Fortsetzung der weißen Strategie: der Vorstoß d7-d5 ist aus der Welt und dem Sb1 wird sein angestammtes Feld auf c3 geräumt. 8...d6 9.Sc3 0-0 10.Le2 f5 Möglich ist auch 10...Sxd4 11.Lxd4 Sc6 12.Lxb6 axb6 13.0-0 jedoch wäre die weiße Stellung dann aufgrund seines Raumvorteils und des starken Vorpostenfeldes auf d5 leicht, aber dauerhaft vorzuziehen. 11.Sxc6
11...bxc6?! Mit diesem frechen Schlagen macht Roiz dem Sc3 das Vorpostenfeld d5 streitig, provoziert gleichzeitig aber auch das folgende Opferspiel. Solider war 11...Sxc6 12.Lxb6 axb6 13.exf5 Lxf5 14.0-0 Df6 15.Lf3 mit einem der letzten Variante ähnlichen Stellungsbild. 12.c5! Lxc5 13.Lxc5 dxc5 14.Db3+ Kh8 15.Td1 De8 16.e5
Diese Stellung war nach dem elften Zug von Schwarz praktisch erzwungen. Von einem weißen Bauernopfer zu sprechen, befremdet eigentlich etwas, da er praktisch über eine Gewinnstellung verfügt, wenn es ihm nur gelingt, seine Entwicklung abzuschließen. Insofern liegt die eigentliche "Kompensation" für die schlechte schwarze Stellung in seinem Entwicklungsvorsprung.
16...g5? Damit bricht Schwarz die Brücken hinter sich ab und sucht die Entscheidung im Mittelspiel. Da er dabei die eigene Königsstellung irreparabel schwächt, geht dieses Unterfangen schief. Vernünftige Rettungschancen hätte er dagegen noch in dem Endspiel nach 16...Sd5 17.Sxd5 Le6 18.Lc4 cxd5 19.Lxd5 Tb8 20.Dc2 Lxd5 21.Txd5 Db5 22.b3 gehabt, da die Stellung schon weitgehend vereinfacht ist und die aktive Figurenstellung leidlich für die schlechte Bauernstruktur kompensiert. 17.0-0 Das ist nicht schlechter als die Computervariante 17.fxg5 Sg6 18.0-0± Dxe5 (18...f4 19.Lf3) 19.Lf3 17...Sg6 17...gxf4 18.Lc4 Sg6 19.e6± 18.Lh5!? Arkadij kämpft konsequent um die Kontrolle der schwarzen Felder.
18...gxf4 19.Se2 Interessant, dass die Engines erst einige Zeit brauchen, um das weiße Spiel zu verstehen, dennoch hat alles seine Richtigkeit! 19...La6 Nach 19...Dxe5 20.Lxg6 ist der weiße Angriff einfach zu stark. 20...Dxe2 (20...hxg6 21.Sxf4 Df6 22.Tf3+-; 20...Le6 21.Dh3 De3+ 22.Dxe3 fxe3 23.Lh5+-) 21.Dc3+! Kg8! 22.Tde1+- Dg4 23.Lxh7+ Kxh7 24.Te7+ Kh6 25.Tf3 20.Lxg6 Gut genug ist auch 20.e6 Lxe2 21.Dc3+ Kg8 22.Lxe2± jedoch haben die Engines bei der Partiefortsetzung immer noch mit Horizionteffekten zu kämpfen. 20...hxg6 Einfach nachzuvollziehen ist 20...Dxg6 21.Sxf4± überraschend und schön ist aber 21.Sxf4 Lxf1 22.e6!+-
Trotz Mehrturms ist Schwarz den weißen Drohungen (Td7 und Dc3+) wehrlos ausgeliefert. Ein nicht unwesentliches Detail ist, daß 22.e6 Td8 an der Hinlenkung 23.e7 Dxe7 und der Gabel 24.Sxg6+ scheitert. 1-0
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 1-2
Schon letztes Jahr war Alexander Areshenko im Wettkampf gegen Baden-Baden unter den Gewinnern gewesen. Allerdings hatte er damals in einer dramatischen, fehlerreichen Partie gegen Paco sehr viel Glück gehabt. Diesmal machte er selbst keine Fehler und hatte nur das Glück von Sergei Movsesian einen auf diesem Niveau seltenen Elfmeter aufgelegt zu bekommen.
Areshchenko,Alexander (2664) - Movsesian,Sergei (2732) [B83]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e6 6.Le2 Le7 7.0-0 0-0 8.Le3 Sc6 9.Kh1!?
Schwer zu sagen, was den Anziehenden zu dieser eigenartigen Zugfolge bewog. Ob er die alte Spasskyidee 9.f4 e5!? umgehen wollte? Jedoch wäre 9...e5 auch in der Partie möglich gewesen. 9...Ld7 10.f4 Sxd4 11.Lxd4 Lc6 12.Ld3
12...d5?!
