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RNG Verein MP
1. SV Griesheim 0
2. Delmenhorster SK 0
3. Nickelhütte Aue 0
4. OSG Baden-Baden 0
5. Bayern München 0
6. SF Berlin 0
7. Werder Bremen 0
8. Turm Emsdetten 0
9. SC Eppingen 0
10. Hamburger SK 0
11. SF Katernberg 0
12. Mülheim Nord 0
13. SC Remagen 0
14. SG Solingen 0
15. SG Trier 0
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Touristischer Ausflug nach Baden-Baden I

Ilja Schneider
Ilja Schneider


Der internationale Meister Ilja Schneider spielt für die SF Berlin in der Schachbundesliga und wird wie in der Saison 2008/09 auf der Webseite der Schachbundesliga über die Kämpfe seines Vereins berichten. Der 25-jährige ist regelmäßig auf Turnieren unterwegs und berichtet darüber auf seinem Blog "Schachzoo": pointiert und schachlich lehrreich.
Von Ilja Schneider

Ilja Schneider berichtet ausführlich und mit vielen Analysen vom vergangenen Bundesligawochenende in Baden-Baden, an dem er als Spieler der SF Berlin beteiligt war. Wegen der Fülle des Materials ist der Beitrag in zwei Teile aufgeteilt.



Zu einer leider sehr einseitigen Angelegenheit geriet das Gastspiel der SF Berlin beim alten und bereits quasi designierten neuen Deutschen Meister OSG Baden-Baden und seinem Reisepartner SC Eppingen, der bisher durch eine starke Saison überrascht. Gab es am Samstag allerdings beim 1,5:6,5 gegen den Gastgeber gewisse Chancen , insbesondere an den vorderen Brettern (sic!) , war das Sonntagsmatch trotz des letztendlich recht knappen 3:5 -Ausgangs ziemlich trostlos. Immerhin sorgte Marco Thinius mit seinem Last-Minute-Sieg gegen Lothar Vogt für unsere einzige Gewinnpartie in den zwei Matches.
Nicht viel besser erging es unseren Reisegefährten aus Hamburg, die zwar zum ersten Mal mit Jugendweltmeister Ahmed Adly, aber dafür ohne seine Routiners Jan Gustafsson (trotz dessen gegenteiliger Ankündigung am Freitag beim Chessbase-TV ;das letzte Mal, als er meines Wissen diesen Trick anwandte, hatte dies den Pokalsieg meines damaligen Vereins HSK/Post Hannover über den großen HSK mitsamt unseres Einzugs ins Halbfinale in Baden-Baden 2005 zur Folge) und Karsten Müller angetreten waren. Sie holten sogar insgesamt noch einen halben Brettpunkt weniger und konnten ebenfalls nur einen Partiesieg verbuchen.

Der Spaßfaktor, in Baden-Baden zu spielen? Man muss sagen, es hat schon was. Die Spielbedingungen und das Catering gehören schon zum Besseren, was mir in der Bundesliga bisher so untergekommen ist. Die Zuschauerresonanz ist zwar unterdurchschnittlich, doch wurden die, die sich für die Partien interessierten, sehr kurzweilig von Fabian Döttling im Kommentarraum versorgt. Etwas nervig war höchstens, dass ein paar übereifrige Kiebitze die letzen Minuten vor dem Anpfiff, als die Spieler schon konzentriert an den Brettern saßen, noch für ihre kleine Autogrammstunde nutzen wollten. Wer die Lage kennt, weiß, wie sehr sowas einen Schachspieler ablenken kann, wenn ihm kurz vor dem Beginn noch ein Blatt Papier zum Unterschreiben vor die Nase gehalten wird. Aber das hat natürlich nichts mit der Organisation zu tun und soll auch den positiven Gesamteindruck nicht trüben. Um die Erinnerung noch positiver zu gestalten, sollte man allerdings vielleicht auch einfach besser spielen. Da kommt man im Saisonverlauf eh nicht drum herum, wenn man nicht absteigen will.

