Nur Einer hielt gegen
Der internationale Meister Ilja Schneider spielt für die SF Berlin in der Schachbundesliga und wird wie in der Saison 2008/09 auf der Webseite der Schachbundesliga über die Kämpfe seines Vereins berichten. Der 25-jährige ist regelmäßig auf Turnieren unterwegs und berichtet darüber auf seinem Blog "Schachzoo": pointiert und schachlich lehrreich.
Von Ilja Schneider
Nachdem Caissa unserer Mannschaft zuletzt alles andere als wohlgesonnen war und es zwei desaströse Wochenenden in Baden-Baden und Essen hagelte, zeigte sie sich beim Bundesliga-Großevent im Berliner Rathaus Schöneberg zumindest im Sinne des Terminplans recht gütig.
Zahlreiche parallele Großveranstaltungen wie Wijk aan Zee, Gibraltar, Aeroflot Open und diverse Landesmeisterschaften beanspruchten bei den meisten Teams viele Spieler und machten Aufstellungen sehr berechenbar. Das betraf auch in hohem Maße unsere Kontrahenten Solingen und Wattenscheid. Die ersteren traten ohne die niederländische Fraktion Smeets, Stellwagen und Werle, sowie ohne den Inder Sandipan an, während Wattenscheid Frank Holzke als einzigen deutschen Spieler nach Wijk abstellen und dazu noch auf den gesamten polnischen Mannschaftsteil (Bartel, Macieja, Czarnota) verzichten musste, was uns ein in dieser Saison seltenes Gefühl des ELO-Favoriten bescherte. Favorit hin oder her, auch gegen Solingen am Samstag haben wir uns noch ein bisschen was ausgerechnet und schickten dementsprechend eine zumindest nominell für unsere Verhältnisse recht starke Truppe ins Rennen. Doch vor einer Vielzahl von treuen Berliner Zuschauern ging das Match vollkommen in die Hose. 2:6! So ein Match riecht leider verdächtig nach Abstieg.
Miezis,Normunds (2557) - Jussupow,Artur (2570)
BL 0809 SF Berlin - Aljechin Solingen, 31.01.2009
Stellung nach 26...Dxg5:
Normunds hat mit seinem Lieblings-1.c4 gegen den ehemaligen Nationalspieler Jussupow keinen Vorteil erzielt und muss im Moment versuchen, die leichte schwarze Initiative abzuwehren. An sich ist die Stellung noch gesund, sieht man vom kränkelnden Sc2 ab. Aber ab dem nächsten Zug beginnen die wirklichen Schwierigkeiten. 27.Tf2? Das holt die Türme nicht, wie gewünscht, vom Brett. Nach 27.Te8 Sf6 28.Txf8+ Lxf8 29.Lf2 wäre man zwar lieber Schwarz, aber Weiß steht prinzipell noch gesund. 27...Sf6! 28.Tf4?! Der Wunsch den Läufer von g1 rauszuholen, ist verständlich, aber dieses Ziel war mit dem auf ersten Blick unverständlichen Zug 28.Kg2!? (Idee Lh2 und zur Not Kg1) eher zu erreichen. Nach 28...Tg8 29.Dd1 (29.Lh2 Dh6) 29...Sh5 30.g4 Sf4+ 31.Kh1 Dh6 32.Df3 Tf8 hat Weiß aber auch schon große Probleme; 28.Lg2 Tg8 zeigt auch deutlich, dass Weiß seinen gelockerten Bauernwall vor dem König nicht halten können wird. 28...Tg8 29.Le2 Sonst gehen der Springer nach h5 und der Läufer nach e5, aber der Textzug vermag nichts mehr zu ändern. 29...Sh5 30.Lxh5 Dxh5 31.g4
31...De5! 32.Dg3 Dxf4 33.Dxf4 Le5-+ und den Rest hätte sich Normunds auch ersparen können. 0-1
So, wo gab es denn noch so richtig schön auf die Mütze? Ach ja, zum Beispiel da:
Hoffmann,Michael (2469) - Degtiarev,Evgeny (2388) [A50]
BL 0809 SF Berlin - Aljechin Solingen, 31.01.2009
1.d4 Sf6 2.c4 b6 3.Sc3 Lb7 4.Sf3 d5 5.Lg5 Se4 6.cxd5 Sxc3 7.bxc3 Dxd5 8.Da4+ Dd7 9.Dc2 e6 10.e3