Zwar wollen ohne Eröffnungsbuch auch Rybka 3 und Fritz 11 so spielen, jedoch ist der Übergang in französische Strukturen hier strategisch falsch, denn das Zentrum wird geschlossen, so daß Weiß freie Hand am Königsflügel erhält, während Schwarz ohne Gegenspiel bleibt. Der theoretische Hauptzug lautet hier eigentlich 12...Sd7 aber auch 12...Dd7 oder 12...Dc7 erscheinen stellungsgerecht. 13.e5 Se4 14.De2
14...Sxc3? Das ist konsequent, jedoch entwickelt sich die Partie danach zunehmend in der oben beschriebenen Weise. Da Schwarz aus dem Doppelbauern auf der c-Linie keinen Profit zu schlagen vermag, hätte er vielleicht am besten versuchen sollen, mit 14...Sc5 einen der beiden weißen Angriffsläufer abzutauschen. Sinn macht es auch 14...Lb4 zu spielen, um den Läufer auf c3 abzutauschen und den Zentralspringer auf e4 zu behaupten. 15.De3 Lxc3 16.bxc3 Da5 17.f5 exf5 18.Txf5 Tae8 19.Taf1 mit Initiative für Weiß. 15.bxc3 g6 16.g4 Während das weiße Spiel am Königsflügel zunehmend konkreter wird, ist für Schwarz kein rechtes Gegenspiel in Sicht. Dennoch sehen die Engines die Stellung nach wie vor als etwa ausgeglichen an. Wie mir scheint, ein typisches Computerschachphänomen, für das bereits vor Jahren der Begriff der Königsdrift geprägt wurde: Eisschollen gleich driften die weißen Figuren nach und nach zum Königsflügel und bis kurz vor der tödlichen Kollision erkennen die Engines die Gefahr aber nicht - so auch hier...
16...Te8 17.f5 Lf8 18.Tf3 Dh4
Mit dem Damenausfall versucht Schwarz das weiße Spiel am Königsflügel zu hemmen, wird kurz darauf aber nur selbst Ziel des Angriffs.
19.Dg2 b5 20.Taf1 a5 Auch keine Rettung mehr brachte 20...Dg5 21.h4!? Dxh4+ 22.Th3 Dg5 23.Le3 Dd8 24.Dh2+- oder 20...Lh6 21.f6 mit der Idee ?Tg1, g5, Th3, Tf1+- 21.fxg6 fxg6 22.g5+-
Die nette, schöne, aber nicht überraschende Schlußkombination. 22...Le7 23.Tf4 Dxg5 24.Dh3 Lf8 25.Txf8+ Txf8 26.Dxe6+ Kg7 27.Tg1 Dh5 28.Dxc6 Die beiden weißen Läufer sind natürlich viel stärker als der schwarze Turm. 28...Df3+ 29.Tg2 Tf4 29...Dd1+ 30.Lg1 30.Le2 1-0
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 2-2
Meier und Harikrishna folgten zwar nicht wie die beiden Spitzenbretter bis zum "unausweichlichen Remisschluß" theoretischen Hauptvarianten, rechte Spannung wollte aber dennoch nicht aufkommen. Georg scheute wohl die Verantwortung bei einem so wichtigen Wettkampf seinen nominell höher bewerteten Gegner so erfrischend direkt anzugehen, wie er es bei der Olympiade gegen Cheparinov gewagt hatte. Einige Zeit verwaltete er einen symbolischen Minimalvorteil, mit dem er auch gut über die volle Distanz hätte gehen können, dann war er aber doch zufrieden mit der Schaukel, die sich kurz vor dem 30.Zug ergab.
Meier,Georg (2558) - Harikrishna,Penteala (2659) [A05]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.Sf3 Sf6 2.g3 c5 3.Lg2 g6 4.c4 Sc6 5.Sc3 d6 6.d4 cxd4 7.Sxd4 Ld7 8.0-0 Lg7 9.Sc2 0-0 10.b3 Da5 11.Lb2 Dh5 12.Se3 Lh3 13.Dd2 Lxg2 14.Kxg2 Da5 15.Tfd1 Tfd8 16.Sed5 Sxd5 17.Sxd5 Dxd2 18.Txd2 Lxb2 19.Txb2 Tab8 20.Td2 Kf8 21.f4 Tdc8 22.Tc1 Sd8 23.Tc3 Se6 24.g4 Sc7 25.Th3 Sxd5 26.Txd5 Kg7 27.Te3 Kf8 28.Th3 Kg7 29.Te3 Kf8
½-½
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 2,5-2,5
In den letzten drei Jahren scheint es sowohl für Tomi Nyback als auch für Rustem Dautov nur einen Gegner, eine Farbe und eine Eröffnung zu geben. Nur bei den Ergebnissen gab es bislang keine Wiederholungen! Die erste "Matchpartie" der beiden endete in Hamburg Remis, letzte Saison gewann Rustem in Bremen und nun war in Eppingen Tomi dran.
