TuRa SCHACH sagt vorerst Tschüß erste Liga!

Erstellt am: 03.05.2017

Tura Harksheide stieg sportlich aus der Frauen-Bundesliga ab. Der Teamchef Eberhard Schabel fasst die zentrale Endrunde in Berlin aus seiner Sicht zusammen.

Finale in Berlin oder auch, wenn sich Menschentrauben an einzelnen Brettern bilden, Fotografen auf der Suche nach dem besten Motiv sind, „Mannschaftsleiter“ und Trainer mit angespannten Gesichtern durch die Reihen und Flure schlürfen, ein Ex- Weltmeister irritiert seinen Platz nicht findet, da er nicht wie gewohnt an einem Spitzenbrett spielt sondern in der Mitte, wenn man mal eben kurz vor Rundenbeginn auf einem der bereits „scharf gestellten“ Live- Brettern noch eine Variante anschaut und sich die Prominenz des DSB die Ehre gibt, dann ist das wohl ein ganz besonderes Treffen des Deutschen Schachs mit internationaler Beteiligung.

Vom 29.04. bis 01.05.2017 wurden in der FBL und der SBL die letzten 3 Runden der Saison ausgespielt und unser Team war ein wichtiger Teil dieser Veranstaltung. Organisiert wurde diese schöne Veranstaltung von dem SF Berlin, dem unser Dank dafür hier noch mal geschrieben sein soll. Alles was in der Verantwortung des Ausrichterteams stand haben sie versucht nahezu perfekt zu organisieren. Das da Einiges bei einer möglichen Folgeveranstaltung dann sicher noch weiter optimiert werden wird ist sehr wahrscheinlich.

Für unser Team begann das erste Finale der Bundesligen mit unserer Anreise. Im Vorfeld wurden wir umfassend über alles Wichtige informiert und so gab es dann im Hotel Maritim keine bösen Überraschungen. Zwischen Ankunft und dem Match gegen den Hamburger SK war noch etwas Zeit zum sammeln und erholen und meinem Besuch der MF- Besprechung.Im Spiel gegen unsere Reisepartnerinnen gab es auf den 6 Brettern wenig zu holen und lediglich Annika Evers konnte ein Remis gegen Jade Schmidt erobern. 0,5:5,5 ist nicht gerade ein optimaler Start und doch mussten wir damit rechnen. Zudem hatten die Hamburger noch ein großes Ziel (Bronze) und ließen so gegen uns nix anbrennen.

Für unser Abendbrot hatte ich das Angebot des Hotels genutzt und wenn schon dann schon, dass 3 Gänge Buffet für uns gebucht. Nun…. Hier würde ich mich eventuell beim nächsten Mal anders entscheiden.An dieser Stelle möchte ich auch schreiben, dass ich nicht nur ein Einzelzimmer hatte, sondern eine Wohnung. Mich hat das echt sehr positiv überrascht, da ich auch schon in anderen Hotels dieser Kette war und es da nicht so viel Platz gab.

Der Sonntag wurde dazu genutzt sich nach dem guten Frühstücks- Buffet auf den Wettkampf gegen Medizin Erfurt vorzubereiten. Am Tag zuvor mussten sie eine Niederlage gegen Lehrte einstecken und wir wollten dies für uns nutzen und es den Niedersächsinnen gleich tun. Des weiteren hofften wir etwas auf den HSK gegen Lehrte und wenn Alles so wie in unseren Träumen laufen würde, dann könnte es doch etwas werden mit dem Ligaerhalt….

Die Partien gegen die Thüringerinnen liefen dann auch wie gemalt. Es schien fast so, dass sich Caissa wieder uns zu gewand hatte und so konnten unsere 6 Mädchen 5,5:0,5 gewinnen, was zugleich auch unser erster „echter“ Doppelpunktgewinn in der FBL war. Bisher mussten wir mit dem 6:0 gegen Bad Königshofen leben und obwohl wir ja dafür nicht verantwortlich waren, hing uns das schon nach.