Bevor es am Samstag richtig losging, trug die OSG Baden-Baden noch das Match gegen Reisepartner Eppingen aus. Das 6:2 (ohne Niederlage) war eine an sich nie gefährdete Sache, aber Olympiaheld Naiditsch hätte es trotzdem erwischen müssen:

Naiditsch, Arkadij (2678) - Bindrich, Falko (2517)
BL 0809 OSG Baden Baden - SC Eppingen, 28.11.2008


Stellung nach 30.Kh1:




Naiditschs Abtauschspanier hat ihm keinerlei Vorteil gebracht und Falko Bindrich übernimmt nun die Initiative: 30...c5 31.Dd2 Unverständlich. Warum gibt er den a ab? 31.e5 dxe5 32.bxc5 bxc5 33.Sg5 sollte für genug Spiel reichen. 31...Dxa3 32.bxc5 Dxc5 33.Tf4 Txf4 34.Dxf4 a5 35.e5 dxe5 36.Sxe5 Plötzlich hat Schwarz eine Gewinnstellung. Er baut sie im Folgenden aus, indem er auch noch den c2 entfernt... 36...Dc7 37.Te3 a4 38.Dd4 Dc5 39.Df4 Dc7 40.Dd4 Dc5 41.Df4 Lg6 42.Dg5 Dxc2 43.h4 a3 44.Kh2 ...




um dann kurz vor der weißen Aufgabe fast den einzigen Verlustzug zu finden. 44...Df5?? 44...a2 45.Sxg6 Dc7+ 46.g3 Txe3 47.Dxe3 Dc2+ gewann ebenso einfach wie 44...Le4! 45.Sxg6 Dxg5 46.Txe8+ Kf7 47.Tf8+ Ein wahres Drama. 1-0

Neben diesem "Ein-Outer" lochten für den Titelverteidiger außerdem noch Nielsen, Dautov und Schlosser zum Endergebnis ein.

Anderntags ging unser Kampf gegen den hohen, unverändert angetretenen Favoriten gar nicht mal so schlecht an. Punkte waren im Bereich des Greifbaren. Zum Beispiel hatte ihr Berichterstatter das seltene Glück, sich in der Eröffnung besser auszukennen als ein Super-GM:

Schneider, Ilja (2486) - Bacrot, Etienne (2705) [B06]
BL 0809 OSG Baden Baden - Schachfreunde Berlin, 29.11.2008


1.d4 g6 2.e4 Lg7 3.Sc3 d6 4.Sf3 a6 5.Lg5




Bacrot gab zu, diesen Zug nicht gekannt zu haben. Dafür fand er sich natürlich prima am Brett zurecht, insoweit dies im Rahmen des Tiger's Modern überhaupt möglich ist, von "gut" zu sprechen. 5...b5 6.a4 b4 7.Sd5 a5 8.Lc4 h6 9.Lh4 Lb7




10.e5! Ich habe hier einmal 10.Dd3 gespielt und stand einige Züge später im höheren Sinne auf Verlust. 10...dxe5 11.dxe5 g5 12.Lg3 e6 13.Sf6+ 13.Se3 Haben wir beim Post-Mortem schnell unter "Black Advantage" durchlaufen lassen, aber ich bin mir da mittlerweile nicht so sicher. 13...Dxd1+ 14.Txd1 Lxf3 15.gxf3 Se7 16.h4 sollte zumindest genügend Dynamik bieten, um nicht schlechter zu stehen. 13...Sxf6 14.Dxd8+ Kxd8 15.exf6 Lxf6 16.0-0-0+ Kc8N In einer unterklassigeren Vorgängerpartie ging der bedrohte König nach e7. 17.Le5 Lxe5 18.Sxe5 Tf8




19.Sxf7?! Ich sah die Möglichkeit gereift, diesen Schlag anzubringen, aber das ruhigere 19.f3 La6 20.h4 Lxc4 (20...Sc6 21.Lxe6+) 21.Sxc4 Sd7 22.hxg5 hxg5 23.Th7 wäre bestimmt nicht schlechter gewesen. 19...Txf7 20.Lxe6+ Td7