Nyback,Tomi (2634) - Dautov,Rustem (2601) [D15]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.d4 Sf6 2.c4 c6 3.Sc3 d5 4.Sf3 a6
Die Chebanenko-Variante, auf die sich Rustem seit Jahren nicht nur gegen Tomi Nyback gerne verläßt.
5.c5 So spielte Nyback in der ersten und dritten Partie. In der zweiten Partie machte er dagegen keine guten Erfahrungen mit 5.a4 e6 6.Lg5 Sbd7 7.a5 Lb4 8.Da4 Le7 9.e3 0-0 10.Db3 h6 11.Lf4 Sh5 12.cxd5? Der Übergang in eine Karlsbader Struktur war hier ein grober strategischer Fehler. 12...exd5 13.Lg3 Sxg3 14.hxg3 Sf6 15.Ld3 Ld6 0-1 Nyback,T (2565)-Dautov,R (2582), Deutschland 2007. Aufgrund seines Läuferpaars stand Schwarz bereits deutlich besser, zumal Weiß aufgrund des Bauern a5 am Damenflügel keine Fortschritte machen kann. (Für eine ausführliche Kommentierung dieser Partie siehe meinen Matchbericht vom vergangenen Jahr auf dieser Webseite) 5...Lf5 6.Lf4 Sbd7 7.e3 e6 8.Sd2
Diese Umgruppierung geht auf Kramnik zurück. Weiß will den starken Lf4 behaupten. Prinzipiell spielt er am Damenflügel, jedoch kann er gelegentlich mit einem Bauernsturm am Königsflügel loslegen, wenn Schwarz seine Königsstellung zu früh festlegt.
8...Le7 9.Le2 Lg6 10.b4 Im ersten Jahr hatte es an Brett 8 eine "Zwillingspartie" zu Nyback-Dautov gegeben. Diese entwickelte sich wie folgt: 10.0-0 0-0 11.Tc1 Te8 12.Lg3 Dc8 13.b4 Ld8 14.Sb3 Lc7 15.Lxc7 Dxc7 16.f3 e5 17.Dd2 h6 18.Tfe1 Te7 19.a4 Sf8 20.b5 axb5 21.axb5 Tae8 22.b6 Dc8 23.Ta1 Df5 24.Sa5 Dg5 25.Ted1 Se6 26.Lf1 h5 27.Se2 h4 28.Sb3 1-0 Schandorff,L (2517)-Buhmann,R (2546), Deutschland 2006. Und hier hätte Buhmann mit 28...h3! am Königsflügel eine schöne Initiative entfalten können. Dagegen gelang es Schandorf in der Folge die Partie am Damenflügel für sich zu entscheiden. 10...Dc8 11.a4!?
Weiß wartet noch einen Zug mit der Rochade, um vielleicht doch noch am Königsflügel loslegen zu können. In der ersten Partie hatte Nyback noch brav rochiert, jedoch konnte Dautov darauf nach und nach ausgleichen: 11.0-0 0-0 12.a4 b6 13.cxb6 Sxb6 14.a5 Sbd7 15.Sa2 Db7 16.Tc1 Tfc8 17.Tc3 Se8 18.Da4 Sd6= ½-½ Nyback,T (2563)-Dautov,R (2581)/Germany 2006/CBM 112/[Dautov]. 11...0-0!?
Rustem nimmt die Herausforderung an, schließlich ist er gut entwickelt und Weiß hat sich mit a4 auch geschwächt. 12.h4! h6 13.g4 a5! Natürlich muß Schwarz jetzt energisch handeln. 14.bxa5 e5! 15.dxe5 Se8 16.g5
16...hxg5 Eine interessante Alternative bestand in dem Blockadeopfer 16...h5!?, um den Königsflügel geschlossen zu halten. In der Partie verschärft sich das Geschehen durch die Öffnung der h-Linie nun weiter, jedoch ist aus schwarzer Sicht alles im Lot. 17.hxg5 Sxc5 18.Lg4 Lf5!