Bisher ein sehr interessanter Eröffnungsverlauf mit Elementen aus vielen verschiedenen Varianten, aber kein echter Anzugsvorteil, würde ich sagen. Gleich ändert sich das aber: 10...Le7?! 10...Sc6 ist konform mit der bisherigen Spielführung und wirkt in gewisser Weise sogar harmonisch! Prinzipell ist danach sagen wir mal 11.e4 Le7 12.Le3 (12.Lxe7 Sxe7 und die schwarzen hebel c7-c5 und f7-f5 stehen in den Startlöchern.) 12...f6 13.Ld3 g5!? 14.0-0 0-0-0 und der Schwarze hat hier wenigstens eine klare "Vision". 11.Se5 Dd8?! 11...Dd5 12.Lxe7 Kxe7 13.f3 Sc6 14.e4 Da5 hält dagegen. 12.Lf4 f6 13.Sf3 Ld6 14.Lg3 Sd7 15.Ld3 Nun hat Evgeny schon Schwierigkeiten die Rochade zu vollenden, da der h7 stets Sorgen bereitet. Passivität ist hier auch keine Lösung: 15...Sf8 16.0-0 Lxf3? Das treibt die weiße Bauernlawine nur weiter an. 17.gxf3 f5 18.Lb5+ Kf7
19.d5 19.Lc6 Tb8 20.Tfd1 Df6 21.e4 Lxg3 22.fxg3 und Weiß hat großen Vorteil - auch durch die "marginal" bessere Leichtfigur. 19...Dg5 19...Df6 wäre besser. 20.f4 Dg6 21.dxe6+ Dxe6 21...Sxe6 22.Tad1 h5 23.h4 Sc5 24.Lc6 Tad8 25.Ld5+ Kf8 26.Kh2 sollte langfristig (wenn Weiß das Problem des entstandenen Großbauern g3 löst) auch trostlos für schwarz sein. Wie mein alter Trainer Bangiev sagte: "Plan ist Bauernzug!" Den sehe ich aber nicht bei Schwarz. 22.Tad1 Sd7 23.Td4 Kg6 23...Kf8 Aber der König wird von der Wirklichkeit auch hier eingeholt: 24.e4 fxe4 25.Txe4 Df7 und nun etwa 26.Tfe1 Sf6 27.Td4 Lc5 28.Tdd1 g6 29.Da4 Kg7 30.Lc4+- 24.e4 Sc5 25.Lc4 De8 26.exf5+ Kh6 27.Lh4 Le7 28.Lg5+ Lxg5 29.fxg5+ Kxg5 30.Dd2+ Kf6 31.Tg4 Se4 32.Dd4+ Kxf5
Der Pacman-König gegen seinen Erfinder (siehe die sagenumwobene Partie Bobras-Hoffmann, Bad Wiessee 2008, 0:1)! Das kann nicht gut gehen. 33.Txe4 1-0
....oder da:
Ragger,Markus (2518) - Schneider,Ilja (2486)
BL 0809 SF Berlin - Aljechin Solingen, 31.01.2009
Stellung nach 10.Se5:
Ausgleich oder noch nicht? 10...Sd5!? Den zu finden, war ich stolz, auch wenn sich zeigte, dass dies alles noch bekannt war. Aus dem süßen Ausgleichstraum riss mich Ragger aber durch eine Neuerung, die er im Vorfeld mit Rybka gefunden hatte: 11.Se3!!N
So einfach ist Schach heutzutage: Ich mache seinem Läufer die Diagonale zu, dann reißt er sie eben wieder auf! Genial. Dafür von mir beide Rufzeichen. 11...Sxe3 löst die Probleme keineswegs vollständig, aber auch der subtilere Zugang 11...Lb4+ 12.Ld2 c3 13.bxc3 Sxe3 14.fxe3 Lc5 15.Tb1 versprach trotz der Krücke auf d2 mitnichten ein leichtes Leben. 12.Lxe3 Lxe3 13.fxe3 Ld7! darauf hatte ich mich bei der Holzaktion verlassen. 14.Sxc4 14.Lxb7? Ta7 15.Lf3 Tc7 kommt mir stark entgegen und ich kann beginnen, um Vorteil zu kämpfen.; 14.0-0 Lc6 15.Sxf7 0-0 16.Se5 Txf1+ 17.Txf1 Lxg2 18.Kxg2 Sc6 19.Sxc4 Td8 erlaubt mir eine minimal bessere Partieversion (mit getauschten Türmen) zu erhalten. 14...Lc6? 14...Sc6 15.0-0 Ke7 16.Tad1 Tad8 mit der Hoffnung, den Druck doch einmal zu neutralisieren. 15.0-0 Lxg2 16.Kxg2 Sc6 Rybka hat Mühe, die Hoffnungslosigkeit von 16...0-0 17.Sb6 Ta7 18.Tfd1 Sc6 19.Td7 zu erkennen. 17.Sd6+ Ke7 18.Sxf7 Thf8 Ich hatte etwa hier das Gefühl, die Sache sei noch nicht ganz verloren... 19.Sg5 h6 20.Sf3 aber...20...Tad8? war einer zuviel. 20...Tac8 mit Kampf um die weitaus wichtigere c-Linie. 21.Tac1 Td5 22.Tc4! g5 23.b4 mir gehen die konstruktiven Züge aus. 23...Tfd8 24.h4 Td1 25.Tf2! Tb1 25...gxh4 26.Txh4 ist das Ende. 26.hxg5 hxg5 27.Sxg5 Tg8 28.Tf7+! Perfide. Starker Zug, sieht aus wie ein Figureneinsteller nach 28...Ke8 29.Txb7 Sd8 .... ist es aber nicht!