Euphorie nach diesem grandiosen Erfolg ist gar kein Ausdruck für das, was wir plötzlich ermöglicht hatten.Bei einem Sieg gegen Lehrte und einer gleichzeitigen Niederlage von Erfurt gegen den HSK wären wir doch tatsächlich sportlich gerettet.

Die Vorbereitung auf Lehrte wurde dann auch bis tief in die Nacht ausgedehnt und am 01.05. gingen 6 motivierte Mädchen des TuRa SCHACH an die Bretter. Bis zu diesem finalen Match konnte allerdings auch Lehrte 2x gewinnen und dabei die Bronze- Träume des Hamburger SK zerstören. Die Mädels waren also ebenfalls sehr gut drauf. Hinzu kam, dass sie schon den Ligaerhalt sicher hatten und nun frei aufspielen konnten. Die Geschichte des Wettkampfes ist schnell erzählt. Vormals angesprochene Schachgöttin nahm sich am Tag der Arbeit eine Pause und wir verloren verdient 1:5…. Sehr zur Freude der Erfurterinnen, die trotz 2:4 Niederlage weiter in der FBL verweilen dürfen! Glückwunsch.

Natürlich war unsere Stimmung für einen kurzen Moment etwas gedrückt, aber die aufmunternden Worte verschiedener Mannschaftsführer und Spielerinnen und die tröstenden Mails und SMS zeigten uns, dass ganz viele Menschen mit uns gefiebert und gelitten haben… Vielen Dank dafür! Sicher werden auch die beiden Mitabsteiger Augsburg und Bayern München wieder in die erste Liga zurück kommen, wofür wir ihnen alles Gute wünschen.

Ich möchte nun dem Team aus Schwäbisch Hall meinen Glückwunsch übermittelt. Die Frauen und Mädchen haben es sich nach dem Saisonverlauf verdient und werden sicher auch 2017/18 Platz 1 anstreben. Gleiches gilt wohl auch für die Seriensieger aus Baden Baden, denen wir ebenfalls zur zurück Eroberung des Meisterpokal gratulieren möchten. Das Finale hat aber auch gezeigt, dass die Frauen und Mädchen nicht nur vor Ort waren, damit die Herren „etwas zum schauen“ haben. Vielmehr wurde überwiegend sehr interessantes und ausgekämpftes Schach geboten, und dafür würde es sich lohnen, dass es weitere Endrunden beider Ligen in der Zukunft geben würde.

Ergebnisse: http://nsv-online.de/ligen/fbl-1617/?staffel=1002&r=
Unsere WEB: www.sh-weiblich.de
Ausrichter- WEB: http://www.schach2017.berlin/
Fotos auf: http://www.steffans-schachseiten.de/


Zeitgleich zur Endrunde fanden auch die Vereinskonferenz und das „German Bridge Masters“ statt.Letzteres hatte mit Schach wenig zutun, aber ich habe mir das dennoch mal angeschaut.Die Vereinskonferenz, welche hauptsächlich von der DSJ organisiert wurde, war dagegen sehr interessant und erfolgreich. Bei der wenigen Zeit die man als Mannschaftsleiter hat war es natürlich nicht möglich das volle Programm mit zu erleben, aber bei einem Teil war ich mit dabei („Mitglieder halten“ Referent Boris Bruhn HH) und fand es doch sehr interessant. Ich glaube es ist ganz wichtig, dass gerade auch Vereine, die nun in den Bundesligen spielen, nicht vergessen, dass sie auch mal da standen, wo so mancher kleiner Verein derzeit steht, mit all den Problemen und Sorgen im alltäglichen Vereinsleben.

 



Über den Autor

Georgios Souleidis ist Internationaler Schachmeister und hat in Bochum Publizistik und Kommunikationswissenschaft studiert. Er arbeitet als Journalist, Autor und Schachtrainer. Er schreibt u.a. als Chefredakteur für die Schachbundesliga, für Chessbase, die Zeitschrift SCHACH oder für den Sportinformationsdienst. In grauer Vorzeit bloggte er auch auf seiner Seite entwicklungsvorsprung.de.