Jetzt gelangt die schwarze Dame zwar schneller auf die offene h-Linie jedoch kann er dort seinen Angriff nicht entscheidend verstärken. Schwächer waren dagegen die beiden Damenzüge 18...Dd8? 19.Df3 Lxg5 20.Lxg5 Dxg5 21.Dh3 f5 (21...Sd3+ 22.Ke2 f5 23.Lf3 Sxe5 24.Sxd5 mit Initiative) 22.Le2 und 18...Dc7? 19.Df3 Lxg5 20.Dh3 Lh6 21.Lxh6 gxh6 22.f4 f5 23.Le2? wonach es für Schwarz zu gefährlich wird. 19.Lxf5 Dxf5 20.Dh5 f6
Unglaublich, aber die schwarze Verteidigung hält! 21.gxf6 21.exf6 gxf6 22.Se2 Sg7 23.Sd4 Dd3= 21...Dxh5 22.Txh5 gxf6 23.Ke2 Sg7?! Einfacher und völlig unproblematisch aus schwarzer Sicht war 23...fxe5 24.Lxe5 (24.Lh6 Sg7 25.Tg1 Tf7 26.Sf3 Sd7=; 24.Tg1+ Kf7=) 24...Sf6 25.Tf5 Sg4 26.Txf8+ Kxf8 27.Ld4 Txa5= 24.Tg1
24...Txa5?? Ein grober taktischer Fehler, nach dem Schwarz eine Fgur und die Partie verliert. Notwendig war 24...Sce6, wonach Weiß zwar etwas Druck behauptet, die schwarze Verteidigung aber nach wie vor intakt sein sollte. 25.Sf3 a) 25.Lh6 Lb4; b) 25.Lh2 Kf7=; c) 25.Th6 Txa5 (25...Sxf4+ 26.exf4 fxe5 27.fxe5 Lb4 28.Thg6 Tf7 29.Kd3 Lxa5 30.f4 mit Initiative) 26.Sb3 Taa8 27.Sd4 Kf7 28.Sxe6 Sxe6 29.Th7+ Ke8 30.Lh6 Tf7 31.Th8+ Lf8 32.Lxf8 Txf8 33.Txf8+ (33.Th6) 33...Kxf8 34.Tg6 Sc5 35.Txf6+ Ke7 36.f4 Sxa4 37.Sxa4 Txa4 38.Th6; 25...Lb4 a) 25...Sxf4+ 26.exf4 fxe5 27.fxe5 Tf4 28.Th6 d4 29.Sd1 Txa5 30.Sb2; b) 25...Kf7 26.Th7 Th8 27.Txh8 Txh8 28.Tb1 Sc5 29.a6 bxa6 30.Tb6 (30.Sd4 Tc8 31.Tb6) 30...Tc8 31.Sd4 Sge6 32.Sxc6 Ld8 33.Sxd8+ Txd8 34.a5 (34.f3 d4 35.Se4 Sxe4 36.fxe4 d3+ 37.Kd1 fxe5 38.Lxe5 Sc5) 34...d4 35.Sd1 d3+ 36.Ke1 (36.Kf3 Sd7 37.Tb7 Sxf4 38.exf4 fxe5) 36...fxe5 37.Lxe5 Sd7 38.Tb7 Sg5=; 26.Sd1 (26.Sa2 Lxa5 27.Lh6 fxe5 28.Lxg7 (28.Txe5 Kf7=) 28...Sxg7 29.Thg5 Tf7 30.Sxe5 Te7 31.Sg6) 26...Txa5 (26...Kf7; 26...Lxa5) ;
Zu spät war es dagegen für 24...fxe5? 25.Lxe5 Lf6 26.Sc4!± 25.Lh6+- Sce6 26.Sb3 Tfa8 27.Sd4 Kf7 28.Lxg7 Sxg7 29.Th7 Lf8 30.e6+ Kg8 31.Tgh1 1-0
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 3,5-2,5
Etienne Bacrot scheint der Angstgegner (bête noir) seines Landsmanns Laurent Fressinet zu sein, zumindest deutet deren persönliches Score von +10, =2, -2 stark darauf hin. Bacrot konnte um weiteren Sieg erhöhen, da Fressinet in der entscheidenden Phase der Partie zwischen dem 20. und 32. Zug zu zögerlich spielte. Dagegen konnte ich in dem Damenendspiel, in dem man sich auf Bremer Seite noch Hoffnungen ausmachte, keine Rettungschancen für Schwarz ausmachen.
Bacrot,Etienne (2705) - Fressinet,Laurent (2676) [C80]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.0-0 Sxe4 6.d4 b5 7.Lb3 d5 8.dxe5 Le6 9.Sbd2 Sc5 10.c3 d4 11.Lxe6 Das Talsche Springeropfer 11.Sg5!?, das von Karpov 1978 und Kasparov 1995 in WM-Kämpfen gespielt wurde, ist ein anderes Kapitel. 11...Sxe6 12.cxd4 Scxd4 13.a4
Dieser Zug geht auf Karpov zurück, der damit die Schlußpartie des WM-Kampfes 1981 gegen Kortschnoi damit für sich entschied. 13...Lb4 13...Le7 14.Sxd4 Sxd4 15.Se4 Se6 16.Le3 0-0 17.f4± 1-0 Karpov,A (2700)-Kortschnoj,V (2695), Meran 1981. 14.axb5 Sxf3+ Gespielt wird auch 14...Sxb5, jedoch scheint Schwarz damit seine Eröffnungsprobleme nicht ganz lösen zu können, zumindest kam er damit letztes Jahr so unter die Räder: 15.Da4 Le7 16.Se4 0-0 17.Td1 Dc8 18.Le3 Te8 19.h4 h6 20.Tac1 Db7 21.Sg3 Ted8 22.Dg4? Kh8 23.Dh5 Kg8 24.Txd8+ Txd8 25.Lxh6! gxh6 26.Sf5 Lf8 27.Tc4+- 1-0 Almasi,Z (2667)-Mikhalevski,V (2632), Heviz 2008. 15.Sxf3 axb5 16.Txa8 Dxa8 17.Sg5
17...Le7N Ganz falsch ist 17...Dc6? 18.Dg4 Dc4 19.Df5 Sd8 20.Td1+- Dc6 (20...Le7 21.Le3 Dc6 22.Txd8+ 1-0 Ganguly,S (2583)-Iuldachev,S (2537)/Dhaka 2005) 21.Sxh7 Le7 ½-½ Kramnik,V (2754)-Shirov,A (2713), Monte Carlo 2005 und 22.Lg5! 18.Sxe6 fxe6 19.Dg4 Kf7
Wie lautet nun das Ergebnis der Eröffnung? Schwarz steht fest, jedoch verfügt Weiß über die bessere Bauernstruktur. Der schwarze König steht auch offen, aber die Stellung ist zu sehr vereinfacht als daß Weiß dies leicht ausnutzen könnte. Kurz, die Stellung ist noch heiß, Schwarz ist dem Ausgleich nahe, jedoch hat Weiß nach wie vor Druck.