30.Se4! Sxb7 31.Sf6+ Kf7 32.Sxg8 Sd6 32...Kxg8 33.Tc8+ usw. 33.Sh6+ Kg6 34.Tc6 Eine starke Vorstellung vom jungen Österreicher in Solinger Diensten gepaart mit einer pikanten Bereicherung der Eröffnungstheorie. 1-0
Auch die Schwarzpartien von Jan Markos am Spitzenbrett gegen Predrag Nikolic und Teamchef Rainer Polzin gegen Olympiaspieler Rainer Buhmann gingen recht glatt verloren, was ein 0/4 mit Schwarz zu Folge hat. Das Match war gelaufen, aber jetzt wollen wir alle wenigstens noch einen kleinen Lichtblick. Dafür ist bei uns unser (nach eigener Aussage Mit-hoher-Wahrscheinlichkeit-bald-GM; siehe sein Interview) zuständig. Um halb drei nachts war bei ihm die Entscheidung über die Eröffnungswahl endlich gefallen, Bühne frei für Aaaaaaarnd Laaaauber!
Lauber,Arnd (2497) - Naumann,Alexander (2518) [D10]
BL 0809 SF Berlin - Aljechin Solingen, 31.01.2009
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 dxc4 4.e4 b5 5.a4 b4 6.Sce2!? Sf6 7.Sg3
7...e5?! Bei diesem Zentrumsgegenstoß gibts zum ersten Mal richtig Computeralarm. 7...h5 8.h4 (8.Lxc4 h4 9.S3e2 Sxe4) 8...La6 lautet der Gegenvorschlag. (8...c3!?) 8.Sf3 exd4 9.Lxc4 La6 Der Läufer auf c4 musste abgetauscht werden, aber der Springer a6 gerät ganz schön auf Abwege. 10.Lxa6 Sxa6 11.e5 Sd7 12.0-0 c5 Die Alternativen sind sehr unerfreulich, etwa wie: 12...Sac5 13.Sxd4; 12...Le7 13.Sf5
13.Sg5! Kennen sie den Zeichentrickfilm Road Runner? Naumann muss sich hier gefühlt haben wie der auf der Jagd nach dem biepbiependen Rennvogel stets glücklose Kojote: Gleich explodiert die Bombe in deiner Hand/ du wirst von einem durch den Grand Canyon rasenden Zug überrolllt und kannst einfach nichts dagegen tun! Das Opfer auf f7 ist unvermeidlich und entscheidend. 13...h6 13...Le7 14.e6 Lxg5 15.exd7+ Kf8 16.Df3 und zumindest den Sa6 kann man getrost abschreiben. 14.Sxf7 Kxf7 15.Db3+ Ke8 15...Kg6 16.De6+ Kh7 17.Dxa6 Gab Arnd danach als (tatsächliche) Verbesserung an, aber Weiß gewinnt in der Variante ein Tempo mit; 15...Kg6 16.Dc2+! (16.Dd3+!) 16...Kf7 17.Dc4+ Kg6 18.Dxa6+ so dass der e5 überlebt und Schwarz umbringt. 16.De6+ De7 17.Dxa6 Dxe5 Schon fast Verzweiflung. 18.Ld2 Dd5 19.Dg6+ Kd8 20.Tfe1 Kc7 21.Sf5 Kb7 22.a5! Behält das Brett komplett im Auge 22...a6 23.Te6 Tc8 24.Sd6+ Lxd6 25.Txd6 Tc6 26.Txd5 Txg6 27.Txd7+
Und Naumann ließ seinen König noch auf d3 mattsetzen. Arnd scheint sich langsam zu Naumanns Road Runner zu entwickeln, er konnte ihn bereits 2008 in Deizisau in einer schönen Partie schlagen. 1-0
Arnd Lauber, SF Berlin
Die Partien von Stephan Berndt gegen Sipke Ernst und Lars Thiede gegen den König von Bad Wiessee, Romain Edouard, endeten mehr oder weniger spektakulär Unentschieden, wobei die Berliner Seite in beiden Fällen nicht aus einer Position der Stärke handelte. Insgesamt ein 2:6 also.