21.h4? wirft die Partie schon weg. Der Einschlag auf f7 wäre wenn, dann mit solidem Spiel zu rechtfertigen gewesen. [21.The1 Lc6 22.Lxd7+ Lxd7 und Schwarz steht etwas besser; 21.Lxd7+! Sxd7 22.The1 c5! (22...Sf6 23.Te6 Ta6 24.Txa6 Lxa6 25.Te1! und der Turm fängt an, die Bauern zu eliminieren, mit weißen Vorteilschancen.) 23.f3 (23.Te6 Lxg2 24.Txh6 Kc7 ist ungemütlich für Weiß) 23...Kc7 24.Te6= und es sollte für Ausgleich reichen. 21...Lxg2 22.Th2 Lf3 23.hxg5 23.Txd7 Sxd7 24.hxg5 Kd8! 23...Lxd1 24.gxh6 Kb7! 25.Lxd7 Hier überlegte Bacrot sehr lange. Dabei kommt eigentlich nur ein Zug in Betracht. Wie kriegt man ihn dazu, 25...Lxc2 auszuführen? 25...Sxd7 25...Lxc2?? 26.Lc8+! 26.Kxd1 Th8 und die Mehrfigur setzte sich mit leichten Schwierigkeiten durch, 0-1 nach 47 Zügen.

An Brett 5 fand währenddessen die Neuauflage der Partie der Saison 2005/2006 Stephan Berndt - Peter Heine Nielsen statt. Nielsen war diesmal gewarnt und ließ sich nicht noch einmal auf den Najdorf ein. Aber auch die solide Spanische Eröffnung ersparte ihm nicht einige sehr bange Augenblicke:

Berndt, Stephan (2440) - Nielsen, Peter Heine (2662) [C86]
BL 0809 OSG Baden Baden - Schachfreunde Berlin, 29.11.2008


1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 Sf6 5.De2 b5 6.Lb3 Le7 7.0-0 0-0 8.c3 d5 9.d3 Lb7 10.Sbd2 Te8 11.a3 Lf8 12.exd5 Sxd5 13.Se4




13...f6 sieht riskant aus, aber wohl vermutlich noch tragbar. 14.Td1 Kh8 15.Sh4 Sf4 15...Lc8 16.Dh5 Le6 17.Sg6+ Kg8 18.Sxf8 Txf8 Macht einen solideren Eindruck, wenn Weiß auch angenehmer zu spielen ist. 16.Df3 g5 17.Sf5 Se7 17...Dc8 überdeckt die weißen Felder und erhält die Möglichkeit, nach dem Tausch auf f4 mit dem Springer nach e5 zu gehen. 18.Lxf4! exf4 19.Sd4! Das ist der Unterschied. Nun sind mehrere Felder im schwarzen Lager, allen voran natürlich e6, sehr schwach. 19...Sd5 20.Te1? 20.Dh3! hätte den Vorteil gesichert. In der Partie bekam Nielsen hingegen die Chance, die Gegenüberstellund Lb7/Df3 auszunutzen... 20...c5 21.Sf5 c4




22.Lc2? 22.dxc4 wäre besser 22...bxc4 23.Lc2 Dd7 ... die er mit 22...cxd3? verkommen ließ. Einfach 22...Se3! hätte Stephan in eine recht unangenehme Lage gebracht. 23.Txe3 (23.fxe3 cxd3 24.Sxg5 Lxf3 25.Sf7+ Kg8 26.Sxd8 dxc2 und Schwarz steht klar besser) 23...fxe3 24.d4 exf2+ 25.Kxf2 Ta7 und man weiß wirklich nicht ob der Angriff genug Kompensation für die Qualität bietet. Nielsen bemerkte die Idee ...Se3 aber erst im nächsten Zug.... 23.Lxd3 Se3? 24.Sd4! ...aber nun war sie wertlos. 24...Sc4 25.Dh5 h6