20.Df4+ Die Engines wollen 20.Lg5!? sehen und sehen Weiß danach im Plus, aber ob das auch auf Dauer zu behaupten ist? 20...Ke8 21.Le3 Tf8 Ein natürlicher Zug, jedoch wollen die Engines mit 21...Dd5!? ausgleichen. 22.Dg4 Kf7 23.h3 Dd5 Vielleicht sollte Schwarz hier die Gelegenheit nutzen mit 23...c5!? seine Mehrheit am Damenflügel zu aktivieren. In der Partie wird er nicht mehr dazu kommen, so daß Weiß quasi mit einem "gefühlten" Mehrbauern spielen wird. 24.Dh5+ Kg8 25.Td1 Dc6 26.Tc1
26...Dd7 Ohne Fressinet einen richtigen Fehler ankreiden zu können, hat man doch den Eindruck, dass er in einer scharfen Stellung zu vorsichtig spielt. So gefällt mir die aktive Verteidigung 26...Dd5 besser. Nach 27.Txc7 Ld6 28.Td7 Dxe5 29.Dd1 steht der Anziehende aufgrund der besseren Struktur noch geringfügig besser. Die Stellung ist aber bereits weitgehend vereinfacht und die schwarzen Figuren sind so aktiv, dass es schwer zu glauben ist, dass Schwarz nicht Remis halten können sollte. 29...Lc5 (29...Dh2+ 30.Kf1 Lb4 31.Ld4 g6 32.Ke2 Tf7 33.Txf7 Kxf7 34.Db3 Le7 35.Df3+) 30.Lxc5 Dxc5 31.De2] 27.Dg4 Tc8 28.Td1 Dc6 29.h4 mit Initiative. Da sich sein Gegner ausschließlich abwartend passiv verteidigt, nutzt Etienne die Gelegenheit seinen h-Bauern aufzuziehen, um eine Bresche in die schwarze Königsstellung zu schlagen.
29...Kh8 30.h5 Lf8 31.Lg5 De8 32.h6±
Ab hier scheint mir der weiße Vorteil unstrittig zu sein. Bei dessen Verwertung räumt Etienne in der Folge Laurent keinerlei Gegenchancen ein. 32...Df7 33.Td3 Te8 34.Tf3 Dg6 35.Df4 Df5 36.De3 Db1+ 37.Kh2 Dg6 37...Dxb2?? 38.Df4 Db4 39.hxg7++- 38.Df4 gxh6 39.Lf6+ Lg7 40.Tg3 Dh5+ 41.Th3 Df7 42.Lxg7+ Vielleicht war 42.Txh6 Kg8 43.Th4 Lxf6 44.exf6 Td8 45.Th3+- noch stärker. 42...Dxg7 43.Txh6 Tf8 44.Tf6 Kg8 45.g4 Txf6 46.exf6
Der Bauer f6 bildet nun eine Art Sargnagel. Er ist nicht zu beseitigen und bindet doch die schwarze Dame.
46...Dd7 46...Dg6 47.Kg3+- 47.Dg5+ Kf8 48.b4+- Damit wird endgültig klar, dass die schwarze Mehrheit am Damenflügel keine Rolle in der Partie mehr spielen wird. 48...c6 49.Kh3 Da7 50.De3 Dd7 51.Dh6+ Ke8 52.Dg5 Kf8 53.Kh4 Df7 54.f4 Da7 55.Kh5 Db7 56.Kh6
Schwarz ist wehrlos gegen die Drohung Dg7+. 1-0
Stand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 3,5-3,5
Leicht hätte diese Partie zum Siegpunkt auf Seite der OSG Baden-Baden werden können, ja vielleicht sogar müssen! Gegen den Najdorf Efimenkos entschied sich Adams nicht zu irgendeiner scharfen, modernen Variante, sondern grub ein schon fast vergessenes Abspiel aus, in dem weniger der schwarze König als der schwarze Damenflügel das Ziel der weißen Bemühungen ist. Im frühen damenlosen Mittelspiel nutzt die englische Nummer 1 einige strategische Fehler seines Gegners aus und erlangt eine posititionelle Gewinnstellung, scheitert in der Folge aber an deren Verwertung.