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Spielsaal Rathaus Schöneberg
Miezis,Normunds (2557) - Jussupow,Artur (2570)
BL 0809 SF Berlin - Aljechin Solingen, 31.01.2009
Stellung nach 26...Dxg5:
Normunds hat mit seinem Lieblings-1.c4 gegen den ehemaligen Nationalspieler Jussupow keinen Vorteil erzielt und muss im Moment versuchen, die leichte schwarze Initiative abzuwehren. An sich ist die Stellung noch gesund, sieht man vom kränkelnden Sc2 ab. Aber ab dem nächsten Zug beginnen die wirklichen Schwierigkeiten. 27.Tf2? Das holt die Türme nicht, wie gewünscht, vom Brett. Nach 27.Te8 Sf6 28.Txf8+ Lxf8 29.Lf2 wäre man zwar lieber Schwarz, aber Weiß steht prinzipell noch gesund. 27...Sf6! 28.Tf4?! Der Wunsch den Läufer von g1 rauszuholen, ist verständlich, aber dieses Ziel war mit dem auf ersten Blick unverständlichen Zug 28.Kg2!? (Idee Lh2 und zur Not Kg1) eher zu erreichen. Nach 28...Tg8 29.Dd1 (29.Lh2 Dh6) 29...Sh5 30.g4 Sf4+ 31.Kh1 Dh6 32.Df3 Tf8 hat Weiß aber auch schon große Probleme; 28.Lg2 Tg8 zeigt auch deutlich, dass Weiß seinen gelockerten Bauernwall vor dem König nicht halten können wird. 28...Tg8 29.Le2 Sonst gehen der Springer nach h5 und der Läufer nach e5, aber der Textzug vermag nichts mehr zu ändern. 29...Sh5 30.Lxh5 Dxh5 31.g4
31...De5! 32.Dg3 Dxf4 33.Dxf4 Le5-+ und den Rest hätte sich Normunds auch ersparen können. 0-1
So, wo gab es denn noch so richtig schön auf die Mütze? Ach ja, zum Beispiel da:
Hoffmann,Michael (2469) - Degtiarev,Evgeny (2388) [A50]
BL 0809 SF Berlin - Aljechin Solingen, 31.01.2009
1.d4 Sf6 2.c4 b6 3.Sc3 Lb7 4.Sf3 d5 5.Lg5 Se4 6.cxd5 Sxc3 7.bxc3 Dxd5 8.Da4+ Dd7 9.Dc2 e6 10.e3
Bisher ein sehr interessanter Eröffnungsverlauf mit Elementen aus vielen verschiedenen Varianten, aber kein echter Anzugsvorteil, würde ich sagen. Gleich ändert sich das aber: 10...Le7?! 10...Sc6 ist konform mit der bisherigen Spielführung und wirkt in gewisser Weise sogar harmonisch! Prinzipell ist danach sagen wir mal 11.e4 Le7 12.Le3 (12.Lxe7 Sxe7 und die schwarzen hebel c7-c5 und f7-f5 stehen in den Startlöchern.) 12...f6 13.Ld3 g5!? 14.0-0 0-0-0 und der Schwarze hat hier wenigstens eine klare "Vision". 11.Se5 Dd8?! 11...Dd5 12.Lxe7 Kxe7 13.f3 Sc6 14.e4 Da5 hält dagegen. 12.Lf4 f6 13.Sf3 Ld6 14.Lg3 Sd7 15.Ld3 Nun hat Evgeny schon Schwierigkeiten die Rochade zu vollenden, da der h7 stets Sorgen bereitet. Passivität ist hier auch keine Lösung: 15...Sf8 16.0-0 Lxf3? Das treibt die weiße Bauernlawine nur weiter an. 17.gxf3 f5 18.Lb5+ Kf7