Leider entschied sich Stephan hier für das sichere Remis. 26.Sf5 Zwar nicht die Partie der Saison aber doch vermutlich ein Sieg wäre ihm mit 26.Sc5! gelungen, man sehe: 26...Txe1+ 27.Txe1 Dd5 (27...Ld5 28.Sf5) 28.Sxb7 Dxb7 29.Te6 Se5 30.Lc2 Df7 (was sonst?) 31.Dxf7 Sxf7 32.Txf6 Kg7 33.Tg6+ Kh8 34.Se6+- 26...Dxd3 27.Sxh6 Lxe4 27...Txe4 ändert nichts mehr, der Ausgang der Partie ist bereits determiniert. 28.Sf5+ Kg8 29.Dg6+ Kh8 30.Dxf6+ Kg8 31.Dg6+ Kh8 32.Df6+ ½-½

Mehr Beispiele für verpasste Chancen? Aber gerne doch. Schaun wir mal aufs zweite Brett:

Movsesian, Sergej (2732) - Lauber, Arnd (2497)
BL 0809 OSG Baden Baden - Schachfreunde Berlin, 29.11.2008


Stellung nach 17...Sh4: 




Movsesian hat nichts aus der von Arnd sehr gut gespielten Eröffnung erhalten und überzieht gewaltig. 18.Sd4? Statt einer guten Auswahl an sinnvollen Zügen, die den Ausgleich nicht beschädigen. 18...b5! Erkämpft das Feld d5 für die Dame. Welche Folgen das haben sollte? Gucken sie den Springer h4 und den König g1 an! 19.Dc3 Dd5 20.Sf3 Er zieht ihn reumütig zurück, aber sollte nicht mehr zu retten sein. 20...Lb4!? fraglos ein gute Stellungstransformation, aber wie wärs mit.... 20...Ld3! In den Kombibüchern würde jetzt etwas stehen wie: "Ein herrlicher Sperrzug, der den wichtigen Verteidiger Le2 vom Feld f3 ablenken soll" 21.Sxh4 Lxe2 22.Te1 b4! 23.De3 La6 24.g5 Lb7 25.Kh2 Tc8 und Weiß kann aufgeben. 21.Dxb4 Sxf3+ 22.Lxf3 Dxf3 23.Df4 23.Dc3 Ld3 23...Dxh3 24.Tc1 h5 25.gxh5 Dxh5 26.Lb4 Td8 27.Ld6




27...Df5? Willigt quasi ins Remis ein. Dabei hatte der Läufer eine zweite Chance zu einem großen Auftritt erhalten! 27...Le4! 28.Kf1 (28.Dxe4 Dg5+) 28...Lc2! (28...Ld5) 29.Kg2 Tc8 erkämpft die c-Linie und unterhält gute Gewinnambitionen. Wer 28...Lc2 nicht vorhersieht oder nicht versteht (es dürfte vielen so gehen, auch mir!), darf sich auch mit 28...Ld5 , auch mit recht großem Vorteil begnügen. 28.Dxf5 Lxf5 29.Tc7 a5 30.f3 a4 31.Kf2 Lb1 ½-½

Ferner hat am Spitzenbrett Rainer Polzin eine recht gute Stellung , wenn auch ohne zwingende Gewinnmöglichkeiten gegen Peter Svidler nach langem Kampf zum Verlust verdorben. Gesagt sei dazu nur, dass der Ausgang der Partie sehr lange offen war und Svidlers 54...Se8? Rainer die Chance gab, mit 55.Dg2+ und 56.Dh3 den gefährlichen Freibauern zu stoppen und vermutlich Remis zu halten. Martin Krämer zeigte sich mit der gegen Arkadij Naiditsch erzielten Eröffnungsstellung im Nachhinein sehr zufrieden, geriet aber schnell unter die Räder. Zusammen mit dem halben Punkt aus der Partie Rudolf -Dautov, wo es der Schwarze nicht schaffte, seinen Positionsvorteil entscheidend zu verdichten und den recht deutlichen Niederlagen von Dennes Abel und Marco Thinius (gegen Vallejo Pons bzw. Schlosser) stand das Endergebnis von 1,5:6,5 aus Berliner Sicht fest.

Die Partien dieses Beitrags nachspielen:


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erstellt am 05.12.2008

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