Adams,Michael (2734) - Efimenko,Zahar (2680) [B92]
BL 0809 SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden, 01.03.2009
1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 a6 6.Le2 e5 7.Sb3 Le7 8.0-0 0-0 9.Le3
Die Grundstellung des Geller-Karpov-Systems, in dem der Anziehende auf das in den meisten Sizilianern sonst übliche Spiel mit f2-f4 am Königsflügel verzichtet: meist wird der schwarze Damenflügel durch a4-a5 eingeschnürt. Später soll der schlecht stehende Sb3 durch das Manöver Sb3-c1-a2(d3)-b4 verbessert und die Kontrolle über das schwache Feld d5 errungen werden. Häufiger spielt Weiß aber auch einfach direkt Sc3-d5 und setzt auf eine Bauernmehrheit am Damenflügel. Zur Veranschaulichung dieser Ideen habe ich in der Folge neben den Partien unserer Akteure auch die besten Modellpartien der Ahnherren zitiert.
9...Le6 9...Dc7 10.a4 (10.Dd2 Sbd7 (10...b6 11.Tfd1 Le6 12.a4 Sbd7 13.f3 Db7 14.Sc1! Tfd8 15.S1a2 Sc5 16.Sb4± 1-0 Geller,E-Bolbochan,J/Stockholm 1962) 11.a4 b6 12.Tfd1 Lb7 13.f3 Tfd8 14.Lf1 Sc5 15.Sxc5 dxc5 16.Df2 Txd1 17.Txd1 Td8 18.Txd8+ Lxd8 19.Lc4 Le7 20.De2 Dc8 21.Dd3 h6 22.Kf1 Lf8 23.Ke1 Le7 24.Lf2 Kf8 25.Lg3 Sd7 26.Sd5± 1-0 Geller,E-Bertok,M, Belgrad 1961 ) 10...Le6 11.a5 Sbd7 (11...Dc6 12.Lf3 Sbd7 13.Sd5 Lxd5 14.exd5 Db5 15.Dd3! 1-0 Smyslov,V-Tal,M/Bled/Zagreb, Belgrad 1959) 12.Sd5 Sxd5 13.exd5 Lf5 14.c4 Lg6 15.Tc1 Sc5 16.Sxc5 dxc5 17.b4! Tac8 18.Db3 1-0 Geller,E-Fischer,R, Curacao 1962. 10.Dd2 Sbd7 11.a4 Tc8 11...Dc7 12.Tfd1 Tac8 13.a5 Tfe8 (13...Tfd8 14.De1 Dc6 15.Lf3 Lc4 16.Sc1 h6 17.S1a2 Sc5 18.Sb4 De8 19.g3 Tc7 20.Lg2 Tdc8 21.b3 Le6 22.Scd5± 1-0 Karpov,A (2720)-Nunn,J (2600), Amsterdam 1985) 14.h3 h6 15.De1 Db8 16.Lf3 Tc4 17.Sd2 Tc6 18.Sf1 Tec8 19.Ld2 b6 20.Se3 1-0 Adams,M (2729)-Svidler,P (2746), Baku 2008;
11...Sb6 12.a5 Sc4 13.Lxc4 Lxc4 14.Tfd1 h6 15.Sc1 Tc8 16.Sd3 Le6 17.Lb6 De8 18.f3 Sd7 19.Le3 f5 20.exf5 Txf5 21.Sb4 Sf6 22.Sbd5 Sxd5 23.Sxd5 Lf8 24.b3 Df7 25.Sb6 Tc6 26.c4 1-0 Karpov,A (2725)-Quinteros,M (2540), Luzern 1982. 12.a5 h6 12...Te8 13.Tfd1 h6 14.Sc1 Dc7 15.Lf3 b5 16.axb6 Sxb6 17.Le2 Sc4 18.Lxc4 Lxc4 19.De1 Db7 20.b3 Le6 21.f3 d5 mit klar besserer Stellung für Schwarz in Nevostrujev,V (2495)-Efimenko,Z (2594)/St Petersburg 2004: 12...Dc7 13.Tfc1 Dc6 14.Lf3 Lc4 15.Ta4 Tfd8 16.Tb4 Dc7 17.Sd5 Sxd5 18.exd5 f5 19.Le2 Lxb3? 20.Txb3 f4? 21.Lb6 Sxb6 22.Txb6 Lg5 23.Lg4 Tb8 24.Te1 Dc5 25.Te4± Karpov,A (2720)-Portisch,L (2630), London 1982. 13.f3 Dc7 14.Tac1 Sc5 14...Tfe8 15.Sd5 Lxd5 16.exd5 e4 17.f4 Sc5 ½-½ Kruppa,Y (2505)-Savon,V (2435), Alushta 1994. Da nach dem Abtausch auf c5 die schwarzfeldrige Blocke kaum zu durchbrechen war, ist hier nach Adams Vorbild wohl 18.Sa1!? einen Versuch wert. Weiß will mit Tempo b4 und c4 spielen, mit seinem Springer nach b3 zurückkehren und langfristig c4-c5 durchsetzen. 15.Sd5 Sxd5 Durchaus möglich war alternativ 15...Lxd5 16.exd5 e4! (16...Sxb3?! 17.cxb3 Dd7 18.Tc4) 17.Sa1!? Diese Idee ist auch hier möglich und interessant, jedoch bietet sie aufgrund des zerrütteten weißen Königsflügels hier wesentlich mehr Gegenchancen. (17.Sxc5 dxc5 18.c4 Ld6 19.f4=) 17...exf3 18.gxf3 Tfe8 19.b4 Scd7 20.c4 Se5 21.Sb3 Dd7 22.Kh1 Dh3 23.Sd4 unklar. 16.exd5 Lf5
17.Sa1! Ein interessantes Patent, durch das es Adams gelingt, die Beweglichkeit seines Damenflügels aufrecht zu erhalten. 17...Dd8 18.b4 Sd7 19.Sb3 Lg5
Trotz der interessanten Idee 17.Sa1 sollte die schwarze Stellung hier in Ordnung sein. 20.Lxg5!?