19.d5 19.Lc6 Tb8 20.Tfd1 Df6 21.e4 Lxg3 22.fxg3 und Weiß hat großen Vorteil - auch durch die "marginal" bessere Leichtfigur. 19...Dg5 19...Df6 wäre besser. 20.f4 Dg6 21.dxe6+ Dxe6 21...Sxe6 22.Tad1 h5 23.h4 Sc5 24.Lc6 Tad8 25.Ld5+ Kf8 26.Kh2 sollte langfristig (wenn Weiß das Problem des entstandenen Großbauern g3 löst) auch trostlos für schwarz sein. Wie mein alter Trainer Bangiev sagte: "Plan ist Bauernzug!" Den sehe ich aber nicht bei Schwarz. 22.Tad1 Sd7 23.Td4 Kg6 23...Kf8 Aber der König wird von der Wirklichkeit auch hier eingeholt: 24.e4 fxe4 25.Txe4 Df7 und nun etwa 26.Tfe1 Sf6 27.Td4 Lc5 28.Tdd1 g6 29.Da4 Kg7 30.Lc4+- 24.e4 Sc5 25.Lc4 De8 26.exf5+ Kh6 27.Lh4 Le7 28.Lg5+ Lxg5 29.fxg5+ Kxg5 30.Dd2+ Kf6 31.Tg4 Se4 32.Dd4+ Kxf5
Der Pacman-König gegen seinen Erfinder (siehe die sagenumwobene Partie Bobras-Hoffmann, Bad Wiessee 2008, 0:1)! Das kann nicht gut gehen. 33.Txe4 1-0
....oder da:
Ragger,Markus (2518) - Schneider,Ilja (2486)
BL 0809 SF Berlin - Aljechin Solingen, 31.01.2009
Stellung nach 10.Se5:
Ausgleich oder noch nicht? 10...Sd5!? Den zu finden, war ich stolz, auch wenn sich zeigte, dass dies alles noch bekannt war. Aus dem süßen Ausgleichstraum riss mich Ragger aber durch eine Neuerung, die er im Vorfeld mit Rybka gefunden hatte: 11.Se3!!N
So einfach ist Schach heutzutage: Ich mache seinem Läufer die Diagonale zu, dann reißt er sie eben wieder auf! Genial. Dafür von mir beide Rufzeichen. 11...Sxe3 löst die Probleme keineswegs vollständig, aber auch der subtilere Zugang 11...Lb4+ 12.Ld2 c3 13.bxc3 Sxe3 14.fxe3 Lc5 15.Tb1 versprach trotz der Krücke auf d2 mitnichten ein leichtes Leben. 12.Lxe3 Lxe3 13.fxe3 Ld7! darauf hatte ich mich bei der Holzaktion verlassen. 14.Sxc4 14.Lxb7? Ta7 15.Lf3 Tc7 kommt mir stark entgegen und ich kann beginnen, um Vorteil zu kämpfen.; 14.0-0 Lc6 15.Sxf7 0-0 16.Se5 Txf1+ 17.Txf1 Lxg2 18.Kxg2 Sc6 19.Sxc4 Td8 erlaubt mir eine minimal bessere Partieversion (mit getauschten Türmen) zu erhalten. 14...Lc6? 14...Sc6 15.0-0 Ke7 16.Tad1 Tad8 mit der Hoffnung, den Druck doch einmal zu neutralisieren. 15.0-0 Lxg2 16.Kxg2 Sc6 Rybka hat Mühe, die Hoffnungslosigkeit von 16...0-0 17.Sb6 Ta7 18.Tfd1 Sc6 19.Td7 zu erkennen. 17.Sd6+ Ke7 18.Sxf7 Thf8 Ich hatte etwa hier das Gefühl, die Sache sei noch nicht ganz verloren... 19.Sg5 h6 20.Sf3 aber...20...Tad8? war einer zuviel. 20...Tac8 mit Kampf um die weitaus wichtigere c-Linie. 21.Tac1 Td5 22.Tc4! g5 23.b4 mir gehen die konstruktiven Züge aus. 23...Tfd8 24.h4 Td1 25.Tf2! Tb1 25...gxh4 26.Txh4 ist das Ende. 26.hxg5 hxg5 27.Sxg5 Tg8 28.Tf7+! Perfide. Starker Zug, sieht aus wie ein Figureneinsteller nach 28...Ke8 29.Txb7 Sd8 .... ist es aber nicht!