Eine überraschende Entscheidung, denn es ist nicht klar, für wen der Doppelbauer auf der g-Linie von Vorteil sein wird: einerseits verliert die schwarze Mehrheit an Beweglichkeit, jedoch wird Weiß auch die Option fehlen das Feld d4 später eventuell durch f3-f4 freizukämpfen.
20...Dxg5 Schwarz sollte die Damen auf jeden Fall mit abtauschen, um eine dauerhafte Bindung seiner stärksten Figur an den Bauern g5 zu vermeiden. 21.Dxg5 hxg5 22.c4 Sf6 23.Tfd1
23...Ld7? Ein grober strategischer Fehler, durch den Weiß entscheidend Zeit für die Verwirklichung seiner Ziele gewinnt. Am besten sollte Schwarz mit 23...g4 seinen Doppelbauern auflösen und versuchen, seine eigene Mehrheit in Bewegung zu bringen, oder sich mit 23...Tfd8 gegen den von Weiß angestrebten Vorstoß c4-c5 stemmen und die Zentralisierung seines Königs vorbereiten. 24.Sd2! Der Springer wird am Damenflügel nicht mehr gebraucht. Adams will ihn daher über f1 und e3 oder g3 aktivieren oder über e4 abtauschen. 24...g6?! Die Tatsache, dass die meisten Engines mit 24...Lf5 den letzten Zug am liebsten zurücknehmen wollen, sagt eine Menge über die Qualität der beiden letzten schwarzen Züge aus, jedoch kann Weiß die gewonnene Zeit nutzen und seine Figurenstellung weiter für den thematischen Vorstoß c4-c5 optimieren. 25.Sf1 Sd7 26.Tc3 und Schwarz wird es nicht gelingen, Weiß dauerhaft an dem thematischen Vorstoß c4-c5 zu hindern. Besser als der Partiezug war wohl auch 24...g4 25.Se4 gxf3 26.Sxf6+ gxf6 27.gxf3 obwohl die weiße Stellung zweifellos vorzuziehen ist. 25.Se4!± Sxe4 26.fxe4
Der weiße Vorteil gründet sich hier auf drei Aspekten:
1) Im Endspiel ist die vom König entfernte Mehrheit gefährlicher.
2) Das weiße Spiel am Damenflügel ist weiter fortgeschritten als das schwarze am Königsflügel.
3) Der "gute" Läufer von Schwarz ist ohne Funktion, dagegen leistet der schlechte weiße einen wichtigen Beitrag zur Stabilität der Bauernkette e4/d5.
26...f5 27.c5 La4 27...dxc5 28.bxc5 fxe4 29.c6 bxc6 30.Lxa6 Tc7 (30...Ta8 31.dxc6 Le6 32.Lb7 Txa5 33.c7+-) 31.Tc5 Lg4 32.Te1 Ta7 33.Txc6± 28.Te1 Tfd8 29.Ld3 dxc5 30.bxc5 Lb5
31.Lb1 Gut sieht auch 31.Lxb5 axb5 32.c6 aus, jedoch täuschen hohe Bewertungen der Engines im Endspiel oft. So ist folgendes enginegeneriertes Abspiel nicht für Weiß gewonnen, sondern Remis: 32...bxc6 33.dxc6 b4 34.exf5 Td6 35.c7 Td7 36.Txe5 Tdxc7 37.Txc7 Txc7 38.Tb5 Ta7 39.fxg6 b3 40.Txb3 Txa5 41.Tb7 g4 42.Kf2 Ta3 Weiß gelingt es nicht, die Ablenkung seines h-Bauern in die g-Linie mit theoretischem Remis zu vermeiden. 31...Kg7 32.h3 Kf6 33.Te3 Tc7 34.Tf3 f4 35.Tfc3 g4 36.hxg4 Kg5 37.Kf2 Kxg4 38.La2 Kg5 39.d6 Th7 40.Ld5 Kf6 41.Th3 Thd7 42.Kf3 Mit der Aktivierung des Königs vergibt Weiß noch nichts, jedoch erscheint 42.g3!? sofort logischer, da Weiß in der Folge kaum um diesen Abtausch herumkommen wird, um neben der h- auch die f-Linie zu öffnen und die schwarze Bauernstruktur zu schwächen. 42...Tc8 43.Thh1 Lc6 Hätte Schwarz ohne Tc8 früher so gespielt, so hätte Weiß natürlich die Läufer getauscht und das Vorpostenfeld b6 entscheidend mit dem Turm besetzt.