30.Se4! Sxb7 31.Sf6+ Kf7 32.Sxg8 Sd6 32...Kxg8 33.Tc8+ usw. 33.Sh6+ Kg6 34.Tc6 Eine starke Vorstellung vom jungen Österreicher in Solinger Diensten gepaart mit einer pikanten Bereicherung der Eröffnungstheorie. 1-0
Auch die Schwarzpartien von Jan Markos am Spitzenbrett gegen Predrag Nikolic und Teamchef Rainer Polzin gegen Olympiaspieler Rainer Buhmann gingen recht glatt verloren, was ein 0/4 mit Schwarz zu Folge hat. Das Match war gelaufen, aber jetzt wollen wir alle wenigstens noch einen kleinen Lichtblick. Dafür ist bei uns unser (nach eigener Aussage Mit-hoher-Wahrscheinlichkeit-bald-GM; siehe sein Interview) zuständig. Um halb drei nachts war bei ihm die Entscheidung über die Eröffnungswahl endlich gefallen, Bühne frei für Aaaaaaarnd Laaaauber!
Lauber,Arnd (2497) - Naumann,Alexander (2518) [D10]
BL 0809 SF Berlin - Aljechin Solingen, 31.01.2009
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 dxc4 4.e4 b5 5.a4 b4 6.Sce2!? Sf6 7.Sg3
7...e5?! Bei diesem Zentrumsgegenstoß gibts zum ersten Mal richtig Computeralarm. 7...h5 8.h4 (8.Lxc4 h4 9.S3e2 Sxe4) 8...La6 lautet der Gegenvorschlag. (8...c3!?) 8.Sf3 exd4 9.Lxc4 La6 Der Läufer auf c4 musste abgetauscht werden, aber der Springer a6 gerät ganz schön auf Abwege. 10.Lxa6 Sxa6 11.e5 Sd7 12.0-0 c5 Die Alternativen sind sehr unerfreulich, etwa wie: 12...Sac5 13.Sxd4; 12...Le7 13.Sf5
13.Sg5! Kennen sie den Zeichentrickfilm Road Runner? Naumann muss sich hier gefühlt haben wie der auf der Jagd nach dem biepbiependen Rennvogel stets glücklose Kojote: Gleich explodiert die Bombe in deiner Hand/ du wirst von einem durch den Grand Canyon rasenden Zug überrolllt und kannst einfach nichts dagegen tun! Das Opfer auf f7 ist unvermeidlich und entscheidend. 13...h6 13...Le7 14.e6 Lxg5 15.exd7+ Kf8 16.Df3 und zumindest den Sa6 kann man getrost abschreiben. 14.Sxf7 Kxf7 15.Db3+ Ke8 15...Kg6 16.De6+ Kh7 17.Dxa6 Gab Arnd danach als (tatsächliche) Verbesserung an, aber Weiß gewinnt in der Variante ein Tempo mit; 15...Kg6 16.Dc2+! (16.Dd3+!) 16...Kf7 17.Dc4+ Kg6 18.Dxa6+ so dass der e5 überlebt und Schwarz umbringt. 16.De6+ De7 17.Dxa6 Dxe5 Schon fast Verzweiflung. 18.Ld2 Dd5 19.Dg6+ Kd8 20.Tfe1 Kc7 21.Sf5 Kb7 22.a5! Behält das Brett komplett im Auge 22...a6 23.Te6 Tc8 24.Sd6+ Lxd6 25.Txd6 Tc6 26.Txd5 Txg6 27.Txd7+
Und Naumann ließ seinen König noch auf d3 mattsetzen. Arnd scheint sich langsam zu Naumanns Road Runner zu entwickeln, er konnte ihn bereits 2008 in Deizisau in einer schönen Partie schlagen. 1-0
Arnd Lauber, SF Berlin
Die Partien von Stephan Berndt gegen Sipke Ernst und Lars Thiede gegen den König von Bad Wiessee, Romain Edouard, endeten mehr oder weniger spektakulär Unentschieden, wobei die Berliner Seite in beiden Fällen nicht aus einer Position der Stärke handelte. Insgesamt ein 2:6 also.
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Spielsaal Rathaus Schöneberg
erstellt am 08.02.2009