44.Lxc6 Txc6
45.Kg4?
Auf jeden Fall erschwert Adams damit den Gewinn, vielleicht gibt er ihn aber auch schon ganz aus der Hand! Richtig war zunächst 45.g3! fxg3 46.Th8!+- Ke6 (46...Kg7 47.Tb8) 47.Te8+ Kf7 (47...Kf6 48.Kxg3) 48.Txe5 oder auch sofort 45.Th8!?+- Jedenfalls durfte die Chance auf der 8.Reihe einzudringen nicht ungenutzt bleiben, schließlich lehrte schon Nimzowitsch, dass das Eindringen auf der 7. oder 8.Reihe das finale Ziel des Spiels auf einer Linie ist! 45...Tc8 Einziger Zug. Natürlich gibt Efimenko seinem Gegner keine zweite Chance, die 8.Reihe zu besetzen. Noch immer sieht die weiße Stellung vielversprechend aus, nur ein zwingender Gewinn ist nicht mehr in Sicht. 46.g3 fxg3 47.Kxg3 Ke6 48.Th6 Kf6
49.Th2 Mit 49.Tg1!? statt des zwei Züge später folgenden 51. Kg4 schlägt Rybka einen interessanten, taktisch begründeten Gewinnversuch vor. Die kritische Stellung entsteht nach 49...Kg5 (49...Txc5? 50.Kh4! Tg7 51.Tgxg6+ Txg6 52.Txg6+ Kxg6 53.d7+-; 49...Kg7? 50.Tgh1 Kf6 51.Kh4+-) 50.Th3 Kf6 (50...Txc5 51.Kf3+ Kf6 52.Th6 Tc3+ 53.Ke2 Tg7 54.Thxg6+ Txg6 55.Txg6+ Kf7 56.Tg7+!+-) 51.Kf3±
Kann Schwarz den Status quo aufrecht erhalten, oder gelingt es Weiß doch, nach und nach Fortschritte zu erzielen? Schwer zu sagen, eine plausible Folge in weißem Sinne könnte 51...Tdd8 52.Th6 Tg8 53.Tc1 Tgd8 54.Ke2 Td7 (54...Txd6 55.cxd6 Txc1 56.Txg6+ Kxg6 57.d7 Tc2+ 58.Ke3 Tc3+ 59.Kd2 Tc4 60.d8D Td4+ 61.Dxd4 exd4 62.Kd3+-) 55.Tc3 sein. Er hätte zumindest die taktische Gegendrohung Txd6 aus der Welt geschafft und könnte versuchen, seinen König nach b4 oder d5 zu bringen und mit beiden Türmen am Königsflügel zu spielen. 49...Ke6 50.Th6 Kf6 51.Kg4 Txd6! Verteidigt sich Schwarz passiv, so bricht seine Stellung schnell zusammen - zum Beispiel: 51...Tg7? 52.Td1 Ke6 53.Kg5 Tf8 54.Tdh1 Tf2 55.Th8+- 52.Tf1+ Kg7 53.cxd6 Kxh6 54.d7 Mit 54.Th1+ Kg7 55.Tb1 Kf6 56.d7 Td8 57.Txb7 Tf8 58.Tb6+ Ke7 59.Kg5 Tf4 60.Te6+ Kxd7 61.Txe5 Tf1 62.Kxg6 könnte Weiß ähnlich wie in der Partie ein Turmendspiel mit Mehrbauern erreichen, das aber bei normalem Verlauf nur Remis enden kann. 54...Td8 55.Tf7 Tg8 Natürlich nicht 55...g5?? 56.Kf5 g4 57.Ke6+- 56.Te7 Td8=
Um jetzt noch gewinnen zu können, müßte Weiß ein Tempo verlieren, jedoch ist das ebensowenig möglich wie auszusetzen. 57.Tf7 Tg8 58.Te7 Td8 59.Kh4 g5+ 60.Kg4 Kg6 61.Txe5 Txd7 62.Te6+ Kf7 63.Tb6 Td1 64.Kxg5 Ta1 65.Txb7+ Ke6 66.Tb6+ Ke5 67.Txa6 Kxe4 68.Ta8 Kd5 69.a6 ½-½
Endstand SV Werder Bremen - OSG Baden-Baden: 4:4
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erstellt am 11.03.2009




